Werksgelände der Firma Soennecken

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Nördliche Ansicht des Gebäudes der ehemaligen Soennecken-Fabrik in der Bonn-Poppelsdorfer Kirschallee (2013)

    Nördliche Ansicht des Gebäudes der ehemaligen Soennecken-Fabrik in der Bonn-Poppelsdorfer Kirschallee (2013)

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  • Das in Stein gehauene Firmenlogo der Firma Soennecken über dem Haupteingangstor des ehemaligen Bonner Werkes (2012).

    Das in Stein gehauene Firmenlogo der Firma Soennecken über dem Haupteingangstor des ehemaligen Bonner Werkes (2012).

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  • Die Südost-Fassade des ehemaligen Werks der Firma Soennecken in Bonn (2012).

    Die Südost-Fassade des ehemaligen Werks der Firma Soennecken in Bonn (2012).

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  • Außenansicht des ehemaligen Werks der Firma Soennecken in Bonn (2012).

    Außenansicht des ehemaligen Werks der Firma Soennecken in Bonn (2012).

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  • Nordost-Ansicht des ehemaligen Werkes der Firma Soennecken in Bonn (2012).

    Nordost-Ansicht des ehemaligen Werkes der Firma Soennecken in Bonn (2012).

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  • Eine Warenprobe Schreibfedern der Bonn-Poppelsdorfer Schreibwarenfirma Soennecken (1930er Jahre)

    Eine Warenprobe Schreibfedern der Bonn-Poppelsdorfer Schreibwarenfirma Soennecken (1930er Jahre)

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„Im selben Jahr, in dem sich Carl Benz den Motorwagen patentieren lässt, erfindet Friedrich Soennecken in Bonn den Aktenordner und den Locher. Insofern ist nicht nur das Auto, sondern auch das moderne Büro etwas typisch Deutsches.“
(DVD „Stromberg“ 2015)

Die Firma Soennecken war 99 Jahre lang, bis zur Schließung 1975, das wirtschaftliche Standbein Poppelsdorfs. Trotz Abrissarbeiten Anfang der 1980er Jahre bleib ein wesentlicher Teil erhalten, der heute Institute der Universität Bonn beherbergt.

Die frühe Firmengeschichte
Vorgeschichte
Errichtung des Werks in der Kirschallee
Niedergang und Schließung
Abriss und Umbau
Heutiges Erscheinungsbild
Fazit
Quellen / Internet

Die frühe Firmengeschichte
Das Stammwerk der Firma Soennecken in Poppelsdorf war für 99 Jahre ein wichtiger wirtschaftlicher Standort. Zwischen 1876 bis 1975 wurden von hier aus hochwertige Schreibwarenartikel zuerst nur versandt, jedoch kurze Zeit später selbst produziert und in alle Welt exportiert. Mit dem Konkurs der Firma 1973 und der nachfolgenden Schließung des Werkes in Poppelsdorf 1975 war die Zukunft des Fabrikkomplexes ungewiss. So verfiel das leer stehende Werksgelände bis 1980, ehe es im Rahmen eines Umbauplanes einer neuen, gemischten Nutzung aus Wohnen und universitärer Forschung, teilweise abgerissen und durch Neubauten ersetzt wurde. Erhalten blieb nur der Gebäudeteil, in dem sich über lange Zeit die Verwaltung der Firma Soennecken befand und eine angrenzende Hofumbauung, die bereits zu den Produktionsstätten gehörte. Dort befindet sich heute das Institut für Molekulare und Zelluläre Botanik der Universität Bonn (IMZB).
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Vorgeschichte
Der Unternehmer Friedrich Soennecken kam am 20.09.1848 im sauerländischen Ort Dörschede als Sohn eines Schmieds zur Welt. Bereits früh zeigten sich bei ihm kaufmännische Fähigkeiten, die zusammen mit seinem Interesse an Schreibwaren dazu führten, dass er 1875 in Remscheid den Friedrich Soennecken Verlag gründete, welcher zunächst Schreibfedern vertrieb, die aus England importiert und in Deutschland durch sein Handelsunternehmen versandt wurden.
Bereits ein Jahr später zog die Firma von Remscheid nach Bonn, wo Friedrich Soennecken an der Rheinischen Friedrich Wilhelms Universität das Studienfach „Schrift“ belegte, welches unter anderem das Wesen und die Aufgaben der Schrift lehrte. Ein weiterer Grund für den Umzug nach Bonn war die bessere Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitnehmer, die vielfach in Bonn studierten. So bezog Soennecken zuerst Geschäftsräume in der Reuterstraße 25, wo er seit dem Eintrag ins Bonner Handelsregister am 19.10.1876 den Versand fortsetzte. Bereits wenige Monate später wurden zusätzliche Geschäftsräume in den Häusern 10 und 12, ebenfalls in der Reuterstraße, bezogen, da das schnelle Wachstum des Handelsunternehmens Platzprobleme bereitete.
Ab dieser Zeit entwickelte Friedrich Soennecken eigene Schreibfedern, wie die Schulfeder III, die zwar noch in England produziert wurde, für die jedoch schon bald eine eigene Produktionsstätte vorgesehen war. Diese entstand 1877 zuerst in der Luisenstraße, wo er in einer einfachen Baracke die Schulfeder III und die, ebenfalls selbst entwickelte, „Reisekopierpresse“ produzieren ließ. Zu dieser Zeit arbeiteten bereits 41 Arbeitnehmer für ihn, darunter 10 Personen im Kontor und 30 in Produktion und Versand, sowie einen Handlungsreisenden.
Friedrich Soennecken erweiterte die Produktpalette innerhalb kurzer Zeit um selbstentwickelte Federn, Hefte, Tintenfässer, Federhalter, Zeichenbretter, Zirkel, Federkästen und ab 1885 den Briefordner, einem Vorläufer der noch heutzutage geläufigen Stehsammler. Ein Anbau an die Produktionsbaracke in der Luisenstraße konnte die Produktion der neuen Erfindungen und Produktinnovationen vorerst unterbringen.
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Errichtung des Werks in der Kirschallee
1983 erwarb Soennecken das Areal zwischen Jagdweg und der heutigen Kirschallee, die zu diesem Zeitpunkt, als Poppelsdorf noch eine eigenständige Gemeinde war, noch Rathausstraße hieß.
Auf diesem Areal ließ Soennecken in den folgenden zwei Jahren einen dreistöckigen Produktionskomplex sowie ein fünfstöckiges Bürogebäude, das noch heute an der Kirschallee 1 gelegen ist, vom Architekten Otto Penner errichten. Es verfügte schon damals über eine Lichtmaschine, die mithilfe eines Gasmotors betrieben wurde.
Dort ließ Friedrich Soennecken sämtliche Büroartikel, ausgenommen Büromöbel, welche ab 1904 im Zweigwerk Soenneckenfeld an der Bornheimer Straße hergestellt wurden, in der neuen Fabrik produzieren.
Das Werk in Poppelsdorf wurde bis 1909 vom Architekten H. Müller- Erkelenz um einen weiteren Produktionskomplex erweitert, der an der Stelle der heutigen Studentenwohnheime in der Kirschallee 3a und 3b stand. Das folgende Jahr war das erfolgreichste der Firmengeschichte und der Höhepunkt Friedrich Soenneckens Schaffens: auf der Weltausstellung in Brüssel erhielten die Produkte der Firma höchste Auszeichnungen und es wurden viele neue Verträge geschlossen, woraufhin die Firma ihre Produkte weltweit, vor allem in den englischsprachigen Raum, exportierte. Friedrich Soennecken war spätestens jetzt ein höchst angesehener Unternehmer, der sich selbst als ehrwürdiger Preuße sah. Diese tiefe Verbundenheit zu Preußen und zum Kaisertum führte mit dem Ausgang des Ersten Weltkrieges zu einer persönlichen Krise. Am 2. Juli 1919 starb Friedrich Soennecken. Die nachfolgende Zeit verlief bis 1967, trotz des Zweiten Weltkrieges und der schwierigen Nachkriegszeit, vergleichsweise ruhig, Zerstörungen blieben nahezu aus.
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Niedergang und Schließung
1967 geriet das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde zu 50 Prozent vom Konkurrenten Leitz übernommen. Kurze Zeit später, am 11.8.1967, berichtete der General-Anzeiger erstmals über Planungen seitens der Unternehmensleitung, 100 Mitarbeiter in beiden Bonner Werken zu entlassen. Bereits am 3.9.1967 wuchs diese Anzahl auf 160 geplante Entlassungen alleine in Poppelsdorf an, wie der General-Anzeiger berichtete. Da diese vor allem ältere Arbeitnehmer treffen sollten, regte sich Widerstand und das mit Erfolg: am 8.11.1967 berichtete die Bonner Rundschau vom ersten Bonner Sozialplan, der durch die IG Metall erkämpft wurde. Infolge dessen wurde eine Abfindungssumme von insgesamt 150.000 DM für alle 300 gekündigten Mitarbeiter im Bonner Stadtgebiet gezahlt.
Bis 1975 wurden stetig alle weiteren Mitarbeiter entlassen und das Werk letztendlich geschlossen.
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Abriss und Umbau
Es folgen fünf Jahre des Leerstands und des Verfalls, bevor im General-Anzeiger vom 1.8.1980 erstmals über Umnutzungspläne berichtet wurde. Demnach sollte das Soenneckenwerk teilweise abgerissen werden, um einer neuen Nutzung durch Studentenwohnheime, Wohnungen und Freiflächen zu weichen. So musste der im Jahre 1909 entstandene Erweiterungsbau der Produktion sowie der dahinterliegende Schornstein abgerissen werden, was im nachfolgenden Jahr geschah.
Erhalten blieb das fünfstöckige Verwaltungsgebäude in der Kirschallee sowie das ehemalige Haupteingangstor an der Kirschallee, welches ehemals den Verwaltungstrakt mit dem 1909 angebauten Produktionshallen verband. Heute verbindet es den ehemaligen Verwaltungstrakt mit den beiden 1985 errichteten Studentenwohnheimen in der Kirschallee 3a und 3b. Auf der Rückseite des Verwaltungsgebäudes blieb der erste Abschnitt der Produktionsstätten als dreistöckige Hinterhofumbauung erhalten. Diese Produktionsstätten waren ebenfalls durch eine Durchfahrt mit dem mittlerweile abgerissenen Anbau verbunden. Stattdessen stehen dort nun vierstöckige Wohngebäude im modernen Stil, welche über eine Tiefgarage verfügen, die sich ebenfalls auf dem Gelände des ehemaligen Anbaus befand.
Der ehemalige Verwaltungsbau sowie die noch bestehende Hofumbauung werden seit Mitte der 1980er durch das Institut für Molekulare und Zelluläre Botanik der Universität Bonn (IMZB) genutzt.
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Heutiges Erscheinungsbild
Von der Kirschallee aus gesehen erinnert wenig daran, dass es sich bei der Fassade des Verwaltungsgebäudes um ein industrielles Bauwerk der Gründerzeit handelt. Zwar sind die großen Fenster ein Indiz für die Entstehungszeit, doch die Backsteinfassade ist heutzutage hinter Putz und „ergrauter“ weißer Farbe versteckt.
Über dem Eingangstor an der Kirschallee sieht man noch heute das ehemalige Firmenlogo: Ein Adler (schon zu preußischen Zeiten Wappentier), der eine Füllerfeder in den Krallen hält.
Betrachtet man den Komplex jedoch von einer der anderen drei Außenseiten, so sieht man eine Kombination aus Backsteinelementen, deren Zwischenräume mit ockerfarbenem Putz gefüllt sind.
Der einzig verbliebene komplett erhaltene Innenhof ist nur schwer einsehbar, ist jedoch aufgrund der räumlichen Enge und der hohen Bebauung nur wenig lichtdurchflutet. Doch auch hier zeigt sich die Kombination aus Putz und Backstein.
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Fazit
Auch wenn das Werk Soennecken lange Zeit wegen seines äußeren Erscheinungsbildes als Schandfleck angesehen wurde und auch heute eher unauffällig wirkt, hat es eine Bedeutung als Industriedenkmal. Es war Sitz eines Unternehmens mit weltweit als hochwertig angesehenen Produkten und war zudem mit der Firma Wessel zusammen die wirtschaftliche Grundlage Poppelsdorfs.

(Matthias Kropsch, Geographisches Institut der Universität Bonn, 2013)
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Quellen
  • Stadtarchiv Bonn: General Anzeiger vom 28.05.1950 (Signatur 100/763), vom 11.08.1967 (Signatur 119/660) und vom 01.08.1980 (Signatur 132/106)
  • Stadtarchiv Bonn: Bonner Rundschau vom 08.11.1967 (Signatur 119/660)
  • DVD-Beilage „Stromberg – Der Film“, 2015

Internet
ikk-osc-nr.de: „Als Friedrich Soennecken mit seiner Firma nach Poppelsdorf kam“, SIGNAL-Reihe „Zwischen Melb und Weiher“, 1980 (abgerufen 14.01.2013)
de.wikipedia.org: Soennecken (abgerufen 20.02.2017)
www.soennecken.de: Soennecken eG, Geschichte (abgerufen 13.10.2017)
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Literatur

Ettinghoffer, Paul C. (1950)
75 Jahre F. Soennecken Bonn 1875-1950. Heppenheim.
Vogt, Helmut (1991)
Die Wirtschaftsregion Bonn / Rhein-Sieg im Industriezeitalter. Festschrift zum 100jährigem Bestehen der Industrie und Handelskammer Bonn 1891-1991. Bonn.

Werksgelände der Firma Soennecken

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kirschallee 1
Ort
53115 Bonn - Poppelsdorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1876
Koordinate WGS84
50° 43′ 19,56″ N, 7° 05′ 33,25″ O / 50.7221°, 7.09257°
Koordinate UTM
32U 365363.26 5620657.1
Koordinate Gauss/Krüger
2577195.71 5621301.26

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„Werksgelände der Firma Soennecken”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-57862-20121202-2 (Abgerufen: 14. November 2018)
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