Alte Schule in der Koblenzer Straße

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Kaisersesch
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Alte Schule in Kaisersesch (2012).

    Alte Schule in Kaisersesch (2012).

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  • Tafel zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger an der Alten Schule in Kaisersesch (2012).

    Tafel zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger an der Alten Schule in Kaisersesch (2012).

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  • Hinweistafel an der Kaisersescher Alten Schule in der Koblenzer Straße (2015).

    Hinweistafel an der Kaisersescher Alten Schule in der Koblenzer Straße (2015).

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  • Blick auf die Kaisersescher Alte Schule in der Koblenzer Straße von der Pankratiusstraße aus (2015).

    Blick auf die Kaisersescher Alte Schule in der Koblenzer Straße von der Pankratiusstraße aus (2015).

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Nachdem die Eifel im Zuge der Neuordnung des europäischen Staatensystems auf dem Wiener Kongress 1814/1815 preußisch wurde, wurde in einer Kabinettsorder vom 14. Mai 1825 die in Preußen seit 1763 eingeführte Allgemeine Schulpflicht angeordnet, wonach die Schule auch in den Sommermonaten besucht werden musste. Dies führte in der Folge mehrmals zu heftigen Protesten der Landbevölkerung gegen den Schulbesuch der Kinder, da diese traditionell als Arbeitskräfte in den überwiegend kleinbäuerlichen Betrieben benötigt wurden.

Planung und Bauausführung
„Die bisherigen Schulstuben (in einem Haus heutige Ecke Koblenzer- und Burgstraße, ehemals Geschäft Schweitzer / “Miewa-Jupp„; Hinweis von Herrn Matthias Schnitzler, Verf.) wurden nun bald zu eng und entsprachen den neuen Anforderungen nicht mehr, so dass neue Räume geschaffen werden mussten. In einem Gutachten wurde von Bauinspektor Nebel am 12. März 1835 als Bauplatz für eine neue Schule, eine Stelle außerhalb der Ortslage von Kaisersesch vorgeschlagen. Dieser Standortvorschlag fand vielfachen Widerstand, vor allem bei den Gemeindeoberern und beim Pastor. Der als Gegengutachter beauftragte Joh. Claudius von Lassaulx, einer der fähigsten Baumeister seiner Zeit, sprach sich in einem Schreiben vom 4. November 1835 ebenfalls für den Standort außerhalb der Ortslage aus und wurde mit der Planung beauftragt.“ (Schumacher)

Insbesondere der damalige Pfarrer Johann Friedrich Scherff sprach sich gegen die Lage „außer Kaisersesch nahe dem Kirchhof“ aus, aus seiner Sicht u.a. deswegen, weil „alle Kinder verpflichtet (seien), jeden Morgen den Gottesdienst zu besuchen und der Weg von der Kirche zur Schule sei durch die Verlegung viel länger geworden.“ (ebd.).

Die Planungen des Koblenzer Bauinspektors Johann Claudius von Lassaulx (1781-1848), einem der bedeutendsten Architekten des 19. Jahrhunderts, sahen ein massives, zweistöckiges Schulgebäude mit zwei Schulsälen für jeweils 100 bis 150 Kinder vor, die Kosten wurden auf „ohngefähr“ 4000 Reichstaler veranschlagt.
Im Jahr 1844 konnte schließlich der Lehrbetrieb in einer vierklassigen Volksschule aufgenommen werden. Das an das eigentliche Schulgebäude angrenzende Lehrerwohnhaus wurde 1901 ergänzt.
Erst nach mehr als 100 Jahren Nutzung hatte die (nunmehr „Alte“) Schule ausgedient, als sie 1956/58 von der neu erbauten „Kurfürst-Balduin-Schule, katholische Bekenntnisschule“ im neuen Schulzentrum im Haag abgelöst wurde. Die Lehrerwohnungen wurden in der Folgezeit noch weiter als solche genutzt.

Nachfolgende Nutzungen und Umbau zum Bürgerhaus
Die Alte Schule diente in der Folgezeit der Freiwilligen Feuerwehr als Unterstellplatz für Fahrzeuge und Geräte sowie der Gemeinde als Werkstatt und Lager. Ferner nutzten verschiedene Vereine die Gebäude, insbesondere die 1983 neu gegründeten Georgspfadfinder der DPSG.
Im Jahr 1983 wurde die Alte Schule unter Denkmalschutz gestellt. 1986 wurde ein Architektenbüro mit dem Entwurf von Vorschlägen zum Erhalt und zur weiteren Nutzung beauftragt. Beschlossen wurde eine Umgestaltung des Gebäudes als Bürgerhaus. Die Gesamtkosten für den Umbau und die umfassende Renovierung betrugen rund 2,1 Millionen DM. Das Bürgerhaus der Gemeinde Kaisersesch wurde am 4. November 1991 feierlich eingeweiht.

Das Objekt ist ein eingetragenes Kulturdenkmal. Der Eintrag lautet: „ehem. Schule, Zweiflügelbau, ab 1836, Architekt J. C. v. Lassaulx, Koblenz, Lehrerwohnhaus, 1901“ (Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, S. 27).

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2012/2013 / freundliche Hinweise von Herrn Matthias Schnitzler, Kaisersesch)

Internet
schumacher-werner.homepage.t-online.de: Historische Impressionen - Geschichte und Geschichten aus dem Landkreis Cochem-Zell, speziell der Stadt und der Verbandsgemeinde Kaisersesch (Werner Schumacher) (abgerufen 27.11.2012, Inhalt nicht mehr verfügbar 18.09.2017)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Johann Claudius von Lassaulx (abgerufen 28.11.2012)
de.wikipedia.org: Johann Claudius von Lassaulx (abgerufen 27.11.2012)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2011)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Cochem-Zell (Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell, 29. Dezember 2011). S. 27, Koblenz.
Weyres, Willy (1980)
Johann Claudius von Lassaulx (1781-1848) (2. unveränderte Auflage). In: Rheinische Lebensbilder 4, S. 141-157. Köln.

Alte Schule in der Koblenzer Straße

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Koblenzer Straße
Ort
56759 Kaisersesch
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1836 bis 1901
Koordinate WGS84
50° 13′ 55,95″ N, 7° 08′ 35,47″ O / 50.23221°, 7.14319°
Koordinate UTM
32U 367573.89 5566098.95
Koordinate Gauss/Krüger
2581609.18 5566863.2

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„Alte Schule in der Koblenzer Straße”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-57779-20121126-4 (Abgerufen: 18. August 2018)
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