Burg Endenich

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Eingang der Burg Endenich

    Eingang der Burg Endenich

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  • Außenansicht der Burg Endenich (2012)

    Außenansicht der Burg Endenich (2012)

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  • Blick auf das Blick auf das Gebäude der Burg Endenich vom Innenhof

    Blick auf das Blick auf das Gebäude der Burg Endenich vom Innenhof

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  • Eingang zur Bücherei der Burg Endenich

    Eingang zur Bücherei der Burg Endenich

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  • Schild am Eingangsbereich der Burg Endenich

    Schild am Eingangsbereich der Burg Endenich

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Die heute nur noch als Vorburg vorhandene Endenicher Burg liegt zentral im gleichnamigen Bonner Stadtteil Endenich. Sowohl der genaue Baubeginn, die Entwicklung im Mittelalter, als auch der Zeitraum der Zerstörung der Burg sind nicht bekannt.

Die Geschichte der Burg
Die Burganlage
Die Innenausstattung
Der „ahle Lapp”
Die heutige Nutzung
Baudenkmal
Internet

Die Geschichte der Burg
Der Ursprung der Endenicher Burg kann nicht eindeutig zurückverfolgt werden, doch wird vermutet, dass der Kauf eines Allods durch den Bonner Cassiusstift 1135/1136 die Anfänge der Burg beschreibt. Auf diesem Eigengut wurde wahrscheinlich die Burg errichtet und von Rittern ausgebaut, die das Gut als Lehen erhielten, was in einer Urkunde um 1200 dokumentiert wurde.
Der Mönch und Novizenmeister der Abtei Heisterbach, Caesarius von Heisterbach (um 1180–1240), verfasste 1219-1223 sein Werk “dialogus miraculorum„, in dem er von dem Ritter Walter und seinem Bruder Lambertus berichtet, die Mitglieder des Endenicher Rittersitzes waren und auf dem Gut lebten. Es kann allerdings nicht eindeutig belegt werden, dass es sich bei ihrem Wohnsitz bereits um eine Burg gehandelt hat.

Die Nachfahren der Ritter von Endenich waren die vam Huys am Ende des 15. Jahrhunderts. 1616 heiratete die Tochter des Burgbesitzers den kölnischen Freiherr Engelhard von und zu Weichs, wodurch die Burg ab 1619 in den Besitz der Familie von und zu Weichs gelangte. Ihr Hauptwohnsitz blieb allerdings Rösberg und deshalb überließen sie die Burgverwaltung dem Burggrafen Johannes Venator, bis sie 1690 die Burg an den Hofkammerdirektor Johann Heinrich von Lapp verkauften.
Jedoch starb dieser 1710 und sein einziger Sohn Joseph Clemens von Lapp erbte die Endenicher Burg, die er durch den Reichtum seiner Frau Maria Catharina Canto sanieren und ausbauen lies. Die Familie von Lapp genoss ein hohes Ansehen und viel Verehrung, da sie sich sehr für die Kirche eingesetzt haben und ihr viel Geld spendeten.
Als Joseph Clemens von Lapp 1765 starb und es keinen Nachfolger gab, verkauften seine Töchter die Burg 1812 an den Geheimen Legationsrat Karl Wilhelm Nose für 280 Morgen Land. Er bewohnte die Burg 18 Jahre lang, bis er sie an den Landrat Ludwig Eberhard von Hymmen verkaufte, da er nach Köln zog.
Die Endenicher Burg blieb durch Vererbung 132 Jahre im Besitz der Familie von Hymmen, bis sie 1962 für nur 400.000 Deutsche Mark an die Stadt Bonn verkauft wurde und bis heute Eigentum der Stadt ist.
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Die Burganlage
Aus der Geschichte der Burg geht hervor, dass der genaue Baubeginn der Burganlage unbekannt ist, aber wahrscheinlich im 12. Jahrhundert stattfand. Die Hauptburg der mittelalterlichen Vorgängeranlage befand sich südwestlich der Vorburg, im heutigen Park. Die Zerstörung erfolgte vermutlich 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch die Franzosen, da in diesem Krieg auch viele anderen Burgen zerstört wurden.
Das Erscheinungsbild der Hauptburg ist gänzlich unbekannt und in historischen Quellen wird nur von der damaligen Existenz der Burg als zweiteilige Burganlage mit Vor- und Hauptburg berichtet. Durch die heutige Erscheinung wird deutlich, dass es sich damals um eine Niederungsburg in Form einer Wasserburg gehandelt hat. Ein Teil des Grabensystems, das die gesamte Burg umgab, ist noch erhalten, während der restliche Teil zugeschüttet wurde. Der Graben wurde damals vom Wasser des Endenicher Bachs gespeist.
Ein weiteres Merkmal der Wasserburg findet sich im parallel zur Straße verlaufenden Flügel der Vorburg: Am korbbogigen Eingang der Burg befinden sich an beiden Seiten Rollenlager, die mit Ketten zum Aufziehen der Zugbrücke verwendet wurden. Die Zugbrücke selbst ist schon seit vielen Jahren nicht mehr vorhanden und wurde durch eine Steinbrücke ersetzt.
Der Nordwestflügel ist mit einer Sockelschräge aus dem 16. Jahrhundert der älteste Gebäudeflügel und zeigt, dass die Vorburg auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus errichtet worden ist. 1646 gehörten zu der Burg 93,5 Morgen Ackerland, 6 Morgen Weingärten, eine Mühle mit 1,75 Morgen Land und drei Häuser. Zu dieser Zeit besaß die Vorburg eine wirtschaftliche Funktion, beherbergte Bedienstete und bestand aus drei Gebäudeflügeln mit jeweils zwei Stockwerken, neun Gebäudeachsen und einfachen Fenstern.
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Die Innenausstattung
Die Innenausstattung der Burg wurde im barocken Stil gehalten und besonders auffällig sind noch heute die Kölner Decken, die eine mit Putz überzogene Konstruktion aus Dielen und Stuckornamenten darstellen und über gerundete Enden verfügen. 1725 sanierte und erweiterte Joseph Clemens von Lapp die Vorburg und lies im selben Jahr über den Haupteingang des Nordwestflügels ein Rokoko-Oberlichtgitter mit seinen Initialen und den Initialen seiner Frau Maria Catharina Canto anbringen. Im Jahr 1831 wurde über dem Oberlichtgitter ein Wappenstein des späteren Besitzers Ludwig Eberhard von Hymmen eingelassen. Das Oberlichtgitter und der Wappenstein bilden den einzigen äußeren Dekor.
Am Tag des goldenen Ehejubiläums des Ehepaares von Lapp ließen sie 1765 ein Wegekreuz an der Burg errichten, das allerdings auf einen Friedhof verlegt wurde und heute ein Baudenkmal ist. 1960 musste aufgrund von baufälliger Substanz der südöstliche Flügel abgetragen werden und seitdem präsentiert sich die Vorburg als L-förmiges Gebäude.
Nachdem der Stadt Bonn die Burg in den 1960ern überschrieben wurde, erfolgte eine drei Jahre dauernde Restaurierung der Kölner Decken, der Kamine und der Treppen. Im gleichen Zeitraum wurde auf einem Teil des Grundstücks die Karl-Simrock-Hauptschule errichtet. In den 1970ern wurde der Park mit den umliegenden Feldern verbunden und Sportanlagen gebaut. Diese bilden zusammen mit der Vorburg, deren Erscheinungsbild durch die vielen Sanierungen stark verändert wurde, die heutige Gesamtanlage.
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Der “ahle Lapp”
Während der Arzt und Mineraloge Dr. Carl Wilhelm Nose (auch Karl, 1753-1835) Besitzer der Endenicher Burg im 19. Jahrhundert war, entstand die Legende vom „ahlen Lapp“. Sie besagt, dass der ehemalige Eigentümer Joseph Clemens von Lapp als Geist in der Burg umherwandere. Dies sei nach Endenicher Bürgern eine Strafe, da er den Bauern für sehr wenig Geld ihr Land abkaufte, um die Burg erweitern zu lassen. Aufgrund dieses Mythos wurde damals die Redewendung „Pass op, datt dich de Lapp net krett!“ („Pass auf, dass dich der Lapp nicht kriegt!“) gebräuchlich. Das Blitzen und Spuken, das die Endenicher damals vernahmen, wurde durch die Diener von Carl Wilhelm Nose ausgelöst, indem sie eine bengalische Pulvermischung entzündeten. Kinder, Obstdiebe und Liebespaare wurden so aus seinem Garten vertrieben. Der Geist des „ahlen Lapp” soll letztendlich durch einen Mönch eines nahe gelegenen Klosters verbannt worden sein.
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Die heutige Nutzung
Seit die Endenicher Burg im Besitz der Stadt Bonn ist, wird sie sehr vielseitig genutzt. Der wesentliche Teil der heute als Endenicher Burg bekannten Vorburg wird als Stadtteilbibliothek mit fast 18.000 Büchern und Medien genutzt und dient als Bereicherung des kulturellen Angebots. Weiterhin organisiert der Förderverein Stadtbücherei Endenich e.V. in und um die Burg Vorträge, Ausstellungen und Flohmärkte. Die Endenicher Burg wird von dem Männergesangsverein “Sangesfreunde 1844„ sowie für Feste verschiedener örtlicher Vereine genutzt. Darüber hinaus sind eine Seniorenbegegnungsstätte, private Wohnungen und eine Löscheinheit der Freiwilligen Feuerwehr Bonn-Endenich hier untergebracht. Ein besonderer Raum innerhalb der Vorburg ist das Schmidtbonn-Zimmer zum Andenken an den Schriftsteller Wilhelm Schmidtbonn (1876-1952) mit seinen Büchern, Möbeln und Bildern.
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Baudenkmal
Das Objekt “Burg Endenich„ am Burggraben 18 ist eingetragenes Denkmal (Denkmalliste Bonn, Stand 01.08.2006, Nr. A 3941).

(Sarah Koziol, Geographisches Institut der Universität Bonn, 2013)
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Internet
www.ms-visucom.de: EBIDAT - Burgendatenbank des europäischen Burgeninstitutes, Endenicher Burg (abgerufen 24.11.2012)
www.general-anzeiger-bonn.de: General-Anzeiger Bonn, Bericht zur Legende vom “ahlen Lapp„ (abgerufen 02.01.2013, Inhalt nicht mehr verfügbar 15.08.2018)
www.leseburg.bonn.de: Förderverein Stadtbücherei Endenich e.V. (abgerufen 04.01.2013, Inhalt nicht mehr verfügbar 15.08.2018)
de.wikipedia.org: Niederungsburg (abgerufen 06.01.2013)
de.wikipedia.org: Kölner Decke (abgerufen 06.01.2013)
de.wikipedia.org: Karl Wilhelm Nose (abgerufen 15.08.2018)
de.wikipedia.org: Wilhelm Schmidtbonn (abgerufen 15.08.2018)
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Literatur

Duda, Wendelin (2010)
Die Sagen der Stadt Bonn und der Stadtteile außer Bad Godesberg und Umgebung, 118 Sagen mit 38 historischen Abbildungen. (Die Sagen vom Rhein 25.) Stegen.
Stadt Bonn, Amt 61-02, Untere Denkmalbehörde (Hrsg.) (2006)
Liste der gem. § 3 DSchG NW in die Denkmalliste eingetragenen Baudenkmäler, Bodendenkmäler, beweglichen Denkmäler und Denkmalbereiche der Stadt Bonn (Stand: 01.08.2006). Bonn.
Thon, Alexander / Ulrich, Stefan (2010)
"...wie ein Monarch mitten in seinem Hofstaate thront" - Burgen am unteren Mittelrhein. Regensburg.
Weffer, Herbert (1987)
Endenich - die Geschichte eines Bonner Vorortes. Bonn-Endenich.

Burg Endenich

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Am Burggraben 18
Ort
53121 Bonn - Endenich
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1100 bis 1135
Koordinate WGS84
50° 43′ 29,99″ N, 7° 04′ 20,02″ O / 50.725°, 7.07223°
Koordinate UTM
32U 363936.08 5621016.53
Koordinate Gauss/Krüger
2575754.78 5621602.61

Empfohlene Zitierweise

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„Burg Endenich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-55810-20121022-2 (Abgerufen: 16. November 2018)
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