Kanalmeisterei der römischen Wasserleitung in Breitenbenden

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Mechernich
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Die römische Eifelwasserleitung ist mit einer Länge von 95,4 km der größte antike Technikbau nördlich der Alpen und eines der populärsten Bodendenkmäler des Rheinlandes. Aus fünf Quellgebieten in der „Sötenicher Kalkmulde“ wurden täglich 20 Millionen Liter besten Trinkwassers in die römische Provinzhauptstadt Köln geleitet. Konzipiert war sie als reine Gefälleleitung, die sich eng an das Relief anpasste. Bei der Trassenabsteckung wurden kleinere Täler und Bergsporne umrundet. Dabei musste mit dem zur Verfügung stehenden Höhenunterschied, der Energiehöhe, sehr sparsam umgegangen werden. Das war notwendig, damit die Leitung auf ihrem Weg nach Köln nicht zu schnell an Höhe verlor und große „Hindernisse“, wie der Höhenzug der Ville zwischen Alfter und Brühl, problemlos überwunden werden konnten.

Krebsbachtal
Das tief eingeschnittene Krebsbachtal bei Breitenbenden stellte ein Geländehindernis dar. Anders als im nahe gelegenen Vussem überquerte der Kanal dieses Seitental des Veybachs nicht auf einer großen Aquäduktbrücke. Da man in diesem Leitungsabschnitt offenbar recht großzügig mit dem Gefälle umgehen konnte, baute man eine weit ausladende Schleife, in der Ingenieurssprache „Talumfahrung“ genannt, die sich eng an das Geländerelief anschmiegte. Die Brücke zur Überquerung des Baches fiel so kleiner aus. Von ihr und einem großen Teil der Talumfahrung ist heute leider nichts mehr erhalten.

Archäologische Untersuchungen
Für den Bau des Autobahnzubringers L 165 zur A 1 musste 1978 bis 1980 ein längerer Abschnitt des Römerkanals weichen. Zwölf kurze Teilstücke der Leitung wurden damals geborgen und an verschiedenen Orten des Rheinlandes aufgestellt. Der am Ort verbliebene Teil des Römerkanals gibt aber noch an verschiedenen Stellen gute Einblicke in seine Bauweise. Der untere Abschnitt besteht aus Stampfbeton (Opus caementicium). Die beiden Seitenwangen sind nach der Methode der „verlorenen“ Schalung hergestellt worden; man hat bei der Herstellung der Wandung keine Holzverschalung verwendet, sondern die Innenseiten der Wangen aus Handquadersteinen aufgesetzt und den Raum bis zur Baugrubenwand unter reichlicher Verwendung von Mörtel aufgemauert. Für den Bau des Gewölbes wurde anschließend ein hölzernes Lehrgerüst verwendet, dessen Bretter Abdruckspuren auf der Innenseite des Gewölbes hinterlassen haben. Im wasserdurchströmten Teil der Rinne hat sich während der Nutzungszeit Kalksinter abgelagert. Außer den genannten Bauwerksteilen ist am östlich gelegenen Aufschluss des erhaltenen Wasserleitungsabschnitts noch auf eine bergseitig angelegte Dränage hinzuweisen.

Als Besonderheit des Leitungsabschnitts bei Breitenbenden sind mehrere Einstiegsschächte in den Kanal sowie drei nahe der Leitung gelegene Gebäudegrundrisse aus seiner Betriebszeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert zu nennen. Möglicherweise handelt es sich bei dem Gesamtensemble um die Reste einer Art Kanalmeisterei, in der eine kleine Mannschaft zur Inspektion der Leitung untergebracht war. Zwei der insgesamt vier Einstiegsschächte sind rekonstruiert bzw. in den oberen Mauerschichten erneuert worden. Das größte der drei Gebäude im Norden des Leitungsabschnitts bestand aus mehreren Räumen, Stallungen und einem Innenhof. Sein nordöstlicher Teil musste der L 165 weichen. 20 Meter südwestlich davon lag ein kleiner Bau, eventuell ein Speicher, mit quadratischem Grundriss aus trocken gemauerten Grauwackeplatten. 60 Meter südlich davon liegen die Reste eines rechteckigen Kellers, in den heute noch eine kleine Treppe hinabführt. Er besteht aus sauber vermörtelten Grauwackequadern und Sandsteinquadern mit in Resten erhaltenem Fugenstrich. Aufgrund ähnlicher kleiner Gebäudereste an anderen Abschnitten der Eifelwasserleitung wurde die Vermutung geäußert, es handele sich bei diesem Bau um die Reste eines kleinen Tempels, in dem göttlicher Schutz für die Wasserleitung erfleht wurde. Der Bau selbst lässt eine solche Interpretation jedoch nicht zu.

Die Kanalmeisterei und Abschnitte der Wasserleitung sind eingetragene Bodendenkmäler (Stadt Mechernich, lfd.-Nr. 2, 34; LVR-ABR EU 124, EU 135)

Die Kanalmeisterei in Breitenbenden war Station der Archäologietour Nordeifel 2012 (nähere Informationen hierzu im Führungsblatt in der Medienleiste) und ist Bodendenkmal der ArchaeoRegion Nordeifel (Nr. 16).

(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2013)

Internet
de.wikipedia.org: Römerkanal-Wanderweg (Abgerfufen: 13.4.2013)

Literatur

Grewe, Klaus (1986)
Atlas der römischen Wasserleitungen nach Köln. (Rheinische Ausgrabungen 26.) S. 81-87, Köln / Bonn.
Horn, Heinz Günter (1987)
Die Römer in Nordrhein-Westfalen. S. 541-545, Stuttgart.

Kanalmeisterei der römischen Wasserleitung in Breitenbenden

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archäologische Grabung
Historischer Zeitraum
Beginn 80 bis 90, Ende 300 bis 350
Koordinate WGS84
50° 34′ 51,9″ N, 6° 40′ 52,47″ O / 50.58108°, 6.68124°
Koordinate UTM
32U 335841.61 5605808.26
Koordinate Gauss/Krüger
2548294.72 5605266.54

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„Kanalmeisterei der römischen Wasserleitung in Breitenbenden”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-53171-20120821-3 (Abgerufen: 23. Mai 2018)
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