Zehnthof
Der Sinziger Zehnthof am östlichen Hang unterhalb der Pfarrkirche St. Peter ist im Kern ein zweigeschossiger Wohnbau, um 1700 und 1740 im Stil des Barock auf alter Substanz ausgebaut. Er besteht aus zwei Teilen. Der ältere, eher einfach gehaltene zweigeschossige Bau weist einen großen, aus Basalt bestehenden Torbogen mit Durchgang zum Innenhof auf. Nach unten schließt sich der jüngere Teil von 1740 an. Dieser hat vier Achsen auf der Südseite an der Zehnthofstraße, an der Parkseite im Osten sind es fünf Achsen. Das hohe Mansarddach ist in zwei Geschossen ausgebaut, zwei Dachgauben zur Zehnthofstraße und vier zum Park schmücken den unteren Bereich des mit Schiefer gedeckten Dachs, insgesamt sieben kleine Gauben verzieren den oberen. Die Jahreszahl 1697, die auf die Erbauungszeit des älteren Teils hinweist, findet sich in einer Platte im Boden.
Oberhalb des Barockbaus in der Zehnthofstraße steht ein früheres Wirtschaftsgebäude, heute als Wohnhaus genutzt. Dominierend ist hier das Zwerchhaus mit hohem Fenster im Dachgeschoss. Zusammen mit den Wirtschaftsgebäuden zur Pfarrkirche und der Villa auf der gegenüber liegenden Seite ergibt sich eine umschlossene, trapezförmige Hofanlage. Auf der Innenseite im Hof sind die Wirtschaftsgebäude historistisch ausgestaltet.
Der ehemalige Sinziger Zehnthof steht an historischem Platz. Urkundlich erwähnt wurde er erstmals 1340, die Grundmauern könnten noch von 1220 stammen, als die Kirche St. Peter gebaut wurde. Unter der Straße am Zehnthof vor Kirche und dem Zehnthof liegen die Reste einer römischen Villa, auf die heute mit Infotafeln und Grundrissandeutungen im Straßenbelag hingewiesen wird.
Die Straßenansicht des Zehnthofs ist bereits auf einer Karte des Ahrtals von 1571 abgebildet und hat dort die heutige Aussenform von Vorderbau und Torhaus. Der Stein des Eckhauses mit der Jahreszahl 1697 findet sich knapp 1 Meter über dem Niveau der Hochparterre in der Wand zum Torhaus. Dieses ist nach einem Brand Ende des 17. Jahrhunderts über dem deutlich älterem Gewölbe wieder auf- oder umgebaut worden. Der Saal ist die frühere Zehntscheune, die nach 1860 lediglich umgebaut wurde. Zum Kirchhof ist eine ältere Mauer vorgelagert; Erdgeschoss und Kellergewölbe sind dort ebenfalls wesentlich älter, lediglich das Obergeschoss ist rheinromantisch umgebaut.
In verschiedenen Grundmauern sind behauene Steine mit Steinmetzzeichen eingebaut aufgefunden werden, die römischen oder mittelalterlichen Ursprungs sein könnten. Ein Abtransport von Steinen zur Verwendung in der Remagener Kirche ist für 1660 in Pfarrbüchern vermerkt.
In den späten 1970er Jahren zeigte sich die in städtischem Besitz befindliche Gebäude in einem baufälligem Zustand. Mit Abrissarbeiten war bereits bereits begonnen, als sich nach Protesten durch den zu diesem Zweck gegründeten Sinziger Denkmalverein und nach Gewinnung eines Käufers das Blatt wendete. Dieter Schewe (1924 - 2014) übernahm das Areal zu einem symbolischen Preis und versetzte die Anlage unter großem Aufwand in den heutigen Zustand. Er ist als „Retter des Zehnthofs“ in die Geschichte der Stadt eingegangen.
Villa und Park
Die neugotischen Villa ist ein Neubau von 1870 (vermutlich unter Integration eines kleineren Bestandsgebäudes) an der Nordseite des Areals (zur Barbarossastraße hin). Sie besteht aus zwei Teilen, einem eingeschossigen zum Garten hin und einem dreigeschossigen Abschnitt. Der erstgenannte Teil ist an der Ecke mit einem Türmchen betont, große Fenster in gotischem Maßwerk bilden die Fassade auf der Nordseite. Der zweite Teil ist in fünf Achsen aufgeteilt. Drei davon gehören zu einem leicht vorspringenden Anbau mit Terrasse und Balkon, zwei liegen etwas zurückgesetzt, ehe sich ein turmartiger Abschluss anschließt. Zahlreiche gotische Verzierungen (Fenstereinfassungen, steinerne Geländer) an den Dachgauben und auf dem Dachfirst prägen das Gebäude. Zum Innenhof dominiert das repräsentativ große Treppenhaus. Dessen Ausgestaltung, die Kassettendecke im Rittersaal und zeitgenössische Wandverzierungen setzen das Stilempfinden der Zeit fort, ebenso eine Glasveranda. Architekt ist der Kölner Dombaumeister Vincenz Statz, von dem auch das Sinziger Schloss stammt.
Die Fläche zwischen der neugotischen Villa und dem barocken Zehnthof bis zur Geländekante im Nordosten füllen eine Orangerie und ein Garten. Der Park unterhalb des Zehnhofs wurde nach Plänen des bekannten preußischen Gartenbaumeisters Peter Joseph Lenné (1798 - 1866) gestaltet.
Kulturdenkmal
Das Objekt „Zehnthof, Zehnthofstraße 2“ in Sinzig ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalverzeichnis für den Kreis Ahrweiler 2022, S. 66).
(Matthias Röcke, Verein zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig e.V., 2024/2026)
Quelle
Freundliche Hinweise von Herrn Joachim Schewe, Sinzig