Zitadelle Mainz

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Mainz
Kreis(e): Mainz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Ausschnitt eines Stadtplans von Mainz aus der "Historisch-geographischen Enzyklopädie der Welt" (1880-1898)

    Ausschnitt eines Stadtplans von Mainz aus der "Historisch-geographischen Enzyklopädie der Welt" (1880-1898)

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  • Der Drususstein auf dem Gelände der Mainzer Zitadelle (2015)

    Der Drususstein auf dem Gelände der Mainzer Zitadelle (2015)

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  • Teil der Mainzer Zitadelle und in Hintergrund der Drususstein (2015)

    Teil der Mainzer Zitadelle und in Hintergrund der Drususstein (2015)

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Bereits im Jahre 1329 wurde die vorteilhafte Lage des Jakobsberges erkannt und führte so zu der Anlage eines Erdwalls sowie eines Grabens. Diese umgaben das Benediktinerkloster, das bereits 1050 gegründet wurde. Allerdings bot diese leichte Umwallung keinen sicheren Schutz vor Angreifern.

Eine sicherere Befestigung entstand während des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1620 und 1629. Die Errichtung der sogenannten „Schweickhardtsburg“ wurde von dem Kurfürsten Johann Schweickhardt von Kronberg veranlasst und unter der Leitung des Domkapitulars Adolph von Waldenburg durchgeführt. Somit konnte der Hügel mit der damaligen Stadtbefestigung verbunden werden und einen besseren Schutz für die Stadt gewährleisten. Zu dieser Zeit bestand die Wehranlage aus fünf Ecken und war unregelmäßig angeordnet.

Die Errichtung der Zitadelle und deren Nutzung
Die Befestigung war Vorläufer der Zitadelle, die ab 1655 entstand. Der Kurfürst Johann Philipp von Schönborn regierte zu dieser Zeit in Mainz. Er ordnete die Umwallung der Stadt mit Bastionen an. Durch den Festungsbau entstand aus der unregelmäßigen, fünfeckigen Schweickhardtsburg die viereckige Zitadelle mit regelmäßigem Grundriss als barockes Festungssystem. In dieser Form ist sie bis heute erhalten.

Das Jakobskloster sowie das römische Denkmal Drususstein (beim heutigen Bau D), welche sich innerhalb der Zitadelle befanden, konnten an ihrem Standort stehenbleiben. Allerdings wurde das Jakobskloster bei der Belagerung der Franzosen 1793 durch Beschuss zum großen Teil zerstört. Die Bastionen Alarm und Germanicus wurden 1659 fertiggestellt, bis 1661 wurden ebenfalls die Bastionen sowie Kurtinen von Tacitus und Drusus vollendet. Das Haupttor zur Stadtseite hin wurde 1660 fertiggestellt. Über diesem fand 1696 die Errichtung eines dreiflügeligen Kommandantenbaus (heute Bau A) statt, in den das bestehende Tor eingearbeitet wurde. Dieser Bau erfolgte unter Kurfürst Lothar Franz von Schönborn.

Mainz wurde nach den Befreiungskriegen im Jahr 1816 Festung des Deutschen Bundes. Somit wurde die Zitadelle von den Preußen und Österreichern bezogen und als Kaserne genutzt. 1861 wurde die bombensichere „Citadellkaserne“ (heute Bau C) von den Österreichern errichtet. Im kleineren Bau daneben (heute Bau D) wurden Kasino sowie Küche untergebracht.

1914 erfolgte die Errichtung einer „Doppelkompaniekaserne“ (heute Bau E), was das letzte Abräumen der Reste des Jakobsklosters mit sich brachte. Die Zitadelle wurde zu Zeiten des Ersten Weltkrieges hauptsächlich als Kriegsgefangenenlager genutzt. Die militärische Historie der Zitadelle in Mainz endete mit dem Versailler Vertrag. Damit verbunden war die Niederlegung der Festungswerke innerhalb sowie außerhalb von Mainz. Die Zitadelle war jedoch im Zweiten Weltkrieg erneut Kriegsgefangenenlager, das etwa 1940 angelegt wurde. Hauptsächlich wurden hier französische und ebenso britische Kriegsgefangene untergebracht. Bis 1955 wurde die Zitadelle von der französischen Besatzungsmacht, die innerhalb der Anlage einige Gebäude errichtete, in Beschlag genommen. In der Mainzer Zitadelle sind heute einige städtische Ämter untergebracht.

Bauweise und äußere Beschreibung
Die regelmäßige Rechteckanlage besitzt vier Eckbastionen mit jeweils zwei Frontmauern (Facen) sowie zwei Flanken. Die vier Eckbastionen sind nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Der vorgelagerte Graben weist eine Breite von etwa 30 bis 50 m auf. Die Anlage mit Graben und Contrescarpe (Gegenmauer) füllt eine Fläche von rund 340 auf 320 m aus. Die Höhenunterschiede der Anlage betragen zwischen 20 und 40 m.

Die Futtermauern der Bastionen und Kurtinen sind geböscht und weisen Kalkstein- sowie Sandsteinmauerwerk auf. An den Spitzen der Bastionen lassen sich rote Sandsteinquader erkennen, ebenso werden sie von Wacherkern betont.

Die Zitadelle als Baudenkmal
Die Zitadelle steht als Kennzeichen der ehemaligen Festung Mainz. Sie stellt ein Zeugnis der Kunst des Festungsbaus dar und veranschaulicht die Verteidigungsorganisation des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Bedeutsamkeit der Zitadelle wurde im Jahr 1907 erkannt, woraufhin sie als Baudenkmal ausgewiesen wurde.

2004 gründete sich die Initiative Zitadelle Mainz (IZM), die für die Erhaltung sowie kulturelle Nutzung der Zitadelle eintritt. Das Aufhalten eines drohenden weiteren Verfalls, eine ökologische und naturverträgliche Sanierung sowie Pflege stellen die grundsätzlichen Ziele der Initiative Zitadelle Mainz dar.

Geschützte Landschaftsbestandteile
Zu Zeiten der militärischen Nutzung der Zitadelle waren die Gräben ringsherum frei von Bäumen und höheren Gebüschen, um den Gegner in die Knie zu zwingen und ihm keine Deckungsmöglichkeiten anzubieten. Der heutige Pflanzenbewuchs konnte sich erst entwickeln, als die Zitadelle ihre Funktion als Festungsanlage verlor. Nach und nach entwickelte sich dieser Grünbestand (Grabengelände und Wallböschungen) weiter und wurde zu einem bedeutenden Lebensraum für Pflanzen und Tiere. 447 Tier- und Pflanzenarten befinden sich mittlerweile auf diesem Gelände, von denen einige auf der Liste bedrohter Arten stehen. Auf Grund dessen erfolgte 1986 die Erklärung einiger Bereiche zu einem geschützten Landschaftsbestandteil. Zu diesen zählen südöstlicher sowie südwestlicher Graben.

Lage
Die Zitadelle befindet sich im Zitadellenweg und erhebt sich über den Dächern der Altstadt, ganz in der Nähe des Römischen Bühnentheaters sowie der Lutherkirche.

(Nina Pfeiffer, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Quelle:
Informationstafel vor Ort

Internet:
www.zitadelle-mainz.de: Initiative Zitadelle Mainz e.V. (Abgerufen: 20.03.2015)
www.zitadelle-mainz.de: Zur Geschichte der Zitadelle Mainz (Abgerufen: 20.03.2015)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2014)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreisfreie Stadt Mainz (Denkmalverzeichnis Mainz, 31. März 2014). S. 5, o. O. Online verfügbar: http://www.denkmallisten.gdke-rlp.de/Mainz.pdf, abgerufen am 21.02.2015
Lixenfeld, Elmar / Pfotenhauer, Angela / Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Hrsg.) (2012)
Mainz. S. 76 f., Bonn.
Wegner, Ewald (1990)
Stadt Mainz, Altstadt. (Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 2.2.) S. 68 - 74, Düsseldorf.

Zitadelle Mainz

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Windmühlenstraße
Ort
55131 Mainz - Altstadt / Oberstadt
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1655 bis 1661
Koordinate WGS84
49° 59′ 35,35″ N, 8° 16′ 27,56″ O / 49.99315°, 8.27432°
Koordinate UTM
32U 447985.7 5538121.72
Koordinate Gauss/Krüger
3448039.96 5539897.71

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„Zitadelle Mainz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-118792-20150321-2 (Abgerufen: 24. Februar 2018)
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