Denkmalfriedhof am „Judensand“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Mainz
Kreis(e): Mainz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof am "Judensand" in Mainz (2015)

    Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof am "Judensand" in Mainz (2015)

    Copyright-Hinweis:
    Pfeiffer, Nina
    Fotograf/Urheber:
    Nina Pfeiffer
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof am "Judensand" in Mainz (2015)

    Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof am "Judensand" in Mainz (2015)

    Copyright-Hinweis:
    Pfeiffer, Nina
    Fotograf/Urheber:
    Nina Pfeiffer
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof am "Judensand" in Mainz (2015)

    Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof am "Judensand" in Mainz (2015)

    Copyright-Hinweis:
    Pfeiffer, Nina
    Fotograf/Urheber:
    Nina Pfeiffer
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof am "Judensand" in Mainz (2015)

    Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof am "Judensand" in Mainz (2015)

    Copyright-Hinweis:
    Pfeiffer, Nina
    Fotograf/Urheber:
    Nina Pfeiffer
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof am "Judensand" in Mainz (2015)

    Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof am "Judensand" in Mainz (2015)

    Copyright-Hinweis:
    Pfeiffer, Nina
    Fotograf/Urheber:
    Nina Pfeiffer
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Der so genannte „Denkmalfriedhof“ befindet sich von der Mombacher Straße aus im oberen Teil und somit westlich des Alten Jüdischen Friedhofs „Judensand“ im Mainzer Ortsbezirk Hartenberg-Münchfeld.

Geschichtlicher Hintergrund
Einige Grabsteine des Alten Jüdischen Friedhofs in Mainz aus der Zeit zwischen 11. und 15. Jahrhundert haben sich erhalten, allerdings wurden sie während der vielen Pogrome und Vertreibungen verschleppt und zum größten Teil erst im 19. Jahrhundert wieder aufgefunden.
Die mittelalterlichen jüdischen Grabsteine stammen aus der Zeit zwischen 1049 und 1421 und wurden zwischen 1825 und 1922 (teilweise auch bis 1958) aus verschiedenen Gründen und bei diversen Arbeiten in Mainz entdeckt. Die Befestigungsanlagen in der Nähe des Judensandes wurden beseitigt, ferner fanden Abbrucharbeiten in der Altstadt statt, des Weiteren sind mittelalterliche Grabsteine ebenfalls bei Erdarbeiten auf dem Friedhof wieder aufgefunden worden.

Die Entstehung des „Denkmalfriedhofs“
Die jüdische Gemeinde in Mainz erwarb 1864 ein Erweiterungsgrundstück auf dem oberen Teil des Alten Jüdischen Friedhofs „Judensand“, welcher jedoch im Jahre 1880 geschlossen wurde. Das Erweiterungsgrundstück wurde nicht mehr belegt. Der Mainzer Rabbiner Dr. Sali Levi setzte sich dafür ein, dass dieses Erweiterungsgrundstück 1926 als „Denkmalfriedhof“ angelegt wurde. Er betreute die Arbeiten, bei denen die rund 196 aus dem Mittelalter stammenden, wieder aufgefundenen Grabsteine neu aufgestellt wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die bis dahin gefundenen Grabsteine im Altertumsmuseum gesammelt. Durch das Anlegen des „Denkmalfriedhofs“ konnten die mittelalterlichen Grabsteine wieder auf traditionsreichem Boden aufgestellt werden.

Ausrichtung der Grabsteine
Da es sich bei dem „Denkmalfriedhof“ nicht um den Originalstandort der mittelalterlichen jüdischen Grabsteine handelt, wurde dies durch das Aufstellen in verschiedene Richtungen sowie das Verstreuen der Steine auf dem Gelände verdeutlicht.

Datierung der Grabsteine
Der „Denkmalfriedhof“ enthält rund 196 Grabsteine, von denen sechs datierte Steine aus dem 11. Jahrhundert stammen. Acht datierte Steine gehen auf das 12. Jahrhundert zurück, der überwiegende Teil stammt jedoch aus der Zeit zwischen 13. und 15. Jahrhundert. Der älteste Grabstein, der 1922 am Gautor – eingemauert in der Brücke – wieder aufgefunden wurde, ist auf das Jahr 1049 datiert. Er ist somit der älteste datierbare jüdische Grabstein Mitteleuropas und seit 1997 im Landesmuseum Mainz ausgestellt. Der jüngste Stein stammt aus dem Jahr 1420.

Die Inschrift des ältesten jüdischen Grabsteins Mitteleuropas
108 Inschriften aus den Jahren 1049 bis 1322 sind in der epigraphischen Datenbank epidat des Essener Steinheim-Instituts dokumentiert.
Der aus dem Jahr 1049 (nach jüdischer Zählung das Jahr 809) stammende Grabstein trägt eine hebräische Inschrift, die wie folgt übersetzt wird:

„Am 27. Nisan im (Jahre) 400-400-9 der Zeitrechnung / verschied zu seiner Ewigkeit H(err) Jehuda, S(ohn) des H(errn) Senior. / Friede möge über seiner Lagerstätte ruhen und im Bünd(el) / des Lebens (weile) seine Seele in Ruhe.“ (Schumacher / Wegner 1986, S. 34)

„Am 27. Nissan im (Jahr) 809 der Zählung / verschied in seine Welt Herr Jehuda, Sohn des Schne[or], / ›(in) Frieden möge er ruhen auf seiner Lagerstatt‹ und im Bündel / des Lebens (sei) seine Seele in Ruhe“ (steinheim-institut.de)

(Nina Pfeiffer, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Quelle
Informationstafel vor Ort

Internet
www.alemannia-judaica.de: Der mittelalterliche / alte Friedhof oberhalb der Mombacher Straße (abgerufen 18.03.2015)
www.steinheim-institut.de: epidat – Mainz, Mittelalterliche Grabsteine (abgerufen 28.05.2015)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2014)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreisfreie Stadt Mainz (Denkmalverzeichnis Mainz, 31. März 2014). S. 25, o. O. Online verfügbar: http://www.denkmallisten.gdke-rlp.de/Mainz.pdf, abgerufen am 21.02.2015
Schumacher, Angela / Wegner, Ewald (Bearb.) (1986)
Stadt Mainz, Stadterweiterungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. (Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 2.1.) S. 34 - 36, Düsseldorf.

Denkmalfriedhof am „Judensand“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Paul-Denis-Straße
Ort
55122 Mainz - Hartenberg-Münchfeld
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1926
Koordinate WGS84
50° 00′ 18,33″ N, 8° 14′ 58,22″ O / 50.00509°, 8.24951°
Koordinate UTM
32U 446220.2 5539466.63
Koordinate Gauss/Krüger
3446273.75 5541243.16

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Denkmalfriedhof am „Judensand“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-118786-20150320-9 (Abgerufen: 20. Mai 2018)
Seitenanfang