Kleingartenanlagen im äußeren Grüngürtel

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Hürth, Köln
Kreis(e): Köln, Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Schrebergärten – DIE Kulturlandschaftselemente schlechthin prägen viele deutsche Groß- und Kleinstädte. Auch Köln kann zahlreiche Gartenvereine aufweisen, die zum Teil schon vor 100 Jahren entstanden sind.

Geschichte
Kleingartenanlagen gibt es schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Bezeichnung Schrebergarten geht auf den Leipziger Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber zurück. Anders als häufig angenommen, ist er allerdings nicht der Erfinder, sondern der Namensgeber dieser Gärtnerbewegung. Den ersten „Schrebergarten“ gründete 1864 Ernst Innozenz Hauschild, Lehrer und Freund von Schreber. Mit Eltern und Schülern wurden in dem Verein kleine Gärten eingerichtet, die zu Aktivität an der frischen Luft animieren und die Kinder beschäftigen sollten. In Gedenken an den kürzlich verstorbenen Kollegen, nannte Hauschild seinen Verein Schreberverein. Schnell entwickelten sich die „Kinderbeete“ zu Refugien für die Eltern. Sie wurden ausgebaut, die Gebiete umzäunt und hatten bald den Charakter kleiner Hausgärten.
Ein Umstand der die Entwicklung von Kleingartenanlagen förderte, war die Industrielle Revolution, auch wenn eine starke Zunahme der Gärten erst ab 1914 zu beobachten ist. Das Leben in den Städten änderte sich rasant und das Bedürfnis nach einem Stückchen Natur, nach der Möglichkeit sich selbst zu versorgen, nach Arbeit, Erholung und Spiel im Freien, stieg bei vielen Städtern. Besonders in Krisen-, Kriegs- und Nachkriegszeiten spielte der Kleingarten zum Anbau von Lebensmitteln eine bedeutende Rolle.

Kleingartenvereine im äußeren Grüngürtel
Eine starke zahlenmäßige Ausbreitung von Kleingartenanlangen in Köln beginnt im Jahr 1914, die ersten Anlagen entstanden aber bereits vor ungefähr 200 Jahren. Sie lagen vor den Toren der Stadt, als Resultat der voranschreitenden Verdichtung des Stadtgebiets, die kaum noch Platz für private Hausgärten ließ. Im Vergleich zu anderen europäischen Städten setzt diese Entwicklung hin zu mehr Nachfrage an Kleingärten relativ spät ein. Grund dafür ist die vergleichsweise gute Wohnsituation in Köln, die nicht so viel Bedarf an grüner Ausgleichsfläche aufkommen lässt.

Besonders während und nach den Kriegen war die Nachfrage nach Kleingärten hoch. Bei der Planung des äußeren Grüngürtels wurden Kleingärten von Beginn an integriert. Stadtgartendirektor Fritz Schumacher plante 12000 Dauerkleingärten einzurichten, die eine Durchschnittsgröße von 300m² aufweisen sollten. Die erster dieser Anlagen liegt an der Gleueler Straße. Aufgrund ihrer attraktiven Lage im Grüngürtel, umgeben von großen Grünflächen, galt sie lange Zeit als schönste Kleingartenanlage Kölns. Mittlerweile gibt es über zehn größere und kleinere Anlagen im äußeren Grüngürtel.

So unter anderem der Kleingärtnerverein Köln-Vingst e.V., der Kleingartenverein Köln-Gremberg 1918 e.V. oder linksrheinisch der Kleingärtnerverein-Köln-Braunsfeld e. V.. Letzterer besteht seit 1921 offiziell als Verein, zu dem sich bis dahin allein handelnde Schrebergärtner zusammengetan hatten. Nach dem Krieg wurden in vielen Parzellen Behelfsunterkünfte für Familien, deren Wohnungen oder Häuser zerstört worden waren, eingerichtet. Damit war der Braunsfelder Verein nicht alleine. Auch im Kleingartenverein Köln-Vingst fanden in Kriegs- und Nachkriegszeiten viele Menschen eine vorübergehende Bleibe. Aufgrund des Mangels an Wohnraum wurden fast alle Schrebergärten in Köln auf begrenzte Zeit in Notunterkünfte umgewandelt. Erst nach und nach fanden sie zu ihrer ursprünglichen Bestimmung und Nutzung zurück.

Der Kleingarten – Abbild der Gesellschaft
Entstanden viele der ersten Kleingärten aus der Not heraus, weil Nahrungsmittel knapp waren und die Städte voll und verschmutzt, entwickelten sie sich weiter, so wie sich die Gesellschaft weiter entwickelte. In den 80er Jahren erlebten Kleingärten eine Phase als Party- und Erholungsgärten, heute werden sie bei jungen Familien immer beliebter.

Obwohl die Satzungen der Vereine in der Regel ziemlich genaue Vorgaben für die Gestaltung und Nutzung der Parzellen beinhalten, sind die Gartenanlagen für Familien attraktiv. So sollen die Stadtkinder den Lauf der Natur aus nächster Nähe mitverfolgen können und einen Ort haben, an dem sie an der frischen Luft und im Grünen sicher spielen können. Zu wissen, wo das Essen herkommt und dass es biologisch angebaut wurde, ist vielen Menschen auch wieder wichtig.

(Hannah Brüggemann, NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln, 2014)

Internet
www.garten-literatur.de: Dr. med. Daniel Gottlob Moritz Schreber (15.10.1808-1861) (abgerufen 09.10.2014)
www.uni-leipzig.de: Willkommen im Schrebergarten (abgerufen 09.10.2014)
www.kgv-vingst.de: Die Geschichte unseres Vereins (abgerufen 09.10.2014)
www.kgv-braunsfeld.de: Chronik Kleingärtnerverein Köln-Braunsfeld e.V. (abgerufen 09.10.2014)
www.kleingaertnerverbandkoeln.de: unsere Vereine (abgerufen 09.10.2014)
www.stadtentwicklung.berlin.de: Geschichte des Berliner Stadtgrüns – Kleingärten (abgerufen 09.10.2014)
www.derwesten.de: Schrebergärten gibt’s im Ruhrgebiet nur über Wartelisten (abgerufen 09.10.2014)
de.wikipedia.org: Kleingarten (abgerufen 09.10.2014)
www.zeit.de: Von wegen spießig (abgerufen 09.10.2014)

Literatur

Adams, Werner / Bauer, Joachim / Römer, Ingrid (2001)
Kleingärten – Gärten für die Arbeiter. In: Vom Botanischen Garten zum Großstadtgrün - 200 Jahre Kölner Grün, S. 160-171. Köln.
Gelhar, Martina (2000)
Kleingartenanlagen in Köln – Merkmale und Ursachen unterschiedlicher Physiognomien und Raumstrukturmuster. (Rheinische Heimatpflege 4.) o. O.

Kleingartenanlagen im äußeren Grüngürtel

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Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1914
Koordinate WGS84
50° 53′ 7,88″ N, 6° 55′ 29,75″ O / 50.88552°, 6.92493°
Koordinate UTM
32U 354041.74 5639145.7
Koordinate Gauss/Krüger
2565130.65 5639319.02

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„Kleingartenanlagen im äußeren Grüngürtel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-108506-20141125-13 (Abgerufen: 23. Mai 2018)
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