So ist uns eine „Verordnung gegen Badende“ des Trierer Bischofs von 1691 überliefert, in der das Baden, insbesondere das gemeinsame beiderlei Geschlechts, wegen Verstoß gegen die Schamhaftigkeit sowie der augenscheinlichen Gefahren für Leib und Seele verteufelt wird. Ob der Pastor das Verbot in Briedel durchsetzen konnte, ist nicht überliefert.
Anfang des 19. Jahrhunderts gründete der preußische Kriegsminister Ernst von Pfuel Schwimmschulen, „damit die Soldaten Schwimmen lernen sollen“. Mit der Zeit setzte sich dann auch die Idee durch, dass Bewegung und körperliche Ertüchtigung dem Menschen guttun und dass Schwimmen Spaß macht. So wurden die ersten Flussbadeanstalten angelegt, die in der Fremdenverkehrswerbung zunehmend eine große Rolle spielten. In einer Polizei-Verordnung von 1835, ergänzt am 11.3.1850 werden genaue Vorschriften über das Baden in Flüssen an entsprechend klar bezeichneten Badeplätzen festgelegt. Bekleidungsvorschriften (Nacktbaden war z.B. verboten) und Verhaltensweisen für die verschiedenen Geschlechter waren unter Strafandrohung geregelt.
Der junge Turn- und Sportverein Briedel suchte nach weiteren Angeboten für seine Mitglieder und die Einwohner erkannten eine Chance, dem aufkeimenden Tourismus ein weiteres Highlight anbieten zu können.
So erwarb erwarb der Heimat- und Verkehrsverein Briedel Anfang 1926 einige Wiesen und Weidenfelder am Moselufer im Stuckert und errichtete dort eine „Badeanstalt“. Die Strömung der noch ungebändigten Mosel lag auf der gegenüberliegenden Flussseite und daher war es auf der Ortsseite relativ flach. Noch weit über der Mitte des Flusses konnte man stehen und der feine Kies des Flussbettes ergab einen herrlichen und kinderfreundlichen Strand. Sonnige sowie schattige Liegewiesen luden zum Erholen ein
Die Gäste nahmen das Angebot begeistert an und schon 1927 wurde mithilfe der Gemeinde eine große Holzbaracke mit Umkleidekabinen und Toiletten errichtet, die 1934 nochmals erweitert wurde. Attraktion waren bald eine 3,5 Meter hohe Rutsche und eine 6-sitzige Wippe, die in der Mitte der Mosel verankert waren. Wenig später ergänzte auch ein kleiner Kiosk das Angebot und sicherte das Einkommen der Aufsichtspersonen. Konzerte und andere Veranstaltungen machten das Briedeler Strandbad auch für Nichtschwimmer attraktiv.
Nach dem unseligen Krieg wurden die Umkleidekabinen neu errichtet und das Strandbad erlebte einen zweiten Boom. Trotzdem scheint wildes Baden verbreitet gewesen zu sein, denn im Juli 1947 gab es eine amtliche Verfügung über zum Baden nicht gestatteter Flussabschnitte und Hinweis, die Schifffahrt nicht zu behindern. Weiter ist mit dem Verbot des Nacktbadens, von Regeln über Badebekleidung Hinweise auf sittliches Verhalten, Jugendschutz und Benehmen in der Öffentlichkeit und dem Verbot des Tragens von Badebekleidung auf der Fähre, den Wegen und in öffentlichen Lokalen eine klare Vorschrift gegeben.
Der Ausbau der Mosel zur Großschifffahrtsstraße veränderte die Strömungsverhältnisse und Wassertiefen und das Freibad musste 1963 aus Sicherheitsgründen geschlossen werden.
Nach einer kurzen Episode als privatem Freizeithaus erwarb die Gemeinde 1980 das Gelände und errichtete eine schönes Wetterschutzhaus, ergänzt mit einer Grillstätte und einem Kinderspielplatz. Die Pflege und Betreuung hat der Angelsportverein Briedel übernommen.
Daneben wurde 1986, nachdem die Flurbereinigung eine Arrondierung des Geländes ermöglicht hatte, eine Wassertretanlage nach Sebastian Kneipp gebaut, die sich nicht nur bei den Briedelern, sondern auch bei Wanderern und Radfahrern auf dem vorbeiführenden Kanonenbahnweg und dem Moselradweg großer Beliebtheit erfreut. Die aufwändige Reinigung und Pflege erfolgt durch den Nachbarschaftskreis „Himbeergeister“.
Die vielen Walnussbäume hier und am Moselufer locken im Herbst immer viele Touristen an, da das Aufsammeln der leckeren Walnüsse durch Gäste gerne gesehen ist.
Eine Slipanlage für kleinere Boote ergänzt seit einigen Jahren das Ensemble und die gepflegten Liegewiesen laden zum Sonnenbad.
2026 wurden um das Kneipp-Becken mehrere Wasserspielgeräte für Kinder aufgebaut und die alten Spielgeräte erneuert und mit weiteren Möglichkeiten ergänzt.
Regelmäßige öffentliche Grillabende (seit 1991) sowie viele Vereins- und Familienfeiern machen diesen so schön am Moselufer liegenden Ort zu einem beliebten Treffpunkt unter mächtigen Walnussbäumen.
(Hermann Thur, Briedel, Oktober 2026)
Internet
briedel.de: Seite der Ortsgemeinde Briedel zum Standbad (abgerufen am 22.10.2026)
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