Leykaul ist ein ehemaliger Siedlungsplatz im Wüstebachtal, etwa 300 Meter oberhalb der Einmündung des Püngelbachs in den Wüstebach. Die Stelle liegt heute an einem Wanderweg im Nationalpark Eifel. Sie ist nicht zu verwechseln mit der ehemaligen Siedlung Leykaul, etwa 400 Meter Luftlinie entfernt, östlich des Wüstebachtals auf der Dreiborner Hochfläche.
Der Name Leykaul Der Name Leykaul deutet auf den Abbau von Schiefer hin, der tatsächlich nachgewiesenermaßen in der Region des Wüste- und Püngelbachs seit dem 18. Jahrhundert betrieben wurde. In der Region gibt es einige Flurbezeichnungen wie Leykaul, Leikuhl, An der Leykaul usw., die ebenfalls darauf hindeuten. Bis vor kurzem war es nicht ganz klar, dass es sich bei der Bezeichnung Leykaul um zwei Siedlungsplätze handelte, einmal im Wüstebachtal selbst und weiter oberhalb auf der Dreiborner Hochfläche. Zwischen beiden Orten gab es früher eine territoriale Grenze: Die Gebäude im Tal gehörten zum Amt Monschau, der Siedlungsplatz auf der Höhe zum Schleidener Gebiet.
Der Beginn des Schieferabbaus im Wüstebachtal Eine erste urkundliche Erwähnung des Dachschieferabbaus und eines Gebäudes im Wüstebachtal stammt aus dem Jahr 1790, als der Schultheiß und Friedensrichter von Monschau, Johann Joseph de Berghes, und seine Frau in der Abgeschiedenheit des Waldes im Tal ein Grundstück erwarben, um in der Gegend Schiefer abbauen zu lassen und ein Wohnhaus zu erbauen. Die Verortung des Hauses ist auf der Tranchot-Karte und der preußischen Uraufnahme aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts möglich. Dieses war als Unterkunft für französischsprachige Wallonen aus Fumay an der Maas gedacht, die wahrscheinlich als Facharbeiter zum Schieferbrechen und -bearbeiten angeworben wurden. Verwaltungstechnisch gehörte das Gebäude zu Dedenborn im Amt Monschau. In den folgenden Jahren erscheinen immer wieder Bewohner von Leykaul in den Bevölkerungslisten beziehungsweise Kirchenbüchern von Dedenborn. Obwohl es nur eine schlechte Zuwegung ins Wüstebachtal gab, die aus Richtung Höfen beziehungsweise Dedenborn kam, wurde vor Ort im Laufe der nächsten Jahrzehnte ein tiefer Schieferstollen angelegt und Dachschiefer produziert, teilweise unter schwersten körperlichen Bedingungen.
Der Schieferabbau und die Familie Nicolas Dardenne 1813 erscheint zum ersten Mal der Name Dardenne im Wüstebachtal. Nicolas Dardenne, der Urahn aller Namensträger in der Region, lebte im Wüstebachtal mit seiner Frau und mehreren Kindern und arbeitete auch vor Ort. Neben ihm gab es noch einige weitere Arbeiter dort, eine Schmiede und einige Baracken. Außerdem wurde eine bescheidene Landwirtschaft mit zwei bis drei Kühen betrieben. Ein Garten sowie mehrere Obstbäume dienten der Selbstversorgung. Heute ist es kaum vorstellbar, wie an diesem schmalen Streifen Land, das von dem Bach und einem steilen Hang begrenzt wird, dies alles existiert hat. 1825 erwarb Dardenne die Ländereien mit Schieferstollen von der Witwe de Berghes und blieb vor Ort bis etwa 1840. Danach baute er ein eigenes Haus in Hirschrott und zog um, seine Söhne verblieben dagegen noch eine Zeit lang im Wüstebachtal. In dieser Zeit wurde das Haus am Wüstebach an die preußische Forstverwaltung vermietet und dort, neben den Wohnungen für die Schieferbrecher, noch eine Wohnung für einen Förster eingerichtet. 1848 erwarb die Forstverwaltung das Gebäude, in dem eine Zeit lang der Förster Stein mit seiner Familie lebte. Schließlich wurde das Gebäude 1870 zum Abbruch verkauft.
Der Schieferabbau unter Alexander Scheibler Die Schieferbrüche im Wüste- und Püngelbachtal, die der Forstverwaltung unterstanden, wurden 1856 an den Textilunternehmer Alexander Scheibler aus Monschau verpachtet, nachdem Nicolas Dardenne von der Pacht zurückgetreten war. Scheibler hatte bereits in der Nähe seiner Fabrik in Dreistegen bei Monschau in den Schieferabbau investiert und erhoffte, ein weiteres wichtiges wirtschaftliches Standbein mit dem Abbau im Wüste- und Püngelbachtal. Er investierte in Arbeiterunterkünfte, eine Schmiede, ein Zechenhaus und Wasserpumpen sowie das Anlegen neuer Schiefergruben beziehungsweise -stollen. Doch kurze Zeit später überflutete ein verheerendes Hochwasser die Stollen und riss die frisch gestapelten und zum Verkauf fertigen Schieferplatten mit sich. Scheibler baute zwar alles wieder auf, doch der Erfolg blieb ihm versagt, da die Ausbeute an gutem Dachschiefer viel geringer als erwartet war. Erst 1875 wurde er aus dem Pachtvertrag entlassen, ohne Gewinn erzielt zu haben. Neue Pächter folgten, doch auch sie hatten mit dem Schieferabbau keinen Erfolg. 1881 wurden die Brüche nicht mehr neu verpachtet.
Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg und heutiger Zustand Noch einmal, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946-1948 wurde für den Wiederaufbau, insbesondere für Kirchendächer im Raum Schleiden, Roetgen und Einruhr, der Schieferabbau aktiviert. Doch dies war nur von kurzer Dauer. Inzwischen sind die heute noch vorhandenen Stollen nicht mehr zu sehen und verfallen, da sie auf dem Gebiet des Nationalparks Eifel liegen. Der Stollen am Wanderweg kurz vor dem Standort des ehemaligen Wohnhauses am Wüstebach ist von außen zu sehen und dient Fledermäusen als Quartier.
Die Schiefergruben Dreiborn und Dedenborn am Wüstebach. In: Das Monschauer Land Jahrbuch 2025, S. 83-106. 83-106, Monschau.
Steinröx, Hans / Neuss, Elmar (Hrsg.) / Geschichtsverein des Monschauer Landes (Hrsg.) (1994)
Höfe - Mühlen - Schiefersteine. Aufsätze zur Geschichte des Monschauer Landes. Festschrift zum 80. Geburtstag des Verfassers. (Beiträge zur Geschichte des Monschauer Landes, 3.) 256-262, Monschau.
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Empfohlene Zitierweise
Gabriele Harzheim (2025): „Hofwüstung Leykaul und Stollen im Wüstebachtal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360712 (Abgerufen: 14. Oktober 2026)
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