Fronhof in Nettesheim

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Rommerskirchen
Kreis(e): Rhein-Kreis Neuss
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 03′ 10,72″ N: 6° 42′ 29,85″ O 51,05298°N: 6,70829°O
Koordinate UTM 32.339.383,97 m: 5.658.215,12 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.549.707,12 m: 5.657.779,13 m
  • Tor zum Fronhof in Nettesheim (2026)

    Tor zum Fronhof in Nettesheim (2026)

    Copyright-Hinweis:
    Martina Gelhar / CC BY 4.0
    Fotograf/Urheber:
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    Fronhof in Nettesheim (2026)

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Der Fronhof in Nettesheim ist bedeutend für die Entwicklung der Gemeinde Rommerskirchen und gehört ebenso wie der nahegelegene Lommerzhof zur Keimzelle der Ortslage Nettesheim.

Bedeutung von Fronhöfen
Fronhöfe, auch als Herrenhöfe bezeichnet, bildeten im Mittelalter und der Frühen Neuzeit zentrale Sitze der Grundherrschaft. Von diesen Höfen aus übte der jeweilige Grundherr seine Herrschaft über die zugehörigen Besitzungen und die dort lebenden Menschen aus. Im Rheinland befanden sich zahlreiche Fronhöfe im Besitz geistlicher Institutionen, insbesondere von Stiften und Klöstern. Zum Besitzkomplex eines Fronhofes gehörten in der Regel umfangreiche landwirtschaftlich genutzte Flächen sowie weitere, ihm zugeordnete Höfe. Diese waren zur Entrichtung von Abgaben verpflichtet, die neben Natural- oder Geldleistungen auch in Form von Frondiensten erbracht werden konnten. Häufig bildete ein Fronhof gemeinsam mit den dazugehörigen Gütern zugleich einen eigenen Gerichtsbezirk, innerhalb dessen ein Hofgericht Recht sprach.

Dieser Fronhof befindet sich in zentraler Lage im historischen Ortskern von Nettesheim an der Martinusstraße, am Rande des Kulturlandschaftsbereichs Obere Gillbachaue des Regionalplans Düsseldorf im Rhein-Kreis Neuss. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen der Friedhof von Nettesheim und die Pfarrkirche St. Martinus. Der heutige Standort der Hofanlage entspricht nicht exakt der ursprünglichen Lage des Fronhofs. Nachdem dieser im Jahr 1818 vollständig durch einen Brand zerstört worden war, erfolgte sein Wiederaufbau auf derselben Parzelle, jedoch um mehrere Meter weiter nördlich.

Der Fronhof in Nettesheim wird 1204 erstmals schriftlich erwähnt. Er befand sich im Besitz des Kölner Stiftes St. Kunibert und stellte einen bedeutenden Mittelpunkt der lokalen Grundherrschaft dar. Seine wirtschaftliche Bedeutung beruhte auf dem zugehörigen Ackerland sowie auf seiner Funktion als Sammelstelle für die Abgaben der umliegenden, grundherrschaftlich gebundenen Höfe. Die Dimensionierung des ursprünglichen Fronhofs verweist auf die günstigen wirtschaftlichen Voraussetzungen, die sich aus den fruchtbaren Böden der Rommerskirchener Börde ergaben. Größe und Gestaltung der Anlage sind damit auch Ausdruck einer gewissen historisch-wirtschaftlichen Stellung des Hofes. Eine zusätzliche wirtschaftliche Nutzung ergab sich im 17. Jahrhundert durch die Einrichtung einer Ölmühle. Um 1662 erteilte der Kölner Erzbischof Maximilian Heinrich die Genehmigung zum Bau einer solchen Mühle am vorbeifließenden Gillbach. In ihr wurde unter anderem Raps verarbeitet. Die Genehmigung war allerdings an die Bedingung geknüpft, dass die Mühle zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgerissen werden sollte. Wann die Mühle unterging, ist nicht bekannt.

Säkularisation bis heute
Im Jahr 1818 wurde der Fronhof durch einen Brand zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte um 1819 auf derselben Parzelle, jedoch an einem gegenüber dem Vorgängerbau veränderten Standort. Dies lässt sich durch einen Vergleich der Tranchot von Müffling-Karte von 1807 mit dem Urkataster von 1819 nachvollziehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich auch die Eigentumssituation grundlegend verändert: Infolge der napoleonischen Enteignungen war der zuvor dem Stift St. Kunibert gehörende Hof versteigert worden und in Privatbesitz übergegangen. Die Anlage wurde im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte mehrfach und zum Teil erheblich baulich verändert. Heute wird sie nicht mehr landwirtschaftlich genutzt, sondern beherbergt drei Dienstleistungsunternehmen.

Kulturhistorische Bedeutung
Die kulturhistorische Bedeutung des Fronhofs in Nettesheim ergibt sich insbesondere aus seiner Genese und seiner Funktion für die Orts- und Siedlungsentwicklung. Der Standort und die ehemalige Funktion als Fronhof sind Zeugnisse der territorialen und grundherrschaftlichen Verhältnisse des Mittelalters. Insbesondere dokumentiert wird der über Jahrhunderte hinweg raumprägende Einfluss des Kölner Stiftes St. Kunibert im Bereich des Gillbachs. Der Standort und die Ablesbarkeit der ehemaligen landwirtschaftlichen Funktion spiegeln zudem den Funktionswandel grundherrschaftlich-landwirtschaftlicher Höfe seit dem Mittelalter im Zuge der strukturellen Veränderungen des ländlichen Raumes.
Der Nachfolgebau des Fronhofs aus dem frühen 19. Jahrhundert weist trotz baulich starker Veränderung noch einige charakteristische Merkmale der regionalen Baukultur der Börde auf, wie die Ziegelbauweise sowie die Ausprägung als Vierseithof. Durch diesen Neubau nach der Säkularisation ist die ursprüngliche bauliche Ausprägung des Fronhofs jedoch verloren gegangen.

(Polina Snopkov, Landschaftsverband Rheinland, 2026)


Literatur

Schmitz, Josef (2011)
Der Fronhof in Nettesheim. In: Archiv und Erinnerung im Rhein-Kreis Neuss. Festschrift für Karl Eschbach, (Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Neuss Band 18.) S. 323-329. Neuss.

Fronhof in Nettesheim

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Martinusstrasse 25
Ort
41569 Rommerskirchen - Nettesheim / Deutschland
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1204

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Polina Snopkov (2026): „Fronhof in Nettesheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360489 (Abgerufen: 22. Oktober 2026)
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