Töpfereien Johann Textoris und Heinrich Kohlgraf

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 39,91″ N: 6° 48′ 30,09″ O 50,91109°N: 6,80836°O
Koordinate UTM 32.345.927,27 m: 5.642.224,98 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.556.896,41 m: 5.642.066,46 m
Einst wurde direkt neben der Evangelischen Kirche Keramik hergestellt.

Die Töpferei Johann Textoris
Im Jahr 1795 lebte in der Hausnummer 141 direkt neben der Evangelischen Kirche der 'Ouvrier' (französisch für Arbeiter) Johann Textoris (Heeg 1994). Nach ihm gehörten die Grundstücke Y 31, 32, 33 und 34 seinem Sohn, dem Töpfer Johann Textoris, der 1837 verstarb.
TEXTORIS, JOHANN „Töpfer - 1756 geb. zu Frechen, Sohn der Ehel. Johann T. und Anna Christina Schall, Sterbereg. 143/1837 - 1837 Okt. 25 stirbt zu Frechen, Witwer von Margaretha Mück, ebd.“ (Göbels 1971)

Er vererbte die Grundstücke seinem Sohn, den Töpfer Anton Textoris (LA NRW R 7209 /1839). Dieser verkaufte sie um 1845 an Salomon Meyer (LA NRW R 7209 / 1845 / 6) und erwarb stattdessen von Johann Lövenich um das Jahr 1846 Grundstücke an der Norkstraße (LA NRW R 7209 / 1846 /1).
TEXTORIS, ANTON „Häfner, Töpfer - 1799 Aug. 20 geb. zu Frechen, Sohn der Ehel. Johann T. und Margaretha Mück, Geburtsreg. 75/1798 - 1830 Juli 17 heir. Katharina Röllgen, 24 Jahre alt, aus Frechen, Traureg. 7/1830 - 1838 Juni 29 zeigt den Tod der Tochter Gertrud an, Sterbereg. 73/1838 - 1849 Nov. 24 zeigt den Tod der Tochter Margaretha an, ebd. 138/1849 - 1857 Apr. 28 stirbt zu Frechen, ebd. 48/1857“. (Göbels 1971)

Die Töpferei Heinrich Kohlgraf
Dem Töpfermeister Heinrich Kohlgraf gehörte um das Jahr 1840 das Grundstück Y 36 mit Haus und Töpferei (LA NRW R 7209, 1840) schräg hinter der Töpferei Textoris. Auch die Grundstücke Y 37 und 35 gehörten dazu. Aus einem im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland existierendem Schriftwechsel geht hervor, dass sich der evangelische Pfarrer Brohm am 23.2.1832 über die Errichtung eines Kannenofens durch Herrn Kohlgraf beschwerte (LAV NRW R 8849). In einer Handwerkerliste aus dem Jahr 1850 ist er unter der Hausnummer 174 verzeichnet (StaF Akt. 182 fol. 20). Aus dem Jahr 1845 ist eine Skizze erhalten, in der das Grundstück des Heinrich Kohlgraf mit Gebäuden und zwei „Töpferfabriken“ dargestellt sind.

KOHLGRAF, HEINRICH „Töpfermeister - 1803 Apr. 2 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Heinrich K. und der Magdalena Kürtzges oder Curtius, Sterbereg. 12/1867 - 1822 Trauzeuge bei der Hochzeit Textoris-Schmitz, Traureg. 7/1822 - 1825 Mai 7 heir. Magdalena Rothhan, 25 Jahre alt, aus Frechen, ebd: 6/1825 - 1838 Aug. 21 zeigt den Tod der Tochter Barbara an, Sterbereg. 93/1838 - 1843 Mai 8 zeigt den Tod des Vaters an, ebd. 69/1843 - 1850 in einer Handwerkerliste erwähnt, StaF Akt. 182 fol. 20 - 1853 Apr. 19 zeigt den Tod der Ehefrau an, Sterbereg. 46/1853 - 1856 beaufsichtigt und leitet die Tätigkeit des Töpfers Peter Reimer, StaF Akt. 182 fol. 55 - 1867 Jan. 21 stirbt in Frechen, Sterbereg. 12/1867“ (Göbels 1971).

Um 1855 verkaufte er die drei Grundstücke mit Haus und Töpferei an den Töpfer Peter Müller (LA NRW R 7211 1855 / 5). Nachdem Peter Müller um 1860 die Töpferei weiterverkauft hatte, wurde das Grundstück Y 36 mit Haus und Töpferei im Protokoll über die im Bestand und Werte der Grundstücke und Gebäude vorgekommenen Veränderungen als zu löschen markiert (LA NRW R 7212 1860 / 10), was zugleich das Ende des Töpfereibetriebs im Jahr 1860 anzeigt. Heinrich Kohlgraf beaufsichtigte 1856 die Tätigkeit des Töpfers Peter Reimer (StaF Akt. 182 fol. 55) in der Hauptstraße auf der Fläche des ehemaligen Antoniterhofes. Von Peter Reimer erhielt er um das Jahr 1860 eine Hälfte des dortigen Grundstückes Z 502 (LA NRW R 7212 / 1860 / 1) und um 1867 die zweite Hälfte (LA NRW R 7213 1867 / 6).

Als Anfang der 1970er Jahre drei baufällige Fachwerkgebäude östlich der Evangelischen Kirche im Zuge von Stadtsanierungsmaßnahmen abgerissen wurden, konnte „eine ganze Ofenkombination festgestellt und zum größeren Teil freigelegt werden (...). Der Töpfer hatte, nachdem der erste Ofen (...) unbrauchbar geworden war, einen zweiten (...) in den alten Ofen hineingebaut. (...) Nachdem auch der zweite Ofen ausgedient hatte, ließ der Meister die beiden ersten Öfen nur so weit abreißen, wie er Raum für einen dritten (...) benötigte. Er drehte den Ofengrundriß um 180 Grad, verlegte den Heizerplatz in die Brennkammer der Öfen 1 und 2 und baute die neue Brennkammer in südlicher Richtung an“ (Göbels 1976, S. 42f).

Obertägige Spuren von den Töpfereien sind keine mehr erhalten.

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)

Quellen
Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
  • LA NRW R 7209 /1839
  • LA NRW R 7209, 1840
  • LA NRW R 7209 / 1845 / 6
  • LA NRW R 7209 / 1846 /1
  • LA NRW R 7211 1855 / 5
  • LA NRW R 7212 1860 / 10
  • LA NRW R 7212 / 1860 / 1
  • LA NRW R 7213 1867 / 6
  • LAV NRW R 8849
Stadtarchiv Frechen
  • StaF Akt. 182 fol. 20
  • StaF Akt. 189 fol. 54
  • StaF Akt. 182 fol. 55

Literatur

Göbels, Karl (1976)
Ein seltsamer Ofenfund in Frechen. In: Volkstümliche Keramik aus Europa : zum Gedenken an Paul Stieber, S. 37-49. München, Berlin.
Göbels, Karl (1971)
Rheinisches Töpferhandwerk. gezeigt am Beispiel der Frechener Kannen-, Düppen- und Pfeifenbäcker. o. O.
Heeg, Egon (1994)
Frechener Adressenverzeichnis 1795 mit Ortsplan. Düren.

Töpfereien Johann Textoris und Heinrich Kohlgraf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hauptstraße
Ort
50226 Frechen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1833 bis 1840, Ende 1860

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Nicole Schmitz (2026): „Töpfereien Johann Textoris und Heinrich Kohlgraf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360376 (Abgerufen: 27. Oktober 2026)
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