Töpferei Hermann Mück
Bevor Hermann Mück seinen neuen Töpfereistandort in der Broichgasse in Betrieb nahm, arbeitete er laut einer Töpferliste im Jahr 1856 in Haus Nummer 78 (StaF 187/21). Dabei handelte es sich um die Grundstücke Z 48, 50, 49, 51, die anderen Töpfern (unter anderem den Herren Hemmersbach, Lepp und Müller) gehörten. In einem Verzeichnis von Handwerkerzugängen im Jahr 1859 ist er vermerkt mit dem Eintrag „Hermann Mück, Töpfer, Nr. 77, arbeitet allein und nur auf Bestellung“ (StaF 182/110f). Im Jahr 1860 baute er einen Töpferofen in der Broichgasse 277 (siehe Mediengalerie; StaF 189/136), welche der heutigen Adresse An St. Severin 3 entspricht. Er beabsichtigte den Bau einer Töpferfabrik. Auf dem erhaltenen Bauplan, datiert auf den 11.02.1860 und geplant von Maurermeister Coßmann, ist zu erkennen, dass ein Irdenwareofen gebaut werden sollte (StaF 189/136).
MÜCK, HERMANN „Töpfergeselle - 1809 Mai 1 geb. zu Frechen, Sohn der Ehel. Anton M. und Maria Lers, Geburtsreg. 36/1809 - 1835 Mai 22 heir. Elisabeth Dorn, 21 Jahre alt, aus Frechen, Traureg. 16/1835 - 1836 Apr. 22 zeigt den Tod der Tochter Katharina an, Sterbereg. 42/1836 - 1847 Febr. 1 zeigt den Tod des Sohnes Peter an, ebd. 36/ 1847 - 1860 baut einen Töpferofen in der Broichgasse, StaF Akt. 189 fol. 135 - 1871 Mai 23 stirbt zu Frechen, Sterbereg. 88/1871“ (Göbels 1971).
Töpferei Heinrich Mück
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1871 übernahm Töpfermeister Heinrich Mück den Betrieb. Das Frechener Adressbuch führt die Töpferei Mück 1899 unter der Adresse Broichgasse 373.
MÜCK, HEINRICH „Töpfermeister - 1842 Sept. 12 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfermeisters Hermann M. und der Elisabeth Dorn, Geburtsreg. 120/1842 - 1853 hilft als Jugendlicher seinem Vater, StaF Akt. 191 fol. 3 - 1866 Febr. 8 heir. Maria Anna Wallraf, Tochter des Töpfers Peter W., aus Frechen, Traureg. 9/1866 - 1891 Febr. 9 zeigt den Tod des Sohnes Johann an, Sterbereg. 30/1891 - 1893 Dez. 15 zeigt den Tod der Ehefrau an, ebd. 191/1893 - 1915 Febr. 13 stirbt zu Frechen, ebd. 40/1915“ (Göbels 1971).
Töpferei Gebrüder Mück
Heinrich Mücks Söhne Heinrich und Peter waren ebenfalls Töpfermeister und führten den Betrieb weiter.
MÜCK, HEINRICH „Töpfermeister - 1875 Nov. 27 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Heinrich M. und der Maria Anna Wallraf, Geburtsreg. 249/1875 - 1937 Nov. 8 stirbt zu Frechen, ledig, zuletzt wohnhaft An St. Severin Nr. 5, Sterbereg. 109/1937 - Verschiedene Arbeiten von ihm befinden sich in der Keramiksammlung der Stadt-Frechen“ (Göbels 1971).
MÜCK, PETER „Töpfermeister - 1866 Apr. 7 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Heinrich M. und der Maria Anna Wallraf, Geburtsreg. 74/1866 - 1933 Febr. 18 stirbt zu Frechen, ledig, Sterbereg. 32/1933 - Verschiedene Arbeiten von ihm befinden sich in der Keramiksammlung der Stadt Frechen“ (Göbels 1971).
Die Gebrüder Heinrich und Peter Mück bezeichnet Heeg (1992, S. 26) als „letzte Zeugen des untergegangenen Töpferhandwerks“. Dieses erhielt mit der Eisenbahnanbindung Kölns und der Einfuhr von billigeren und als schöner empfundenen Industriewaren bedrohliche Konkurrenz: Emaillegeschirr sowie Waren aus Steingut, Porzellan und Aluminium führten zum Niedergang des traditionsreichen Handwerkes (Heeg 1992, S. 27). Einige der Frechener Töpfer stiegen angesichts dieser Existenzbedrohung auf die Blumentopffabrikation um.
Die Brüder Mück jedoch konnten sich durch ihre flexible Warenpalette retten und waren laut Heeg „schon vor dem Ersten Weltkrieg (…) die letzten praktizierenden Düppenbäcker in Frechen“ (1992, S. 28). Einerseits setzten sie auf die Produktion günstiger Massenware im Bereich der Gebrauchskeramik. Andererseits führte insbesondere Peter Mück je nach Kunstströmung künstlerische Arbeiten als Auftragsarbeiten aus: „Dies weist auf die Tatsache, daß die Gebrüder Mück Kontakt zu Künstlern und Kunstströmungen der Zeit haben und sich von diesen inspirieren lassen“ (Heeg 1992, S. 30). Dadurch war es ihnen möglich, als letzte Vertreter des Frechener Töpferhandwerkes, bis an ihr Lebensende in der Töpferei zu arbeiten. Peter Mück verstarb 1933, Heinrich Mück 1937 im Haus An St. Severin 5 (Göbels 1971).
Die Gebrüder Mück spielten auch hinsichtlich der Wiederbelebung der Köln-Frechener Töpfertradition, der sogenannten Köln-Frechener Keramik (Ooms' sche Keramik), eine bedeutende Rolle. Vor allem ihre Töpferei gehörte zu den Frechener Werkstätten, die Kölner Kunstschaffende (vor allem der Bildhauerei) in der Herstellung von Tonplastiken unterstützten und anlernten. Besonders die Stadt Köln förderte die Zusammenarbeit zwischen Kölner Künstler*innen und Frechener Töpfern finanziell (Heeg 1992, S. 32f). So arbeitete beispielsweise der Bildhauer Joseph Pabst spätestens ab 1919 mit den Gebrüdern Mück zusammen. Er fertigte um diese Zeit Keramik aus Irdenware (z.B. plastisch gestaltete Teller) an, die er in der Werkstatt Mück brennen ließ (Heeg 1992, S. 33).
(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)
Quellen
Stadtarchiv Frechen
- StaF 182/110f
- StaF 187/21
- StaF 189/136