Protestantisches Schulhaus in der Mittelgasse in Zeiskam

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Zeiskam
Kreis(e): Germersheim
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 13′ 49,31″ N: 8° 14′ 59,89″ O 49,23036°N: 8,24997°O
Koordinate UTM 32.445.394,58 m: 5.453.335,50 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.445.448,18 m: 5.455.077,90 m
  • Gemälde eines unbekannten Künstlers von Friedrich Guth (1843-1919, gemalt um 1880)

    Gemälde eines unbekannten Künstlers von Friedrich Guth (1843-1919, gemalt um 1880)

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  • Titelseite der "Rheinischen Blätter für Erziehung und Unterricht ..." (1829)

    Titelseite der "Rheinischen Blätter für Erziehung und Unterricht ..." (1829)

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  • Schullehrerseminar auf dem Rittersberg Kaiserslautern Mitte des 19. Jahrhunderts

    Schullehrerseminar auf dem Rittersberg Kaiserslautern Mitte des 19. Jahrhunderts

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  • „Verordnung die Bildung der Schullehrer im Königreiche Bayern betreffend“ vom Mai 1857

    „Verordnung die Bildung der Schullehrer im Königreiche Bayern betreffend“ vom Mai 1857

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  • Nennung Friedrich Guths im "Kreis-Amtsblatt der Pfalz", Jahrgang 1861

    Nennung Friedrich Guths im "Kreis-Amtsblatt der Pfalz", Jahrgang 1861

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  • "Königlich Bayerisches Kreis-Amtsblatt der Pfalz", Ausgabe 1863, mit der Ernennung Guths

    "Königlich Bayerisches Kreis-Amtsblatt der Pfalz", Ausgabe 1863, mit der Ernennung Guths

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  • Friedrich Guths Lehrerprüfung wird im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt der Pfalz" von 1863 ausgezeichnet

    Friedrich Guths Lehrerprüfung wird im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt der Pfalz" von 1863 ausgezeichnet

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  • Kirchliche Heiratsurkunde von Friedrich Guth und Amalia Zinn 1867 in Zeiskam

    Kirchliche Heiratsurkunde von Friedrich Guth und Amalia Zinn 1867 in Zeiskam

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  • Reproduktion des Wilmington Colleges am Quaker Way in Wilmington, Ohio

    Reproduktion des Wilmington Colleges am Quaker Way in Wilmington, Ohio

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  • Nennung Guths als Musikprofessor in einem Dokument der United States Census (1870)

    Nennung Guths als Musikprofessor in einem Dokument der United States Census (1870)

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  • Die Brüder Mendenhall und Frederick Guth unterhielten ein Warenhaus in Waverly (um 1900)

    Die Brüder Mendenhall und Frederick Guth unterhielten ein Warenhaus in Waverly (um 1900)

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  • Patent von Frederick Arthur Valentine Guth aus dem Jahre 1906

    Patent von Frederick Arthur Valentine Guth aus dem Jahre 1906

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  • In diesem Gebäude in der Market Street in Waverly betrieb Frederick Guth seinen Einzelhandel gemeinsam mit seinen Schwagern (2020er Jahre)

    In diesem Gebäude in der Market Street in Waverly betrieb Frederick Guth seinen Einzelhandel gemeinsam mit seinen Schwagern (2020er Jahre)

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  • Fotografie von Frederick - hier Fritz - Guth mit seiner Unterschrift (um 1910)

    Fotografie von Frederick - hier Fritz - Guth mit seiner Unterschrift (um 1910)

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  • Reproduktion des ehemaligen Wohnhauses der Familie Guth in Pee Pee Township, Pike, Ohio (o.J.)

    Reproduktion des ehemaligen Wohnhauses der Familie Guth in Pee Pee Township, Pike, Ohio (o.J.)

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  • Sterbeurkunde von Frederick Guth aus dem Jahre 1919

    Sterbeurkunde von Frederick Guth aus dem Jahre 1919

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  • Grabsteine von Familienmitgliedern der Familie Guth auf dem Evergreen Union Cemetery in Waverly (2020er Jahre)

    Grabsteine von Familienmitgliedern der Familie Guth auf dem Evergreen Union Cemetery in Waverly (2020er Jahre)

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  • Mitglieder der Familie Guth auf einem 1911 Parry Roadster bei einer Passage durch das Pivot-Tor (1915)

    Mitglieder der Familie Guth auf einem 1911 Parry Roadster bei einer Passage durch das Pivot-Tor (1915)

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  • Rekonstruktion des protestantischen Schulhauses in Zeiskam

    Rekonstruktion des protestantischen Schulhauses in Zeiskam

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An der Ecke Mittelgasse / Kramerstraße in Zeiskam steht ein 1797 errichtetes Gebäude aus rotem Backstein mit Satteldach. Die Giebelseite zeigt in Richtung Kramerstraße, zur Mittelgasse wird die Satteldachfläche von einem Zwerchhaus durchbrochen. Das Gebäude diente von 1797 bis 1867 den Zeiskamer Protestanten als Schulhaus. Hier ging Georg Friedrich Guth zur Schule und war als angehender Lehrer später selbst darin tätig, bevor er wenige Jahre später in die Vereinigten Staaten auswanderte und in Ohio Musikprofessor wurde.

Elternhaus, Kindheit und Schulzeit
Im Lehrerseminar in Kaiserslautern
Heirat und Ausreise
Musikprofessor am Franklin-College in Wilmington
Familiäre Ereignisse
Sehnsucht nach der Heimat
Tod und letzte Ruhestätte
Internet

Elternhaus, Kindheit und Schulzeit
Wie kann ein begabter junger Mann der dörflichen Enge des 19. Jahrhunderts, in der er seine Neigungen nicht nachgehen und seine Begabungen nicht ausleben kann, entfliehen und seine Persönlichkeit entwickeln? Privilegiert war er, nach seinen eigenen Aussagen. Geboren im März 1843, lebte Georg Friedrich Guth mit seinen Eltern, den beiden Schwestern und seinem Bruder sowie einer weiteren Familie, mit der sie weitläufig verwandt waren, in der Obergasse, Hausnummer 52, einem großen landwirtschaftlichen Gehöft in der heutigen Zeiskamer Hauptstraße. Gegenüber stand die gerade neu erbaute evangelische Kirche, das Gelände des damaliges Bauernhofs zusammen mit einem Nachbargebäude entspricht jetzt dem Areal der Grundschule. Die beiden Häuser wurden 1866 von der Gemeinde zum Zweck des Schulneubaus gekauft. Friedrich, sein Rufname dürfte wohl Fritz gelautet haben, und seine jüngeren Geschwister gingen noch in die Volksschule in der Mittelgasse, gegenüber der Humbert-Schmiede in der Kramergasse.

Der Vater Konrad Guth IV. war mit der Dorfhebamme Barbara geb. Krumm aus Pleisweiler verheiratet. Auf dem Hof wohnten zudem noch immer die Zeiskamer Großeltern, der Großvater und seine Brüder waren in der Franzosenzeit für Napoleon im Einsatz. Der Onkel Philipp Jakob Guth hatte im Militäreinsatz in Spanien sein Leben lassen müssen. Da die Familie was auf sich hielt, setzten man sich für eine gute Bildung der Kinder ein. Nach eigenen Angaben lernte der kleine Fritz in Zeiskam Klavier spielen und Französisch. Wer diese Angebote im Dorf machen konnte, ist nicht überliefert. Mit elf Jahren, die Begabung des Jungen war offensichtlich, besuchte er die Lateinschule in Germersheim. Zehn Kilometer Fußweg, bei Wind und Wetter, durch den Lustadter und Westheimer Wald und die oft morastische Queichaue. Dies bedeute, um fünf Uhr morgens aufzustehen. Die Schule ging bis vier Uhr am Nachmittag. Um sieben Uhr zuhause, Abendessen und dann Schulaufgaben bis zehn Uhr. „Wenn ich von meinen Kinder so etwas verlangt hätte, hätte man mich wegen Grausamkeit in ein Arbeitshaus gesteckt. Jedoch dachte sich damals in Deutschland niemand etwas dabei,“ so schreibt Guth später über diese Zeit.
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Im Lehrerseminar in Kaiserslautern
„Da ich dann keinen Musiklehrer mehr hatte, bettelte ich Eltern und Großeltern an, dass ich mein Studium etwas nach meinem eigenen Wünschen fortsetzten könnte. Sie erlaubten mir, wieder Musik zu studieren, das ging im Lehrerseminar in Kaiserslautern, in das ich mit 16 Jahren eintrat und dann drei Jahre lang besuchte.“ So schreibt der Zeiskamer in seinem Lebenslauf. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte das Seminar Modellcharakter. Der Reformpädagoge Adolph Diesterweg schildert seine 1829 dort gewonnenen Eindrücke:
„Wer ein schönes Seminar mit schönen jungen Leuten sehen will, gehe nach  Kaiserslautern im bayerischen Rheinkreise; es ist eine wahrhaft königliche Anstalt. Wenn man die Zöglinge anderer Anstalten kennt, so wird man in Lautern durch äußere Gewandtheit, Liebenswürdigkeit und Rührigkeit, wie durch Frische und Fülle der Gesichter und den Glanz der Augen auf das angenehmste überrascht. Und lernt man sie in den Lehrstunden kennen, so vermißt man auch die geistige Frische nicht und findet im allgemeinen sehr gute, ja vorzügliche Kenntnisse, Bestimmtheit und Gewandtheit im mündlichen Ausdrucke, kurz Beschaffenheiten und Verhältnisse, wie sie nur zu wünschen sind.“

Tatsächlich betrug das Mindesteintrittsalter für das Lehrerseminar entsprechend dem verordneten bayerischen Schulrecht 16 Jahre, das Höchstalter der Seminaristen sollte jedoch nur 18 Jahre betragen. Zudem musste sich jeder Bewerber einer Zugangsprüfung durch den Institutsdirektor unterziehen. Der Unterricht umfasste die Fächer Lese-, Schönschreib- und Rechenkunst, die deutsche Sprache, Religion, Planzeichnen mit praktischer Geometrie, Gesang und Musik, Didaktik, aber auch Sachkenntnisse in Landesgeschichte, Geografie, Naturkunde, Landwirtschaft sowie Landes- und Kommunalrecht. Es ging also nicht um eine pädagogische Ausbildung, sondern um die Vermittlung des Stoffes, den die Lehrer im späteren Unterricht benötigten. Die Seminarleitung übten generell nur Geistliche aus, und dies gerade in Zeiten, in denen der Demokratiegedanke im Hambacher Fest 1832 und eine Auflehnung gegen eine autokratisch-aristokratische Herrschaft in den Revolutionsjahren 1848/49 im Volk aufkeimten. So war die Ausbildung der Lehrer konservativ und reaktionär ausgerichtet und sollte den jungen Männern, Frauen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Lehrkräfte vorgesehen, eine strenge religiöse und sittliche Charakterbildung ermöglichen. Das Unterrichtsfach Religion hatte jedenfalls Vorrang vor den anderen Fächern.

In wie weit Friedrich Guth diese Prägung verinnerlichte, ist aus den Quellen nicht mehr nachvollziehbar. Sein späterer Schwerpunkt lag im Musikfach. Wie viel er dabei tatsächlich im Lehrerseminar profitierte, wissen wir nicht. Von der internatsmäßig gestalteten Seminarzeit berichtet er später: „Dort in Kaiserslautern waren wir wie Verbrecher eingesperrt: unser Frühstuck war eine bläuliche Magermilch, Roggenbrot und Butter. Die Vorlesungen wurden von verschiedenen Professoren gehalten.“ Doch nach der „Verordnung die Bildung der Schullehrer im Königreiche Bayern betreffend“ vom Mai 1857 war diese strenge Führung auch so vorgesehen:
„Die Lebensweise der Seminaristen soll ganz einfach, streng geordnet und so beschaffen sein, daß dadurch ihre Befähigung zum künftigen Berufe in jeder Beziehung gefördert wird (…) Außerdem sind dafür das tägliche, mit geistlichen Gesängen und Betrachtungen zu verbindende Morgen- und Abendgebet, der fleißige Besuch des öffentlichen Gottesdienstes (…) und ähnliche Veranlassungen zu benützen.“ Doch Friedrich hat diese strenge Ausbildung erfolgreich durchlaufen. Wir entdecken ihn nach seiner ersten Lehrerprüfung auf der „Klassifikation der im Jahre 1861 entlassenen Zöglingen des Königl. Protestantischen Schullehrer-Seminars zu Kaiserslautern“. Der nun 18-Jährige gehörte zu den „gut Befähigten“ in „Kirchendienst, Lehrfach, Musikfach und Kenntnisse“.

Nun konnte der Junglehrer in Schulen eingesetzt werden. „Alle Lehrer waren im ersten Jahr unter Kontrolle der Regierung und wurden dort zur Aushilfe hingeschickt wo Lehrer krank waren. Ich kam nach Weingarten, einem Zeiskamer Nachbardorf, wo der Lehrer die Schwindsucht hatte und nicht mehr arbeiten konnte. Er war Lehrer der Mittelschule und spielte die Orgel in der Kirche, leitete den Chor in der Kirche und auch bei Begräbnisfeiern, alle diese Posten musste ich mit 18 Jahren übernehmen,“ so berichtet Guth in seinem Lebenslauf. Zwei Jahre später taucht sein Name erneut im Kreisamtsblatt auf: „(…) der Schuldienst-Exspektant Friedrich Guth von Zeiskam [wurde] zum Verweser der protestantischen Vorbereitungsschule daselbst, vom 1. November l[aufendenden] J[ahres] an, ernannt.“ Er selbst berichtet, dass er in Zeiskam die „Höhere Mädchen-Schule“ übernommen habe. Das neue Schulhaus in der Hauptstraße wurde erst 1866 erstellt, so dass Guth im gleichen Schulgebäude in der Kramerstraße unterrichtete, in dem er selbst zur Schule gegangen war. 1865 absolvierte er schließlich die zweite Lehrerprüfung, das Staatsexamen, das es ihm ermöglichte, seine Wirkungsstätte frei zu wählen. Bei der „Anstellungsprüfung“ und „Austrittsprüfung in Kaiserslautern“ gehörte er nun zu den „sehr gut Befähigten“. Guth blieb nun zunächst weiterhin als Schulverweser in Zeiskam.
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Heirat und Ausreise
Friedrich hatte nun sein geregeltes Einkommen und konnte sich nach einer Lebenspartnerin umschauen. Wir können mitfühlen, wenn er schreibt: „Jedoch verliebte ich mich in ein armes, gut erzogenes Mädchen, sie hieß Amalia Zinn. Ihr Großvater und Bruder waren geschulte Prediger und meine Eltern waren dagegen.“
Der Vater Friedrich Jakob Zinn war Spezereikrämer, er hatte sein Geschäft in der Kronstraße und belieferte die Schule mit „verschiedenen Schulbedürfnissen“, unter anderem mit Strickwolle und Nadeln. Seine erste Frau „starb einige Augenblicke nach der Entbindung von ihrem dritten Kind, einem Knaben, in Folge einer Verblutung. Die allgemeine Achtung und Liebe, welche sie sich im Leben durch ihre Tugend erworben, folgt ihr ins Grab nach,“ so notiert der Pfarrer im Begräbnisbericht. Doch auch das älteste Kind war ein Jahr zuvor verstorben.
Der Vater heiratete daraufhin die im Ort tätige „Industrielehrerin“ Henriette Schwarz. Amalia war das dritte ihrer sechs gemeinsamen Kinder, von denen jedoch nur sie und ihr Bruder Friedrich Ludwig, der wie sein Onkel Philipp Wilhelm Zinn Theologie studiert hatte, das Erwachsenenalter erreichte. 

Inzwischen suchte das Franklin College in Wilmington, Ohio, einen Musiklehrer. Wie dieser Kontakt über den großen Teich zustande kam, ist uns nicht bekannt. Es gab bereits einige ehemalige Zeiskamer, die zu diesem Zeitpunkt im Bundesstaat Ohio lebten. Unter sieben Bewerbern wurde Guth ausgewählt. Er berichtet: „Ich unterschrieb einen Vertrag für drei Jahre, nachdem ich die Erlaubnis der deutschen Regierung zur Ausreise beantragt hatte. Dann bat ich meine Eltern um Erlaubnis, das Mädchen (meine große Liebe) heiraten zu dürfen. Endlich willigten sie ein und ich versprach den Eltern, dass ich wiederkommen würde, wenn die drei Jahre vergangen sind. Wir heirateten am 10. Februar 1867.“ (Der kirchliche Heiratseintrag lautet allerdings auf 10. Januar 1867.)

Musikprofessor am Franklin-College in Wilmington
Das College in Wilmington war wenige Jahre zuvor von drei Brüdern gegründet worden. Allerdings kam die private Einrichtung in finanzielle Schwierigkeiten. 1870 wurde das Gebäude und das dazugehörige 13 Hektar große Gelände durch die Religious Society of Friends (Religiöse Gesellschaft der Freunde - Quäker) für 11.333,33 Dollar gekauft. Das College ist bis heute den Quäkern verbunden und orientiert sich deren Grundwerten. Als Leitprinzip gilt der höchste Wert des Individuums oder „das Göttliche in jedem Menschen“. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts lag die durchschnittliche Einschreibung bei 100 Studierenden. Getrennte Wohnheime, jeweils mit eigenem Speisesaal, wurden für männliche und weibliche Studierende eingerichtet, die noch heute auf dem Gelände nachvollziehbar sind. Das ursprüngliche Gebäude, die heutige College Hall, verfügte über ein Auditorium im dritten Stock mit einer Sitzplatzkapazität für 750 Personen. Es wurde für besondere Aktivitäten der College-Kapellen, für Vorlesungen, Abschlussfeiern, Theateraufführungen und sogar als Turnhalle für Basketballspiele genutzt. In den frühen Jahren beherbergte die College Hall im Wesentlichen das gesamte College, einschließlich den Schlafsälen für Studenten und Fakultätsmitglieder.
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Familiäre Ereignisse
Im Census der USA aus dem Jahr 1870 erfahren wir, dass er in Waverly im County Pee Pee mit seiner Familie Wohnung genommen hatte. Im Juni 1869 war der Sohn Carl Friedrich Wilhelm Conrad Oscar geboren. Sein Rufname war Oscar. Im November 1871 kam Sohn Friedrich Arthur Valentin zur Welt. Doch kurz darauf geschah das Unglück, das die Familien auch in der deutschen Heimat erlebt hatten:
„Die Mutter verstarb früh und ließ mich mit den zwei kleinen Babys allein. Frau Helfenbein, eine gut-herzige Frau, kam mir in meiner großen Trauer zuhilfe. Mit ihr verabredete ich die Versorgung des sechswöchigen Babys und gab den zwei Jahre älteren Sohn zu Familie Hagemann in Pflege. Ich war arm, und voller Trauer beladen bat ich meine Eltern um Beistand. Mitleidige Freunde standen mir bei, so gut sie es konnten. Aber ich fand nur Genugtuung, indem ich tüchtig arbeitete, um die Kinder gut versorgen zu können. Wo ich nur konnte, gab ich zusätzlich Musikunterricht.“
Die versprochenen drei Jahre waren längst vergangen. Doch wie hätte Friedrich Guth in der alten Heimat erneut beruflich Fuß fassen können? 1874 heiratete er die 21-jährige Katharina Rosa Best, genannt Kate, die in Waverly geboren und beheimatet war. Mit ihr hatte er zwei weitere Söhne Arthur Edwin Hasso und Victor Conrad. Die Kinder blieben den musikalischen Neigungen ihres Vaters treu: „Alle meine 4 Söhne nahmen Musikunterricht, sie arbeiteten in Klavierfabriken, wo sie das Stimmen so wie die Anfertigung von Klavieren erlernten, ebenso den Bau von Orgeln. Sie wurden Miteigentümer unserer Firma 'F. Guth und Söhne'.“ 1879 hat er schließlich den Musikunterricht aufgegeben, so wir uns berichtet. Sowohl die Lehrtätigkeit am College als auch der private Unterricht scheint finanziell nicht ausreichend gewesen zu sein. In Waverly eröffnete er ein Pionier-Musikgeschäft, das einzige in der Stadt, in dem er einen umfangreichen Vorrat an Klavieren, Notenmaterial und allem, was mit Musik zu tun hatte, bereithielt. Überliefert ist auch, dass er neun Lieder komponiert habe.

Sehnsucht nach der Heimat
Über seinen Heimatort Zeiskam verfasste er ein Gedicht voller pathetischer Erinnerungen:

Mein Heimatort
Du bist der Garten in der Pfalz,
Mein Heimatdorf, o Gott erhalt’s!
Mit Deinen wunderschönen Gauen,
Voll Wiesen, Wäldern, üppigen Auen,
Durch die Kanäle, Bäche fließen,
Daß alles man kann wohl begießen.
Wohl nirgends in der weiten Welt
Find’st du ein schöner Gartenfeld!
Kein ander‘ Bild verwischt die Spuren,
die mir gelassen Deine Fluren!
Der Blumenteppich Deiner Wiesen
Wird immerfort von mir gepriesen.
Die Nachtigall in Deinem Wald,
Wer könnte sie vergessen bald!
Die Lerche hoch in Deinen Lüften,
Der Blumenduft in Deinen Grüften,
In welchem schlummern meine Lieben,
Ist alles frisch in mir geblieben.
Doch Zeiskam, höher steht Dein Fleiß,
Dem dieses Lied auch bringt den Preis!
Er hat gebracht Dir Glück hinieden,
Halt fest an ihm und sei zufrieden!
Dann Zeiskam, bleibst Du an der Queich
Das beste, schönste Dorf im Reich.
(Zitiert nach Schnell 1999)

Geschrieben haben muss Friedrich Guth das Gedicht nach 1900. Sein Vater Konrad Guth IV. war 1888 gestorben, seine Frau Barbara geb. Krumm 1899. Erst 1894, im Alter von 80 Jahren hatte sie ihre Tätigkeit als Zeiskamer Hebamme aufgegeben. Die beiden Schwestern Katharina und Barbara hatten in Zeiskam eigene Familien gegründet, von seinem Bruder Jakob fehlen uns weitere Informationen. Die Pfälzische Lehrerzeitung berichtete 1901 von ihrem ehemaligen Kollegen, dem Musikprofessor und Instrumentenhändler in Wayerly, Ohio. (Pfälzische Lehrerzeitung 1901, Seite 267) Dort wuchs die nächste Guth-Generation heran. In 1895 hat Oscar William eine Eva Irene Mendenhall geheiratet, die beiden hatten eine Tochter, doch die Mutter starb an Wochenbettfieber. „Wir nahmen die Tochter Bertha Eva Amalia zu uns und haben sie erzogen, sie ist noch immer bei uns und war immer unser großer Beistand in unserem hohen Alter,“ schreibt Guth später. Frederick Arthur heiratete Lillian Gertrude Mendenhall, die Schwester von Eva und gründete mit zwei Schwagern ein Warenhaus in Waverly.
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Tod und letzte Ruhestätte
Friedrich Guth starb im Alter von 75 Jahren an einer Lungenentzündung. Seine Frau Kate geb. Best wurde 97 Jahre alt und starb 1950. Beide Frauen und ihr Ehemann sind auf dem Evergreen Union Cemetery in Waverly, Pike County, Ohio begraben. Frederick Arthur Valentine Guth (1861 – 1966), zweitältester Sohn von Friedrich Guth und seiner ersten Frau Amalia geb. Zinn war ein sehr findiger Konstrukteur. Er hielt 5 US-Patente, eines davon für ein Gatter, das sich nach oben öffnet und so weniger Platz benötigt. Auch ein Urenkel, hielt 11 US-Patente, in diesem Fall für Atemtestgeräte.

(Karl Guth, Hartwig Humbert, Zeiskam, 2025)

Internet
www.digitale-sammlungen.de: Kreisamtsblatt Nr. 74 vom 29.9.1863 (abgerufen 22.07.2026)
www.bavarikon.de: Kreisamtsblatt Nr. 56 vom 19.9.1865 (abgerufen 22.07.2026)
www.rheinpfalz.de: Lehrer werden vor 200 Jahren: Die Geschichte des Schullehrerseminars in Kaiserslautern (abgerufen 22.07.2026)
babel.hathitrust.org: Rheinische Blätter für Erziehung und Unterricht, Schwelm 1829 (abgerufen 22.07.2026)
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Protestantisches Schulhaus in der Mittelgasse in Zeiskam

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Mittelgasse / Ecke Kramerstraße 8
Ort
67378 Zeiskam
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

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Empfohlene Zitierweise
Karl Guth (2025), Hartwig Humbert (2025): „Protestantisches Schulhaus in der Mittelgasse in Zeiskam”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360367 (Abgerufen: 22. August 2026)
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