Südlicher Querflügel des früheren Schlosses in Oberkail

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Oberkail
Kreis(e): Eifelkreis Bitburg-Prüm
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 02′ 11,92″ N: 6° 40′ 48,52″ O 50,03664°N: 6,68015°O
Koordinate UTM 32.333.877,10 m: 5.545.283,29 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.548.770,51 m: 5.544.706,34 m
  • Heutiger Zustand des ehemaligen kleinen südlichen Querflügels des Oberkailer Schlosses (2026)

    Heutiger Zustand des ehemaligen kleinen südlichen Querflügels des Oberkailer Schlosses (2026)

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    Erich Schäfers, Oberkail
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  • Blick aus Richtung Bungert auf die ehemalige Schloss- und Burganlage in Oberkail im Jahre 1912 oder 1913

    Blick aus Richtung Bungert auf die ehemalige Schloss- und Burganlage in Oberkail im Jahre 1912 oder 1913

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    Ernst Wackenroder, Düsseldorf 1934, Fig. 121, Seite 1056
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    Ernst Wackenroder
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  • Grundriss (Ausschnitt) des ehemaligen kleinen südlichen Querflügels des Schlosses in Oberkail gemäß einer Bauaufnahme des Jahres 1911

    Grundriss (Ausschnitt) des ehemaligen kleinen südlichen Querflügels des Schlosses in Oberkail gemäß einer Bauaufnahme des Jahres 1911

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    Ernst Wackenroder, Düsseldorf 1934, Fig. 121, Seite 1057
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  • Blick auf das Haus Haupichgasse 3 in Oberkail (2023)

    Blick auf das Haus Haupichgasse 3 in Oberkail (2023)

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  • Blick auf die Ruine Haupichgasse 3 in Oberkail von Südosten im Jahr 1919

    Blick auf die Ruine Haupichgasse 3 in Oberkail von Südosten im Jahr 1919

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  • Seitenansicht der Häuser Haupichgasse 3 und Burgstraße 18 in Oberkail (2026)

    Seitenansicht der Häuser Haupichgasse 3 und Burgstraße 18 in Oberkail (2026)

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    Ida und Armin Kreutz, Oberkail
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  • Der Ursprung des Hauses Kyllburger Straße 7 in Oberkail wurde um 1840 von Peter Bickendorf erbaut, der vorher mit seiner Familie in der Burgstraße 18 lebte

    Der Ursprung des Hauses Kyllburger Straße 7 in Oberkail wurde um 1840 von Peter Bickendorf erbaut, der vorher mit seiner Familie in der Burgstraße 18 lebte

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  • Ansicht der Gebäude Burgstraße 16 (rechts) und 18 (links) in Oberkail (2026)

    Ansicht der Gebäude Burgstraße 16 (rechts) und 18 (links) in Oberkail (2026)

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  • Ausschnitt aus einer Postkarte von Oberkail um 1910

    Ausschnitt aus einer Postkarte von Oberkail um 1910

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    Alexandra Kipp-Müller, Oberkail
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  • Ausschnitt aus einer Postkarte von Oberkail um 1960

    Ausschnitt aus einer Postkarte von Oberkail um 1960

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    Alexandra Kipp-Müller, Oberkail
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Der kleine südliche Querflügel des Oberkailer Schlosses hatte eine Grundfläche von etwa 15 mal 9 Metern. Heute ist die Einheitlichkeit des ursprünglichen Gebäudes kaum noch erkennbar. Durch Teilung, partielle Abbrüche, bauliche Veränderungen, Anbauten sowie die Erschließung von zwei nicht miteinander verbundenen Straßen aus, bedarf es eines zweiten Blicks, um die ursprüngliche Struktur zu erfassen. Dieser zweite Blick lohnt sich jedoch.

Lage und Gebäudebeschreibung
1811: Verkauf an Jean Betanier und damalige Baubeschreibung
Zapps-Haus, Burgstraße 18
Hecks-Haus, Haupichgasse 3; Leinewewisch (2. Hälfte 19. Jhdt.)
Ausgründungshaus: Kyllburger Straße 7
Kulturdenkmal
Quellen

Lage und Gebäudebeschreibung
Die beiden Gebäude mit den Anschriften Haupichgasse 3 und Burgstraße 18 erscheinen auf den ersten Blick wie eigenständig gewachsene Wohnhäuser. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch deutlich, dass sie aus einem älteren Baukörper hervorgegangen sind. Insbesondere die markanten Eckquaderungen (Bossenwerk) sowie Proportionen und Wandstärken weisen darauf hin, dass es sich ursprünglich um einen Flügel eines Schlossensembles handelte, der später in separate Wohnhäuser umgewandelt wurde.

Das Gebäude Haupichgasse 3 präsentiert sich als schlichtes, verputztes Wohnhaus mit einem deutlich erkennbaren späteren Anbau auf der rechten Seite. Der ursprüngliche Baukörper ist heute zweigeschossig, mit regelmäßig angeordneten Fensterachsen, und steht mit der Giebelseite zur Straße. Er wird von einem spitzen Satteldach abgeschlossen. Der seitliche Anbau hebt sich sowohl durch seine reduzierte Gestaltung als auch durch die Verkleidung mit Eternitplatten deutlich vom Hauptbau ab. Die Rückseite zum Bereich der ehemaligen Burg- und Schlossanlage ist fensterlos und verfügt lediglich über eine ebenerdige Toröffnung auf Kellerniveau.

Das Gebäude Burgstraße 18 bewahrt hingegen stärker den Charakter des ursprünglichen Schlossflügels. Die Fenster im Obergeschoss sind regelmäßig gesetzt und mit dezenten Rahmungen versehen, wenngleich sie nicht mehr original sind. Lediglich ein sehr großes, nahezu quadratisches Fenster im Erdgeschoss mit Blick in Richtung zum Burggarten dürfte noch die ursprünglichen Maße besitzen. Das mäßig steile Satteldach sowie die massiven Schornsteine fügen sich in das historische Erscheinungsbild ein. Im Unterschied zum Nachbargebäude wirkt dieses Haus homogener und weniger durch spätere Eingriffe verändert. Beide Häuser sind ein anschauliches Beispiel für die Umnutzung ehemals herrschaftlicher Architektur. Der ursprüngliche Schlossflügel wurde im Laufe der Zeit funktional aufgeteilt und durch Anbauten ergänzt. Während Haupichgasse 3 stärker durch Umbauten und Erweiterungen geprägt ist, hat Burgstraße 18 mehr von seiner ursprünglichen architektonischen Klarheit bewahrt. Dennoch bilden beide weiterhin ein zusammenhängendes Ensemble, dessen historische Herkunft trotz aller Veränderungen gut ablesbar ist.
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1811: Verkauf an Jean Betanier und damalige Baubeschreibung
Von den um 1700 errichteten Gebäuden des neuen Schlosses verkaufte Michael Feltes den kleinen südlichen Querflügel als erstes. Am 25. Oktober 1811 schloss er vor dem Notar Inguel in Oberkail einen Kaufvertrag mit dem im Ort ansässigen Gendarmen Jean Betanier. Bereits im Jahr 1803 hatte der aus dem lothringischen Hënténgen stammende, damals 30-jährige französische Staatsdiener die fünf Jahre jüngere Maria Eva Schuster aus dem Oberkailer Trappen-Haus (Bitburger Straße 8) geheiratet. Dort wurden auch ihre ersten sechs Kinder geboren. In der auf Französisch abgefassten Notariatsurkunde wird der Verkaufsgegenstand näher beschrieben: Ein Flügel des Schlosses zu Oberkayll, nach Osten zum sogenannten Bungert gelegen, samt dem unmittelbar angrenzenden Turm, in dem sich das Treppenhaus befindet. Diese Treppe verbleibt im gemeinschaftlichen Eigentum von Verkäufer und Käufer und ist von beiden Parteien gemeinsam zu nutzen. Zum Verkaufsobjekt gehörte ferner die neben den genannten Gebäuden gelegene steinerne Balustrade nebst dem daran anschließenden Hofraum. Dieser erstreckt sich in seiner Länge entsprechend der Balustrade bis zu dem gegenüberliegenden, abgebrochenen Gebäude und in seiner Breite entsprechend der Turmbreite von sechs Metern. Des Weiteren verläuft entlang des genannten Schlossflügels sowie der Balustrade ein Graben, der sich über eine Länge von sechs Bogenabschnitten erstreckt. Dieser wird durch die äußere Mauer begrenzt, die ihn umschließt. Die genannten Gebäude sind insgesamt mit Schiefer gedeckt. Die Familie Betanier-Schuster sollte jedoch nicht lange in ihrem neuen Haus wohnen. Die militärischen Umwälzungen des Jahres 1814 sowie die politischen Veränderungen des Folgejahres boten einem französischen Polizeibeamten im nun preußischen Oberkail keine Perspektive mehr. Die Familie zog daher 1815 nach Fléville in Lothringen, im französischen Stammland. Infolgedessen verkaufte Johann Betanier – wie er nun in den deutschsprachigen Notariatsurkunden genannt wird – am 21. April 1816 den kleinen Schlossflügel an den Metzger Peter Aubart aus Dudeldorf, der kurz zuvor bereits den benachbarten Westflügel des Schlosses erworben hatte. Einen Teil der Kaufsumme musste Aubart den Erben des Michael Feltes zahlen, da Betanier den 1811 vereinbarten Betrag noch nicht vollständig beglichen hatte. Aubart nutzte das Anwesen jedoch nicht selbst, sondern veräußerte es weiter. Da der entsprechende Notariatsakt bislang nicht aufgefunden werden konnte, lassen sich weder Zeitpunkt noch Höhe des Verkaufspreises genau bestimmen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Weiterverkauf um 1817 oder 1818 erfolgte. Käufer war Matthias Burlebach (1783-1839). Ihm und seiner acht Jahre jüngeren Ehefrau Susanna Rausch wurde noch im Juli 1816 ein Sohn auf dem Neuhof bei Buchholz geboren, zwischen 1819 und 1826 folgten in Oberkail vier weitere Kinder und 1828 ein weiterer Sohn in Hof Gelsdorf. Die Familie betrieb in Oberkail Landwirtschaft, wie ein Verkaufsakt aus dem Jahre 1823 belegt. Demnach veräußerten Matthias Hütt, Ackerer aus Schwarzenborn, und Friedrich Wallenborn, Ackerer aus Oberkail, „zu Gunsten des Matthias Burlebach, Ackerer von Oberkail, […] die Hälfte der alten Küche in dem ehemaligen Burghaus zu Oberkail mit dem Schornstein, […] Feuerherde darunter, und einen daran gelegenen Garten für Ein und Sechzig Thaler Sechsundzwanzig Silbergroschen.“ Um welchen Gebäudeteil es sich dabei genau handelte, lässt sich heute nicht mehr eindeutig feststellen. Ebenso bleibt unklar, warum Matthias Burlebach 1827 nach Hof Gelsdorf und spätestens 1832 wieder in seinen Heimatort Prümzulay verzog. Der kleine südliche Querflügel des Oberkailer Schlosses blieb jedenfalls noch bis 1835 in seinem Besitz und war vermietet. Anschließend wurde das gesamte Gebäude von Peter Bickendorf (1807-1878) erworben. Er stammte aus dem Nachbarhaus in der Haupichgasse 1 und war seit 1834 mit Elisabeth Theisen (1809-1855) aus Röhl verheiratet. Im Jahr 1838 wurde das Gebäude schließlich geteilt, wodurch die bis heute bestehende Aufteilung in zwei Einheiten entstand.
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Zapps-Haus, Burgstraße 18
Peter Bickendorf blieb zunächst mit seiner Familie in diesem Hausteil wohnen, errichtete jedoch um 1840 ein neues, größeres Haus in der Kyllburger Straße 7 und zog mit seiner Familie dorthin um. Neue Eigentümerin der Hälfte des südlichen Querflügels wurde im Jahr 1840 die Witwe Margarethe Siegler. Sie war die Tante von Johann Siegler (1811-1867), der spätestens ab 1848 die Eigentumsrechte an diesem Hausteil übernahm, der damals als Wohngebäude der Klasse I geführt wurde. Das war die niedrigste Kategorie, in die nur die kleinsten Häuser eingestuft wurden. Seit 1838 war er mit Apollonia Baring (1811-1886) aus Welschbillig verheiratet. Sechs der zehn Kinder dieses Ehepaares starben bereits im Säuglingsalter. Katharina Siegler (*1838) wanderte 1891 gemeinsam mit ihrem Ehemann Matthias Heck von Oberkail nach Nordamerika aus. Peter Siegler (1841-1890) lebte als Hüttenarbeiter in Haspe und bezog mit seiner Familie 1878 das Haus Kyllburger Straße 23, in dem er auch verstarb. Jakobina Siegler (1849-1924) zog mit ihrem Ehemann nach Dingdorf. Margarethe Siegler (1853-1936) siedelte nach ihrer Heirat mit Matthias Weber in das Haus Kyllburger Straße 31 über, das dessen Vater Johann Weber in diesen Jahren neu errichtet hatte. Möglicherweise verbrachte auch die Mutter Apollonia Baring die letzten Monate ihres Lebens in der Kyllburger Straße. Sicher ist, dass Johann Zimmer (1849-1911) ab 1885 Eigentümer des Hauses in der Burg wurde. Er war von Beruf Schneider und vermutlich im Schmatz-Haus (Kuhberg 8) aufgewachsen. Seine aus Neidenbach stammende Ehefrau Anna Schmitz (1851-1921) wurde im Jahr 1900 Miteigentümerin. Diese Besitzverhältnisse bestanden auch noch 1910, als das Anwesen als Wohnhaus mit Stall geführt wurde. Fünf Jahre später wird im Grundbuch mit „Zimmer, Johann II“ der gleichnamige Sohn als Eigentümer genannt. Er war seit 1912 mit Angela Fögen (1878-1939) aus Deudesfeld verheiratet. Johann Zimmer (1882-1959) wird im Grundbuch als Tagelöhner bezeichnet und verrichtete unterschiedliche Gelegenheitsarbeiten. So hob er beispielsweise im Auftrag der Gemeinde Gräber auf dem Friedhof aus. Der mündlichen Überlieferung zufolge zog er gelegentlich mit einem Akkordeon durch Oberkail und die umliegenden Dörfer, um Spenden zu erbitten. In diesem Zusammenhang soll ihm der Spitzname „Zapp“ verliehen worden sein, der später auch auf sein Haus überging. Nur zwei der fünf Kinder überlebten das Säuglingsalter. Der Sohn Hubert Zimmer (1914-1985) heiratete Anna Berwanger und zog zu ihr in den Kuhberg 7. Tochter Margarethe Zimmer (1915–1989) war mit Paul Brück (1915-1959) aus Densborn verheiratet. Da das Paar kinderlos blieb, lebte Margarethe Brück 30 Jahre als Witwe allein in dem Haus. Nach ihrem Tod erwarb Joachim Batt aus Aachen das Anwesen und setzte es instand. Das kleine Ökonomiegebäude ließ er abreißen, so dass seitdem der ursprüngliche Charakter dieses Teils des südlichen Querflügels wieder besser erkennbar ist. Nach seinem Tod wurde das Haus im Jahr 2025 verkauft. Die heutigen Besitzer Antje und Simon Brück aus St. Thomas vermieten ihren Teil des ehemaligen Schlossgebäudes in Oberkail als Ferienwohnung.
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Hecks-Haus, Haupichgasse 3; Leinewewisch (2. Hälfte 19. Jhdt.)
Peter Bickendorf verkaufte dieses Gebäude im Jahr 1838 an den Nachbarn Theodor Wallenborn, der 1800 auf dem Hof Eulendorf geboren wurde, jedoch bereits als Jugendlicher mit seiner Familie nach Oberkail zog. Dort heiratete er 1826 Anna Fögen aus Deudesfeld. Die Eheleute lebten jedoch nur bis Ende der 1830er in Oberkail und verzogen anschließend mit ihren vier Kindern, 1852 wohnten sie in Salmrohr. Spätestens im Jahr 1840 war Matthias Wagner (um 1766-1841) Eigentümer des Hauses, das damals als Wohngebäude der Klasse I geführt wurde, also nur dem niedrigsten Steuersatz unterlag. Er stammte aus Prümzurlay und war mit Anna Ackels (um 1775-1852) verheiratet. Gemeinsam mit vier erwachsenen Kindern und dem damals 16-jährigen, gleichnamigen Sohn zog er von Mettendorf nach Oberkail, um dort sein Einkommen als Leinenweber zu suchen. Sein Beruf prägte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Hausnamen. Vermutlich hatte sein Sohn Nikolaus Wagner (geboren 1808 in Mettendorf) in das Haus Haupichgasse 3 eingeheiratet. Seine neun Kinder aus zwei Ehen wurden zwischen 1841 und 1866 dort geboren. Nikolaus verstarb 1867, seine zweite Ehefrau Anna Maria Müller im Jahr 1882. Zwei Kinder aus seiner ersten Ehe mit Veronika Kail sind nachweislich 1871 nach Nordamerika ausgewandert. Anfang der 1880er Jahre werden im Grundbuch „Wagner Matthias Erben“ als Eigentümer geführt. Wer genau darunter zu verstehen ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Die mündliche Überlieferung berichtet jedoch, dass das Haus von seinen letzten Bewohnern überstürzt verlassen worden sei: Das Frühstücksgeschirr habe noch auf dem Küchentisch gestanden, während sich die Bewohner bereits auf dem Weg nach Nordamerika befanden. Das ohnehin bescheidene Gebäude verfiel in den folgenden Jahren vollständig. Im Gebäudeverzeichnis von 1910 ist an dieser Stelle nur noch eine „Ruine“ verzeichnet. Fotographische Aufnahmen aus den 1910er Jahren bestätigen diesen Befund. An diesem Zustand änderte sich auch bis nach dem zweiten Weltkrieg nichts. Der Kriegsheimkehrer Matthias Heck (1911-1985) erwarb im Jahr 1949 gemeinsam mit seiner Ehefrau Barbara Puchta (1919-1967) die Ruine und errichtete daraus ein Wohnhaus für sich und seine Familie. Er stammte aus dem Nachbarhaus Haupichgasse 1, wo er zusammen mit seinem Bruder Wilhelm eine Schreinerei sowie eine kleine Landwirtschaft betrieb. Zwei Jahre nach dem Tod seiner ersten Ehefrau, die aus Franken stammte, heiratete er erneut: Susanna Kackert (1916-1975) aus Niederkail. Gemeinsam erweiterten sie das Haus in Richtung Bungert, wodurch es seine heutige Gestalt erhielt. Im Haus folgte ihnen der unverheiratete Sohn Matthias Heck junior (1949-2020) nach, während seine drei Geschwister nach auswärts heirateten. Nach kurzem Leerstand und einem Übergang in das Eigentum der Ortsgemeinde gehört das Anwesen heute Christian Schulze-Wext und wird für die Oberkailer Jagdgemeinschaft genutzt.
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Ausgründungshaus: Kyllburger Straße 7
Peter Bickendorf (1807-1878) wurde vermutlich noch im Bayers-Haus am heutigen Standort Bitburger Straße 14 geboren und zog bereits als Kind mit seinen Eltern in das spätere Barings-Haus (Haupichgasse 1). Wie sein Vater war er Schreiner beziehungsweise Zimmermann. Im Jahr 1834 heiratete er Elisabeth Theisen (1809-1855) aus Röhl. Das Ehepaar wohnte zunächst kurzzeitig im heutigen Haus Burgstraße 18, bevor es Anfang der 1840er Jahre in der Kyllburger Straße 7 einen Neubau errichtete. Es dürfte sich um ein kleines Haus gehandelt haben, da es lediglich in die Steuerklasse I eingestuft wurde. Ihr Sohn Theodor Bickendorf (1849-1918) errichtete vermutlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit seiner Ehefrau Katharina Schuster (1847-1930) ein neues Haus in der Neustraße 2. Wahrscheinlich lebten ihre Tochter Anna Bickendorf (*1839) und ihr Ehemann Michael Theisges (1834-1883), der aus Badem stammte, im elterlichen Haus. Deren im Jahr 1871 geborener Sohn Theodor wurde 1892 in Abwesenheit wegen Verlassen des Bundesgebietes verurteilt. Es ist anzunehmen, dass er vor dem anstehenden Militärdienst nach Nordamerika ausgewandert war. Sein Onkel Peter Theisges war bereits 1872 dorthin ausgewandert. Da für Anna Bickendorf kein Sterbedatum überliefert ist, liegt die Vermutung nahe, dass sie gemeinsam mit ihrem Sohn zur Familie ihres Schwagers ausgewandert ist. Die Gelegenheit, das dadurch frei gewordene Haus zu erwerben, nutzen der Ackerer Theodor Schwadorf (1847-1914) und seine aus Spang stammende Ehefrau Anna Maria Dockendorf (1855-1939). Vor dem Kauf des Hauses in der Kyllburger Straße lebte die Familie mit ihren bis dato fünf Kindern im Elternhaus Theodors, dem später so genannten Probst-Haus, das heute Bestandteil des Gebäudes Bitburger Straße 2 ist. Dort wohnten zu dieser Zeit auch Theodors Vater Valentin sowie seine Schwester Katharina, verheiratete Probst, mit ihrer Familie. Im Jahre 1910 umfasste das Anwesen Kyllburger Straße 7 ein Wohnhaus mit Abort, eine Scheune und einen Stall sowie einen Holzschuppen. Kurz darauf wurde zusätzlich ein Schweinestall errichtet. Im Jahr 1938 lebten Anna Maria Dockendorf als Witwe und ihr unverheirateter, als „Invalide“ bezeichneter, Sohn Valentin Schwadorf (1880-1959) im Haus. Im Jahr 1941 ging das Eigentum auf die Tochter beziehungsweise Schwester Maria Schwadorf (*1885) über. Bereits zwei Jahre zuvor war der Sohn Jakob Schwadorf (1891-1958) mit seiner aus Fließem stammenden Ehefrau Maria Magdalena Schmitz (1896-1972) in die Burgstraße 17 umgezogen. Im Jahr 1957 wurde er jedoch Eigentümer seines Elternhauses, das 1961 an seine Tochter Maria Magdalena Schwadorf überging, die mit dem Mechaniker Peter Hött verheiratet war. In den 1970er Jahren ließ sich schließlich die Familie Joosten in diesem Haus nieder.
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Kulturdenkmal
Der kleine südliche Querflügel wird als Bestandteil der ehemaligen Burg- und Schlossanlage in Oberkail im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Eifelkreis Bitburg-Prüm (Stand 2025) geführt. Der Eintrag lautet:
„Burgstraße 4-18, 20, Bitburger Straße 3, Haupichgasse 1 und 3;
ehem. gräflich Manderscheidsche Burg Kail (Denkmalzone); um 1340 Ausbau des Hofes zur Wasserburg, ab 1809 tlw. abgebrochen und parzelliert; bauliche Reste der ehem. Vierflügelanlage, im Wesentlichen 17. Jh. (1625) und um 1700, tlw. Umbau zu Quereinhäusern, 19. und frühes 20. Jh.“

(Jörg Kreutz, Oberkailer Zeitspuren e.V. - geschichtlicher Verein der Ortsgemeinde Oberkail, 2026)


Quellen
  • Kreisarchiv Bitburg: Akten des Standesamtes Oberkail.
  • LHAK, Außenstelle Kobern-Gondorf: Bestände 734-1104, 736-2291 und 736-3427.
  • LHAK, Außenstelle Rommersdorf: Bestände 587,005 und 587,008.
  • Pfarrarchiv Oberkail und Bistumsarchiv Trier: Kirchenbücher der Pfarrei Oberkail.
  • Mündliche Mitteilung von Katharina Schuh, geb. Weber, verw. Foegen (1914-2015) an ihren Enkel Claus Rech.
  • Mündliche Mitteilung von Ludwig Gierten (1882-1967) an seinen Enkel Ludwig Kreutz.
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Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) (Hrsg.) (2025)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Eifelkreis Bitburg-Prüm. Denkmalverzeichnis Eifelkreis Bitburg-Prüm, 26. Sep. 2025. Mainz.
Gerten, Erich; Kreutz, Jörg; Rech, Claus (2001)
Oberkail. Geschichte eines Dorfes in der südlichen Eifel. Neuerburg.
Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.) (1991)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Kreis Bitburg-Prüm. Band 9.1, Verbandsgemeinden Kyllburg und Speicher. Worms.
Rheinischer Appelations-Gerichtshof zu Cöln (Hrsg.) (1835)
Urteilsschrift des Rheinischen Appelations-Gerichtshof zu Cöln in seiner öffentlichen Sitzung des ersten Civil-Senats vom 22. April 1835. Köln.
Roos, Stefan (1999)
Familienbuch Eisenschmitt 1716-1899. Welschbillig.
Wackenroder, Ernst / Clemen, Paul (Hrsg.) (1934)
Die Kunstdenkmäler des Kreises Wittlich. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 12.4.) Düsseldorf.

Südlicher Querflügel des früheren Schlosses in Oberkail

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Haupichgasse / Burgstraße 3 / 18
Ort
54533 Oberkail
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

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Jörg Kreutz: „Südlicher Querflügel des früheren Schlosses in Oberkail”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360337 (Abgerufen: 8. Juli 2026)
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