Geschichte des Günderothschen Hofes
Um 1634 ließ Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf (1597-1659) für seinen Kammerdiener und Bauinspektor Johannes Hecklauer (1596-1652) den rot gestrichenen Hauptbau des Anwesens erbauen. Dieser richtete hier ein Gästehaus für ausländische Gesandte ein. Dieses wurde nach Hecklauers Tod 1652 als vornehmer Gasthof „Der Prinz“ weitergeführt. 1675 gelangte das Gebäude in den Besitz des herzoglichen Oberstallmeisters Friedrich von Günderoth (1641-1695), dessen Name bis heute mit dem Haus verbunden ist. Den heutigen geschlossenen Charakter einer allseitig umbauten Hofanlage erhielt der Komplex wohl unter Graf Joachim von Brockdorff auf Noer (1695-1763) durch die beiden aus dem 18. Jahrhundert stammenden Fachwerkbauten, die das Haupthaus flankieren (1827 und 1932 erneuert).
Das Torhaus zur Straße stammt ursprünglich von 1675. Auf der Straßenseite befindet sich das von Löwen gehaltene von Brockdorff-Wappen über einer Inschrifttafel mit dem Datum 1761.
Zum Hofkomplex gehören der dreiseitig umbaute Nebenhof Kleinberg 2 aus dem späten 18. Jahrhundert und zu den Seiten zwei kleine giebelständige Nebengebäude, Aufbau in Fachwerk (zeitweise Getreidespeicher bzw. Pferdestall).
1851 erwarb die Stadt Schleswig den Hof, der in den folgenden Jahrzehnten eine sehr wechselvolle Geschichte erlebte und seit 1932 das Museum beherbergt.
Das Hauptgebäude ist ein Backsteintraufenhaus mit zwei Hauptgeschossen, einem halbhohen Zwischengeschoss und Satteldach. Die Fassadengliederung folgt schlicht der holländischen Art durch Flachbogenblenden, die je ein Fenster eng umschließen, und Zieranker in Höhe der Geschossdecken. Der rote Farbanstrich entspricht dem ursprünglichen Befund. In der Mitte der breiten Hoffront erhebt sich ein kleines, rundbogiges Portal über der geschweiften Freitreppe, beiderseits flankiert von je vier Fensterachsen. In der Mitte der Rückfront steht der haushohe, rechteckige Treppenturm mit Satteldach.
Im Haupthaus fällt die repräsentative Eingangshalle mit einer in dieser Form seltenen spätbarocken Treppenanlage auf, die in die oberen Etagen des Hauses führt. Die Geschosse waren ursprünglich nur durch die Wendeltreppe im Treppenturm verbunden. In den frühen 1760er Jahren (vor 1764) erfolgte der Einbau der repräsentativen Holztreppe in den hinteren Teil der Halle, dreiläufig, mit zwei Armen und dem gemeinsamen, breiten, geschweiften Anstieg.
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Geschichte des MuseumsDie Anfänge reichen zurück bis in das Jahr 1879. Damals gründeten Schleswiger Bürger den „Verein für Sammlung und Konservierung vaterländischer Alterthümer in der Stadt Schleswig“. Als 1892 eines der schönsten Anwesen in der Altstadt, das Gebäude Gallberg 3, von der Stadt für museale Zwecke zur Verfügung gestellt wurde, begann die eigentliche Erfolgsgeschichte des Stadtmuseums: Unter dem Namen „Alterthumsmuseum“ entstand hier eine Dauerausstellung zur Geschichte, Kultur und Volkskunst Schleswigs und der umliegenden Region. Träger dieser Aktivitäten war ein im Jahr 1903 neu gegründeter Verein, der „Altertumsverein für Schleswig und Umgebung“.
1930 ließen die Ausgrabungen am Haddebyer Noor den Plan reifen, ein städtisches Haithabu-Museum in Schleswig aufzubauen. Dafür stellte der Magistrat 1932 den Günderothschen Hof in der Friedrichstraße zur Verfügung unter der Maßgabe, die Bestände des Altertumsmuseums mit aufzunehmen. So entstand 1934 das „Schleswig-Haithabu-Museum“.
Nach 1950 erfolgte unter der Bezeichnung „Städtisches Museum“ (seit 2001: Stadtmuseum) eine Neuausrichtung mit einer umfassenden Darstellung der Stadtgeschichte bis zur Gegenwart, ergänzt um Spezialsammlungen und Sonderausstellungen zu verschiedenen Themenbereichen. Durch die Einbeziehung weiterer Gebäude in der Nachbarschaft vergrößerte sich nach 1950 der Ausstellungs- und Aktionsradius des Museums erheblich.
Heute präsentiert sich das Stadtmuseum mit einer Ausstellungsfläche von 1.500 Quadratmetern in fünf Gebäuden als eines der führenden kommunalen Museen in Schleswig-Holstein. Dependancen sind das Museum für Outsiderkunst und das Holm-Museum.
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Gezeigt werden Informationen über die wichtigsten historischen Stationen Schleswigs, der ältesten Stadt in Nordeuropa. Dazu gehören interaktive 3-D-Rekonstruktionen und Simulationen mit Einblicken in die Zeit des Mittelalters, in der Haithabu-Schleswig als Hafen- und Handelsstadt eine bedeutende Rolle im nordeuropäischen Raum spielte.Im 2. und 3. Stockwerk steht die Stadtentwicklung vom 18. bis zum 20. Jahrhundert im Mittelpunkt. Thematische Schwerpunkte sind die konfliktreiche deutsch-dänische Vergangenheit, die Geschichte Schleswigs als Hauptstadt der preußischen Provinz Schleswig-Holstein, der Nationalsozialismus mit seinen Auswirkungen und der Neubeginn nach 1945. Spezielle Bereiche bilden unter anderem das Kabinett mit wertvollen Schleswiger Fayencen, der Raum zur Geschichte der Fischersiedlung auf dem Holm und das Schleswiger Zimmer, das die Wohnkultur einer Bürgerfamilie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dokumentiert.
Ausstellungen zur Geschichte der Fotografie sowie Sonderschauen mit den Werken renommierter zeitgenössischer Fotografen setzen besondere Akzente im Ausstellungsprogramm des Stadtmuseums.
Zudem gibt es in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen und Sonderschauen, insbesondere werden fotografische Themen behandelt. Die historische Druckerei bietet einen umfangreichen Einblick in die Kunst des Druckens.
Seit Mai 2002 gehört auch das Teddybär-Haus zum Bestand des Stadtmuseums. Es befindet sich links vom Hauptgebäude. Hier tummeln sich seltene, viel geliebte und betagte Schmusegefährten renommierter Hersteller. Aber auch andere Kuscheltiere und altes Spielzeug können hier betrachtet werden.
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(Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) / Claus Weber, KuLaDig-Redaktion und Vertrauensmann für KuLaDig in Schleswig-Holstein, 2026))Hinweis
Die Gesamtanlage Günderothscher Hof ist eingetragenes Kulturdenkmal (Baudenkmal, Objektnummer 33013)
Internet
www.stadtmuseum-schleswig.de: Stadtmuseum Schleswig (abgerufen 29.1.2026)
efi2.schleswig-holstein.de: „Sachgesamtheit: Günderothscher Hof/ Scheershof“ in der Denkmaldatenbank Schleswig-Holstein (abgerufen 29.1.2026)