Ehemalige Wirtschaft zur Brauerei Pfalzstraße 29
Das Bierbrauen und das deutsche Reinheitsgebot
Ein Bierkeller
Der Zeiskamer Bierbrauer wandert nach Amerika aus
Die Zeiskamer Mühle
Internet
Ehemalige Wirtschaft zur Brauerei Pfalzstraße 29
Es war im Jahr 1842, als Johann Peter Humbert II. (1814-1907) zusammen mit seiner Frau Maria Eva Guth 1842 in der Zeiskamer Schwalbengasse eine Brauerei mit Wirtschaft eröffnet, wie es eine Steintafel mit den Namen am Torpfosten der heutigen Pfalzstraße Nummer 29 bezeugt. Sechs Jahre zuvor hatte das junge Paar geheiratet und Eva hatte bereits ihre ersten drei von insgesamt acht Kindern zur Welt gebracht. Auch in ihrer beiden bäuerlichen Elternhäuser gab es jeweils eine große Kinderschar, doch dass die Eheleute auf ein reiches Erbe hätten aufbauen können, kann kaum daraus geschlossen werden. Ob die jungen Leute neben dem Ackerbau durch die Tätigkeit von Peter als Frachtfuhrmann, was die Annalen als weiteren Beruf angeben, einen gewissen Reichtum erlangten, könnte angenommen werden. Vielleicht transportierte er auch in dieser Funktion manches Bierfass zu den Gaststätten in den umliegenden Dörfern. Auf jeden Fall taucht in den Dokumenten schließlich die Berufsbezeichnung Gutsbesitzer auf, was auf einen großen bäuerlichen Besitz hinweist.
Das Bierbrauen und das deutsche Reinheitsgebot
In einer Landesverordnung des Herzogtums Bayern von 1516 wurde das „Reinheitsgebot“ bei der Herstellung von Bier erlassen: „Wir wöllen auch sonnderlichen, das füran allenthalbn in unsern Stettn, Märckten unnd auf dem Lannde, zu kainem Pier merer stuckh, dann allain Gersten, hopffen und wasser, genomen unnd geprancht sölle werden. Welher aber diese ordnung wissentlich überfarn und nit halltenwürde, dem sol von seiner gerichtzöbrigkait, dasselbig vas pier, züstraff unnachläßlich, so offt es geschicht, genomen werden“ Die Zusammensetzung aus Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser garantiert bis heute die Qualität der in Deutschland hergestellten Biere.
Die Braukunst in Bayern, wozu auch die Pfalz gehörte, (Bis 1837 wurde das linksrheinische Territorium des Königreichs Bayern als Rheinkreis bezeichnet.) stand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch sehr unter obrigkeitlicher Regulierung. Ein „Biersatzregulativ“ setzte fest, wie viel eine Maß (1,069 Liter) höchstens kosten durfte. 1845 lag der Preis von Sommerbier bei 6 Kronen, von Winterbier bei 5 Kronen. Erst ab 1865 konnte sich der Bierpreis frei bilden.
Das untergärige Winterbier, produziert bei 4 bis 9 °C, war besonders stark, konnte aber wegen der notwendigen niedrigen Gärtemperaturen im Sommer nicht gebraut werden. Von Georgi (23. April) bis Michaeli (29. September) galt ein Sommersudverbot. Für Gärung und Reifung sowie für die Vorratslagerung wurden kühle Keller gesucht. So begann man bereits im 18. Jahrhundert in natürlichen Felsenhöhlen oder in neu gegrabenen und ausgemauerten Kellern die notwendige Kühlung zu erhalten. Zur Unterstützung schlug man aus im Winter gefluteten und zugefrorenen Wiesenflächen, aber auch in gefrorenen flachen Altrheinarmen Eisblocke und brachte sie in die angelegten Bierkeller. Obergärig konnte das ganze Jahr hindurch bei Temperaturen zwischen 15 und 20° C gebraut werden. Allerdings verdarb dieses viel schneller, eignete sich nicht zur Lagerung und musste zeitnah nach der Herstellung verbraucht werden. Erst die gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Carl von Linde entwickelten Kältemaschinen erleichterten die ganzjährige Bierproduktion.
Ein Bierkeller
Ob Peter Humbert sich eine solche Anschaffung hätte leisten können, ist nicht überliefert. Doch zu seinem Besitz gehörte ein Acker auf der Anhöhe rechts der Freimersheimer Straße, gegenüber des 1831 dort errichteten neuen Friedhofs. Dort errichtete er einen zwölf Meter tiefen Bierkeller, in dem er bis weit in den Sommer hinein das Bier mit dem geschlagenen Eis kühl halten und in seiner Gastwirtschaft verkaufen konnte. Der ältestes Sohn des Bierbrauers, Johannes Humbert (1838-1902), wurde Bauer, war aber sein Leben lang ehelos geblieben. Die fünf Schwestern hatten jedoch alle in Zeiskam eine Familie gegründet, so dass bei ihnen so manche Zeiskamer ihre familiären Wurzeln haben.
Der Zeiskamer Bierbrauer wandert nach Amerika aus
Interessant wird der jüngere männliche Familiensprössling: Peter Humbert (1849-1920), der Achte mit diesem Namen in Zeiskam hatte beim Vater hatte das Brauhandwerk gelernt. Doch lockte ihn das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wohin er 1880 mit seiner erst 18 Jahre alten Ehefrau Katharina Sturm, die er zwei Wochen zuvor erst geheiratet hatte, auswanderte. Doch kehrten sie bald wieder in die Heimat zurück und übernahmen 1888 die Gaststätte. Ihre beiden Kinder Katharina und Heinrich kamen in Zeiskam zur Welt. Die Speyerer Zeitung berichtet im Januar 1898, dass der Wirt Peter Humbert VIII. zu einer Geldstrafe von 20 Mark verurteilt wurde, weil er ohne Konzession neben Wein und Bier auch Branntwein verkaufte. Wohl wegen der Konkurrenz anderer Brauereien stellte Peter Humbert jun. 1891 die eigenen Bierproduktion ein, führte jedoch die Wirtschaft Zur Brauerei noch weiter. Nachdem seine Frau zehn Jahre später verstorben war, heiratete Peter die fast 30 Jahre jüngere Katharina Gauweiler (1878-1920).
Nach einem weiteren Jahrzehnt, am 21. Mai 1912, ist die Familie, der 62jährigen Peter, die 36 Jahre alte Tochter Katherine, der 14jährige Sohn Heinrich und die „moth[er] i[n] l[aw] Margrete Gauweiler“ (die eheliche Mutter)) auf der Überfahrt von Hamburg nach Philadelphia zu entdecken. Ob der uneheliche 2 1/2 -jährigen Sohn von Tochter Katharina, Wilhelm Humbert (geb. 1909 in Zeiskam), nicht erfasst wurde, kann nicht nachvollzogen werden. Jedenfalls war auch er später in den Staaten wohnhaft. Sein Großvater Peter und dessen Sohn Heinrich, anfangs sogar Enkelsohn Gordon, waren dann auch in Amerika im Braugewerbe tätig. Allerdings standen sie dort im Angestelltenverhältnis, zum einen im Brew House von Henry F. Ortlieb, des weiteren in der Regal Brewery in Miami. Peter Humbert VIII. und Katharina geb. Gauweiler verstarben beide 1920 in Pennsylvania.
Die Zeiskamer Mühle
Der mittlere Bruder des Auswanderers, Philipp Heinrich Humbert II. (1846-1915) hatte auch das Bierbrauerhandwerk gelernt. Finanziell scheint es ihm nicht schlecht gegangen zu sein, denn 1908 kaufte er für 24.000 Goldmark die Getreidemühle gekauft, die von seinem Sohn Otto Humbert (1879-1952) weitergeführt wurde. Er und später seine Tochter Alwine Humbert, verh. Küspert (1907-1980) ergänzten das Anwesen durch einen gastronomischen Betrieb. Somit ist das heutige Restaurant und das Hotel, wenn auch unter der weiblichen Linie weitergeführt, in der fünften Generation in Familienbesitz.
(Hartwig Humbert, Zeiskam, 2025)
Internet
www.digitale-sammlungen.de: Die Biertaxe in Bayern und das Biersatzregulativ vom Jahre 1811 (abgerufen 06.02.2026)
www.historisches-lexikon-bayerns.de: Brauereien (19. Jahrhundert), von Michael Nadler (abgerufen 06.02.2026)
www.biertour-muenchen.net: Münchner Bierschau (abgerufen 06.02.2026)
de.wikipedia.org: Prinz Adalbert (Schiff, 1903) (abgerufen 06.02.2026)