Streuobstwiese Mausoleum am Petersberg in Königswinter

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Königswinter
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 41′ 24,17″ N: 7° 11′ 43,95″ O 50,69005°N: 7,19554°O
Koordinate UTM 32.372.544,37 m: 5.616.910,97 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.584.524,65 m: 5.617.848,29 m
  • Streuobstwiese am Mausoleum (2017).

    Streuobstwiese am Mausoleum (2017).

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Die fast 2 Hektar große Streuobstwiese liegt östlich des ehemaligen Hauses Heisterberg, heute ein JUFA-Hotel. Das Anwesen wird 1871 von dem Barmer Unternehmer Albert Heinrich Caron anstelle des auf mittelalterliche Ursprünge zurückgehenden Weinguts Pfaffenröttchen erbaut. Zu der von Caron geplanten Anlage gehörten ein großer Park, ein Aussichtsturm und ein Mausoleum hinter dem die Streuobstwiese liegt. Verschiedene Anzeigen belegen, dass Caron Teile des Gutes landwirtschaftlich nutzte bzw. verpachtete (Echo, 3.10.1888, 5.1.1905). In einer Obstbaumzählung von 1913 werden 68 Bäume gelistet (StAKW-OK-635). 1920 verkauft die Familie Caron das Anwesen an den Kölner Industriellen Ottomar Strauss, der als Jude 1939 genötigt wird, das Haus zu verkaufen. Das Gebäude wird 1957 abgebrochen und durch den heutigen Neubau ersetzt. Ob die heutigen Obstbaumbestände auf die Familie Caron oder Strauss zurückgehen, ist bislang nicht geklärt.

Die Streuobstwiese wird durch einen alten Zufahrtsweg schräg in einen nördlichen und einen südlichen Teil geteilt. Entlang des Weges ist eine lange Reihe von insgesamt 28 Birnenhochstämmen gepflanzt worden. Dank eines parallel verlaufenden Entwässerungsgrabens sind die Wuchsbedingungen für die staunässeempfindlichen Birnen hier wohl etwas besser, aber dennoch nicht optimal. Einige der insgesamt 28 Bäume sind bereits abgängig oder zeigen eine unregelmäßige Fruchtausbildung. An Sorten finden sich verschiedene Tafel- und Wirtschaftsbirnen (Krautbirnen und für den Schnaps sogenannte Brennbirnen).

Die Wiese bepflanzte man Anfang des 20. Jahrhunderts ausschließlich mit Apfelhochstämmen. Es finden sich verschiedene Tafel- und Wirtschaftssorten mit unterschiedlichen Reifezeitpunkten. Unter den noch bestehenden Bäumen sind vor allem der Rheinische Winterrambur und der Gravensteiner als Wirtschafts- und Tafelapfel mit hohen Stückzahlen vertreten. Der Gravensteiner als nicht lagerfähiger Tafelapfel erzielte im Verkauf hohe Preise und ist ein sicherer Hinweis für eine Vermarktung des Obstes. Auch die anderen vertretenen Sorten dienten als Wirtschaftsobst. Sorten für Lageräpfel sind kaum vertreten.

Eine Besonderheit sind die Sorten Kaiser Alexander und Brettacher. Letztere wurde erst 1908 in Württemberg entdeckt und muss schon kurz danach hier gepflanzt worden sein. Dies ist ein sicheres Indiz für eine gewisse pomologische Sammelleidenschaft des damaligen Besitzers. Und so finden sich allein südlich des Weges 12 Birnensorten und 11 Apfelsorten. In Zusammenhang mit den oben genannten Wirtschaftsäpfeln ergibt sich daher ein gemischtes Bild des Baumbestandes. Einerseits sollte die Sortenzusammensetzung offensichtlich wirtschaftlichen Gesichtspunkten genügen, andererseits sammelte man und schmückte sich mit regionalen Besonderheiten.

Heute wird die Fläche durch die Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V. betreut, die regelmäßig Pflegemaßnahmen durchführt, abgängige Bäume durch Neupflanzungen ersetzt und die Fläche extensiv beweiden lässt. Eine Wanderung entlang der Wiese zur Zeit der Blüte ist ein Erlebnis.

Datierung
circa 1900 bis heute

Zugang
Die Wiese wird von einem offiziellen Wanderweg gequert.

Hinweis
Das Objekt „Streuobstwiese Mausoleum am Petersberg in Königswinter“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 446).

(Jörn Kling, 2025)

Quellen
  • StAKW-OK-635, Obstbaumzählung 1913

Internet
www.biostation-rhein-sieg.de: Obstwiesen und Obstsorten (abgerufen 24.04.2026)
www.natuerlich-streuobst.de: Natürlich Streuobst! Über Streuobstwiesen (abgerufen 24.04.2026)
www.chance7.org: chance7 - Unsere Projekte (abgerufen 24.04.2026)

Literatur

Bouillon, Barbara; Kling, Joern; Lamberty, Christiane (2019)
Zeugen der Landschaftsgeschichte im Siebengebirge. Historische Nutzungen und ihre Auswirkungen auf die Landschaft. (Kulturlandschaftspflege im Rheinland, Band 2.) Köln.

Streuobstwiese Mausoleum am Petersberg in Königswinter

Schlagwörter
Ort
53639 Königswinter - Niederdollendorf / Deutschland
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1900

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
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Empfohlene Zitierweise
Jörn Kling: „Streuobstwiese Mausoleum am Petersberg in Königswinter”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356782 (Abgerufen: 5. Mai 2026)
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