Militärische oder zivile Feldflugplätze wurden in der Regel lediglich vorübergehend und auf ursprünglich nicht dafür vorgesehenen Flächen eingerichtet, die für die benötigten Bauten und vor allem die Start- und Landebahn geeignet waren. Im Gegensatz zu Fliegerhorsten, die in der Regel voll ausgebaute und dauerhafte Flugplätze waren, auf denen meist bereits in Friedenszeiten ständiger Flugbetrieb herrschte, wurden die eher behelfsmäßigen Feldflugplätze teils nur temporär im Rahmen von größeren Militäroperationen genutzt, etwa für leichte Verbände von Aufklärern, Schlachtflugzeugen und Jägern.
Der Feldflughafen Odendorf / Palmersheim
Der Feldflugplatz wurde im Zuge des Ausbaus des militärischen Verteidigungssystems des so genannten „Westwalls“ mit der Luftverteidigungszone West (LVZ) für für Jagdflugzeuge der Reichsluftwaffe erbaut.
Im Rahmen eines Vortrags beim Geschichtsverein Euskirchen berichtete Professor Heinz Schuh 2019, dass der Flugplatz 1938/39 auf Weisung des Luftgaukommandos VI, Münster/Westfalen auf einer „großen unbefestigten Rasenfläche zwischen dem Bendenweg und Palmersheim beidseitig des Schießbachs [ein Abschnitt des Rodderbachs, Verf.] als Feldflugplatz angelegt [wurde]. Kommandantur, Fahrzeugpark, Unterkünfte, Wartungsgebäude, getarnte Abstellplätze gehörten unter anderem dazu.“
Ferner wurde in dem Vortrag berichtet, dass der einstige Fliegerhorst über den heutigen Bendenweg führte und die Südstraße die Rollbahn war.
Der auch als „Einsatzhafen E 14“ bezeichnete Feldflughafen im Bereich der heutigen Fluren Auf der Weide und Am Knürschelngarten war vom 10. Mai 1940 bis zum 6. Juni 1940 Bestandteil des als Hauptquartier für den Westfeldzug ausgebauten, etwa 20 Kilometer entfernten Führerhauptquartiers „Felsennest“ in Bad Münstereifel-Rodert. Zeitweise war hier das Luftwaffen-Jagdgeschwader 27 (JG 27) mit Maschinen des Typs Messerschmitt Bf 109 (Me 109) stationiert.
Adolf Hitler landete mit seinem Stab zu Beginn des Westfeldzuges am 10. Mai 1940 auf dem Feldflugplatz Odendorf und soll nachfolgend von hier aus zu Frontflügen nach Frankreich und Belgien gestartet sein (ga.de). Die Webseite www.tracesofwar.com nennt weitere Flüge Hitlers nach Bastogne (17. Mai 1940), Charleville (24. Mai 1940), Brüssel (1. Juni 1940) und einen Flug von Charleville nach Odendorf am 2. Juni 1940. Der Flugplatz soll demnach auch vom Oberbefehlshaber der Luftwaffe Hermann Göring und vom Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels genutzt worden sein.
Laut Bonner Generalanzeiger (ga.de) startete Hitler von hier letztmalig am 1. Juni 1940 mit einer Junkers Ju 52, nachdem das „Felsennest“ infolge des deutschen Einmarschs nach Frankreich seine Bedeutung verloren hatte:
„Während der Lagebesprechung am 5. März 1943 im Hauptquartier Werwolf [auch 'Wehrwolf' oder 'Eichenhain', im ukrainischen Winnyzja, Verf.] teilte Hitler mit, dass er das Felsennest nicht wieder nutzen wolle. Als Grund führte er die Luftbedrohung und die Gefahr einer Zerstörung der ca. 15 Kilometer entfernten Stadt Euskirchen an.“ (de.wikipedia.org)
Im Zuge der Gegenoffensive nach der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 wurde der Flugplatz zum Kriegsende hin durch US-amerikanische Truppen eingenommen. In Odendorf landete dabei deren Oberbefehlshaber General Dwight D. Eisenhower (1890-1969). Der spätere US-Präsident von 1953 bis 1961 soll hier auch mit dem zuvor an der Westfront siegreichen US-General George S. Patton (1885-1945) zusammengetroffen sein.
Im Vortrag von Professor Schuh wird für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg angeführt, dass „unterirdische Treibstofftanks, Munitionsrückstände und die Reste des Bombenteppichs vom 10. Januar 1945 ... lange noch als Altlasten manchen Bebauungsplan [blockierten]. Jahrelang schritt der Kampfmittelräumdienst das offene Gelände ab und barg bis zum Jahr 2000 etwa fünf Tonnen Kriegsschrott und fast drei Tonnen Munitionsreste auf dem Odendorfer Acker.“
Spuren, Objektgeometrie, historische Karten
Von dem Fliegerhorst aus dem Zweiten Weltkrieg sind keine obertägigen Spuren überkommen. Im Bereich des Bendenwegs und der Südstraße befindet sich heute Wohnbebauung aus den 1960er bis 1980er Jahren.
Unter www.tracesofwar.com wird als einziger Überrest noch eine „Rollbahnbrücke“ ohne nähere Ortsangabe genannt, d.h. eine Art Straßenquerung, die „zum Transport von Flugzeugen in den Wald“ genutzt worden sei. Eine solche Brücke könnte auch zum Transport von Flugzeugen und Material zwischen Odendorf und dem etwa 5 Kilometer nördlich gelegenen Feldflughafen bei Swisttal-Ollheim gedient haben und befand sich möglicherweise im Bereich der kleinen Siedlung Mömerzheim.
In Mömerzheim fließt eine alte, mittlerweile zugewachsene und nur vom Bachbett aus sichtbare Brücke über den durch das Dorf fließenden Schiessbach. Diese Brücke soll der lokalen Überlieferung zufolge eine alte „Panzerbrücke“ des Feldflughafens sein (Hinweis Herr Mager).
Auf den historischen topographischen Karten TK 1936-1945 ist der hier anhand der Angaben vorab im Bereich der Odendorfer Südstraße eingezeichnete Flugplatz nicht verzeichnet. Dies kann seinen Grund darin haben, dass er zum Zeitpunkt der Erstellung der Karte noch nicht bestand, oder - und dies ist als wahrscheinlicher anzunehmen -, dass die militärische Geheimhaltung seine Darstellung verbot. Die älteren Karten der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme und die Blätter der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) zeigen das offenbar in landwirtschaftlicher Nutzung befindliche Areal noch unbebaut (vgl. Kartenansichten).
Bereits die Topographische Karte Euskirchen von 1961 lässt vor Ort keinerlei Spuren eines Feldflughafens mehr erkennen. Der einstige Flugplatz ist hier daher lediglich symbolisch mit einer Objektgeometrie im Bereich des Bendenwegs und der Südstraße anhand der aktuellen Liegenschafts-Katasterkarte ALKIS eingezeichnet.
(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2025)
Quellen
- Freundlicher Hinweis von Herrn Rainer Mager zu der Brücke über den Schiessbach in Mömerzheim, 2026.
- Topographische Karte L 5306 Euskirchen, Maßstab 1:50.000, hrsg. vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen 1961.
Internet
www.geschichtsverein-euskirchen.de: „Der Feldflugplatz in Odendorf 1939 bis 1945“ (Ankündigung des Vortrags von Prof. Heinz Schuh am 26.11.2019, abgerufen 22.09.2025)
www.tracesofwar.com: Feldflugplatz-Odendorf (abgerufen 22.09.2025)
ga.de: Das vergessene Führerhauptquartier in Odendorf (Text Rolf Plewa, General-Anzeiger vom 21.07.2007, abgerufen 22.09.2025)
de.wikipedia.org: Felsennest (abgerufen 22.09.2025)