Töpferei Christian und Theodor Schaaf in Frechen

Weyerhof

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 30,86″ N: 6° 48′ 50,53″ O 50,90857°N: 6,81404°O
Koordinate UTM 32.346.318,20 m: 5.641.933,86 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.557.298,91 m: 5.641.791,43 m
Der grundherrschaftliche Weyerhof wurde im Zuge der Säkularisation privatisiert und am 01.07.1805 an den Getreidelieferanten Ignace-Joseph Vanlerberghe verpfändet (Brück 2014, S. 19). Wann genau die Töpferfamilie Christian Schaaf senior (1777-1855) in den Besitz der Flächen kam, ist bisher unbekannt.

Die Töpferei Christian Schaaf
Die Töpferei Theodor Schaaf
Die Geschichte der Töpferei Schaaf nach 1861 (Fabrik Albert Meier, Peter Weiden)
Quellen

Die Töpferei Christian Schaaf
Der Besitz des Töpfers Christian Schaaf setzte sich in den 1830er Jahren wie folgt zusammen: Den Grundsteuerfortschreibungsprotokollen zum Urkataster ist zu entnehmen, dass für die Flurstücke Z 246, 247, 248, 249 ein Johann Vogelfänger bis zum Jahr 1829 als Eigentümer verzeichnet ist, der die Flächen an eine Elisabeth Jubelgahs verkaufte (LA NRW R 7207). Diese wiederum verkaufte um das Jahr 1834 (LA NRW R 7208 / 1834) die Grundstücke Z 246, 248 und 249 an den Töpfer Christian Schaaf senior. Diesem gehörte laut Urkataster um die Jahre 1838/1839 auch das Gartengrundstück Z 251, welches er aufteilen ließ. Auf der Parzelle 251/2 stand ein Kannenofen (Supplement-Flurbuch REK 106 393 / fol 43 und LA NRW R 7209 / 1840). Sehr wahrscheinlich gehörten ihm zu der Zeit bereits auch die Grundstücke 252, 254, und 255, die zum Weyerhof gehörten.

Im Jahr 1847 beantragte Christian Schaaf, hinter seinem Haus in der Breitegasse 436 in den Hofgebäuden einen Kannenofen anlegen zu dürfen (LA NRW R 8849). Aus der dem Antrag beigefügten Situationszeichnung geht hervor, dass sein Eigentum zwei Häuser an der Breitegasse (Nr. 436 und 439) sowie das sich dahinter anschließende Gartenland bis zur heutigen Othmarstraße umfasste. Der Skizze ist ebenfalls zu entnehmen, dass sich an der Othmarstraße 1847 bereits ein Kannenofen befand, vermutlich der im Urkataster für das Jahr 1840 erwähnte (s.o.). Seit 1846 ist Christian Schaaf auch als Tongrubenbesitzer verzeichnet. Sehr wahrscheinlich förderte er seinen benötigten Ton in einer Grube am Schachtelnberg, einer Flur im Bereich des heutigen Frechener Stadtteils Grube Carl (Section 9, Nr. 20; Kölnische Zeitung vom 16.07.1857).
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Seine Lebensdaten lauteten nach Göbels (1971):
SCHAAF, CHRISTIAN Kannenbäcker, Töpfer - 1777 Juni 25 geb. zu Frechen, Sohn der Ehel. Peter Sch. und Margaretha Stark, Traureg. 1/1803 - 1802 Okt. 4 heir. Anna Stark aus Frechen, 26 Jahre alt, Tochter des Kannenbäckers Christian St., ebd. - 1808 Sept. 20 zeigt den Tod der Tochter Anna Margaretha an, Sterbereg. 64/1808 - 1830 Jan. 26 zeigt den Tod der Mutter an, ebd. 11/1830 - 1855 Apr. 19 stirbt zu Frechen, ebd. 67/1855 - 1856 führt seine Witwe im Hause Nr. 498 den Betrieb weiter, StaF Akt. 187 fol. 21“.
Drei Söhne, Theodor (1806-1869), Heinrich (1809-1877) und Peter (1812-?) waren ebenfalls Töpfer in Frechen.

1851 schien Christian Schaaf die Grundstücke Z 248 und Z 249 mit dem Haus Nr. 438 seinem ältesten Sohn Theodor zur Verfügung gestellt zu haben, damit dieser dort die Töpferei Theodor Schaaf einrichten konnte; Christian Schaaf blieb jedoch Eigentümer der Flächen.

1852 gründete Heinrich Eduard Sticker im Betrieb des mittlerweile 75 Jahre alten Christian Schaaf die erste Steinzeugfabrik Frechens. Der „alte Christian Schaaf“ wird in den Quellen (Bürgermeisterbericht von 1854, zitiert in Dörner 1953, S. 66) als Töpfermeister der Fabrik benannt. Als er im Jahr 1855 verstarb, führte seine Witwe Anna Schaaf (geb. Stark) den Betrieb im hohen Alter von 80 Jahren bis zu ihrem Tod am 30.12.1856 fort (Göbels 1971, S. 410).

Der Tod der Anna Schaaf und der darauf folgende Erbprozess bedeuteten sehr wahrscheinlich das Ende der Steinzeugfabrik Sticker. Der Weyerhof, bestehend aus den Flurstücken Z 251/1, 251/2, 252, 254 und 255 gehörte wohl laut der Liquidationsanzeige in der Kölnischen Zeitung vom 16.07.1857 um 1857 sowohl der Familie Schaaf als auch Eduard Sticker und stand zur Versteigerung am 23.09.1857 im Gasthaus „Zur Glocke“ ausgeschrieben. Sticker beantragte bereits im März 1857, seine Fabrik nach Lindenthal verlegen zu dürfen, was ihm auch genehmigt wurde.
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Die Töpferei Theodor Schaaf
Dem Urkataster von 1859 ist zu entnehmen, dass Christians Sohn Theodor (zu dem Zeitpunkt nun wohnhaft in Haus 498), der bereits - nicht sehr erfolgreich - „nebenan“ produzierte, die Grundstücke des Weyherhofes Z 251, 252, 254, und 255 für 1885 Taler erwarb (LA NRW R 7212 / 1859 / 3). Die Grundstücke seiner „alten“ Töpferei gehörten nun seinem Bruder, dem Töpfer Peter Schaaf (LA NRW R 7212 / 1859 / 3).

Auch die väterliche Töpferei brachte Theodor keinen Erfolg - laut Göbels hatte er 1861 die Töpferei aufgegeben (1971, S. 411). Im Jahr 1863 bot der Kölner Kaufmann Marcus Kappel den Weyherhof wiederum zum Verkauf an (Kölnische Zeitung vom 18.5.1863): „Dienstag den 26. 1. M. Mai, Vormittags 11 Uhr, soll im Gasthause “Zur Glocke„ zu Frechen auf Anstehen des zu Köln wohnenden Kaufmannes Marcus Kappel auf langjährigen Credit öffentlich verkauft werden der sogenannte Weiherhof, gelegen in der Breitegasse zu Frechen, bestehend in dem Wohnhause Nr. 498 nebst Stallung, Schoppen, Hofraum und Garten, sodann in drei an die Kirchgasse anschließenden, abgepfählten Bauplätzen und einem Gemüsegarten nebst Töpferofen mit der damit verbundenen Gerechtsame und Schoppen. Köln, den 15. Mai 1863. Notar Müller“.
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Die Geschichte der Töpferei Schaaf nach 1861 (Fabrik Albert Meier, Peter Weiden)
Die weitere Geschichte der Töpferei Schaaf nach 1861 ist leider lückenhaft, aber nicht weniger spannend. Möglicherwiese nutzte der Frechener Töpfer Albert Meier die leerstehenden Fabrikationshallen, um kurzfristig eine Steinzeugfabrik zu betreiben. Zu seiner Steinzeugfabrik finden sich in der Literatur nur wenige Hinweise, nämlich der Produktionsbeginn im Jahr 1862 und der Standort in der Breitegasse (Ostermann 1967, S. 44). Granrath (1956, S. 30) ergänzt: „Hier sei bemerkt, daß diese Fabrik die erste von einem Frechener gegründete Fabrik ist.“ Zeitlich und räumlich könnte die Zwischennutzung des Schaaf´schen Betriebes passen.
Weitere Informationen zum ehemaligen Hof für die 1870er Jahre liefert wiederum das Urkataster: Ein in Cöln wohnender Theodor Schaaf verkaufte die Flurstücke Z 251/2, 254, 255 an den 'Töpfer und Steingutfabrikanten' Peter Weiden, Eigentümer der späteren Steinzeugfabrik Weiden & Schaaf (der Verkauf erfolgte wohl schon 1871) (LA NRW R 7214 1876 / 8). Das Gartengrundstück Z 251/1 verkaufte er ebenfalls an Peter Weiden (LA NRW R 7214 1876 / 5) und das Grundstück Z 252 an den Maurer Peter Herrlich (LA NRW R 7214 1876 / 3). Laut LA NRW R 7214 1876 / Nachweise des Notars Carl Joseph Koch Köln vollzog der zuvor genannte Herr Marcus Kappel (nun Kaufmann in Berlin) den Verkauf der Grundstücke Z 251/2 an Peter Weiden für 500 Thaler am 2.6.1874 und 251/1 für 500 Thaler am gleichen Tag an Peter Herrlich (Ackermann in Frechen).
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Für das Jahr 1880/1881 ist vermerkt, dass Peter Weiden das Grundstück Z 251/1 an den Steingutfabrikanten Adolph Bauer verkaufte (LA NRW R 7215 1880/1881 / 12), der bereits seit 1864 nebenan in der Breitestraße in seiner Fabrik Adolph Bauer Steinzeugröhren produzierte.

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)

Quellen
  • Kölnische Zeitung vom 16.07.1857 (abgerufen am 19.09.2025)
  • Kölnische Zeitung vom 18.5.1863 (abgerufen am 19.09.2025)
  • Supplement-Flurbuch REK 106 393 / fol 43
  • LA NRW R 7212 / 1859 / 3: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
  • LA NRW R 7209 / 1840: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
  • LA NRW R 7208 / 1834: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
  • LA NRW R 7207 / 1829: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
  • LA NRW R 7215 1880/1881 / 12: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
  • LA NRW R 7214 1876 / 3, 5, 8: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
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Literatur

Brück, Margret (2014)
Die bedeutenden mittelalterlichen Höfe in Frechen. (Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V. Band 10, 2014.) S. 9-32. Frechen.
Göbels, Karl (1977)
Frechen - damals. Von der Römerzeit bis zur Stadtwerdung. Ein heimatgeschichtliches Lesebuch. Köln.
Göbels, Karl (1971)
Rheinisches Töpferhandwerk. gezeigt am Beispiel der Frechener Kannen-, Düppen- und Pfeifenbäcker. o. O.
Granrath, Gregoria (1956)
Die Industrie der Steine & Erden im Raum von Frechen und Groß-Königsdorf. Wissenschaftliche Arbeit für das Gewerbelehramt. Köln (Stadtarchiv Frechen).
Heeg, Egon (1994)
Frechener Adressenverzeichnis 1795 mit Ortsplan. Düren.

Töpferei Christian und Theodor Schaaf in Frechen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Breite Straße
Ort
50226 Frechen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 941, Ende 1852 bis 1863

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Nicole Schmitz (2026): „Töpferei Christian und Theodor Schaaf in Frechen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356562 (Abgerufen: 18. September 2026)
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