Autobahnkapelle Geismühle in Krefeld-Oppum

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Krefeld
Kreis(e): Krefeld
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 18′ 39,12″ N: 6° 37′ 55,46″ O 51,31087°N: 6,63207°O
Koordinate UTM 32.334.966,42 m: 5.687.057,91 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.544.115,99 m: 5.686.420,35 m
Die Autobahnkapelle Geismühle befindet sich am Rastplatz Geismühle an der Bundesautobahn A57 zwischen den Anschlussstellen Krefeld-Oppum und dem Autobahnkreuz Meerbusch. Sie gehört zu den ökumenischen Autobahnkirchen in Deutschland und wurde 1981 eingeweiht. Die kleine Kapelle steht in unmittelbarer Nähe der historischen Geismühle, einer mittelalterlichen Turmwindmühle, die dem Ort ihren Namen gab.

Die Errichtung der Kapelle steht im Zusammenhang mit dem Bau der Raststätte Geismühle in den Jahren 1976/77. In dieser Zeit entstand die Idee, Reisenden an der vielbefahrenen Autobahn einen Ort der Ruhe und Besinnung anzubieten. Die Initiative ging auf einen Krefelder Unternehmer zurück, der das Projekt an den Evangelischen Gemeindeverband Krefeld herantrug und auch finanziell unterstützte.

Der erste architektonische Entwurf stammt von dem Krefelder Architekten Hein Stappmann. Nach dessen Tod im Jahr 1977 wurde die Planung von Ludwig Thorissen weitergeführt und umgesetzt. Die Bauarbeiten fanden 1980-1981 statt; am 18. April 1981 wurde die Kapelle in einem ökumenischen Gottesdienst eingeweiht. Von Beginn an war sie als gemeinsamer Ort für evangelische und katholische Christen gedacht.

Im Unterschied zu traditionellen Kirchen ist die Kapelle nicht auf regelmäßige Gottesdienste ausgerichtet. Vielmehr wurde sie bewusst als Meditations- und Andachtsraum für individuell reisende Menschen konzipiert - eine Reaktion auf die Erfahrung, dass feste Gottesdienstzeiten für Autobahnreisende kaum praktikabel sind.

Die Autobahnkapelle ist ein sehr kleiner Sakralbau mit einer Grundfläche von etwa 35 Quadratmetern Grundfläche. Ihre Architektur folgt dem Konzept eines stillen Rückzugsortes inmitten der offenen Landschaft. Der Baukörper wirkt bewusst schlicht und zurückhaltend und fügt sich durch seine niedrige, fließende Form in die umgebende Grünfläche ein.

Charakteristisch ist der dreieckige Grundriss, der durch ein stark abfallendes Dach geprägt wird. Diese Form erzeugt im Inneren einen konzentrierten, fast zeltartigen Raum, der Geborgenheit vermitteln soll. Große Fensterflächen öffnen den Blick in die umgebende Landschaft; ein kleines Wasserbecken vor der Fensterfront verstärkt den Eindruck von Ruhe und Naturverbundenheit.

Bei der Materialwahl griff man bewusst auf natürliche und regionaltypische Baustoffe zurück. Besonders prägend ist die äußere Verkleidung mit Holzschindeln, die dem Gebäude eine warme, handwerkliche Erscheinung gibt und gleichzeitig an traditionelle Bauformen des Niederrheins erinnert.

Die künstlerische Gestaltung der Kapelle stammt von dem Bildhauer Theo Akkermann. Zentral ist eine bronzene Rundscheibe mit Darstellungen aus der biblischen Schöpfungsgeschichte. Sie bildet den symbolischen Mittelpunkt des Raumes. Akkermann entwarf außerdem weitere Ausstattungsstücke wie das Kreuz im Eingangsturm, Türgriffe, Leuchter sowie ein Schriftband an der Außenwand.

Die Autobahnkapelle Geismühle gehört zu den frühen Beispielen der deutschen Autobahnkirchenbewegung. Sie verbindet eine minimalistische, naturbezogene Architektur mit der Idee eines spirituellen Rastplatzes für Reisende. Durch ihre Lage gegenüber der historischen Windmühle entsteht zudem ein ungewöhnliches Ensemble aus mittelalterlicher Technikgeschichte und moderner Sakralarchitektur am Rand der Autobahn.

(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)

Internet
www.autobahnkirche.de: Ökumenische Autobahnkapelle Geismühle (abgerufen 12.04.2026)
glaubenslektuere.de: Autobahnkapelle Geismühle (NRW) (abgerufen 12.04.2026)
www.kunstundkrefeld.de: KunstRaum Krefeld: Porträts Theo Akkermann 1907 – 1982, Bildhauer (PDF-Dokument, 142 KB, abgerufen 12.04.2026)
www.krefeld.de: Denkmalliste der Stadt Krefeld, Stand 01.2022 (PDF-Dokument, 153 KB, abgerufen 12.04.2026)

Literatur

Lehner, Günter; Leitschug, Marcus C. (Hrsg.) (2008)
Autobahnkirchen in Deutschland. Ein himmlischer Routenplaner. Freiburg - Basel - Wien.

Autobahnkapelle Geismühle in Krefeld-Oppum

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
An der Geismühle
Ort
47809 Krefeld - Oppum
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1981

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Karl Peter Wiemer (2026): „Autobahnkapelle Geismühle in Krefeld-Oppum”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356533 (Abgerufen: 12. April 2026)
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