Die Fenster wurden 1966 von dem Hildener Künstler Leonhard Nienartowicz entworfen. Die Anfertigung übernahmen die „Werkstätten für Glasmalerei und Mosaik Wilhelm Derix“ in Düsseldorf-Kaiserswerth.
Die circa zwei mal drei Meter großen Glasflächen sind in eine Vielzahl ungleichmäßiger Vierecke aufgeteilt, die sich zu dynamischen Linien verbinden. So entstehen zahlreiche Fluchtlinien in verschiedenste Richtungen, was den Bildern eine Art räumlicher Tiefe verleiht, die sich in ständiger Bewegung befindet. Die Farbgebung unterstützt den Effekt: Schwarz und verschiedene Grautöne strukturieren den Hintergrund. Sparsame Akzente von Gelb, Dunkelgrün oder Orange sind so verteilt, dass sie die Dynamik der Komposition im Gleichgewicht halten. Eingebettet sind Andeutungen abstrakter Motive, die, typisch für Lenartovitczs Kunst, mit dem Hintergrund verschmelzen und neue Formen entwickeln.
Beide Fenster zeigen eine kreisrunde Form, umfangen von einer komplexen V-förmigen Figur. Sie erinnert an eine stilisierte Menschendarstellung mit ausgebreiteten Armen, deren Enden sich einem zweiten Motiv entgegenstrecken. Beim südlichen Fenster ähnelt diese Form einer Rakete oder einem ähnlichen futuristischen Fluggerät. Beim nördlichen Fenster sind fünf pfeilförmige Gebilde zu sehen, die an einen Vogelschwarm erinnern. Beide Fenster zusammen erzählen eine Geschichte menschlichen Forschergeists, der aus den Beobachtungen der Natur Erkenntnisse für technische Anwendungen gewinnt.
Eine Variation des Motivs hat der Künstler bereits zehn Jahre vorher in seiner Stahlrohrskulptur „Ziehende Vögel“ am Grundschulzentrum Beethovenstraße verarbeitet. Beide Arbeiten sind inspiriert von Aufbruch, Forscherdrang und der Freiheit des lernenden Geistes.
1987 wurde die Hauptschule mit der Theodor-Heuss-Schule zusammengelegt und unter diesem Namen weitergeführt. Der Schulbetrieb wurde 2016 geschlossen. Das Gebäude wird nun von der Volkshochschule Hilden-Haan genutzt. Es gibt Pläne für eine Wohnbebauung des Areals. Es ist zu hoffen, dass Nienartowiczs kühne, abstrakte Arbeit gerettet wird und für Interessierte an einem anderen Ort zugänglich bleibt.
(Barbara A. Lenartowicz-Senguel und Rainer Hotz, im Auftrag des Kulturamts der Stadt Hilden, 2024)
Quelle
„Zugvögel und Raketenflug für Schulgebäudefenster“, in: Hildener Zeitung vom 19/20.11.1957, Stadtarchiv Hilden.
Internet
de.wikipedia.org: Leonhard Nienartowicz (abgerufen 12.09.2024)
de.wikipedia.org: Der Baukreis (abgerufen 12.09.2024)
www.glasmalerei-ev-web.de: Hilden, Theodor-Heuss-Schule; Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V. (abgerufen 12.09.2024)