Adolph (Adolf) Bauer erscheint erstmals im Jahr 1876 in Greven´s Adreßbuch von Köln als Repräsentant der Frankfurter Baubank (Greven's Adreßbuch 1876, S. 6). Die Frankfurter Baubank informierte in ihrer Annonce 1876: „Frankfurter Baubank (Röhrenlager), Lager glasirter Thon- und Steingutröhren, Schottischer Gußröhren, eiserner Sinkkasten, holländischer Porzellanplatten etc. (Lager in Nippes), Ursulagartenstraße 28. (Repräsentant Adolph Bauer.)“
Im Adreßbuch von 1877 ist ein interessanter Eintrag zu finden, laut dem Adolf Bauer die Steinzeugfabrik des Eduard Sticker in Lindenthal übernommen hatte. Eduard Sticker ist nun auch als „Rentner“ verzeichnet, der in der Dürener Straße 163 wohnt (Greven's Adreßbuch 1877, S. 284). Adolf Bauer dagegen hat den Eintrag: „vorm. H.E. Sticker, Steingutröhren- und Plattenfabrik, Theresienstraße 64“ (ebd.). Im Adressbuch von 1880 findet sich schließlich die Information, dass Adolf Bauer zwei Steinzeugfabriken betreibt, nämlich eine in Lindenthal und eine in Frechen (Greven's Adressbuch 1880, S. 332).
Adolph Bauer selbst wohnte auch in Köln-Lindenthal. Grevens Adressbuch für Köln enthält in verschiedenen Jahrgängen weitere Adressangaben. 1895 lautete der Eintrag: Bauer Adolf, Fabrikbesitzer, Lindenthal, Landgrafenstraße 76-78; in verschiedenen Ausgaben der Jahre davor sind als Adresse die Theresienstraße 75 (1878, 1880) und die Kaiserstraße 144-148 (1881-1890) angegeben. Zudem betrieb er Produktlager an verschiedenen Adressen in Köln.
Die Fabrik Adolph Bauer in Frechen
In älteren Publikationen zur Frechener Steinzeugindustrie wird die Gründung der Steinzeugfabrik des Kölner Kaufmanns Adolph Bauer in der Breitestraße 24 in Frechen für das Jahr 1864 angegeben (Ostermann/Stadtarchiv Frechen 1967, S. 44 und Schliski/Funken 1984, S. 7). Jedoch erscheint der Name Adolph Bauer erst ab 1879 in Frechener Akten im Zusammenhang mit Tonschächten: So betrieb er zwei Tongruben auf dem Schachtelnberg, der sich im Bereich der späteren Brikettfabrik Carl befand (StaF 193 / 33). Erst um diese Zeit übernahm er eine Steinzeugfabrik in Frechen, nämlich die des Frechener Steinzeugfabrikanten Peter Schaaf, dessen Familie und Töpferei wiederum in Zusammenhang mit dem Steinzeugfabrikanten Heinrich Eduard Sticker steht. Sticker gründete die erste Steinzeugfabrik Frechens in der Töpferei des Christian Schaaf.
Laut Grundsteuerfortschreibungsprotokoll verkaufte der Fabrikant Peter Schaaf um das Jahr 1880/81 die Grundstücke Z 246, 920/247, 921/247, 248, 922/247, 923/248, 249 mit seiner Röhrenfabrik an den Steinzeugfabrikanten Adolph Bauer (LA NRW R 7215 / 1880/81 / 12), der dies 1880 auch in seinem Adresseintrag von Köln (siehe oben) kundtat.
Die Mitarbeiterzahlen der Fabrik in Frechen betrugen in den Jahren 1889 12 Mitarbeiter (Dörner 1953, S. 75f), 1892 16 Mitarbeiter (Stadtarchiv Frechen 189/342), 1899 12 Mitarbeiter (Brauns 1963, S. 69), 1900 10 Mitarbeiter (Stadtarchiv Frechen 191/153) und im September 1902 1 Mitarbeiter (Stadtarchiv Frechen 192/3, 4).
Adolph Bauer war seit 1884 Mitglied im Verkaufskartell „Hensmann, Lövenich & Co“ und gehörte auch 1897 mit einer Stammeinlage in Höhe von 2.000 Mark zum neugegründeten Verkaufskartell „Vereinigte Westdeutsche Thonröhrenfabriken GmbH Köln“. 1896 betrug die Ofenbodenfläche seines Werkes 79 Quadtratmeter („darf erweitert werden auf 119m2“) (Schliski / Funken 1984, S. 19, 21, 31, 33, 42). Auch 1902 wird er als Mitglied des neu gegründeten Verkaufskartells „Rheinische Steinzeugwerke GmbH, Köln“ mit einer Stammeinlage von 1.000 Mark geführt (Schliski / Funken 1984, S. 48, 51, 63, 65). Außerdem befürwortete Bauer mit seiner Unterschrift 1888 den Bau einer Gütereisenbahn von Köln nach Frechen (HGK, S. 15-17). Das Werk wurde 1902 geschlossen und auch abgebrochen (Schliski/Funken 1984, S. 7).
Die eingezeichnete Objektgeometrie orientiert sich an den Urkatasterangaben sowie an einem Eintrag auf einem Bebauungsplan von 1901 (Stadtarchiv Frechen, S4 124). Auf diesem Plan ist an der Adresse Breitestraße 24 der Plan zerrissen und die Beschriftung unlesbar bis auf die Endung „ik“, welche zum Wort „Fabrik“ passen könnte. Östlich grenzt ein großes Flurstück an die Fabrik Bauer an, auf dem ein Kamin - möglicherweise der Kamin der Fabrik Bauer - eingezeichnet ist. Dieses große Grundstück gehörte laut Bebauungsplan „Weiden und Schaaf“, den Eigentümern einer weiteren Steinzeugfabrik „Weiden und Schaaf“, die südöstlich der Kirche St. Audomar produzierte.
Heutige Situation
Heute befindet sich an der Adresse Breite Straße 24 ein Wohnhaus mit Hofzufahrt, die zu einem Gewerbebetrieb führt. Historische Bausubstanz im Bereich des Wohnhauses und der Gewerbehallen ist nicht auszuschließen, schließlich liegen zum Grad des Abbruches (Teilabriss? Vollständiger Abbruch?) der Fabrik bisher keine Informationen vor.
(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2024)
Quellen
Stadtarchiv Frechen
- StaF 192/3, 4 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Adolph Bauer).
- StaF 189/342 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Adolph Bauer).
- StaF 191/153 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Adolph Bauer).
- StaF 193 / 33
- Bebauungsplan für die Dorflage Frechen, südlicher Theil Blatt II, 1901 (Stadtarchiv Frechen, S4 124).
Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
- LA NRW R 7215 / 1880/81 / 12
Grevens Adressbuch der Stadt Köln: diverse Jahrgänge, darunter insbesondere:
- Grevens Adressbuch der Stadt Köln 1876 (abgerufen am 25.09.2026)
- Grevens Adressbuch der Stadt Köln 1877 (abgerufen am 25.09.2026)
- Grevens Adressbuch der Stadt Köln 1880 (abgerufen am 25.09.2026)