Die Töpferei Stephan Textoris
Die Töpferei Max Band / Reinholf Frentz
Heutiger Zustand und kulturhistorische Bedeutung
Hinweis und Quellen
Die Töpferei Stephan Textoris
Um das Jahr 1836 kaufte der Töpfer (Häfner) Stephan Textoris (1791-1864) die Flurstücke Y 144/3 und 145/3, ausgewiesen als Garten und Ackerland, von ‚Berndgen &Glasmacher', die das gesamte ehemalige Burggelände vermarkteten (LA NRW R 7208 / 1836). Diese Flurstücke verliefen über die hier eingezeichnete Geometrie hinaus bis hin zur Franzstraße.
1838, zwei Jahre nach dem Grundstückerwerb, errichtete er einen Töpferofen an der Hauptstraße „auf der Spiesburg“ (StaF Akt. 189 fol. 20-22); der Vorgang eines Neubaus auf dem Flurstück Y 144/3 ist auch in den Grundsteuerfortschreibungsverhandlungen vermerkt (LA NRW R 7209, 1841).
Er wurde sowohl in einer Handwerkerliste im Jahr 1850 unter der Hausnummer 329 (StaF Akt. 182 fol. 20) als auch in einer Töpferliste aus dem Jahr 1856 unter der Hausnummer 387 (StaF Akt. 187 fol. 21f) geführt. Laut Göbels arbeiteten um das Jahr 1863 zwei seiner Söhne in der Werkstatt mit.
TEXTORIS, STEPHAN „Häfner, Töpfer - 1791 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Johann T. und der Margaretha Mück, Sterbereg. 26/1864 - 1822 Febr. 18 heir. Sophia Schmitz, 23 Jahre alt, aus Grefrath, Traureg. 7/1822 - 1836 Aug. 26 zeigt den Tod der Anna Maria Küster an, Sterbereg. 79/1836 - 1837 Okt. 25 zeigt den Tod des Vaters an, ebd. 143/1837 - 1838 baut einen Töpferofen an der Hauptstraße “auf der Spiesburg„, StaF Akt. 189 fol. 20-22 - 1841 Okt. 15 zeigt eine Totgeburt an, Sterbereg. 108/1841 - 1850 in einer Handwerkerliste aufgeführt, StaF Akt. 182 fol. 20 - 1856 unterschreibt mit + + + ein Gesuch um Errichtung einer Töpferinnung, StaF Akt. 187 fol. 19 - 1856 unterzeichnet mit + + + die Statuten der Töpferinnung, StaF Akt. 186 - 1863 arbeitet mit zwei Söhnen, StaF Akt. 182 fol. 134 - 1864 Febr. 13 stirbt zu Frechen, Sterbereg. 26/1864“ (Göbels 1971).
Einer der Söhne hieß Johann und war Töpfermeister, wer der andere Sohn war, ist bisher unbekannt. Rätselhaft erscheint ein Eintrag im Urkataster, der für das Jahr 1839 vermerkt ist: Stephan Textoris übertrug die Flurstücke Y 144/3 und 145/3 auf einen Stephan Textoris junior (LA NRW R 7209 / 1839), der Eintrag wurde unterschrieben von Johann Textoris, Stephans Sohn. Ein Stephan junior ist in der Göbelsliste nicht erfasst. Da Johann einen Sohn Stephan (verstorben 1851) liegt hier die Vermutung nahe, dass die Töpferei auf den damals noch unmündigen Enkel überschrieben wurde.
TEXTORIS, JOHANN „Töpfermeister - 1823 Febr. 17 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Stephan T. und der Sophia Schmitz, Geburtsreg. 27/1823 - 1850 in einer Handwerker-liste aufgeführt, StaF Akt. 182 fol. 20 - 1851 März 20 zeigt den Tod des Sohnes Stephan an; Ehefrau ist Sibilla Peltzer, Sterbereg. 44/1851 - 1864 Febr. 13 zeigt den Tod des Vaters an, ebd. 26/1864 - 1867 legt die Meisterprüfung ab, StaF Akt. 186 fol. 44 - 1876 Nov. 16 zeigt den Tod der Mutter an, Sterbereg. 162/1876“ (Göbels 1971).
Vermutlich führten die Söhne den Betrieb nach dem Tod des Stephan Textoris senior im Jahr 1864 weiter. Ihre Mutter Sophia Schmitz verstarb im Jahr 1876, und kurz danach, um das Jahr 1878/79, wurden die Grundstücke Y 713/144 und 714/145 mit Hofraum, Garten und Fabrik an den Maurer Heinrich Linz verkauft (LA NRW R 7215 / 1878/79 / 1).
Mitte des 20. Jahrhunderts eröffnete hier wieder ein Töpferbetrieb unter der Leitung von Max Band.
Die Töpferei Max Band / Reinholf Frentz
Der Töpfer Max Band stammte ursprünglich aus Bad Muskau und arbeitete bis 1946 als Werksleiter in der Steinzeugfabrik Balkhausen. In diesem Jahr baute er sich die Töpferwerkstatt an der Hauptstraße auf und fertigte dort zunächst Vasen und Plastiken an - „kunstgewerbliche Artikel, die er selbst modellierte, goß oder freidrehte, bis sie im brikettgeheizten Ofen (…) gebrannt wurden“ (Kölner Stadtanzeiger vom 12./13. Februar 1966). Später kam ein Elektroofen hinzu.
Die Einführung der Deutschen Mark im Jahr 1948 bedeutete für Band einen starken Wandel: Ein Grossist beauftragte ihn mit der Produktion von Blumenschalen. Neben dieser vertraglich gesicherten Massenwareproduktion war es dem Betrieb möglich, auch Krüge und Vasen herzustellen (Kölner Stadtanzeiger vom 12./13. Februar 1966). Bands Adoptivsohn Reinhold Frentz arbeitete ebenfalls in der Töpferei.
In der Werkstatt waren fünf unterschiedlich große Töpferscheiben im Einsatz: „Auf vier der Scheiben werden die großen Blumenschalen in Gipsform eingedreht, auf der fünften, die zu einer Stanze gehört, entstehen die gleichen Schalen mit dem kleinen Durchmesser“ - 500 Stück in der Stunde (Kölner Stadtanzeiger vom 12./13. Februar 1966). Der Ton wurde aus Montabaur bezogen.
Neben den Blumenschalen wurden auch Bartmannkrüge und Vasen mit Bartmannmaske hergestellt, für deren Fertigung der Ton (1966) aus dem Westerland oder der Voreifel gekauft wurde (Kölner Stadtanzeiger vom 12./13. Februar 1966).
Heutiger Zustand und kulturhistorische Bedeutung
Das Wohn- und Geschäftshaus der Töpferei Band mit Verkaufsladen an der Straßenfront ist noch vorhanden; über dem Ladenfenster ist in der Fassade die ehemalige Beschriftung „Keramik“ noch schwach zu erkennen. Seine Bauzeit könnte entweder in den Betrieb der Töpferei Textoris fallen oder es wurde gegen Ende der 1880er Jahre durch den Maurer Linz errichtet. Als seltenes Relikt eines Töpfereibetriebes in Frechen ist es von hoher kulturhistorischer Bedeutung.
Laut Bernd Mayerhofer (freundliche mdl. Auskunft vom 26.10.2023) fertigte Reinhold Frentz die Gipsmodel für die Bartmannmasken sowie Spruchbänder und Medaillons selber an. Sie sind im Stadtarchiv Frechen als Sammlung erhalten.
Hinweis
Das Objekt „Töpfereien in der Hauptstraße 174“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Töpfereisiedlung Frechen (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 474).
(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2024)
Quellen
- Stadtarchiv Frechen, Sammlung Bernd Mayerhofer, Ordner Balkhausen, dort: Kölner Stadtanzeiger vom 12./13. Februar 1966: Kunst lebt von der Konfektion. Töpfer formt noch immer Bartmänner (von Willy Kreitz).
- StaF Akt. 182 fol. 20: Stadtarchiv Frechen
- StaF Akt. 187 fol. 21f: Stadtarchiv Frechen
- StaF Akt. 189 fol. 20-22: Stadtarchiv Frechen
- LA NRW R 7208 / 1836: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
- LA NRW R 7209 / 1839: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
- LA NRW R 7209 / 1841: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
- LA NRW R 7215 / 1878/79 / 1: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland