Geschichte der Töpferei
Die Töpferöfen
Beschreibung und kulturhistorische Bedeutung
Hinweise
Quellen/Literatur
Geschichte der Töpferei
Der im Mittelalter noch unbebaute südliche Bereich der Norkstraße bot für das Töpfereigewerbe eine gewisse Lagegunst, da er sich in direkter Nähe zu den alten Tongruben und der diese erschließenden sogenannten Erdgasse (heute Jägerstraße), über die der Ton abtransportiert wurde, befand. Folglich ließen sich hier ab dem Aufkommen des Töpferhandwerks im 16. Jahrhundert einige Töpferfamilien nieder (Heeg 1984, S. 131).
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ist Gerhard Geuer im Adressverzeichnis von 1795 unter der Hausnummer 172 als 51 Jahre alter Töpfer (Heeg 1994) aufgeführt, jedoch nicht in der Göbels-Liste (1971) erfasst. Im Adressverzeichnis und Ortsplan von 1795 sieht die Bebauung auf dem betreffenden Grundstück noch anders aus als heute: Ein Gebäude mit der Hausnummer 172 befand sich laut diesem Plan an der Ecke Jägerstraße (damals noch Erdgasse) / Rinkenpfuhl, der Bereich entlang der Norkstraße war damals noch nicht bebaut.
Vielleicht bereits um die Jahrhundertwende wird das Gelände mit Haus Eigentum des Häfners, Töpfermeisters und Ackerers Johann Wolf (1779-1843), der um 1810 (Heeg 1984, S. 133) das heutige Wohnhaus errichtete. Die heute noch erhaltene Wetterfahne weist ihn als Bauherren aus. Im Urkataster von 1819 ist das neue Wohnhaus an der Norkstraße erkennbar: Es fügt sich in eine Bebauung entlang von Jägerstraße, Rinkenpfuhl und Norkstraße in Form einer Dreiseitanlage.
Wolfs Lebensdaten lauten:
WOLF, JOHANN „Häfner, Töpfermeister und Ackerer - 1779 Juli 16 geb. zu Frechen, Sohn der Ehel. Heinrich W. und Margaretha Preel, Traureg. 33/1806 - 1806 Nov. 16 heir. Margaretha Palm, 19 Jahre alt, aus Frechen, ebd. - 1816 Dez. 19 zeigt den Tod des Vaters an, Sterbereg. 109/1816 - 1817 Trauzeuge bei der Hochzeit Reymer-Wolf, Traureg. 5/1817 - 1828 Juni 11 zeigt den Tod der Tochter Maria Katharina an, Sterbereg. 47/1828 - 1833 Juli 3 zeigt den Tod der Tochter Kunigunde an, ebd. 48/1833 - 1837 Aug. 5 zeigt den Diebstahl von zwei Goldstücken an, StaF Akt. 246 fol. 264 - 1841 Febr. 8 zeigt den Tod des Sohnes Johann an, Sterbereg. 15/1841 - 1843 Febr. 28 stirbt zu Frechen, ebd. 29/1843“ (Göbels 1971).
Auch Johann Wolfs 1820 geborener Sohn Johann war Töpfer, der jedoch bereits im Jahr 1841, zwei Jahre vor seinem Vater, verstarb (Göbels 1971).
Möglicherweise übernahm daher vorübergehend der Schwiegersohn und Töpfermeister Heinrich Müller den Betrieb in der Norkstraße. Er heiratete am 1. Februar 1849 Johann Wolfs Tochter Margaretha und ist in einer Handwerkerliste des Jahres 1850 unter der Adresse Hausnummer 214 gelistet (StaF 182 / 20), die zu dieser Zeit auf die Töpferei Wolf in der Norkstraße zutrifft. Jedoch starb im Jahr 1852 sein eigener Vater, der eine Töpferei in der Alte Straße 141-143 (Meloni-Ofen) betrieb. Heinrich Müller zog nun in die Alte Straße und errichtete im Jahr 1853 einen neuen Töpferofen neben der Töpferei seines Vaters (StaF 189 fol 109 und LA NRW R 8865). Hier produzierte er im Jahr 1856 unter der Hausnummer 93 (StaF 187/21).
Am 6.9.1860 verkaufte die Witwe Johann Wolf die Grundstücke Y 350, 351, 352, 353 in der Norkstraße an den Töpfer Andreas Pohl (Urkataster: LA NRW R 7212 1866 / 12). Auch dieser ist nicht in der Göbels-Liste erfasst, sodass nähere Angaben zu seinen Lebensdaten fehlen. Sein Name taucht jedoch am 10.05.1879 in der Kölnischen Zeitung auf:
„Am Dinstag den 13. Mai., Nachmittags 2 Uhr, im Wirthshause von Joh. Dorn zu Frechen lassen die Erben von Andreas Pohl ihre zu Frechen bei Köln an der Norkgasse gelegene mit Nr. 240 bezeichnete Besitzung, bestehend aus Wohnhaus, Scheune, Stallung, Töpferfabrik und Garten, circa 100 Ruthen groß, öffentlich meistbietend versteigern. Diese Besitzung eignet sich besonders zur Anlage einer Röhrenfabrik. Köln, Lauff, Notar“.
Ob der Verkauf an einen Nachfolge-Töpfer gelang, ist bisher unbekannt. Auf dem Bebauungsplan aus dem Jahr 1903 ist eine Teilung des Wohnhauses in die Hausnummern 317 und 318 erkennbar (StaF 173). Aus dem Adressbuch von 1899 geht des Weiteren hervor, dass um die Jahrhundertwende in der Hausnummer 318 der Bäckermeister, Spezereiwarenhändler und Agent Bernhard Scheidtweiler sowie Jakob Pohl - vielleicht ein Sohn des Töpfers Andreas Pohl - gelebt haben. Laut Heeg (1984, S. 133) soll dieses Haus „im vorigen Jahrhundert eine Gaststätte mit Pension gewesen sein“. In der Haushälfte Nummer 317 lebte 1899 der Bäcker Kaspar Scheidtweiler.
Die Töpferöfen
In der Zeit zwischen 1993 bis Dezember 1995 führte die Frechener Stadtarchäologin Angela Rosenstein Begehungen zur Erstellung eines Kellerkatasters durch und fand dabei im Keller des Hauses Nummer 24 einen Töpferofen: „(…) Mit bläulich wirkender Glasur versehene Ziegel der Wände und des Gewölbes, die unter abgeplatztem Verputz sichtbar waren, lassen auf einen Steinzeugofen schließen. Die parallel verlaufenden Wände des noch erhaltenen rechteckigen Mittelteils deuten im Gegensatz zu den mittelalterlichen/frühneuzeitlichen Keramikbrennöfen auf einen frühindustriellen Steinzeugtonröhrenofen hin. Leider sind, da der Brennofen als Keller umgenutzt worden ist, einige Umbauten erfolgt, so daß über das weitere Bauprinzip nur vage Aussagen getroffen werden könnten“. (Angela Rosenstein, Kommentar zum Kellerkataster 12/1995, S. 4).
Laut Fundstellenkarte (Nr. 99) wird der Steinzeugofen ins 19. Jahrhundert datiert (Ortsarchiv des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, Nr. 1124092).
Auch im Keller des Hauses Nummer 26 ist laut Eigentümer vermutlich ein Ofen erhalten. Hinweise darauf könnten der abfallende Fußoden (als ehemaliger Brennraum) und das Deckengewölbe (als Ofenkuppel) sein.
Beschreibung und kulturhistorische Bedeutung
Das Gebäude präsentiert sich heute als stattliches zweigeschossiges Fachwerkwohnhaus mit Krüppelwalmdach und traufseitigem Eingang in fünf zu zwei Achsen auf einem Steinsockel. Zusammen mit einem eingeschossigen Anbau - ebenfalls in Fachwerkbauweise entlang des Rinkenpfuhls bildet es eine L-Form. Drei auf dem Sockel des Anbaus ansetzende und in die Außenwand integrierte Steinbögen geben bis heute ein Rätsel bezüglich ihrer Funktion und ihres Ursprungs auf. Der Anbau mit Satteldach und drei Fenstern gehört laut Heeg zum Vorgängerbau (1984, S. 133). Er geht heute über in einen Garten, der gegenüber dem abschüssigen Gelände des Rinkenpfuhls zur Jägerstraße hin erhöht und begradigt liegt. Er wurde auf den Fundament- bzw. Mauerresten ehemaliger Gebäude der Dreiseitanlage, die sich entlang der Jägerstraße zogen, angelegt.
Im Zuge einer Erbteilung wurde das Gebäude in die Nummern 24 und 26 aufgeteilt (Heeg 1984, S. 133): Das Gebäude Nr. 26 nimmt heute zwei Achsen ein und wurde um einen seitlichen eingeschossigen Anbau mit Pultdach erweitert, in dem sich auch der Eingang befindet. Das Fachwerk dieses Gebäudes liegt nicht mehr frei.
Aufgrund seiner Vergangenheit als Töpferei und seines Erhaltungszustandes sowie seines Seltenheitswertes innerhalb Frechens ist die kulturhistorische Bedeutung des Wohnhauses Norkstraße 24/26 als sehr hoch einzustufen.
Hinweise
Das Objekt Fachwerkhaus Norkstraße 24 ist ein eingetragenes Baudenkmal (Untere Denkmalbehörde der Stadt Frechen, laufende Nr. A 89) und wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Töpfereisiedlung Frechen (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 474).
(Rainer Hirschel / Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2024)
Quellen/Literatur
- Kellerkataster: Angela Rosenstein, Kommentar zum Kellerkataster 12/1995, S. 4.
- Kölnische Zeitung vom 10.05.1879: Versteigerungsanzeige der Norkgasse 240 (abgerufen am 22.06.2026)
- LA NRW R 7212 1866 / 12: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland, Akte 7212 1866 fol. 12
- Ortsarchiv des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, Nr. 1124092.
- StaF 173: Stadtarchiv Frechen, Bebauungsplan III von 1903 / 173