Krefelder Pferdestraßenbahn

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Krefeld
Kreis(e): Krefeld
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 19′ 54,52″ N: 6° 33′ 45,36″ O 51,33181°N: 6,5626°O
Koordinate UTM 32.330.202,53 m: 5.689.545,31 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.539.254,05 m: 5.688.711,08 m
  • Krefeld, Strecke der Pferdebahn (2022)

    Krefeld, Strecke der Pferdebahn (2022)

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    Claus Weber CC BY-SA 4.0
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    Claus Weber
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Der 1849 in Betrieb genommene Bahnhof von Krefeld liegt südlich der Innenstadt und auch die 1880 eröffnete Strecke der Krefelder Eisenbahn-Gesellschaft umfuhr das Stadtgebiet weiträumig. So gab es ab 1875 Überlegungen zur Einrichtung einer Bahnverbindung in der Stadt und ins Umland. 1876 beschloss die Stadt die Einrichtung einer Pferdebahn in der Innenstadt sowie von Dampfbahnstrecken ins Umland.
Die Konzession für den Bau und Betrieb erhielt die Stadt 1881. Diese übertrug sie am 8. März 1883 an das Berliner Unternehmen Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Reymer und Masch. Die Bauarbeiten begannen im April 1881. Bereits am 10. Mai 1883 nahm die Pferdestraßenbahn ihren Betrieb auf. Die Wagen waren mit Crefelder Straßen-Eisenbahn gekennzeichnet.

Die Strecke mit einer Spurweite von 1000 Millimetern führte von der nördlichen Seite der Eisenbahnstrecke nahe des Bahnhofs über Neusser Straße, Hochstraße bis Friedrichstraße. Am 12. Mai 1883 verlängerte man die Strecke über Sternstraße bis zur Drießendorfer Straße und am 10. Juni 1883 bis zur Fabrik Scheibler an der Oranienstraße.
Auf dieser Linie verkehrten zehn Pferdebahnwagen in unregelmäßigen Abständen je nach Verkehrsaufkommen. Es waren kurze, zweiachsige Wagen mit zwei Plattformen und vier Fenstern. Die ersten sieben Wagen wurden 1883 von der Fa. Waggonfabrik P. Herbrand & Cie. in Köln-Ehrenfeld geliefert. 1883 kamen zwei Sommerwagen der Fa. Waggonfabrik Ludwigshafen und 1893 ein weiterer Wagen von Herbrand in den Bestand. Die Wagen wurden nach 1901 als Beiwagen der elektrischen Triebwagen weiter genutzt, später größtenteils in Arbeitswagen umgebaut; der jüngste Wagen wurde 1972 ausgemustert.
Das Depot lag an der Ecke Vinzenzstraße zur Kronprinzenstraße (heute Philadelphiastraße). Hier gab es Pferdeställe, eine Wagenhalle, den Dampflokschuppen (für die zeitgleich betriebenen Dampfstraßenbahnen), Futter- und Strohlager.
Zum 1. Januar 1884 übergab die Berliner Bau-Gesellschaft die gesamte Anlagen an die neu gegründete Crefeld Uerdinger-Localbahn AG in Krefeld. Zwischen der Aktiengesellschaft und der Stadt gab es dauerhaften Streit, unter anderem weil die AG sich weigerte, neue Strecken zu bauen und die Pferdebahn zu elektrifizieren.
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Die elektrische Straßenbahn
Die erste elektrische, normalspurige Straßenbahn in Krefeld fuhr am 15. Dezember 1898, als die Kleinbahn von Düsseldorf kommend bis zur Rheinstraße eröffnet wurde (später K-Bahn, heute U 76). In Krefeld war die Pferdebahn an ihre Grenzen gekommen, die Dampfzüge, die auch bis nahe an die Innenstadt heranfuhren, belästigten die Anwohner.
Erst nach langwierigen Verhandlungen erklärte sich die Crefeld Uerdinger-Localbahn AG bereit, die Strecken der Pferde- und der Dampfbahnen zu elektrifizieren sowie neue Linien einzurichten. Die Stadt beteiligte sich nicht an den Kosten, gewährte jedoch die kostenlose Benutzung des Straßenraums. Die AG nannte sich in Crefelder Straßenbahn Aktiengesellschaft um. Das erforderliche Elektrizitätswerk errichtete die Firma Siemens & Halske für die Stadt an der Kanalstraße (heute Hansastraße).
Die Pferdebahn wurde am 5. April 1901 stillgelegt. Am Tag darauf übernahm die elektrische Straßenbahn den Betrieb Richtung Hüls; die Innenstadtstrecke von Friedrichsplatz bis zum Bahnhof wurde nicht elektrifiziert.

Hinweis
Die Geometrie wurde auf der Grundlage der Topographischen Karte, Neuaufnahme von 1892 und der historischen Deutschen Grundkarte erstellt, es kann Abweichungen zum historischen Streckenverlauf geben.

(Claus Weber, 2022)

Internet
de.wikipedia.org: Straßenbahn Krefeld, Pferde- und Dampfbahn (abgerufen 03.06.2022)
www.wz.de: Heinz Webers, Pferde, Dampf, Elektro: Vor nunmehr 137 Jahren wurde die Verbindung in die City eingerichtet. Westdeutsche Zeitung vom 22. Januar 2018 (abgerufen 03.06.2022)
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Literatur

Höltge, Dieter; Kochems, Michael (2004)
Niederrhein. (Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 9.) S. 155-158, Freiburg.

Krefelder Pferdestraßenbahn

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hochstraße (u.a.)
Ort
47798 Krefeld - Stadtmitte
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1883, Ende 1901

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Claus Weber (2022): „Krefelder Pferdestraßenbahn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343761 (Abgerufen: 21. Juli 2024)
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