Fachwerkhaus Hauptstraße 3 in Hottenbach

Haus Wolfe, Haus Kolletzki

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Hottenbach
Kreis(e): Birkenfeld (Rheinland-Pfalz)
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 49′ 25,7″ N: 7° 17′ 56,03″ O 49,82381°N: 7,2989°O
Koordinate UTM 32.377.644,96 m: 5.520.428,96 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.593.508,06 m: 5.521.621,01 m
  • Das Fachwerkhaus Hauptstraße 3 in Hottenbach, genannt Haus Wolfe bzw. Haus Kolletzki (2021)

    Das Fachwerkhaus Hauptstraße 3 in Hottenbach, genannt Haus Wolfe bzw. Haus Kolletzki (2021)

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  • Das Fachwerkhaus Hauptstraße 3 in Hottenbach, genannt Haus Wolfe bzw. Haus Kolletzki, vor der Renovierung (1970er Jahre)

    Das Fachwerkhaus Hauptstraße 3 in Hottenbach, genannt Haus Wolfe bzw. Haus Kolletzki, vor der Renovierung (1970er Jahre)

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  • Todesanzeige in der Chicago Tribune zum Tod Salomon Levys vom 30.05.1937

    Todesanzeige in der Chicago Tribune zum Tod Salomon Levys vom 30.05.1937

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  • Todesanzeige in der Chicago Tribune zum Tod Salomon Levys vom 30.05.1937

    Todesanzeige in der Chicago Tribune zum Tod Salomon Levys vom 30.05.1937

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  • Todesanzeige in der Chicago Tribune zum Tod Johanna Levys, geb. Blatt, vom 12.01.1923

    Todesanzeige in der Chicago Tribune zum Tod Johanna Levys, geb. Blatt, vom 12.01.1923

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Das am Ortsausgang von Hottenbach nach Weiden gelegene Haus „Wolfe“ wurde zeitweise vom jüdischen Ehepaar Salomon Levy (1847-1937) und Johanna Levy geb. Blatt (1852-1923) bewohnt. Nachdem die Levys im Jahre 1890 in die USA ausgewandert waren, wurde das Gebäude als Ladenlokal genutzt. Noch heute erinnert es daran, dass viele Hottenbacher Juden als Klein- und Warenhändler tätig waren.

Gebäude
Das einstige Ladenlokal
Die Familien Allmeyer und Levy
Ein Fall von Antisemitismus
Auswanderung in die USA
Heutige Nutzung


Gebäude
Das Haus „Wolfe“ in der Hauptstraße 3 wurde im 19. Jahrhundert in Fachwerkbauweise errichtet.
Zwei Geschosse (Erd- und Obergeschoss, zuzüglich Dachgeschoss) zählt das Gebäude, das sich über einem rechteckigen Grundriss erhebt und mit einem Krüppelwalmdach abschließt. Im Erdgeschoss liegt das Fachwerk frei, die Fassade des ersten Obergeschosses ist mit Schiefer verkleidet. Der Zugang zum Haus erfolgt über die Rückseite.
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Das einstige Ladenlokal
Bis ins 20. Jahrhundert wurde im Untergeschoss ein Dorfladen betrieben, dessen Eingang sich an der Hauptstraße (Parregass) befand. Im Kreuzungsbereich von Parregass, Untergass und Weidener Weg lag der Laden verkehrsgünstig im Ort. Damals besaß das Gebäude zwei große Schaufenster links und rechts der Eingangstür für die Auslage. Zudem war das Fachwerk auch im Erdgeschoss verputzt. Ein kleiner asphaltierter Vorplatz trennte das Gebäude von der Dorfstraße.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Haus umgebaut. Die beiden Schaufenster ersetzte man durch neue, kleinere Fenster. Die Eingangstür wurde zugemauert. Schließlich legten die neuen Besitzer das Fachwerk zur Hauptstraße hin sowie auf der Rückseite im Untergeschoss frei.
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Die Familien Allmeyer und Levy
Das genaue Erbauungsjahr des Hauses ist nicht überliefert. Als Besitzer von Haus und Hof waren im 19. Jahrhundert der Kaufmann Salomon Levy und der Pferdehändler Nathan Allmeyer (1849-1919), gemeinsam im Ortsregister eingetragen. Allmeyer bewohnte das Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Im Volksmund trägt das Gebäude den Hausnamen „Wolfe“, dessen Ursprung unsicher ist. Lange glaubte man, dass es sich um das Haus von Wolf Wiener handelte, auf das die Schinderhannes-Bande im August des Jahres 1800 einen Überfall verübt hatte. Heute weiß man, dass sich dieses Haus gegenüber der Synagoge in der Ringstraße befand. Tatsächlich dürfte der Hausname „Wolfe“ auf den gleichnamigen Großvater von Nathan Allmeyer zurückgehen, der mit ursprünglichem Namen vor der Namensänderung des Jahres 1808 Nathan Wolf (um 1773-1846) hieß und recht begütert war. Doch auch der Großvater von Levys Ehefrau Johanna, Marx Blatt, kommt in Frage. Er hieß bis ins Jahr 1808 Marx Wolf (1791-1856/59).
Salomon Levy selbst stammte aus Stipshausen und heiratete im Jahre 1873 in Hottenbach ein. Sein in Stipshausen lebender Bruder Leopold Levy (1840-1919) war ebenfalls Kaufmann. Das Ehepaar Salomon und Johanna Levy bekam sechs Kinder: David (1874-1945), Baldina (1876-1939), Ida (1878-1884), Max (1879-?), Otto Joseph (1881-1945) und Moritz (Mose) (1888/89-1953).
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Ein Fall von Antisemitismus
In Hottenbach ist die Erzählung überliefert, dass die Brüder Levy im Jahre 1887 für eine Brandstiftung in Stipshausen verantwortlich gewesen sein sollen. Bei dem anschließenden Prozess in Trier soll Leopold Levy zu zehn Jahren Haft verurteilt worden sein. Sein Bruder Salomon habe sich der Strafe durch die Flucht in die USA entzogen. Dort sei er im Jahre 1910 bei einem Hotelbrand in Philadelphia ums Leben gekommen. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei allerdings nicht um den Hottenbacher Salomon Levy. Die Erzählung der Brandstiftung durch die Brüder Levy entspricht demnach nicht der Wahrheit. Die Rezeption der Lebensgeschichte der beiden Levy-Brüder spiegelt den historischen ländlichen Antisemitismus wider.
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Auswanderung in die USA
Die antisemitische Legende von der Brandstiftung der Brüder Levy wurde dadurch genährt, dass die beiden Brüder im Jahre 1890 in die USA auswanderten. Damit waren sie nicht alleine. Denn im ausgehenden 19. Jahrhundert wanderten viele Hottenbacher Juden nach Amerika aus. Das Ladengeschäft in der Hauptstraße 3 wurde durch den Kaufmann Ludwig Barth übernommen, der im Gebäude eine Kolonialwarenhandlung betrieb.
Salomon Levy und seine Familie wohnten zunächst in Illinois und betrieben weiter Handel. Im Jahre 1923 verstarb Johanna Levy geb. Blatt in Cincinnati, Ohio. Ihr Ehemann Salomon Levy starb im Jahre 1937 als wohlhabender Kaufmann im Alter von 90 Jahren in einem Pflegeheim. Laut Todesanzeige hatte er aufgrund des Kummers über seine Erblindung und Krankheit seinem Leben selbst ein Ende gesetzt (siehe Anzeige vom 30.05.1937 in der Mediengalerie). Auch über die Kinder von Salomon und Johanna Levy gibt es einige Informationen: Max wurde Zahnarzt, David Besitzer einer Auftragsfirma und Moritz Besitzer eines Lebensmittelgroßhandels. Baldina arbeitete als Hutmacherin und heiratete im Jahre 1905 den Arzt Max Dreyfoos (1877-1935).
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Heutige Nutzung
In den 1970er Jahren kam es zur Restaurierung des Hauses durch das Ehepaar Reinhard und Gisela Kolletzki. Heute wird es von Gisela Kolletzki und ihrem Schwager bewohnt (Stand 2021).
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(Janina Zimmermann, Erik Zimmermann, Ortsgemeinde Hottenbach; Alina Frank, Universität Koblenz-Landau / freundliche Hinweise von Frau Gisela Kolletzki, 2021)

Fachwerkhaus Hauptstraße 3 in Hottenbach

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hauptstraße 3
Ort
55758 Hottenbach
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

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Empfohlene Zitierweise
„Fachwerkhaus Hauptstraße 3 in Hottenbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343686 (Abgerufen: 30. September 2022)
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