Layer Moselfähre

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 19′ 22,81″ N: 7° 32′ 29,33″ O 50,323°N: 7,54148°O
Koordinate UTM 32.396.176,32 m: 5.575.561,87 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.396.209,93 m: 5.577.352,39 m
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    Layer Moselfähre in Aktion

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  • Eingefrorene Layer Moselfähre

    Eingefrorene Layer Moselfähre

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  • Hebung der Moselfähre

    Hebung der Moselfähre

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  • Moselfähre auf dem Tieflader

    Moselfähre auf dem Tieflader

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  • Moselfähre bereit zum Abtransport

    Moselfähre bereit zum Abtransport

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  • Verlassene Rampe der Layer Fähre  auf der Layer Moselseite

    Verlassene Rampe der Layer Fähre auf der Layer Moselseite

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  • Verlassene Rampe der Layer Fähre  auf der linken Moselseite

    Verlassene Rampe der Layer Fähre auf der linken Moselseite

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Wer sich am Moselufer in Höhe der Einmündung der Kaufunger Straße in die Bundesstraße nach der Layer Fähre umschaut, sucht diese vergebens. Am 13. April 2018 trat sie ihre letzte Fahrt an auf dem Landweg nach Ochtendung in der Vordereifel. Damit ist die uralte Fährverbindung vom Dorf bzw. Stadtteil auf die linke Moselseite Geschichte. Bis zuletzt war diese Einrichtung über Jahrhunderte mit der Layer Bevölkerung eng verbunden.

Layer Fähren im ausgehenden Mittelalter und in der Neuzeit
Seit gut 700 Jahren oder gar noch länger nutzten die Layer Bürger die Möglichkeit auf die andere Moselseite überzusetzen. Für das Jahr 1320 wird erstmals die Existenz einer Fähre in Lay in einer lateinisch verfassten Urkunde des Koblenzer St. Kastorstiftes nachgewiesen. Darin heißt es übersetzt „… mein Weinberg … gegenüber der Layer Fähre.“ Zu dieser Zeit bestand die „Fähre“ jedoch nur aus einem Nachen, der vom Fährmann mittels Ruder oder einer Hakenstange fortbewegt wurde. In den Weistümern (Rechtssatzungen) des Kurfürstentums Trier aus den Jahren 1556 und 1563 wurde dem Dorfe Lay auferlegt, dass dem Kurfürsten ein freies Überfahrtrecht zu gewähren und dafür ein „schiffgin“ (kleines Schiff, Nachen) bereitzuhalten sei, auf dem man zwei Pferde übersetzen könne. Die älteste Abbildung eines Nachens ist in einer Federzeichnung aus dem Jahre 1680 überliefert, als sich der Layer Schultheiß und der Winninger Vogt jeweils unterstützt von streitbaren Bürgern um einen Weinberg und die Gemarkungsgrenze in der heutigen Weinbergslage „Röttgen“ stritten.

Die Fährverbindung über die Mosel war über Jahrhunderte hinweg für die Layer Bürger lebenswichtig. Diese bestritten ihren Lebensunterhalt im Wesentlichen vom Weinbau und der Landwirtschaft. Hierfür nutzten sie auch ihre Ländereien auf der gegenüberliegenden Moselseite. Das „Feld- oder Lagerbuch der Dorffschafft Lay“ aus dem Jahre 1720 enthält hierzu nähere Angaben. Hiernach standen in der Layer Gemarkung über 370.000 Rebstöcke im Ertrag, davon 55.000 Rebstöcke auf der linken Moselseite im heutigen „Röttgen“. Weiterhin bewirtschafteten Layer Bürger noch Weinberge, Felder und Wiesen in der angrenzenden Gülser Gemarkung. Damals benutzte man ebenfalls noch Fährnachen. Im 19. Jahrhundert wurden an der Mosel die Nachen durch floßähnliche Fährponten ergänzt. Für Lay ist eine solche Fährponte, die noch gerudert werden musste, erstmals für das Jahr 1818 erwähnt. Mit ihr konnten komplette Fuhrwerke übergesetzt werden, einzelne Personen wurden weiterhin mit dem Nachen befördert.

Layer Fähren seit dem 20. Jahrhundert
Technische Verbesserungen führten im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu der Einführung der so genannten Gierfähren. Diese hingen über einer Laufrolle an einem über die Mosel zwischen beiden Ufern gespannten Drahtseil (Gierseil). Durch den Strömungsdruck der Mosel wurde die Fähre, die in einem bestimmten Winkel (Gierung) zur Strömung stehen musste, fortbewegt. Das Gierseil konnte entweder auf dem Grund der Mosel liegen (Grundseil), oder auch an zwei auf den beiden Ufern stehenden hohen Masten befestigt sein. Seit dem Jahre 1904 verkehrte in Lay eine Gierfähre auf der Mosel mittels eines Grundseiles. Sie war Eigentum der Familien Müller, die mit kleinen Unterbrechungen von 1880 bis 1958 den Fährmann stellten. Mit der Fähre wurden üblicherweise Fuhrwerke und Fahrzeuge übergesetzt. Waren nur wenige Personen überzusetzen, so ruderte der Fährmann mittels eines Nachens über den Fluss. Im März 1945 sprengten Pioniere der deutschen Wehrmacht die Fähre und ließen sie fahruntauglich auf der Fährrampe auf der rechten Moselseite zurück. Nach Kriegsende wurde die Fähre von der Schlosserei Saas in Winningen instandgesetzt und verkehrte ab Herbst 1945 wieder auf der Mosel. Im Frühjahr 1951 wurde die Staustufe Koblenz in Betrieb genommen. Damit erhöhte sich der Wasserspiegel der Mosel bei Lay gegenüber der bisherigen durchschnittlichen Höhe um ca. 2,30 Meter. Dadurch verlangsamte sich die Strömung und der Druck reichte nicht mehr aus, um die Fähre fortzubewegen. Von nun an musste Fährmann Lorenz Müller diese mit eigener Kraft am Gierseil über die Mosel ziehen. Im November 1958 wurde die Fähre wegen nicht mehr gewährleisteter Verkehrssicherheit stillgelegt und Fährmann Werner Müller wollte keine neue beschaffen.

Die Gemeinde Lay beauftragte den Bau einer neuen Gierfähre bei einer Trierer Schiffswerft, die im Mai 1959 in Dienst gestellt wurde. Der Fährmann betrieb nun als Pächter die gemeindeeigene Fähre. Aber nach wenigen Monaten kündigte er den Vertrag, weil ihm das Ziehen der Fähre über die Mosel zu beschwerlich war. Die Gemeinde Lay fand in Peter Leurs einen neuen Fährmann und ließ die Fähre mit einem Hilfsmotor ausstatten. Die Arbeit des Übersetzens war nun etwas leichter geworden, aber auf Dauer war der Hilfsmotor zu schwach. Daraufhin wurde 1961 ein 27 PS starker Außenbordmotor eingerüstet, der dem Fährmann die Arbeit des Ziehens abnahm. Das Grundseil wurde weiterhin benötigt, da die Fähre mit nur einem Motor nicht frei fahren konnte. Das Grundseil erwies sich seit dem Ausbau der Mosel zur Großschifffahrtsstraße 1964 zunehmend als Hindernis für die Schifffahrt und es gab Unfälle wegen des Seils. Als an Pfingsten 1980 ein Sportboot in das Grundseil raste und dabei ein 11-jähriges Mädchen zu Tode kam, suchte die Stadt Koblenz, die seit der Eingemeindung im Jahre 1970 Eigentümerin der Fähre war, nach einer frei fahrenden Fähre. Schließlich kaufte die Stadt Koblenz die mit zwei 30 PS-Motoren ausgestattete, frei fahrende und bereits stillgelegte Winninger Fähre. Pfingsten 1981 wurde sie in Lay in Dienst gestellt. Diese Fähre wurde 1931 gebaut und hatte eine Tragkraft von 12 Tonnen, Fährmann war Manfred Leurs. Die Fähre fuhr mit einigen Unterbrechungen und verschiedenen Fährleuten bis Ende Oktober 2014, als der letzte Fährmann Alfred Bahlke aus Limburg seine Tätigkeit beendete. Er wurde bereits durch freiwillige Helfer der Layer Interessengemeinschaft Fähre unterstützt, da nach neuesten Vorschriften dem Fährmann beim Übersetzen eine Hilfskraft zur Seite stehen musste.

Nach 2014 suchte die Stadt Koblenz einen neuen Fährmann für die Fähre. Da sich niemand für diese Aufgabe fand, ging die Ära eines 700-jährigen Fährbetriebes in Lay zu Ende. Die Stadt Koblenz verkaufte die Fähre für einen symbolischen Preis von 1 € an einen Layer Gerüstbauunternehmer, der sie auf sein Firmengelände in Ochtendung in der Vordereifel überführen wollte. Dort sollte sie aufgearbeitet werden um irgendwann einmal auf einen Standort in Lay als Kulturdenkmal zurückzukehren. Am 13. April 2018 wurde die Fähre aus der Mosel gehoben und trat auf dem Landwege ihre (vorerst) letzte Fahrt an. Die Layer verabschiedeten sich mit Wehmut von ihrer lieb gewonnenen Fähre. Endgültig vorbei war nun die Möglichkeit, dass man zu Fuß die Nachbardörfer Winningen und Güls besuchen oder den Radweg auf der linken Moselseite erreichen konnte. Die Winzer haben nun den Umweg über die Koblenzer Kurt-Schumacher-Brücke zu nehmen, um in ihre Weinberge auf der linken Moselseite zu kommen.
Heute erinnern nur noch die verwaisten Fährrampen rechts und links der Mosel an die lange Fährtradition des Dorfes.

(Rolf Morbach, Koblenz-Lay, September 2021)

Quellen
Theisen, Richard (2003): Aus der Geschichte der Layer Fähre. In: Aus der Geschichte des Ortes Lay an der Mosel
Morbach, Rolf (2018): Rede zur Verabschiedung der Fähre am 13.04.2018 (Veranstaltung des Ortsrings Koblenz-Lay e.V.)

Layer Moselfähre

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kaufunger Straße / Bundesstraße B49
Ort
56073 Koblenz - Lay
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Vor Ort Dokumentation
Historischer Zeitraum
Beginn 1931, Ende nach 2018

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Rolf Morbach: „Layer Moselfähre”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343529 (Abgerufen: 30. Mai 2024)
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