Eisenbahnstrecke von Pétange nach Ettelbruck

Atertlinn, Attertlinie, Ligne de l'Attert, Radweg PC12, Ligne CFL 2

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n):
Koordinate WGS84 49° 33′ 16,04″ N: 5° 52′ 47,8″ O 49,55446°N: 5,87994°O
Koordinate UTM 31.708.284,53 m: 5.493.080,17 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.491.357,83 m: 5.490.860,11 m
Die Bahnstrecke von Pétange nach Ettelbruck wurde zwischen 1873 und 1880 eröffnet. Sie diente vorrangig dem Transport von Kohlen und Erzen für Hüttenwerke in Steinfort. Die Bahnstrecke ist auch unter der Bezeichnung „Attertlinie“ bekannt.

Die Normalspurbahnen im Großherzogtum Luxemburg wurden ab 1859 von zwei Gesellschaften errichtet: der Wilhelm-Luxemburg Eisenbahn (Société royale Grand-Ducale de Guillaume-Luxembourg / Königlich-großherzogliche Wilhelm-Luxemburg-Gesellschaft, GL) und der Prinz-Heinrich Eisenbahn (Compagnie des chemins de fer Prince-Henri, PH). Im Süden von Luxemburg waren es die Strecke über Kleinbettingen nach Arlon (1859, GL), von Esch-sur-Alzette nach Pétange (1873, PH) sowie von Hollerich über Pétange und Rodange nach Namur (1900, PH). Die Verbindung nach Norden eröffnete die GL 1862 zwischen Luxemburg und Ettelbruck sowie weiter bis Troisvierges 1866. Hier bestanden später Anschlüsse an die Verbindungen nach Belgien bzw. an die Vennbahn.
Es fehlte eine direkte Verbindung von Troisvierges nach Südwesten Richtung Pétange. Sie sollte vor allem die eisenverarbeitenden Hüttenwerke in Steinfort sowie die westlichen Gebiete des Großherzogtums erschließen. Die PH errichtete daher im Anschluss an die Strecke von Esch-sur-Alzette die neue Verbindung nach Steinfort, eröffnet am 1. August 1873. Zugleich gab es einen Abzweig nach Kleinbettingen zum dortigen Bahnhof.
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Die Strecke wurde zunächst in den Bahnhof Kleinbettingen an der Strecke nach Luxemburg eingeführt. Zur Fortsetzung der Fahrt nach Norden musste „Kopf gemacht werden“, das heißt, die Lok setzte an die andere Seite des Zuges um. 1877 baute man eine direkte Verbindung nach Norden, die über eine Brücke die Strecke nach Luxemburg querte. Diesen Abschnitt nutzten nur die Güterzüge, Personenzüge fuhren weiterhin über die Spitzkehre Kleinbettingen an.
Die PH wurde 1877 von der Société anonyme luxembourgeoise des chemins de fer et minières Prince-Henri übernommen, die die Fortsetzung von Steinfort nach Ettelbruck am 20. April 1880 eröffnete. Die Strecke zwischen Ettelbruck und Schlieren wurde 1862 im Zusammenhang mit der Verbindung von Luxembourg nach Belgien errichtet. Die neue Bahn erhielt ein weiteres Gleis neben den vorhandenen. Die Strecke war somit Teil der sogenannten „Gürtelbahn“ entlang der westlichen, nördlichen und östlichen Grenzgebiete des Großherzogtums.
Die Strecke diente vor allem dem Montanverkehr zwischen dem Minette-Gebiet in Luxemburg und dem Deutschen Reich zum Transport von Kohlen, Eisenerzen, Gusseisen und Fertigprodukten. Mit der Eröffnung der Vennbahn 1889 verstärkte sich der Verkehr, da es nun eine direkte Verbindung zwischen Luxemburg und Deutschland gab (ohne Umweg über Belgien). Die 1900 eröffnete Strecke zwischen Pétange und Luxembourg nahm einen Teil des Montanverkehrs von der Strecke weg.
Das Steinforter Hüttenwerk schloss 1932, damit verlor die Bahnstrecke den wichtigsten Kunden.
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Nach der Einnahme von Luxemburg durch die Deutsche Wehrmacht im Mai 1940 übernahm die Deutsche Reichsbahn den Betrieb. Die Strecke war durch Kriegseinwirkungen nicht größer betroffen, nur zwei Brücken wurden gesprengt. Nach der Befreiung des Landes am 10. September 1944 wurde der Betrieb zunächst durch alliierte Truppen weitergeführt, bis 1946 die Société nationale des chemins de fer luxembourgeois (CFL) den Betrieb übernahm.
Da die Strecke keine überregionale Bedeutung mehr hatte, wurde im Mai 1948 der vereinfachte Nebenbahndienst eingerichtet. Den Personenverkehr auf der Gesamtstrecke stellte man am 24. September 1967 ein.
Güterverkehr wurde weiter zwischen Steinfort und Kleinbettingen angeboten. Den Betrieb zwischen Kleinbettingen und Steinfort (Ligne 2a) stellte die CFL im Dezember 2017 ein.
Die Ligne 2b bedient den Abschnitt zwischen Ettelbruck, Colmar-Berg und Bissen zum Anschluss an Werke der Firmen ArcelorMittal sowie Goodyear. Es ist die letzte nicht-elektrifizierte Strecke im Luxemburger Bahnnetz.
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Betriebsstellen
Die Strecke weist eine Länge von rund 53 Kilometern auf. Die Streckenkilometrierung beginnt in Pétange.
(Bf = Bahnhof / Gare / Station, Hp = Haltepunkt / Halte / Stop, Abzw = Abzweig; jeweils aktuelle bzw. letzte Bezeichnung, es wird die französische Bezeichnung angegeben)
Bahnkilometer
Name
0,0
Bf Pétange (seit 1873; Verbindungen nach Aubange, Mont-Saint Martin, Athus, Dolhi, Esch-sur-Alzette, Luxembourg)
4,7
Hp Hautcharage
8,3
Clemency (Verbindung nach Auteibas)
14,4
Hp Kahler
-
Abzw und Kreuzung mit Strecke Luxembourg - Kleinbettingen
16,6
Hp Hagen
18,4
Bf Steinfort
-
Ende der Linie 2a (1969-2017)
22,7
Hp Eischen
-
Tunnel Hobscheid (Länge 690 Meter)
28,3
Hp Hovelange
31,1
Bf Noerdange (Übergang zur Kleinbahn Noerdange - Martelange)
34,0
Hp Reichlange-Everlange
37,2
Hp Useldange
38,9
Hp Boevange
-
Abzw ArcelorMittal (bis hier wird die Strecke 2b bedient)
43,5
Hp Bissen
47,5
Bf Colmar-Usines
50,0
Bf Schlieren (seit 1862, Verbindung nach Liège und Luxembourg)
52,2
Bf Ettelbruck (seit 1862, Verbindung nach Liège und Luxembourg sowie nach Diekirch)


Einige Abschnitte der ehemaligen Attert-Linie werden heute als Radwege oder Wanderwege genutzt. In einigen Teilen der Strecke sind noch Relikte der Eisenbahninfrastruktur, wie ehemalige Transportwaggons oder Signalanlagen, zu sehen. Die Geschichte der Attert-Linie wird oft durch lokale Gemeinden und Eisenbahnmuseen in der Region bewahrt und durch Gedenkstätten sowie Informationstafeln gewürdigt.

(Karl Peter Wiemer und Rolfjosef Hamacher, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2019 / Claus Weber, Redaktion KuLaDig, 2026)
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Hinweise
Die Zeichnung der Trasse in der Kartenansicht ist in einigen Abschnitten rekonstruiert worden, es kann daher zu geringen Abweichungen kommen.

Internet
rail.lu: Linn Péiteng - Närden - Ettelbréck (Atertlinn). Ligne Pétange - Noerdange - Ettelbruck (Ligne de l'Attert). Strecke Petingen - Nördingen - Ettelbrück (Attertlinie) (französisch, abgerufen 22.6.2026)
de.wikipedia.org: Bahnstrecke Petingen-Ettelbrück (abgerufen 22.6.2026)
bahntrassenradeln.de: LU07 Attert-Linie: (Colmar-Berg -) Boevange - Pétange (abgerufen 22.6.2026)

Literatur

Federmeyer, Ed (2007)
Eisenbahnen in Luxemburg. Band 1. Gernrode/Harz.

Eisenbahnstrecke von Pétange nach Ettelbruck

Schlagwörter
Ort
Luxemburg
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1873 bis 1880

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Karl Peter Wiemer (2019), Rolfjosef Hamacher (2019), Claus Weber (2026): „Eisenbahnstrecke von Pétange nach Ettelbruck”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343450 (Abgerufen: 15. Juli 2026)
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