Stele für die Opfer des NS-Regimes vor dem Rathaus Mechernich

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Fachsicht(en): Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Mechernich
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 35′ 27,54″ N: 6° 39′ 8,36″ O 50,59098°N: 6,65232°O
Koordinate UTM 32.333.829,21 m: 5.606.973,37 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.546.236,66 m: 5.606.349,37 m
  • Bild 1: Die Grafikerin Anna von Laufenberg zeigt ihren Entwurf der Stele.

    Bild 1: Die Grafikerin Anna von Laufenberg zeigt ihren Entwurf der Stele.

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  • Bild 2: Dirk Müller und Doro Schnakenberg bedienen den Tafelschnittlaser zur Herstellung der Stele.

    Bild 2: Dirk Müller und Doro Schnakenberg bedienen den Tafelschnittlaser zur Herstellung der Stele.

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  • Bild 3: Mit einem Tafelschnittlaser werden Stacheldraht und ein halbes Fenster im Hosteler Metallbaufachbetrieb Müller GmbH in eine undurchdringlich scheinende Metallwand gefräst.

    Bild 3: Mit einem Tafelschnittlaser werden Stacheldraht und ein halbes Fenster im Hosteler Metallbaufachbetrieb Müller GmbH in eine undurchdringlich scheinende Metallwand gefräst.

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  • Bild 4: Die Metallstele nach ihrer Fertigstellung

    Bild 4: Die Metallstele nach ihrer Fertigstellung

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  • Bild 5: Die großformatige und schwere Stele wird mit einem Bagger vorsichtig vom LKW vor das Rathaus gehoben.

    Bild 5: Die großformatige und schwere Stele wird mit einem Bagger vorsichtig vom LKW vor das Rathaus gehoben.

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  • Bild 6: Einweihung der Gedenkstele für alle Opfer des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft am 9.11.2021

    Bild 6: Einweihung der Gedenkstele für alle Opfer des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft am 9.11.2021

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  • Bild 7: Buchautor und Denkmalinitiator Franz Albert Heinen während seiner Rede bei der Vorstellung der Stele am 9.11.2021

    Bild 7: Buchautor und Denkmalinitiator Franz Albert Heinen während seiner Rede bei der Vorstellung der Stele am 9.11.2021

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  • Bild 8: Der Bürgermeister der Stadt Mechernich, Dr. Hans-Peter Schick, während seiner Rede zur Vorstellung der Stele am 9.11.2021, im Hintergrund Rezitatorin Katia Franke und Initiator Franz Albert Heinen.

    Bild 8: Der Bürgermeister der Stadt Mechernich, Dr. Hans-Peter Schick, während seiner Rede zur Vorstellung der Stele am 9.11.2021, im Hintergrund Rezitatorin Katia Franke und Initiator Franz Albert Heinen.

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  • Bild 9: Der Chor der Gesamtschule intonierte John Lennons Friedenshymne "Imagine" bei der Feierstunde zur Denkmalenthüllung vor dem Mechernicher Rathaus am 9.11.2021.

    Bild 9: Der Chor der Gesamtschule intonierte John Lennons Friedenshymne "Imagine" bei der Feierstunde zur Denkmalenthüllung vor dem Mechernicher Rathaus am 9.11.2021.

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  • Bild 10: Zahlreiche Repräsentanten waren bei der Vorstellung der Stele am 9.11.2021 zugegen.

    Bild 10: Zahlreiche Repräsentanten waren bei der Vorstellung der Stele am 9.11.2021 zugegen.

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Nähert man sich dem Rathaus der Stadt Mechernich, stößt man neben dem Eingangsbereich auf eine Stele, die an die Opfer der NS-Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs erinnert. Das Objekt besteht aus einer knapp drei Meter hohen, leicht geschwungenen Platte aus natürlich rostendem Stahl, in der im unteren Bereich per Laser die Form von Stacheldraht symbolisch ausgraviert wurde. Im mittleren Bereich gibt es zwei Öffnungen. Die linke weckt Assoziationen an ein zur Hälfte geöffnetes Fenster und steht für ein Moment der Hoffnung, was allerdings durch den Draht als trügerisch einzuordnen ist. Die rechte dient dem Zweck, einen längeren, ebenfalls gelaserten Text auf einer rostfreien Platte abzubilden. In dem Text werden verschiedene Opfergruppen genannt, darunter auch sowjetische und osteuropäische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Es wird daran erinnert, dass sich auch Bürgerinnen und Bürger der Stadt an den nationalsozialistischen Verbrechen beteiligt haben, und am Ende steht die Aufforderung, künftig Hass und Hetze zu widerstehen und den Rechtsstaat zu verteidigen. Der gesamte Text lautet:

„Erinnert euch
Die Stadt Mechernich gedenkt aller, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden und umkamen, weil ihnen die elementaren Menschenrechte vorenthalten blieben, ebenso aller Vermissten, Gefallenen und Ziviltoten des Zweiten Weltkriegs.
Wir gedenken insbesondere an dieser Stelle:
  • der jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die gedemütigt, ausgeraubt, vertrieben und ermordet wurden;
  • der politischen Opposition und der Gewerkschafter, die ab 1933 in Haft unter nationalsozialistischer Gewalt litten;
  • der in Mechernich und in der Region in Zwangsarbeitskommandos elend umgekommenen sowjetischen Kriegsgefangenen;
  • der aus dem deutsch besetzten Polen und Osteuropa in die Stadt Mechernich und in die Region verschleppten zivilen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, von denen viele hier getötet wurden oder die ins Konzentrationslager kamen und zugrunde gingen;
  • der Opfer von Zwangssterilisationen im Krankenhaus Mechernich;
  • der Opfer nationalsozialistischer Krankenmorde.
Einige Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt beteiligten sich an Übergriffen gegen die Opfer, viele schauten tatenlos zu, andere leisteten im Rahmen ihrer Möglichkeiten Widerstand.
Die Zerstörung von Demokratie beginnt mit der Ausgrenzung, Entrechtung und Entmenschlichung einzelner Bevölkerungsgruppen.
Verteidigt den Rechtsstaat
Widersteht Hass und Hetze
Bewahrt den Frieden
Bürgermeister, Rat und Verwaltung der Stadt Mechernich. 2021“.


Die Stele wurde von der aus Lückerath, einem Ortsteil von Mechernich, stammenden Grafikdesignerin Anna von Laufenberg entworfen (Bild 1). Von Laufenberg hatte ebenfalls 2021 bereits eine Pieta-Stele für den Ortsteil Kallmuth gestaltet, deren Standort nahe der dortigen Pfarr- und Wallfahrtskirche vorgesehen ist. Der Entwurf der Rathaus-Stele wurde von der Metallbaufirma Müller GmbH aus Mechernich-Hostel umgesetzt (Bilder 2-4).
Der Öffentlichkeit übergeben wurde sie am 9. November 2021, dem Tag der Erinnerung an die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der organisierte Schlägertrupps Läden, Synagogen und weitere jüdische Einrichtungen zertrümmert und in Brand gesetzt hatten. Nach der Aufstellung der Stele (Bild 5) waren bei der Feier zur Enthüllung (Bild 6) mehr als hundert Gäste anwesend; unter ihnen Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (Bild 8) sowie der Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers, Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule der Stadt, die die Feier mit einem Chor begleiteten (Bild 9) sowie Vertreter der Politik, Kirche und Verwaltung (Bild 10).

Die Initiative zur Entwicklung der Stele ging von dem Journalisten und Buchautor F. A. Heinen (Schleiden) aus (Bild 7). Heinen hatte 2018 das Buch „Abgang durch Tod“ über Zwangsarbeit im Kreis Schleiden während der Jahre 1939-1945 herausgebracht und es dabei nicht belassen wollen. Vielmehr hatte er sich für die Schaffung eines Erinnerungsobjekts an einem zentralen öffentlichen Ort eingesetzt und bei seiner öffentlichen Buchvorstellung bereits Mechernich mit dem Rathausplatz als wünschenswert benannt. Mechernich war bis zur kommunalen Neugliederung des Landes im Jahr 1972 die größte Stadt des Kreises Schleiden, den Heinen in seinem Buch behandelt hat, sie ging dann in den Kreis Euskirchen über.

Heinen sprach nach seiner Buchvorstellung schließlich Manfred Lang an, einen früheren Kollegen des Kölner Stadt-Anzeigers, bei dem beide gearbeitet hatten. Lang ist heute leitender Redakteur der Agentur für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit „ProfiPress“, die in Mechernich ansässig ist und dort u. a. die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Stadt ausübt. Er übernahm daraufhin die Koordination des Stelen-Projekts und sorgte für ein gemeinsames Treffen mit dem Bürgermeister. Der Entwurf des Stelen-Textes war schließlich das Ergebnis eines etwa einjährigen Ringens mit Historikerinnen und Historikern sowie Vertreterinnen und Vertretern des Rates. Am Ende stimmte der Rat der Stadt Mechernich dem erzielten Ergebnis ohne Gegenstimme zu.
Bemerkenswert ist noch, dass anlässlich der Veranstaltung auch eine kostenfreie Broschüre erschien, in der zu den verschiedenen Opfergruppen aus regionaler Perspektive Stellung genommen wird. Die Beiträge darin stammen von F. A. Heinen, Manfred Lang und der Lehrerin Gisela Freier. Im Pressebericht von „ProfiPress“ heißt es zum Inhalt der Publikation:

„Darin wird das Schicksal der geknechteten und ermordeten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen beleuchtet, die in den Mechernicher Bleigruben, aber auch auf Bauernhöfen und zum Teil auch in Betrieben und sogar kirchlichen Einrichtungen zum Arbeitseinsatz kamen. Das kostenlos im Rathaus erhältliche kunstvolle Druckwerk gibt im DIN-A-6-Format aber auch Auskunft über die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Mitbürger, Zwangssterilisationen am Mechernicher Krankenhaus und Euthanasiemorde an behinderten Kindern und Erwachsenen.“

(Frank Möller, Gesellschaft für interdisziplinäre Praxis e.V., 2021)

Internet
mechernich.de: Agentur ProfiPress (10.11.2021) - Erinnerung und Trauer. Pressebericht. Mechernich. (abgerufen 23.11.2021)
frank-moeller.eu: Schick, Hans-Peter / Stadt Mechernich (2021) - Erinnert euch. Broschüre mit Texten von Gisela Freier, F. A. Heinen, Manfred Lang. Schleiden: Wallraf Druck und Design. (abgerufen 23.11.2021)

Literatur

Heinen, Franz Albert (2018)
"Abgang durch Tod". Zwangsarbeit im Kreis Schleiden 1939-1945. Schleiden.

Stele für die Opfer des NS-Regimes vor dem Rathaus Mechernich

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bergstraße 1
Ort
53894 Mechernich
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 2021

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Frank Möller: „Stele für die Opfer des NS-Regimes vor dem Rathaus Mechernich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343180 (Abgerufen: 7. Dezember 2022)
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