Grabstätte von Peter und Irene Ludwig in Sankt Aldegund

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Sankt Aldegund
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 04′ 56,68″ N: 7° 07′ 44,39″ O 50,08241°N: 7,129°O
Koordinate UTM 32.366.144,22 m: 5.549.470,01 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.580.848,94 m: 5.550.185,96 m
  • Grabstätte des Ehepaars Ludwig

    Grabstätte des Ehepaars Ludwig

    Fotograf/Urheber:
    Gerhard Schommers
    Medientyp:
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  • Porträtbüsten des Kunstsammler-Ehepaars Irene Ludwig (1927-2010) und Peter Ludwig (1925-1996) an deren gemeinsamer Grabstätte in der Alten Kirche in Sankt Aldegund (2016).

    Porträtbüsten des Kunstsammler-Ehepaars Irene Ludwig (1927-2010) und Peter Ludwig (1925-1996) an deren gemeinsamer Grabstätte in der Alten Kirche in Sankt Aldegund (2016).

    Fotograf/Urheber:
    Gerhard Schommers
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Unterhalb des Ostchores der am Hang stehenden romanischen Alten Kirche Sankt Bartholomäus in Sankt Aldegund befindet sich eine von außen zugängliche Grabstätte. Ihre zwei Gruften wurden mit Bronzetafeln verschlossen, die in einem zweiteiligen Basaltsteinrahmen eingepasst sind. Hier fanden die Kunstsammler Peter Ludwig im Jahr 1996 und Irene Ludwig im Jahr 2010 ihre letzte Ruhe. Neben der Grabstätte sind auf zwei Stelen die zu Lebzeiten gefertigten Büsten des Ehepaars aufgestellt. Diese Bronzeplastiken schuf der Bildhauer und Architekt Arno Breker (1900-1991).

Die romantisch inmitten von Weinbergen gelegene, erstmals urkundlich im Jahre 1144 erwähnte Kirche ist das Schmuckstück des Ortes Sankt Aldegund. Auch nach fast 900 Jahren ist die Kirche in einem hervorragenden baulichen Zustand. Dies ist vor allem der großzügigen Unterstützung durch das Ehepaar Ludwig zu verdanken.

Das Leben war der Kunst gewidmet
Das Paar lernte sich während des Studiums der Kunstgeschichte in Mainz kennen und heiratete 1951. Ein wesentliches Bindeglied ihrer Beziehung war die gemeinsame Liebe zur Kunst. Daraus sollte eine in der ganzen Welt einmalige Kunstsammlung entstehen. In der Studentenzeit war das Geld knapp, und so begann der Aufbau des Ludwigschen Kunstimperiums ganz bescheiden mit ein paar Delfter Kacheln. Später fingen die Ludwigs an, Kunstwerke systematisch zu sammeln, mit Kunst der Antike, des Mittelalters und der Moderne. Sie erkannten früh die Bedeutung der Gegenwartskunst, was oft auf Ablehnung und Unverständnis stieß, die ihnen aber zum Verstehen der Zeit unerlässlich schien. Es war den begeisterten Kunstsammlern immer ein Anliegen, ihre Schätze auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es gibt in der ganzen Welt Museen, die den Namen „Ludwig“ tragen. Diese sind heute in der „Peter und Irene Ludwig-Stiftung“ zusammengefasst. Die Museen z.B. in Aachen, Köln, Koblenz, Oberhausen, Saarlouis, Bamberg, Wien, Havanna, Basel, Sankt Petersburg und Peking wurden von den „Ludwigs“ mit ihren Kunstschätzen ausgestattet, während die jeweiligen Städte für den Museumsbau und den Betrieb der Museen verantwortlich waren. Die Leitlinie der Ludwigs beruhte auf Leistung und Gegenleistung. Darüber hinaus gibt es weltweit Museen, die mit Leihgaben aus der Sammlung Ludwig ausgestattet sind.

Kunst war für das Ehepaar Ludwig immer auch Völkerverbindung. Nach seinem Tod 1996 wurde Peter Ludwig übereinstimmend als eine der kulturpolitisch einflussreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit gewürdigt.

Altar der „Alten Kirche“ als Kunstentdeckung
Wie entstand nun aber die Beziehung zu Sankt Aldegund? Mit dem Bau der neugotischen Pfarrkirche 1870-1872 war die „Alte Kirche“ ihrer Aufgabe enthoben und zerfiel zusehends. Das wertvolle Inventar wurde verkauft. Der Stiftungsaltar aus Sandstein, ein Werk des berühmten Trierer Bildhauers Hans Ruprecht Hoffmann aus dem Jahr 1601 und weiteres wertvolles Inventar wurden verkauft. Der wertvolle Hoffmann-Altar gelangte auf eine Burg in Ostbelgien, wo Peter und Irene Ludwig ihn entdeckten und in den 1950er Jahren erwarben.

Als in Sankt Aldegund Mitte der 1950er Jahre die „Alte Kirche“, die in zwei Weltkriegen als Pferdestall, Munitionslager und Gefängnis gedient hatte, in einem schlechten Zustand war, forschten engagierte Bürger nach, wo die wertvollen Kunstgegenstände verblieben waren und wurden so auf das Ehepaar Ludwig aufmerksam. 1962 fuhr eine Abordnung Sankt Aldegunder Bürger mit ihrem Pastor nach Aachen und bat das Ehepaar Ludwig, den Altar zurück kaufen zu können. Die „ Ludwigs“ lehnten das zunächst ab mit dem Hinweis, sie seien Kunstsammler und nicht Kunsthändler.

Grabstätte für das Ehepaar Ludwig
Aber das Interesse für die Herkunft des Altars war geweckt. Nach einem Besuch der „Ludwigs“ in Sankt Aldegund und dem Besuch der romanischen Kirche von 1144 machte das Ehepaar Ludwig den Vorschlag, als Gegenleistung für die Rückgabe des Altars als ewige Leihgabe eine Grabstätte in der Alten Kirche zu erhalten. Eine Grabstätte in der Kirche wurde vom Bistum Trier nicht erlaubt. So kam es zu dem Kompromiss, eine von außen zugängliche Grabstätte aus zwei übereinanderliegenden Kammern unter dem Altar zu errichten. In einem Vertrag verpflichtete sich das Ehepaar Ludwig, neben der kostenlosen Rückgabe des Altars die Restaurierung der Alten Kirche finanziell großzügig zu unterstützen.

Nun konnten die Arbeiten zügig vorangehen. Ab 1967 wurden Dach, Außenputz und der Fußboden saniert. Die einfachen Glasfenster wurden durch Bleiverglasungen ersetzt. Spätgotische Malereien in Altarraum und Kirchenschiff wurden freigelegt. Hinter dem 1763 aufgebauten Barockaltar kamen ein romanisches Fenster und weitere spätgotische Malereien zu Tage. Um den ursprünglichen romanischen Charakter zu erhalten wurde der Barock-Altar restauriert und 1964 als Seitenaltar in der neugotischen Pfarrkirche Sankt Aldegundis und Bartholomäus am Moselufer als Ersatz für einen wenig wertvollen Marienaltar aus der Zeit um 1910 aufgebaut.
Die Kirche erhielt 1972 drei neue Glocken, die dem mittelalterlichen Geläute, das im Krieg eingeschmolzen worden war, in Klang und Aufschriften von Mark, Brockscheid, nachgegossen wurden.

1971 wurde die komplett sanierte und restaurierte Kirche nach nahezu hundert Jahren Profanierung wieder konsekriert und dient heute als Zweitkirche der Pfarrei St. Aldegund für Dank- und Bittgottesdienste, Hochzeiten, Taufen und sonstige Familienfeiern. Seit über 20 Jahren dient die Kirche auch als Konzertsaal für Solisten-Konzerte in einem einmaligen Ambiente und hervorragender Akustik. Insgesamt wurden in den letzten 50 Jahren weit über 500.000 € für die Erhaltung der Alten Kirche aufgewendet. Alleine die Sanierung der riesigen Stützmauer kostete Anfang der 1980er-Jahre fast 400.000 D-Mark.

Frau Prof. Dr. Irene Ludwig verstarb am 28. November 2010 und fand ihre letzte Ruhestätte wie ihr 14 Jahre früher verstorbener Ehemann in der Gruft unter dem Altar der Alten Kirche. Mit der Beisetzung der Eheleute Ludwig ging der wertvolle Renaissance-Altar in den Besitz der Kirchengemeinde St. Aldegund über. Peter und Irene Ludwig verpflichteten ihre Stiftung, auch über ihren Tod hinaus den Erhalt der romanischen „Alten Kirche“ sicher zu stellen.
Wegen ihrer wertvollen Ausstattung ist die Kirche verschlossen. Der Kirchenschlüssel kann im Haus Auf der Teusch 4a ausgeliehen werden. Die Grabstätte ist jederzeit zugänglich.

(Gerhard Schommers, Sankt Aldegund, 2021)

Grabstätte von Peter und Irene Ludwig in Sankt Aldegund

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Alte Kirchgasse
Ort
56858 Sankt Aldegund
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1996, Ende nach 2010

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„Grabstätte von Peter und Irene Ludwig in Sankt Aldegund”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343107 (Abgerufen: 8. Februar 2023)
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