Kalkwerk Schaefer in Steeden

Schäfer Kalk

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Runkel
Kreis(e): Limburg-Weilburg
Bundesland: Hessen
Koordinate WGS84 50° 25′ 8,92″ N: 8° 06′ 33,16″ O 50,41914°N: 8,10921°O
Koordinate UTM 32.436.717,01 m: 5.585.613,81 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.436.766,51 m: 5.587.408,58 m
Das Kalkvorkommen im Raum Steeden ist Teil des mitteldevonischen Kalksteinzuges, der sich von Diez über Limburg, Dehrn und Steeden bis in den Raum Wetzlar hinzieht. Die Verarbeitung des Kalks, der unter anderem zunächst in kleinen meilerähnlichen Öfen zu Stückkalk gebrannt wurde, hat in Steeden Tradition.

Ab 1850 fanden die ersten industriellen Brennversuche statt. Nach der Schiffbarmachung der Lahn um 1810 wurden Lastkähne zum Abtransport des Kalkes eingesetzt. Auf dem neu angelegten Leinpfad zogen Pferdegespanne die Lahnkähne flussaufwärts. Nach der Fertigstellung der Lahntalbahn im Streckenabschnitt Limburg - Weilburg 1862 endete allmählich die Lahnschifffahrt. Spätere Versuche durch Vertiefung der Fahrrinne und den Ausbau von Häfen konnten den Gütertransport nicht mehr auf den Wasserweg zurückbringen. Nach 1880 nahmen große, kapitalkräftige Unternehmen den Abbau und das Brennen des Kalks in die Hand. In wenigen Jahren verwandelten die Unternehmen „Fink und Co.“, „May und Urban“, „Chr. Schneider und Hubalek“ das Gelände am Ortsausgang nach Dehrn in ein florierendes Industriegebiet, dessen Spuren heute nur noch in den Felswänden zu erkennen sind. 1913 wurde in sieben mächtigen Ringöfen mit 40 bis 50 Meter hohen Kaminen, die den Ort Steeden und die Umgebung prägten, Kalk gebrannt. Die Unternehmen „Gebr. Latsch“ aus Diez und „Peter Fix“ aus Duisburg-Meiderich belieferten die Eisenhütten im Ruhrgebiet mit Rohkalksteinen. 1927 transportierte alleine das Unternehmen „Peter Fix“ 28.900 Tonnen Kalksteine an die Ruhr.

1921 erwarb Schaefer Kalk das Werk, veräußerte die Anteile 1941 wieder, als die I.G.Farben mit Sitz in Frankfurt die Kalkwerke in Steeden übernahm, um mit dem Bau zweier moderner koksbefeuerter Schachtöfen den Kalkbedarf der kriegswichtigen BUNA-Fabrikation zu decken. 1945 wurden die Steedener Kalkwerke zunächst unter die Kontrolle der Siegermächte gestellt, um dann 1950 bei der Entflechtung der I.G.Farben der BASF in Ludwigshafen zugewiesen zu werden. Diese baute zwei weitere Schachtöfen. Die BASF veräußerte 1970 die Steedener Kalkwerke an die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke (RWK), Dornap. Neuinvestitionen und die Erschließung weiterer Kalkbrüche in der Gemarkung Hofen sicherten der Fortbestand der Steedener Kalkwerke. Seit 1999 sind die Steedener Kalkwerke im Besitz der Schaefer Kalk GmbH & Co. KG mit Sitz in Diez. Das heutige, 1860 gegründete Unternehmen Schaefer Kalk hat sich im Laufe der nunmehr über 160-jährigen Unternehmensgeschichte zu einem der leistungsfähigsten Kalkunternehmen Deutschlands entwickelt.

In der Nähe von Steeden finden sich im Steinbruch Schneelsberg zwischen Runkel-Hofen und Beselich-Niedertiefenbach sogenannte Kegelkarste. Bei den beeindruckenden Felsformationen handelt es sich um die verwitterten Oberflächen mitteldevonischer Kalkriffe, die durch Steinbrucherweiterungen freigelegt worden sind. Eine Begehung des Geländes ist nicht möglich.

Lahn-Marmor-Route
Dieses Objekt ist Teil der Lahn-Marmor-Route von Wetzlar nach Balduinstein.

(Rudolf Conrads, Lahn-Marmor-Museum Villmar, 2021)

Internet
hgv-steeden.de: Industriegeschichte - Heimat- und Geschichtsverein Steeden (abgerufen 18.08.2021)

Kalkwerk Schaefer in Steeden

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Steedener Weg
Ort
65594 Runkel - Steeden
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1860

Empfohlene Zitierweise

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Rudolf Conrads: „Kalkwerk Schaefer in Steeden”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-341994 (Abgerufen: 30. September 2022)
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