Ensemble aus überdachten Töpferöfen und zugehörigem Wohnhaus in Fachwerkbauweise in der Broichgasse (2021)
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Schutzbau mit Fenstern und Informationsschildern für die beiden erhaltenen Töpferöfen in der Broichgasse (2021)
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Rückansicht des Wohnhauses mit Fachwerkfassade und Gartenbereich (2021)
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Wohnhaus in der Broichgasse des Frechener Oberdorfes mit historischer und historisierender Bausubstanz (2021)
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Töpferofen an der Broichgasse (2023)
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Ensemble aus überdachten Töpferöfen und zugehörigem Wohnhaus in Fachwerkbauweise in der Broichgasse (2021).
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Schutzbau mit Fenstern und Informationsschildern für die beiden erhaltenen Töpferöfen in der Broichgasse (2021).
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Rückansicht des Wohnhauses mit Fachwerkfassade und Gartenbereich (2021).
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Wohnhaus in der Broichgasse des Frechener Oberdorfes mit historischer und historisierender Bausubstanz (2021).
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Töpferofen an der Broichgasse für Irdenware. Einer von zwei freigelegten Töpferöfen an der Stelle - einer für Steinzeug, einer für Irdenware.
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Im Frechener Oberdorf sind als Außenstelle des Keramions zwei Töpferöfen unter einem Schutzbau zu besichtigen. Sie bildeten zusammen mit dem sich östlich anschließenden Fachwerkwohnhaus einen Töpferhof.
Ab dem 16. Jahrhundert waren hier Töpfer tätig, deren Namen ab Ende des 18. Jahrhunderts ermittelt werden konnten.
Die Töpferei Heinrich Reinartz So lebte und arbeitete laut Adressverzeichnis von 1795 (Heeg 1994) hier in der Hausnummer 192 der Töpfer Heinrich Reinartz. Ihm gehörten die Grundstücke Y 469, 470, 471 und 472 bestehend aus Haus, Schuppen, Garten und einem Baumgarten (LA NRW R 7207 /1829). Vermutlich ließ er auch das heutige Gebäude Anfang des 19. Jahrhunderts auf einem Vorgängerbau errichten. Seine Söhne Tilmann und Everhard Reinartz waren ebenfalls Töpfer.
REINARTZ, HEINRICH „Töpfer, Häfner - 1754 geb. zu Bachem, Sohn der Ehel. Hermann R. und Anna Maria Schlang(en), Sterbereg. 57/1826 - 1780 Mitglied der Rosenkranzbruderschaft, PfaA Rentb. 1 - 1794 unterschreibt das Wahlprotokoll der Rottmeister, StaF P. T. Franzosen in Frechen, fol. 8 - 1795 wohnt in der Broichgasse, im Hause Nr. 192, gehört zur 4. Rotte, ebd. fol. 54 - 1806 Aug. 12 zeigt den Tod des Bruders Tilmann an, Sterbereg. 70/1806 - 1808 Trauzeuge bei der Hochzeit Kleinsorg-Stark, Traureg. 12/1808 - 1818 März 12 zeigt den Tod der Ehefrau Sibilla Gudula Hemmersbach an, Sterbereg. 16/1818 - 1826 Sept. 27 stirbt zu Frechen, ebd. 57/1826“ (Göbels (1971).
Die Töpferei Everhard Reinartz Als Heinrich 1826 verstarb, gingen die Grundstücke mit Töpferei auf seinen Sohn Everhard Reinartz über. Der Eigentumswechsel ist für das Jahr 1829 dokumentiert (LA NRW R 7207 /1829). Um das Jahr 1840 verkaufte er jedoch die Grundstücke in der Broichgasse an den Töpfer Heinrich Blömeling (LA NRW R 7209 / 1840) und produzierte selber laut einer Handwerkerliste von 1850 in der Hauptstraße 316 weiter (StaF Akt. 182 fol. 20). Er verstarb im Jahr 1850.
REINARTZ, EVERHARD „Häfner, Töpfer - 1794 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Heinrich R. und der Sibilla Judith Hemmersbach, Sterbereg. 140/1850 - 1819 Nov. 14 heir. Ursula Kirsch, 29 Jahre alt, aus Sinthern, Traureg. 19/1819 - 1820 Dez. 11 zeigt die Geburt des Sohnes Heinrich an, Geburtsreg. 115/1820 - 1826 Sept. 27 zeigt den Tod des Vaters an, Sterbereg. 57/1826 - 1837 März 14 zeigt den Tod des Sohnes Georg an, ebd. 61/1837 - 1850 Nov. 6 zeigt den Tod der Tochter Cäcilia an, ebd. 123/1850 - 1850 Dez. 18 stirbt zu Frechen, ebd. 140/1850 - Anm.: Der Familienname hier und in den folgenden Eintragungen lautet auch: Reynartz, Reinarz, Reynarz]“ (Göbels 1971).
Die Töpferei Heinrich Blömeling Um 1840 übernimmt Heinrich Blömeling die Töpferei in der Broichgasse. Er ist sowohl im Jahr 1850 als auch 1856 in einer Handwerkerliste unter den Hausnummern 237 (StaF Akt. 182 fol. 20) und 261 (StaF Akt. 187 fol. 22) geführt, die für die jeweiligen Jahre auch auf die heutige Broichgasse 15 zutreffen.
BLÖMELING, HEINRICH „Häfner, Töpfer - 1800 geb. zu Frechen, Sohn der Ehel. Christian B. und Anna Maria Statz, Traureg. 19/1829 - 1829 Okt. 3 heir. Elisabeth Stark, 26 Jahre alt, aus Frechen, ebd. - 1850 in einer Handwerkerliste aufgeführt, StaF Akt. 182 fol. 20 - 1852 erhebt vergeblich Einspruch gegen die Errichtung eines Kannenofens durch Georg Lövenich, StaF Akt. 189 fol. 104 - 1856 in einer Töpferliste aufgeführt, StaF Akt. 187 fol. 22 - 1857 unterschreibt eine Beschwerde an den Bürgermeister von Frechen, weil Kollegen die Meisterprüfung außerhalb des Landkreises Köln ablegen, ebd. fol. 37 - 1861 Febr. 23 stirbt zu Frechen, Sterbereg. 22/1861]“ (Göbels 1971).
Heinrich Blömeling verstarb im Jahr 1861. Ob die Töpferei danach noch durch seine Söhne, die Töpfer Heinrich (1833-?) und Johann (1849-1908), weiterbetrieben wurde, ist unklar.
Von der Töpferei zum Lebensmittelladen Laut Grundsteuerfortschreibungsverhandlungen verkaufte Heinrich Blömeling am 19.01.1870 über den Notar Eglinger die Grundstücke an Johann Junior Blömeling (LA NRW R 7213/1872/2). Dieser Johann Blömeling ist in der Töpferliste von Göbels auch als und Kaufmann erwähnt. Es ist anzunehmen, dass er den Töpfereibetrieb anschließend in einen Kaufladen umwandelte, denn laut Göbels „starb er als Kaufmann“ im Jahr 1908. Im Adressbuch von 1899 ist zudem unter der damaligen Adresse Broichgasse 352 der Kaufmann Johann Blömeling eingetragen.
BLÖMELING, HEINRICH „Töpfer - 1833 Dez. 2 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Heinrich B. und der Elisabeth Stark, Geburtsreg. 142/1833 - 1858 Jan. 21 heir. Gertrud Blömeling, 26 Jahre alt, aus Frechen, Traureg. 6/1858 - 1861 Febr. 23 zeigt den Tod des Vaters an, Sterbereg. 22/1861“ (Göbels 1971).
BLÖMELING, JOHANN „Töpfer, Kaufmann - 1849 Mai 7 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Heinrich B. und der Elisabeth Stark, Geburtsreg. 72/1849 - 1871 Juni 23 heir. Elisabeth Lövenich, 19 Jahre alt, aus Frechen, Traureg. 14/1871 - 1875 Aug. 25 zeigt den Tod seines Sohnes Johann an, Sterbereg. 124/1875 - 1908 Febr. 19 stirbt als ‚Kaufmann“, ebd. 42/1908„ (Göbels 1971).
Danach gehörte das Haus Johann Berg, der eine Nachfahrin der Blömelings geheiratet hatte. Er machte aus dem Haus ein Lebensmittelgeschäft. Seine Tochter Klara Berg heiratete Jakob Oebel, der “dazu eine Bäckerei aufmachte„ (Stadtarchiv Frechen BS-Nr. 005792: Bildunterschrift).
Das Wohnhaus Broichgasse 15 Das Wohnhaus wurde wohl um 1810 in Fachwerkbauweise errichtet (Stadtarchiv Frechen BS-Nr. 005792: Bildunterschrift). Es handelt es sich um ein nach drei Seiten freistehendes zweigeschossiges Fachwerkgebäude mit sichtbarem Fachwerk (geziegelte Gefache) am südlichen Giebel und der Westfassade. Es ist traufständig zur Broichgasse positioniert und hat ein Satteldach. An dieser östlichen Traufseite wurde nachträglich ein Putz aufgetragen.
Laut Kartenvergleich mit der Urkarte von 1819 handelte es sich bei der Töpferei einst um einen dreiseitigen Komplex. Ein üblicher Töpfereibetrieb damaliger Zeit hatte den Wohn- und Verkaufsbereich zur Straße hin, die Töpfereiproduktion zum hinteren Grundstücksbereich hin ausgerichtet. In den westlich an das Wohnhaus angrenzenden Anbauten befanden sich die Werkstatt und der Töpferofen.
Die Töpferöfen Im Mai des Jahres 1968 wurde bei einem Wasserrohrbruch ein Großteil der alten, aus Fachwerk und Lehm errichteten Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Oberdorfes zerstört (Heeg 1984, S. 60). Im Rahmen sich später anschließender Maßnahmen zur Sanierung und Wohnumfeldverbesserungen wurden im Herbst 1986 auch archäologische Grabungen durchgeführt. Dabei wurden in einem Bereich hinter dem Wohnhaus Broichgasse 15 in einer Tiefe von drei Metern vier Brennöfen (je zwei Steinzeug- und Irdenwareöfen) gefunden (Stadt Frechen 1995, S. 10). “Ein Steinzeugofen, aufgrund verbackener Keramik ins 16. Jahrh. zu datieren, war offenbar durch Überheizung zusammengebrochen„ (Bonner Jahrbuch 1988, S. 454). Er stellte die älteste Produktionsanlage des Fundensembles in der Broichgasse dar und wies eine Länge von 4,36 Meter und eine Breite von 2,24 Meter auf. Zwei der vier gefundenen Öfen wurden unter einem Schutzdach konserviert und können als Außenstelle des Keramions besichtigt werden. Bei Ofen 1 handelt es sich um einen Steinzeugofen mit einem Ofentypus des 17. Jahrhunderts und später, dessen Maße in der Breite 3,28 Meter und in der Länge 3,68 Meter betragen. Seine westliche Seitenwand wurde beim Bau des benachbarten jüngeren Irdenware-Ofens (Ofen 2, vorwiegend 19. Jahrhundert) zerstört. Dieser wurde hinsichtlich der Arbeitsrichtung gegenläufig zum Steinzeugofen angelegt und weicht auch mit seiner langovalen Form ab. Seine Länge beträgt (ohne Heizergrube) 7 Meter bei einer maximalen Breite von 2,3 Metern (Stadt Frechen 1995, S. 10f). Leider sind die kuppelförmigen obertägigen Ofenpartien, die sich einst gleich einem halbierten Ei bzw. wie ein Schildkrötenpanzer über den Öfen aufwölbten, nicht mehr erhalten. Auch die im Umkreis der Öfen gemachten Kleinfunde sind von großer Bedeutung: Es wurde laut Bonner Jahrbuch (1988, S. 454) “außer gängiger Keramik (Steinzeug des 16./17. und Irdenware des 18./19. Jahrh.) auch frühe Irdenware des 17. (evtl. schon späten 16.) Jahrh. bei bauseitigen Bodenbewegungen„ gefunden. “Diese Keramik stützt abermals die Annahme, daß im alten 'Oberdorf' von Frechen neben anderem Geschirr auch frühe Irdenware produziert wurde, die offenbar auf dem Kölner Markt sehr gefragt war„ (Bonner Jahrbuch 1988, S. 455).
Kulturhistorische Bedeutung Das Haus Broichgasse 15 zählt zu den letzten vorhandenen Zeugnissen der dörflichen Struktur des sogenannten Frechener Oberdorfes des 19. Jahrhunderts. Es überstand als eines der wenigen Häuser den verheerenden Rohrbruch im Mai 1968 in diesem Viertel. Die erhaltenen und für die Öffentlichkeit erlebbaren Töpferöfen belegen und demonstrieren die “Produktion und Brenntechnik des 16./17. Jahrh. mit Steinzeugofen, zum anderen Produkte und Verfahren des 18./19. Jahrh. (Irdenware-Ofen) sehr gut„ (Bonner Jahrburch 1988, S. 454). Das Wohnhaus sowie die angeschlossenen Töpferöfen bilden demnach ein wichtiges Ensemble, mit dem das alltägliche Leben im Frechener Oberdorf des 19. Jahrhunderts veranschaulicht wird. Zudem handelt es sich um die letzte funktional erfahrbare Einheit eines Töpfereibetriebes mit Wohnhaus und anschließenden Töpferöfen im Oberdorf von Frechen - wenn nicht sogar im gesamten Stadtgebiet. Besonders hervorzuheben ist, dass Zeugnisse beider Produktionstypen - Irdenware und Steinzeug - hier erhalten sind: Es ist ein Alleinstellungsmerkmal Frechens, dass in einem Ort sowohl Kannenbäcker als auch Düppenbäcker produzierten.
Hinweise Das Objekt “Töpferöfen und Wohnhaus im Frechener Oberdorf„ ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Töpfereisiedlung Frechen (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 474). Die beiden Töpferöfen sind eingetragene Bodendenkmäler (Untere Denkmalbehörde der Stadt Frechen, laufende Nr. 13).
Seit 2007 befinden sich die Töpferöfen in der Patenschaft des Frechener Geschichtsvereins, der sich mit außerordentlichem Engagement regelmäßig um die Pflege und Instandhaltung dieses für die Keramikgeschichte Frechens überaus bedeutsamen Bodendenkmals kümmert.
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