Burgruine Neuleiningen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege, Landeskunde, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Neuleiningen
Kreis(e): Bad Dürkheim
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 32′ 33,74″ N: 8° 08′ 24,6″ O 49,54271°N: 8,14017°O
Koordinate UTM 32.437.796,04 m: 5.488.143,73 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.437.846,45 m: 5.489.899,87 m
  • Burgruine Neuleiningen (2021)

    Burgruine Neuleiningen (2021)

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  • Blick über die Burg in die Rheinebene (2021)

    Blick über die Burg in die Rheinebene (2021)

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Die zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaute Burg Neuleiningen liegt auf einem spornartigen Bergausläufer auf ca. 270 m ü. NN am Eingang zum Eckbachtal im Nordwesten der gleichnamigen Ortsgemeinde Neuleiningen.
Nur rund 1,4 km (Luftlinie) entfernt, liegt in südlicher Richtung die benachbarte Burg Battenberg, mit der die Burg Neuleiningen gemeinsam das Eckbachtal kontrollierte. Die ältere „Schwesterburg“ Altleiningen liegt ca. 5 km (Luftlinie) in südwestlicher Richtung entfernt.

Geschichte
Die Burg Neuleiningen wurde vermutlich um das Jahr 1240 von Graf Friedrich III. von Leiningen-Dagsberg in Folge einer Erbteilung gegründet und verblieb für mehr als 200 Jahre im Eigentum des Hauses Leiningen und verschiedener Seitenlinien. Der Name der Burganlage ist daher auf die Herrschaft der Grafen von Leiningen zurückzuführen, denen das Leiningerland zu dieser Zeit gehörte.
Die Blütezeit erfuhr die Burganlage ab ca. 1434 unter der Regentschaft von Landgraf Hesso zu Leiningen-Dagsburg. Während dieser Zeit ließ Graf Hesso sowohl die Burganlage als auch die Stadt Neuleiningen zu einer der stärksten Festungen in der Umgebung ausbauen. Die Blütezeit endete im Jahr 1467 mit dem Tod Hessos, welcher schließlich zu andauernden Erbstreitigkeiten führte. Diese Auseinandersetzungen fanden 1468 ein Ende, indem Kurfürst Friedrich von der Pfalz (der „Siegreiche“ genannt) die Burganlage gewaltsam einnahm. Die Burganlage wurde je zur Hälfte zwischen dem Kurfürsten und dem Bistum Worms aufgeteilt. Der Kurfürst gab Teile seiner Burghälfte als Lehen an Hessos Schwester weiter und 1505 erhielt Graf Reinhard von Leiningen-Westerburg die kurpfälzische Hälfte als ewiges Erblehen zurück. Bei einem Vergleich zwischen den Grafen von Leiningen-Westerburg und dem Bistum Worms im Jahr 1508 wurde die Burg schließlich zwischen den beiden aufgeteilt (westlicher Wormser Teil und östlicher Leininger Teil).
Während des Bauernkrieges 1525 wurde die Burg den Bauern ohne Kampfhandlung geöffnet. Einer Überlieferung nach, habe die damalige Gräfin Eva die eindringenden Bauern freundlich und üppig bewirtet und mit dieser List die Burg vor größeren Schäden bewahrt. Der Pfälzer Mundartdichter Paul Münch hat hierzu das Mundartgedicht „Die Gräfin Eva vun Neuleininge“ verfasst.
Auch während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) blieb die Burganlage von größeren Beschädigungen verschont. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges brannten französische Truppen im Jahr 1690 die Burganlage schließlich nieder und zerstörten die Stadt Neuleiningen. Da es beim Wiederaufbau der Burganlage zu Unstimmigkeiten zwischen den beiden Eigentümern kam, verkaufte Karl von Leiningen-Westerburg seine Hälfte der Burg im Jahr 1767 an das Bistum Worms. Die Stadt Neuleiningen wurde nach dem Kriegsende von den Bürgern wiederaufgebaut und die teilweise zerstörte Burganlage als Steinbruch genutzt.
Während der französischen Revolution wurde die Burganlage säkularisiert und befand sich ab 1804 für kurze Zeit im Eigentum der Ortsgemeinde Neuleiningen. Im Jahr 1874 konnte schließlich Graf Karl Emich zu Leiningen-Westerburg-Neuleiningen die Burg in den Besitz der Leininger zurückführen.

Baubeschreibung der Anlage
Die Burg Neuleiningen wurde als Höhenburg unter Einbezug der natürlichen Geländeformation (spornartiger Bergausläufer) an einer strategisch wichtigen Stelle (Eingang Eckbachtal) errichtet. Die Stadtmauer wurde in etwa zur gleichen Zeit erbaut und schloss am nordöstlichen Flankierungsturm der Vorburg an die Burganlage an. Im Schutz der Stadtmauer siedelten sich nach und nach Burgleute, Handwerker, Bauern etc. an, so dass die südlich der Burganlage gelegene Siedlung so stark gewachsen war, dass Neuleiningen die Stadtrechte verliehen wurden. Die Burganlage stellte mtisamt der vorgelagerten Siedlung ein einheitliches Gesamtbild dar.
Die Burg Neuleiningen gilt als eine der frühesten Kastellburgen in Deutschland und wurde den französischen Burgen aus dem 13. Jahrhundert nachempfunden, wodurch sie die französische Bauweise mit der heimischen Bautradition verband.
Noch heute ist der viereckige, leicht trapezförmige Grundriss der Kernburg mit 4 dreiviertelrunden, vorspringenden Ecktürmen (abgeflachte Hoffassaden) ablesbar. Insagesamt war die gesamte Burganlage inklusive der Vorburg ca. 150 m lang und ca. 50 m breit.
Die vier Ecktürme der Kernburg waren mittels einer umlaufenden Ringmauer miteinander verbunden und ursprünglich mit einem Wehrgang und zahlreichen, regelmäßig angeordneten Schlitzscharten (außer Westmauer) bewehrt. Der Ringmauer war vermutlich wiederum ein umlaufender Burggraben vorgelagert, der auf der Ostseite (Zugang zur Burg) wohl mittels einer (Zug-)Brücke überspannt war.
Die stärkste Befestigung wies die Kernburg nach Westen hin auf. Aus wehrtechnischen Gründen wurde die ca. 12 m hohe Westmauer ohne Öffnungen konzipiert und vermittelte somit eine gewisse Undurchdringlichkeit. Analog hierzu wurde der dreigeschossige Nordwestturm mit einem dickeren (ca. 3,3 m Mauerstärke) und höheren Mauerwerk (heute noch 17 m hoch) als die übrigen Türme erbaut und lässt somit Rückschlüsse auf eine Funktion als „Bergfried“ zu. Der Südwestturm hingegen wurde vermutlich zumindest im Obergeschoss als Wohnturm genutzt. Dagegen wiesen sowohl Nordost- als auch Südostturm Flankierungs- bzw. Schlitzscharten auf. Der mindestens 3-geschossige Nordostturm wurde in späteren Bauphasen mit zusätzlichen Fensteröffnungen und einem Aborterker versehen. Im Jahr 1874 ließ Graf Karl Emich den ca. 15 m hohen Südostturm wiederaufbauen und zum Wohnturm umfunktionieren.
Ursprünglich befand sich im Nordosten der Kernburg ein großer Saalbau, der in späteren Bauphasen durch einen Funktionsbau ersetzt wurde. In der Südostecke des Burghofs errichtete Graf Richard I. von Leiningen-Westerburg im frühen 16. Jahrhundert ein Wohnhaus mit tonnengewölbtem Keller. Der längliche, 3-geschossige Bau wurde vermutlich von einem über Eck gestelltem Treppenturm erschlossen und grenzte an den Südostturm an. Das Erdgeschoss wurde zu repräsentativen Zwecken und die darüberliegenden Geschosse zu Wohnzwecken genutzt.
Bereits im 14. Jahrhundert erfolgten erste größere bauliche Veränderungen auf der Westseite der Burganlage: Das ehemals 1-geschossige Gebäude aus dem 13. Jahrhundert wurde durch zwei neue, sich an die Ringmauer anlehnende, Gebäude ersetzt (südliches Gebäude „Küchenbau“, nördliches Gebäude „gräflicher Palas“). Während der Regentschaft von Graf Hesso wurde der ursprünglich wohl 2-geschossige und teils unterkellerte Palas um ein weiteres Geschoss erhöht. Hiervon zeugt noch der erhaltene Treppengiebel des Palas auf der Nordseite der Burganlage. In der nördlichen Ringmauer befand sich unweit des Paals eine „Schlupfpforte“ (Poterne).

Der Zugang zur Burganlage erfolgte von Osten her über die Vorburg, den Burggraben und schließlich eine Toröffnung mittig in der östlichen Ringmauer. Der ehemalige Torbau weist noch die Führung eines Fallgatters auf.

Die östlich der Kernburg gelegene Vorburg wurde erst im 15. Jahrhundert erbaut. Sie war über eine umlaufende Ringmauer mit zwei Flankierungstürmen sowie einem vorgelagerten Zwinger im Norden und Osten geschützt.

Die Wasserversorgung der Burganlage wurde über einen Brunnen im Burghof der Kernburg sichergestellt.

Renovierung und Erhaltung
Die Burgruine Neuleiningen ist ein gemäß § 8 DSchG Rheinland-Pfalz eingetragenes Kulturdenkmal (Denkmalverzeichnis Kreis Bad Dürkheim). Im Verzeichnis der Kulturdenkmäler Landkreis Bad Dürkheim ist folgendes angegeben:
„ehem. Burg: zwischen 1238 und 1241 durch Graf Friedrich III. von Leiningen errichtet; im 16. Jh. als Witwensitz der Leininger genutzt; 1690 durch Franzosen zerstört; Hauptburg in der nordwestlichen Ecke auf dem höchsten Punkt; nicht ganz viereckige Anlage mit Rundtürmen an den Ecken, Typ des Vierturmkastells; in den Türmen ursprünglich kleine Rechteck- und Spitzbogenöffnungen mit geschrägten Gewänden, in den Ringmauern regelmäßige Abfolge von schmalen Schießscharten; von der ausgebauten östlich anschließenden Vorburg, die wahrscheinlich auch Burgkapelle und heutige Pfarrkirche einbezog, die nördlich dem Steilhang folgende Ringmauer mit Schlitzfenstern erhalten“ (GDKE, Seite 78)

Zu Beginn der 1970er Jahre fanden umfangreiche Erhaltungsmaßnahmen an der Burganlage statt und von 1990 bis 1992 erfolgte die Neugestaltung des äußeren Burghofes.
Von der ursprünglichen Burganlage sind neben den vier runden Ecktürmen mitsamt Ringmauer u.a. der Treppengiebel des Palas auf der Nordseite sowie der Keller eines Wohnhauses an der Südostecke der Anlage erhalten. Die Innenbebauung der ersten Bauphase ist vollständig abgegangen – die heute noch erhaltenen Reste stammen aus dem 14. bis frühem 17. Jahrhundert.
Der südöstliche Turm wurde als begehbarer Aussichtsturm (ca. 15 m hoch) mitsamt Heimatmuseum in den oberen Geschossen umgebaut. Der erhaltene Treppengiebel des Palas stellt nach wie vor ein markantes Wahrzeichen der Burg dar.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit
Die Ruine liegt in der Ortsgemeinde Neuleiningen – nördlich des alten Ortskerns. Parkplätze befinden sich unmittelbar vor der Burg.

Kulturdenkmal
Die Burgruine Neuleiningen wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Bad Dürkheim (Stand 13.07.2022, dort S. 77/78) geführt. Der Eintrag lautet:
Burgruine (Denkmalzone)
ehem. Burg; zwischen 1238 und 1241 durch Graf Friedrich III. von Leiningen errichtet; im 16. Jh. als Witwensitz der Leininger genutzt; 1690 durch Franzosen zerstört;
Hauptburg in der nordwestlichen Ecke auf dem höchsten Punkt; nicht ganz viereckige Anlage mit Rundtürmen an den Ecken, Typ des Vierturmkastells; in den Türmen ursprünglich kleine Rechteck- und
Spitzbogenöffnungen mit geschrägten Gewänden, in den Ringmauern regelmäßige Abfolge von schmalen Schießscharten;
von der ausgebauten östlich anschließenden Vorburg, die wahrscheinlich auch Burgkapelle und heutige Pfarrkirche einbezog, die nördlich dem Steilhang folgende Ringmauer mit Schlitzfenstern erhalten

(Barbara Hillers, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, Neustadt an der Weinstraße 2024)

Internet
www.pfalz.de: Burg Neuleiningen (abgerufen am 12.02.2024)
www.neuleiningen.de: Geschichte (abgerufen am 12.02.2024)
www.burgenarchiv.de: Burg Neuleiningen (abgerufen am 12.02.2024)
www.ms-visucom.de: Burg Neuleiningen (abgerufen am 12.02.2024)
www.burgen-pfalz.com: Burgenkatalog - Neuleiningen (abgerufen am 12.02.2024)

Literatur

Keddigkeit, Jürgen; Übel, Rolf / Burkhart, U. (Hrsg.) (2005)
Pfälzisches Burgenlexikon. Band 3. I-N. Seiten 740-754, Kaiserslautern.

Burgruine Neuleiningen

Schlagwörter
Ort
67271 Neuleiningen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Landeskunde, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung

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Barbara Hillers (2020): „Burgruine Neuleiningen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-326172 (Abgerufen: 19. April 2024)
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