Radrennbahn und Motorradrennbahn „Erka“ in Erkelenz

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Erkelenz
Kreis(e): Heinsberg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 04′ 47,22″ N: 6° 18′ 35,01″ O 51,07978°N: 6,30972°O
Koordinate UTM 32.311.562,89 m: 5.662.140,29 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.521.748,32 m: 5.660.567,87 m
  • Typische Szene aus einem Radrennen zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der Steher-Rennfahrer Peter Günther hinter seinem Schrittmacher Heinrich Otto (vor 1914).

    Typische Szene aus einem Radrennen zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der Steher-Rennfahrer Peter Günther hinter seinem Schrittmacher Heinrich Otto (vor 1914).

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Die als 400 Meter lange Ton- und Sandbahn mit erhöhten Kurven erbaute Radrennbahn in Erkelenz hat offenbar nicht allzu lange bestanden. Der vom Stadtarchiv Erkelenz und dem örtlichen Geschichtsverein erstellte Dokumentation unter „Virtuelles Museum Erkelenz“ zufolge, wurde eine wohl um 1920 rund um einen Sportplatz angelegte Aschenbahn um 1922/23 zur Rad- und Motorradrennbahn ausgebaut, die lediglich bis 1928/29 Bestand hatte (vgl. v.a. www.virtuelles-museum.com; auch Semmeling 2009 gibt als Entstehungszeit zwischen 1922 und 1923 an).

Vom Exerzierplatz zum Sportplatz und zur Radrennbahn
Die zunächst als Fußballplatz vom Sport-Club 09 Erkelenz und vom Turnverein Erkelenz 1860 e.V. genutzte Sportanlage geht auf einen militärischen Exerzierplatz an der Westpromenade zurück, den die Stadt Erkelenz 1830 für das Landwehr-Reserve-Bataillon Erkelenz zur Verfügung stellen musste: „Als Exerzierplatz diente er bis zum Jahre 1898. Der Platz wurde nur gelegentlich zu militärischen Zwecken benutzt, zum Beispiel 1914 bei der Einziehung von Truppen des Erkelenzer Gebietes.“ (www.virtuelles-museum.com)
Wie auch andernorts, wurde für den seinerzeit aufstrebenden Bahnradsport um 1920 rund um den Sportplatz zunächst eine einfache Aschenbahn errichtet. Nachfolgend erfolgte dann bis 1922/23 der Ausbau zu einer Rad- und Motorradrennbahn durch den Radfahrverein „Erka“ Erkelenz. Für die 400 Meter lange und acht Meter breite (in den Kurven neun Meter) und mit Ton und Sand befestigte Rennbahn wurden um 3,50 Meter erhöhte Kurvenwälle aufgeworfen. Dies „wirkte sich zwar für das Fußballfeld sehr nachteilig aus, allerdings erhielt das Spielfeld mit der Rennbahn erstmals einen hölzernen Zaun und eine hölzerne Tribüne, sie wurde außerhalb des Sportplatzes auf der im Südwesten angrenzenden Wiese errichtet.“ (ebd.)

Obgleich der Ausbau der Bahn mit einer 2.000 Personen fassenden Sitztribüne erst zum 22. Juli 1923 vollständig abgeschlossen war, konnte diese bereits am Sonntag, dem 29. April 1923, mit einer großen Rennveranstaltung mit abwechslungsreichem Programm eröffnet werden. Etwa 5.000 bis 6.000 Zuschauer hatten sich trotz ungünstiger Witterung dazu eingefunden. Die Westdeutsche Landeszeitung berichtete am 30. April 1923: „Das abwechslungsreiche Programm und die fesselnden Kämpfe der einzelnen Rennen ließ die Erschienenen bald die Unbill der Witterung vergessen. Die Radrennfahrer fuhren 600, 1200 und 4000 Meter.“ (zitiert nach www.virtuelles-museum.com)
Neben den reinen Radrennen wurde zur feierlichen Eröffnung der Bahn auch ein 15-km-Rennen für Räder mit Hilfsmotoren, ein 20-km-Dauerfahren als Steherrennen (hinter motoriserten Schrittmachern) sowie ein Motorradrennen über 30 Runden ausgerichtet.

Die „Erka“-Bahn als Motorradrennbahn
So wie zahlreiche andere für den Bahnradsport angelegte Velodrome, wurde die „Erka“-Radrennbahn auch als Kurs für Motorradrennen genutzt. Paul Rüttchen - ein lokaler Fahrer aus Erkelenz, der später ein sehr erfolgreicher Straßenrennfahrer auf den Marken Standard und NSU wurde - begann hier seine Karriere; nach ihm die heutige Erkelenzer Paul-Rüttchen-Straße benannt.
Die Zeitschrift „Der Motorfahrer“ 16/1923 vom 2. August 1923, S. 281, berichtet von einem Rennen auf der Radrennbahn in Erkelenz am 8. Juli 1923, bei dem ein „Gustav Spanknebel aus Dülken auf KMB den 4. Platz im Endlauf der Klasse bis 750 ccm sowie den 3. Platz im Endlauf der Klasse über 750 ccm“ belegte (hier zitiert nach www.kie4192.de).
Überliefert ist ferner, dass in den 1920er-Jahren ein Jean Fuchs in der Hindenburgstraße 30 (heutige Kölner Straße) eine Fahrschule betrieb, dort auch Autos reparierte und unter der Herstellerbezeichnung „Fahrzeug-Bau Jean Fuchs und Co. Erkelenz“ auch Motorräder baute. Bei Motorradrennen auf einer „auf dem Gelände des heutigen Willy-Stein-Stadions“ in Erkelenz angelegten Rennstrecke belegten Fuchs-Fahrer erste Ränge (www.aachener-zeitung.de).

Zum Ende der „Erka“-Rennbahn berichtet das „Virtuelle Museum Erkelenz“: „Es gab noch ein Rennen an Ostern 1928, danach begannen beim Sportplatz wohl größere Baumaßnahmen. Ende 1929 war in der Zeitung dann von der 'ehemaligen' Radrennbahn die Rede.“

Lage und Objektgeometrie
Die hier eingezeichnete Objektgeometrie folgt seit April 2023 (vgl. den nachfolgenden Hinweis) den Lageangaben zu dem bereits vor 1920 als Fußballplatz genutzten vormaligen Exerzierplatz an der Westpromenade: ein „Wiesenstreifen von der städtischen Bleiche nordwestwärts bis zu einem Feldweg zwischen Matzerather- und Zehnthofweg. ... Nach Nordosten grenzte der Platz an die ausgedehnten Wiesen des Erkelenzer Krankenhauses, nach Südwesten im Bereich des heutigen Berufskollegs an Gärten und einer anschließende Wiese.“ (www.virtuelles-museum.com)
Leider lassen weder die historischen Karten der im Zeitraum von 1891 bis 1912 erstellten Preußischen Neuaufnahme noch die jüngeren topographischen Karten TK 1936-1945 im Bereich des heutigen Willy-Stein-Stadions einen Exerzierplatz bzw. eine Sportanlage erkennen.

Hinweis
Die hiesige Objektgeometrie folgte bis April 2023 den vorab genannten Karten der Preußischen Neuaufnahme, die im Bereich zwischen den heutigen Straßen Mühlenstraße, Theodor-Körner-Straße und Anton-Raky-Allee eine Sportanlage erkennen lassen (vgl. Kartenansicht). Entsprechend wurde die Entstehung der Bahn hier auch zunächst auf „spätestens 1912“ datiert.


(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2020/2023)

Quelle
Freundliche Hinweise zur Lage und Datierung der Radrennbahn nach www.virtuelles-museum.com von Herrn Dr. Marco Kieser, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2023.

Internet
www.virtuelles-museum.com: Rad- und Motorradrennbahn „Erka“ in Erkelenz (abgerufen 06.04.2023)
www.kie4192.de: Notizen zur Geschichte des Motorsports in Dülken, 8. Juli 1923 (abgerufen 27.11.2020)
www.aachener-zeitung.de: Erkelenz - Eine Fuchs ganz in Erkelenz-Blau (Aachener Zeitung vom 19.10.2010, abgerufen 08.12. 2020)

Literatur

Krings, Friedel; Stein, Willy (1959)
Festschrift 50 Jahre Sport-Club 09 Erkelenz. Erkelenz.
Semmeling, Rob (2009)
Rennen! Races! Vitesse! Racing Circuits Netherlands, Belgium, Germany, Austria, Luxembourg, Switzerland. S. 127, o. O. Online verfügbar: www.wegcircuits.nl, abgerufen am 18.06.2020

Radrennbahn und Motorradrennbahn „Erka“ in Erkelenz

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Westpromenade / Krefelder Straße
Ort
41812 Erkelenz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1920 bis 1923, Ende 1929

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Radrennbahn und Motorradrennbahn „Erka“ in Erkelenz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-315830 (Abgerufen: 21. April 2024)
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