Naturschutzgebiet Grube Weiß

NSG GL-059

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Gemeinde(n): Bergisch Gladbach
Kreis(e): Rheinisch-Bergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 57′ 41,36″ N: 7° 11′ 30,89″ O 50,96149°N: 7,19191°O
Koordinate UTM 32.373.026,59 m: 5.647.098,57 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.583.780,91 m: 5.648.039,09 m
  • Naturschutzgebiet "Grube Weiß" (2019)

    Naturschutzgebiet "Grube Weiß" (2019)

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    Tobias Mika / Biologische Station Rhein-Berg
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Die Grube Weiß ist eine ehemalige Erzgrube und liegt im Stadtteil Moitzfeld von Bergisch Gladbach in unmittelbarer Nähe zum Technologie-Park Bergisch Gladbach. Bis 1957 wurden in der Grube Weiß mit Zinkblende und Bleiglanz Buntmetalle abgebaut. Heute steht die Grube Weiß insbesondere wegen ihrer bedeutenden Amphibienvorkommen unter Naturschutz. Die Grube Weiß liegt im Bensberger Erzrevier. Der Boden ist hier reich an sogenannten Buntmetallen. Bereits im ausgehenden Mittelalter begann der Abbau dieser Erze. Ihren Höhepunkt erreichte die Erzgewinnung im Bensberger Revier im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

In der Grube Weiß wurden zu dieser Zeit hauptsächlich Zinkblende und Bleiglanz unter Tage abgebaut. Im Dezember 1930 wurde der Untertagebetrieb in der Grube Weiß stillgelegt, da einerseits die Erzvorkommen zur Neige gingen und andererseits die Preise für Zink verfielen, so dass der Untertagebetrieb nicht mehr rentabel war. In der Folgezeit wurde aber noch Zinkblende aus den Schlämmen der Klärteiche und aus altem Abraum gewonnen. Endgültig geschlossen wurde die Grube Weiß am 1. Dezember 1957. Nach Schließung diente die Grube Weiß in den 1960er Jahren unter anderem als Mülldeponie. Planungen der damaligen Stadt Bensberg zur Nutzung des Gebietes als Bau- und Gewerbegebiet führten bereits 1980 zu ersten Überlegungen des Rheinisch-Bergischen Naturschutzvereins (RBN), die Grube Weiß unter Naturschutz zu stellen.

Im Jahr 2001 wurde das Gebiet dann im Rahmen der Rekultivierung mit Erdaushub verfüllt. Von der ehemaligen Grube blieben eine Bruchsteinhalde sowie zwei Terrassen erhalten. Auf beiden Terrassen befinden sich Absetzbecken, welche von verschiedenen Amphibienarten wie Grasfrosch und Erdkröte als Laichgewässer genutzt werden. Die Uferbereiche der Teiche sind reich strukturiert mit Flachwasserbereichen, Röhricht und Binsenfluren. Eine Besonderheit des Gebietes ist das Vorkommen der Geburtshelferkröte und der Gelbbauchunke. Letztere pflanzt sich bevorzugt in temporären Kleingewässern wie Fahrspuren fort. Um diese in NRW vom Aussterben bedrohte Art zu erhalten, werden zahlreiche Artenschutzmaßnahmen durchgeführt. Auf Grund dieser bedeutenden Amphibienvorkommen wurde die ehemalige Grube Weiß 2004 als FFH-Lebensraum ausgewiesen und 2005 endgültig unter Schutz gestellt. Neben Amphibien kommen an den Gewässern auch zahlreiche Libellenarten (Königslibelle, Heidelibellen, Großer Blaupfeil, Frühe Adonislibelle) und Vögel – vom Graureiher bis zum Eisvogel - vor. Auch Höhlenbrüter wie die Hohltaube und der Kleinspecht wurden im Gebiet schon nachgewiesen. Durch die vielfältigen Biotopstrukturen ist das Gebiet auch für Heuschrecken sehr interessant. Beispiele für seltenere Arten sind die Blauflügelige Ödlandschrecke und die in Nordrhein-Westfalen stark gefährdete Sumpfschrecke.

Ihre besondere ökologische Stellung erhält die Grube Weiß durch das Vorkommen von unterschiedlichen Lebensraumtypen auf engem Raum. Bereiche mit Wald und Feldgehölzen wechseln mit Grünlandbereichen ab. Das Spektrum der Grünlandbereiche reicht von feuchten Wiesen bis hin zum Trockenrasen. Von besonderer Bedeutung, sind die selten anzutreffenden nahezu vegetationslosen Biotoptypen in Form von kiesigen Flächen und Steilhängen. Diese Biotope finden sich zum Beispiel im Bereich der Abraumhalde. Aufgrund ihrer Südwestexposition erwärmt sich diese aus Steinbruch bestehende Abraumhalde leicht und stellt so einen geeigneten Lebensraum für Reptilien wie die Zauneidechse dar. Eine Besonderheit der Grube Weiß sind kleinräumige Bereiche, in denen sich auf Grund einer Schwermetallbelastung im Boden keine Vegetation entwickeln kann. Der hohe Gehalt an Bleisulfat und Zinksulfat ist dabei auf den Abbau von Buntmetallerzen in der Grube Weiß zurückzuführen.

Heute stellt die Grube Weiß durch das abwechslungsreiche Mosaik verschiedenartiger, eng verzahnter Biotope einen einzigartigen Lebensraum dar. Die Ausweisung als Naturschutzgebiet sichert heute Wald, Gewässer, extensives Grünland und Brachflächen in verschiedenen Stadien als Lebensraum für schützenswerte Tier- und Pflanzenarten. Um diese Lebensräume zu erhalten, werden regelmäßig Naturschutzmaßnahmen durchgeführt. Das Naturschutzgebiet ist vollständig eingezäunt und nicht öffentlich zugänglich.

(Biologische Station Rhein-Berg, erstellt im Rahmen des Projektes „Naturschutz trifft Kulturlandschaft: STEINland“. Ein Projekt im Rahmen des LVR-Netzwerks Kulturlandschaft, 2019)

Internet
naturschutzinformationen-nrw.de: Naturschutzgebiet Grube Weiß (GL-059) im Fachinformationssystem des LANUV NRW (abgerufen 30.03.2020)
bergischgladbach.de: Kulturpfad Grube Weiß (abgerufen am 30.03.2020)
moitzfeld-ev.de: Die Grube Weiss (abgerufen am 30.03.2020)
bergischer-bergbau.com: Bergwerke in Bergisch Gladbach (abgerufen am 30.03.2020)

Literatur

Stahl, Herbert / Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e. V.; Stadtarchiv Bergisch Gladbach (Hrsg.) (2014)
Das Erbe des Erzes. Band 5. Neue Nachrichten und Geschichten zum Erzrevier Bensberg. Bergisch Gladbach.

Naturschutzgebiet Grube Weiß

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Grube Weiß
Ort
51429 Bergisch Gladbach
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung

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Biologische Station Rhein-Berg (2019): „Naturschutzgebiet Grube Weiß”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-305415 (Abgerufen: 13. Juli 2024)
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