Hafen Freiburg (Elbe)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Freiburg (Elbe)
Kreis(e): Stade
Bundesland: Niedersachsen
Koordinate WGS84 53° 49′ 29,72″ N: 9° 17′ 29,02″ O / 53,82492°N: 9,2914°O
Koordinate UTM 32.519.180,84 m: 5.964.082,12 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.519.258,49 m: 5.966.028,28 m
  • Hafen Freiburg (Elbe) (2019)

    Hafen Freiburg (Elbe) (2019)

    Copyright-Hinweis:
    Andraschko, Frank / AGIL / ARGE Maritime Landschaft Unterelbe
    Fotograf/Urheber:
    Frank Andraschko
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Objektbeschreibung
Der gezeitenabhängige Hafen Freiburg befindet sich heute an der nördlichen Uferseite eines ungefähr zwei Kilometer langen Hafenpriels, der in die Elbe mündet und über den der Schiffsverkehr immer noch läuft. Entlang dieser kleinen Wasserstraße wurden die Schiffe früher auch getreidelt. Bei Niedrigwasser fällt der Hafen heute fast ganz trocken.
In direkter Nachbarschaft zum dicht bebauten Hafengelände liegt die Freiburger Altstadt auf der alten Ortswurt, die sich entlang der Straßen Am alten Hafen, Neue Straße, Elbstraße, Hauptstraße, Blumenstraße, Gartenstraße, einschließlich der Straßenflächen erstreckt. Heute dient der Freiburger Hafen in erster Linie Wassersport- und bescheidenen Fischereizwecken. Am gegenüberliegenden, südlichen Hafenufer befindet sich heute noch die Werft Hatecke. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier zunächst eine Abbruchwerft eingerichtet, später auch Um- und Neubauten durchgeführt. Beispielsweise werden hier aktuell Helgoländer Börteboote gefertigt.
Ein in den 1960er Jahren errichtetes Sperrwerk für den Küstenschutz grenzt den Hafen gegen den Priel zur Elbe ab. Ebenfalls als Bauwerk modernerer Art findet sich an der Mündung des Hafenpriels in die Elbe ein Radarturm. Von hier aus hat man eine hervorragende Sicht auf die Elbe. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hafenpriels nach Osten hin befindet sich zudem das, unter Naturschutz stehende, Außendeichgelände des Ortsteils Allwörden direkt am nordöstlichen Rand des Siedlungsgebietes. Eine Aussichtsplattform bietet einen schönen Blick in die Landschaft nördlich des Allwördener Außendeichs.

Kulturlandschaftlicher Bezug
Der Freiburger Hafen mit seiner historischen Anbindung über den Freiburger Hafenpriel an die Elbe und dem Freiburger Hafenfleth ist ein schönes Beispiel eines Ensembles wasserbaulicher Anlagen und ihrer geschichtlichen Entwicklung in der maritimen Landschaft Unterelbe. Ursprünglich wurde dieser Hafen zum Handeln von Gütern genutzt. Hierzu zählten vor allem Ziegelsteine, Heu, Getreide, Hülsenfrüchte, Bauholz, Bohlen, Sand, usw. Auch Dünger wurde hier gehandelt, um in die Gärtnereien der Vierlande transportiert zu werden. Umgekehrt kamen Waren des täglichen Bedarfs per Schiff nach Freiburg. Der Umschlagverkehr wurde hauptsächlich am befestigten, nördlichen Ufer durchgeführt. Die Verteilung fand auf den kleinen Wasserläufen durch die Marsch statt, da Straßen und Eisenbahn in den feucht-morastigen Böden kaum eine Bedeutung hatten. Zwischenzeitlich bestanden vom Freiburger Hafen auch Fährverbindungen zwischen Freiburg und Städten am anderen Elbufer, unter anderem Glückstadt und Hamburg. Heute wird der Hafen hauptsächlich für das Anlegen von Segelbooten genutzt. Bis heute hat Freiburg für das Nordkehdinger Land mit Orten wie Krummendeich und Oederquart eine zentrale Bedeutung. Allerdings ist der Hafen eher ein touristischer Anziehungspunkt, weniger bedeutender Verkehrsknotenpunkt.

Entstehungsgeschichte
Seit der Gründung des Ortes Freiburg besteht hier auch ein Hafen. Erstmals erwähnt wurde der Flecken im Jahr 1154 als fester Platz des Bremer Bischofs Hartwig, späterer Marktort und Zentrum des Kirchspiels. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Freiburg fast nur per Schiff erreichbar. Als Zwischenlager für Korn und andere Waren diente ein vermutlich in den 1740er Jahren erbauter Kornspeicher. Er wurde später um Lagerhäuser und ein Getreidesilo ergänzt, bevor er seit etwa 1990 ungenutzt verfiel. Der Hafen war lange aus Holz befestigt und durch vorgesetzte Pfähle ergänzt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein hölzernes Bollwerk erbaut. In den 1930er Jahren plante man die Errichtung einer eisernen Spundwand, da das alte hölzerne Bollwerk baufällig geworden war. Im ersten Schritt wurden 40 Meter erneuert, nur ein Jahr später weitere 80 Meter. Beim Bau wurden unter anderem Eisenbahnschienen eingesetzt. Ende der 1940er Jahre wurden erneut Ausbesserungsmaßnahmen notwendig. Nach den großen Sturmfluten der 1960er und 1970er Jahre wurden im Hafen Freiburg, wie an der gesamten Elbe, umfangreiche Sicherungsmaßnahmen notwendig, die zum Bau eines Sperrwerkes und eines Radarturms führten.

Baubeschreibung
In Freiburg (Elbe) findet der Besucher noch einen richtigen Hafen vor, der die alte Atmosphäre im Flecken Freiburg erahnen lässt. Entsprechend orientierte sich der Marktflecken seit jeher zu dem über den Hafenpriel mit der Elbe verbundenen Umschlagplatz. Die Ortswurt ist durch einen historischen Deich zum Hafen hin verbunden. Weitere denkmalgeschützte Baulichkeiten im Hafenbereich sind der Kornspeicher, das Sielbecken mit Deichsiel, die Spülschleuse, das Spülbecken und der Prielbereich sowie diverse historische Werkstatt- und Wirtschaftsgebäude. Vor verschiedenen Verschlickungs-, Anlande- und Auftragsprozessen von Bodenschichten war damit eine direkte Verbindung zur Elbe gegeben. Immer wieder mussten Hafen und Priel von Bodenauftrag befreit werden, der die Schifffahrt behinderte. Ein Siel ist ein verschließbarer Wasserdurchlass durch einen Deich, mit dem das Wasser aus den dahinter liegenden Marschen entwässert werden kann; gleichzeitig Flutwasser von der Elbe zurückgehalten wird. Im Freiburger Hafen wird Wasser im Sielbecken gespeichert und regelmäßig über die Spülschleuse zum Freispülen des Spülbeckens von Schlick im Hafen genutzt. Der am Hafen noch erhaltene, inzwischen restaurierte Kornspeicher von ca. 1740 ist heute wieder ein interessanter Anlaufpunkt. Ein 2003 gegründeter gemeinnütziger Verein kämpfte gegen den Abriss des seit 1990 ungenutzten Speichers und ließ ihn sanieren. Seit 2014 ist er ein Kulturzentrum der Region, touristischer Infopunkt und Fahrradstation.

Kultureller Wert
Die dichte Bebauung am Hafen mit Resten historischer Elemente ist für die Region ganz besonders und von hohem kulturellen Wert. Die zum Teil denkmalgeschützten Gebäude lassen ihre ehemalige Funktion noch erkennen oder sind wie die Werft Hatecke noch heute in Betrieb.

Lage und Anfahrt
Adresse: Am Hafen, 21729 Freiburg (Elbe)
In Ortsmitte an Kreuzung „Allwördener Straße“, „Landsbrücker Straße“ und „Neusteden“ in die „Hauptstraße“ abbiegen, zweite Straße rechts „Am Deich“, dann erste links in die „Hafenstraße“.

(Felicitas Faasch und Frank Andraschko (www.agil-online), erstellt im Auftrag der Arge Maritime Landschaft Unterelbe in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesarchiv, Abt. Stade, dem Natureum Niederelbe, dem Kehdinger Küstenschifffahrtsmuseum, dem Detlefsen-Museum Glückstadt und der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Stade. Gefördert von der Metropolregion Hamburg, der Alles-Gute-Stiftung der Kreissparkasse Stade und dem Landkreis Stade, 2019)

Internet
metropolregion.hamburg.de: Hafen Freiburg/Elbe (abgerufen 05.12.2019)
checkpoint-charlies.de: Historischer Rundgang im Flecken Freiburg/Elbe (abgerufen 05.12.2019)
kornspeicher-freiburg.de: Historischer Kornspeicher Freiburg (Elbe) (abgerufen 05.12.2019)

Quellen
Archivinformationssystem Niedersachsen und Bremen (arcinsys.niedersachsen.de): Suche nach Hafen und Freiburg (abgerufen 05.12.2019)

Hafen Freiburg (Elbe)

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Am Hafen
Ort
21729 Freiburg (Elbe)
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1154

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Hafen Freiburg (Elbe)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-302347 (Abgerufen: 8. April 2020)
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