Obstwiese „Rechwiesen“ in Wachtberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Gemeinde(n): Wachtberg
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 36′ 41,23″ N: 7° 05′ 27,86″ O / 50,61145°N: 7,09107°O
Koordinate UTM 32.364.940,52 m: 5.608.357,60 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.577.271,47 m: 5.608.991,72 m
  • Obstwiese "Rechwiesen" in Wachtberg (2019)

    Obstwiese "Rechwiesen" in Wachtberg (2019)

    Copyright-Hinweis:
    Dierichs, Corinna / Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V.
    Fotograf/Urheber:
    Corinna Dierichs
    Medientyp:
    Bild
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  • Obstwiese "Rechwiesen" in Wachtberg (2019)

    Obstwiese "Rechwiesen" in Wachtberg (2019)

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Die Obstwiese „Rechwiesen“ befindet sich am östlichen Ortsrand von Arzdorf in Wachtberg und grenzt im Westen an den Arzdorfer Bach. Sie ist vermutlich Teil des ehemaligen Obstwiesengürtels, der früher die Ortschaften umgab.

Früher waren Streuobstwiesen ein fester Bestandteil von Bauernhöfen, Dörfern und Städten und bereicherten als Grüngürtel die Landschaft (Stappen 2005). An den Dorfrändern bildeten sie einen harmonischen Übergang zu den unbesiedelten Bereichen (Bertke & Washof 2000).

In unmittelbarer Umgebung befinden sich weitere Obstwiesen mit einer Vielfalt an Obstarten und -sorten. Daher eignet sich die Fläche für ein Vorkommen des Steinkauzes. Vor allem für seltene Arten, wie z.B. Steinkauz (Athene noctua), Fledermäuse, verschiedene Insektenarten (Aly 2012, Brötz 1994, Dietz 2012, Fiedler 2013), aber auch für Pilze und eine hohe Zahl gefährdeter Pflanzenarten (Burckard 2004, Korneck & Sukopp 1988, Stegner 2014), deren ursprüngliche Lebensräume oftmals zerstört bzw. stark verändert wurden, stellen Streuobstwiesen einen optimalen Ersatz- und Rückzugslebensraum dar (Bönsel 2015, Müller 1988, Müller et al. 2009, Telaar & Vossmeyer 2014).

Die Obstwiese wird temporär von Pferden des nahe gelegenen Reitstalls beweidet. Bei einer Beweidung von Obstwiesen mit Pferden kommt es häufig zu einer Übernutzung des Grünlandes und Beeinträchtigung der Grasnarbe (NABU 2001) sowie zu Schäden an den Bäumen, da sie angefressen oder geschält werden, sofern kein ausreichender Verbissschutz besteht (Pletting v. Kalsbeek & Schlünder 2013).

Auf der Fläche stehen ausschließlich alte Pflaumenbäume, deren Alterserscheinungen teilweise schon sichtbar werden. So sind einige Äste oder ganze Bäume bereits abgestorben. Dadurch macht die Obstwiese einen eher ungepflegten Eindruck. Die Totbäume haben allerdings auch ihre Daseins-Berechtigung, da sie Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Insekten, Käfer und Vögel bieten. Die Vielfalt der räumlichen Strukturen, wie stehendes oder liegendes Totholz, Baumhöhlen, Hecken, Trockenmauern oder Reisighaufen, und die mikroklimatischen Bedingungen machen diesen Lebensraum so einzigartig und für den Artenschutz unverzichtbar. Diese Strukturen sind essentiell für eine vielfältige Biodiversität, da sie vielen Tieren Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten bieten (Berger 2008, Holstein & Funke 1995, Menke 2007, Zehnder & Weller 2006).

(Corinna Dierichs, Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V., erstellt im Rahmen des LVR-Projektes „Obstwiesenrenaissance rund um die Ville“, 2019)

Quelle
Stappen, S. (2005): Streuobst: historisch-geographische Untersuchung eines gefährdeten Bestandteiles der Kulturlandschaft am Beispiel der Gemeinde Wachtberg. Magisterarbeit Universität Bonn

Literatur

Aly, C. / Regierungspräsidium Karlsruhe (Hrsg.) (2012)
Naturschutzgebiet „Streuobstwiesen Kleingemünd “Stadt Neckargemünd, Gemarkung Neckargemünd, Rhein-Neckar-Kreis - Vom Körnerbock besiedelte und zu seinem Schutz geborgene Obstbaumstämme. Karlsruhe.
Berger, J. (2008)
Zustandsanalyse und Zielkonzept zur Erhaltung und Entwicklung von Streuobstwiesen - Dargestellt am Beispiel einer Gemeinde des Biosphärenreservats Rhön. (Beiträge Region und Nachhaltigkeit: Zu Forschung und Entwicklung im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön, 5.) S. 155-167. o. O.
Bertke, E.; Washof, S. (2000)
Neue Wege für den Schutz der Streuobstwiesen. In: Kiebitz, 20(2), S. 64-69. o. O.
Bönsel, D. (2015)
„Prädikat besonders wertvoll“: Streuobstwiesen und Wald. In: Senckenberg: Natur, Forschung, Museum: Das Senckenberg-Wissenschaftsmagazin, 145(11/12), S. 318-329. Frankfurt.
Brötz, Thomas / Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e. V. (GNOR) (Hrsg.) (1994)
Beitrag zur Fauna und Flora des Ahrtales: Zur Verbreitung von Steinkauz (Athene noctua), Grünspecht (Picus viridis) und Neuntöter (Lanius collurio) in Streuobstwiesen im Raum Sinzig. In: Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz, Beiheft II, S. 168-178. Mainz.
Bünger, Lydia; Tumbrinck, Katharina; Krahmann, Elke / NABU - Naturschutzbund Deutschland, Stadtverband Münster (Hrsg.) (2001)
Landschaft schmeckt. Streuobstwiesen im Münsterland und in Ostwestfalen-Lippe ; Ökologie - Kultur - Pflege - Sorten. o. O.
Burckard, T. (2004)
Streuobstwiesen - verkannte Juwelen in der Landschaft. In: Collurio: Zeitschrift für Vogel- und Naturschutz in Südhessen, 22, S. 148-152. Wiesbaden.
Dietz, Markus / MainÄppelHaus Lohrberg Streuobstzentrum e.V. (Hrsg.) (2012)
Lebensraumentwicklung von Streuobstwiesen mit der Zielartengruppe Fledermäuse. Endbericht - ein Projekt zum Schutz der Biodiversität im Streuobstkorridor Rhein-Main-Kinzig. Frankfurt.
Fiedler, W. (2013)
Positive Bestandsentwicklung durch Nisthilfen: Steinkauz-Streuobstkauz. In: Der Falke: Journal für Vogelbeobachter, 60(11), S. 462-463. Wiebelsheim.
Holstein, J.; Funke, W. (1995)
Käfer- und Spinnengesellschaften süddeutscher Streuobstwiesen. In: Mitt. Dtsch. Ges. Allg. Angew. Ent, 10, S. 309-312. o. O.
Korneck, Dieter; Sukopp, Herbert / Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie (Hrsg.) (1988)
Rote Liste der in der Bundesrepublik Deutschland ausgestorbenen, verschollenen und gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen und ihre Auswertung für den Arten- und Biotopschutz. (Schriftenreihe für Vegetationskunde 19.) Münster.
Menke, Norbert / Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) (2008)
Streuobstwiesenschutz in Nordrhein-Westfalen. Erhalt des Lebensraumes, Anlage, Pflege, Produktvermarktung. Düsseldorf.
Müller, T. (1988)
Bedeutung des Streuobstbaus für den Naturschutz. In: Nürtinger Hochschulschriften, 7, S. 167-186. Nürtigen.
Pletting v. Kalsbeek, V.; Schlünder, M. / NABU Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V. (Hrsg.) (2013)
Streuobstwiesenkartierung Kreis Heinsberg 2013, Region „Der Selfkant“: Gemeinden Gangelt, Selfkant und Waldfeucht. Wegberg.
Stegner, Jan / Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Hrsg.) (2014)
Heldbock und Eremit. Bewohner alter Bäume. Dresden.
Telaar, D.; Vossmeyer, A. (2014)
Veränderung der Habitate des Steinkauzes (Athene noctua) zwischen Rees und Emmerich am Niederrhein. In: Charadrius, 50 (1), S. 98-102. Krefeld.
Zehnder, Markus; Weller, Friedrich (2006)
Streuobstbau. Obstwiesen erleben und erhalten. Stuttgart.

Obstwiese „Rechwiesen“ in Wachtberg

Schlagwörter
Ort
Wachtberg
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Übernahme aus externer Fachdatenbank, Literaturauswertung

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Corinna Dierichs, „Obstwiese „Rechwiesen“ in Wachtberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-302319 (Abgerufen: 21. Juni 2021)
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