Namen-Jesu-Kirche in Bonn

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 44′ 10,65″ N: 7° 06′ 4,09″ O / 50,73629°N: 7,10114°O
Koordinate UTM 32.366.008,53 m: 5.622.219,49 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.577.777,25 m: 5.622.888,90 m
  • Namen-Jesu-Kirche in Bonn (2015)

    Namen-Jesu-Kirche in Bonn (2015)

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Die Namen-Jesu-Kirche in der Bonner Innenstadt prägt mit ihrer imposanten, über 50 Meter hohen barocken Turmfassade entscheidend das Straßenbild der Bonngasse. Entstanden vor dem Hintergrund der Gegenreformation in Deutschland treten in dem Kirchenbau in charakteristischer Weise barocke Architekturformen, neben romanisierenden und gotisierenden Elementen auf. Ganz im Geist der katholischen Reaktion auf den Protestantismus kann diese Übernahme mittelalterlicher Formensprache als demonstrativer Ausdruck der Kontinuität der katholischen Kirche gelesen werden.

Geschichte
Der Bau geht zurück auf den Fund eines Stückes Buchenholz, in dem man den heiligen Namen Jesu zu lesen glaubte. Daraufhin stiftete Maximilian Heinrich von Bayern (1621–1688), Kurfürst und Erzbischof von Köln, im Jahr 1682 eine Kirche, die er dem örtlichen Jesuitenkolleg überantwortete. Nach einiger Verzögerung erfolgte 1686 der Baubeginn. Als Architekt gilt der kurfürstliche Baumeister Giacomo de Candrea aus Graubünden. Der von dem französischen König Ludwig XIV. (1638–1715) provozierte Pfälzische Erbfolgekrieg führte zu einer längeren Unterbrechung der Bauarbeiten: Während der Belagerung Bonns 1689 wurde die unfertige Kirche durch französischen Artilleriebeschuss schwer beschädigt, in der Folge die Jesuiten für einige Zeit aus der Stadt vertrieben. Erst nach der Rückeroberung der Stadt konnte das Kolleg nach Bonn zurückkehren und die Bauarbeiten 1692 wieder aufnehmen. Erst 1717 wurde die Kirche vollendet und geweiht. Mit der Auflösung des Jesuitenordens 1774 folgte eine Phase wechselnder Nutzungen und Eigentümer, bis die Kirche 1803 Eigentümer wurde. Zuvor wurde der Bau nach einer Zeit des Leerstandes zunächst als Gymnasialkirche genutzt. Im Laufe der napoleonischen Kriege diente die Kirche von 1794–1800 als Pferdestall und Unterkunft für französische Soldaten. Von 1877–1934 fungierte das Bauwerk als Pfarrkirche der alt-katholischen Gemeinde Bonn, anschließend als römisch-katholische Universitätskirche. Nach grundlegender Renovierung wird die Namen-Jesu-Kirche seit 2012 wieder von der alt-katholischen Gemeinde genutzt.

Baubeschreibung
Die verputzte Backsteinkirche wendet ihre Doppelturmfassade, die in der Jesuitenkirche St. Mariä Himmelfahrt in Köln ihr Vorbild hat, der Straße zu. Die zwei hohen, fünfgeschossigen Türme haben Hausteinkanten und sind mit achtseitigen Welschen Hauben und offenen Laternen bekrönt. Romanische Schallbiforien (eine aus zwei Bögen bestehende Arkatur, die in Höhe der Glockenstube eingebaut sind) in Bogenblenden öffnen das Glockengeschoss und verweisen auf die vorreformatorische Einheit der Kirche. Die barocke Giebelfassade zwischen den Türmen hat korinthische Pilaster und Volutenanläufe neben dem Giebelfeld. Das Portal feiert den Stifter und die jesuitischen Bauherren. Es wird bekrönt vom kurfürstlichen Wappen zwischen steigenden Löwen, dem von Putten gehaltenen Kurhut und dem Christusmonogramm vor einer Strahlensonne. Als Figur erscheint der Salvator nochmals in der Ädikula des Giebelaufsatzes. Die spitzbogigen Fenster, von denen die äußeren mit gotischem Maßwerk gefüllt sind, erstatten wiederum dem Mittelalter eine Referenz. Zeitgenössisches und Mittelalterliches gehen eine vielsagende Verbindung ein.
Der Kirchenraum ist eine dreischiffige fünfjochige Stufenhalle. Die Seitenschiffe sind lediglich 1,5 Meter niedriger als das Mittelschiff, doch nur ungefähr halb so breit. Ostwärts schließen die drei Schiffe in Chören. Der mittlere Chor endet, zwei Joche in die Tiefe stoßend, in einer halbrunden Apsis; die einjochigen Nebenchöre enden im flachen Rund. Der Hauptchor wird von Oratorien flankiert, deren Fenster heute zugemauert sind. Über den kräftig ausladenden Pfeilerkämpfern auf Achteckfeilern, im Chor über Konsolen, spannt sich ein spitz ansteigendes Kreuzrippengewölbe, welches von schmalen Gurtbögen gegliedert wird. Im Westen ist auf halber Höhe eine Orgel- und Sängerempore eingezogen, die auf steinernen Bögen zwischen den Pfeilern ruht. Die große Lichtfülle des Raums wird durch hellverglaste Maßwerkfenster bewirkt. Charakteristisch für das Raumbild der Namen-Jesu-Kirche ist aber vor allem die kontrastierende farbige Fassung, welche nach Befund zu Beginn der 1950er Jahre erneuert wurde: In kräftigem Blau, Gold, Schwarz und bräunlichem Rot überzieht ein dekorativ gemaltes Ornamentsystem die Gliederungen. In den Gewölben wurden zudem Fragmente von Engeln entdeckt, welche auf eine ehemals weitaus reichere Ausmalung hindeuten.

Die Namen-Jesu-Kirche befindet sich im Eigentum des Landes NRW und wird von der Bezirksregierung Köln verwaltet.

Denkmalpflegerische und bauliche Maßnahmen
1983–1984 Äußere Restaurierung des nördlichen und südlichen Flankierungsturmes, regelmäßige Unterhaltungsmaßnahmen an der Inneneinrichtung und vor allem an den großen Schieferdächern
2007Kirchturmkreuze restauriert
2007–2012Grundinstandsetzung

Nutzung:Kirche, (Urnen-)Friedhof
Ressort:Bauministerium (MBWSV) NRW
Denkmalbehörde:Bezirksregierung Köln
Denkmalliste:Bonn, Nr. 204, 05.09.1983

(Fabian Kröning, Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln, 2016)

Literatur

Dehio, Georg (2005)
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. In: Nordrhein-Westfalen 1 Rheinland (neubearb. Aufl.), Berlin.
Denk, Andreas; Flagge, Ingeborg (1997)
Architekturführer Bonn – Architectural Guide to Bonn. Berlin.
Herberg, Josef (2013)
Die Namen-Jesu-Kirche in Bonn. Von der Jesuitenkirche zur alt-katholischen Kathedrale. In: Rheinische Denkmalpflege 50/3, S. 197–206. o. O.
Herberg, Josef (2011)
Kirchen in Bonn. Geschichte und Kunst der katholischen Pfarreien und Gotteshäuser. Petersberg.

Namen-Jesu-Kirche in Bonn

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bonngasse 8
Ort
53111 Bonn - Bonn-Innenstadt
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1686 bis 1717

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„Namen-Jesu-Kirche in Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-296855 (Abgerufen: 24. Oktober 2020)
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