Stiftung Bürgerhospital

Deidesheimer Spital, Bürgerspital Deidesheim

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege, Kulturlandschaftspflege, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Deidesheim
Kreis(e): Bad Dürkheim
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 24′ 25,94″ N: 8° 11′ 15,22″ O 49,40721°N: 8,18756°O
Koordinate UTM 32.441.062,41 m: 5.473.041,76 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.441.114,23 m: 5.474.791,95 m
  • Stiftung Bürgerhospital in Deidesheim, mit dem Gästehaus Ritter von Böhl und dem Café Alt Deidesheim (2019)

    Stiftung Bürgerhospital in Deidesheim, mit dem Gästehaus Ritter von Böhl und dem Café Alt Deidesheim (2019)

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    Krieger, Sarah / Universität Koblenz-Landau
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Der Gebäudekomplex der Stiftung Bürgerhospital liegt südlich des Deidesheimer Marktplatzes, zwischen der Weinstraße und der Spitalsgasse und kann auf eine 500-jährige Geschichte zurückblicken.

Der heutige Gebäudekomplex
Zusammen mit dem Gästehaus, das nach Umbaumaßnahmen seit 1994 wieder zum Spital dazugehört, ist das Spital eine Gruppe aus drei Gebäudeflügeln. Sie rahmen im Norden, Osten und Süden den zur Weinstraße offenen Innenhof ein. In der Mitte des Hofes und an die Weinstraße angrenzend, steht die Spitalkapelle. Sie wurde auf Anweisung des Ritters Nikolaus von Böhl erbaut. Das heutige Aussehen des Spitals basiert im Wesentlichen auf den Baumaßnahmen, welche unter anderem Fürstbischof Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim (1676-1743, Bischof von Speyer ab 1719), Mitte des 18. Jahrhunderts vornehmen ließ.

Zur Geschichte des Bürgerhospitals
Der Gebäudekomplex der Stiftung Bürgerhospital liegt südlich des Deidesheimer Marktplatzes, zwischen der Weinstraße und der Spitalsgasse und beherbergt heute nicht nur eine Pflegeeinrichtung, sondern auch das „Café Alt Deidesheim“ sowie das Gästehaus „Ritter von Böhl“. Das Spital blickt bereits auf eine über 500-jährige Geschichte zurück. Die formelle Stiftung des Spitals erfolgte 1494 durch den Deidesheimer Ritter Nikolaus von Böhl. Zu dieser Zeit hatte die Einrichtung den Zweck, hilfsbedürftigen Menschen beizustehen, diente als Krankenhaus, Altersheim, Nachtasyl, Fremdenherberge und in Kriegszeiten auch als Lazarett.

Den großen Brand, der Deidesheim im Jahre 1698 heimsuchte, überstanden die Gebäudetrakte glimpflich. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die alten Gebäude umgebaut und dienten zeitweise als Krankenhaus. Auch die erste Apotheke Deidesheims wurde an diesem Ort errichtet. Die Plünderung durch die französische Revolutionsarmee im Jahre 1794 überstand das Gebäude ohne größeren Schaden. Zur Zeit Napoleon Bonapartes wurde das Spital als Schule und Wohnstätte für Lehrer zweckentfremdet. In den 1840er Jahren wurden die Gebäude renoviert und wieder in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt. Die Stiftung Bürgerhospital zählt zu den bedeutendsten Spitälern in der Pfalz und nimmt einen besonderen Platz in der Stadtgeschichte ein.

Zur heutigen Funktion
1994 wurde das Spital um das „Café Alt Deidesheim“ als „Begegnungsstätte der Generationen“ und das Gästehaus „Ritter von Böhl“ erweitert, deren Einnahmen der Spitalstiftung zugutekommen. Die Pflegeeinrichtung des Spitals wurde mittlerweile an das Caritas-Altenheim „St. Elisabeth“ angegliedert, das zu diesem Zweck um einen weiteren Gebäudeflügel erweitert wurde. Der sanierte Komplex des Deidesheimer Spitals dient heute als „sozialer Treffpunkt und Impulsgeber“; es fungiert beispielsweise als Anlaufstelle für eine Generationenhilfe. Die Stiftung „Bürgerhospital Ritter von Böhl“ koordiniert dabei Helfer, die hilfsbedürftigen Personen in der Verbandsgemeinde Deidesheim unter die Arme greifen. Die Stiftung finanziert sich neben den Einkünften aus dem Gästehaus auch durch die Verpachtung von Weinbergen in der näheren Umgebung. Das Deidesheimer Spital bietet außerdem Raum für Veranstaltungen, Workshops und Ausstellungen. Kleinere Wohneinheiten können hier darüber hinaus Menschen in Notsituationen zur Verfügung gestellt werden.

Die Stiftung Bürgerhospital wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Bad Dürkheim (Stand 2017) in zwei Einträgen geführt. Der erste Eintrag lautet: „Weinstraße 35 wohl Teil des ehem. Adelshofes der Übelhirn von Böhl, Komplex aus zwei Wohnhäusern, im Kern evtl. mittelalterlich, im 16. Jh., um 1700 und später verändert; Walmdachbau, tlw. Fachwerk, bez. 1700, Kellerabgang bez. 1561 (?), rückwärtiges Wohnhaus, tlw. Fachwerk, wohl um 1700, mit spätgotischer Biforie, 14. Jh., Torfahrt mit Wappen, bez. 1598.“ Der zweite Eintrag lautet: „Weinstraße 39/41 ehem. Bürgerspital, Sakristeianbau, 1745, Arch. Johann Georg Stahl, Bruchsal; spätgotische Spitalkapelle, 2. Hälfte 15. Jh., Dachreiter 18./19. Jh., zwei Priestergrabsteine, 18. Jh.; sog. Pfründnerbau mit Walmdach, im Kern 16. Jh., nach 1945 vereinfacht wiederaufgebaut; Brücke über die Spitalgasse; sog. Küchel- und Zwerchbau, 1743/44, Arch. J. G. Stahl; Bruchsteinmauer, Pforte mit Spolien 16. Jh.“.


(Verena Schulz, Universität Koblenz-Landau, 2019)


Internet
www.pfalz.de: Siftung Bürgerhospital (abgerufen 11.11.2019)

Literatur

Andermann, Kurt (Hrsg.) (1995)
Deidesheim. Beiträge zu Geschichte und Kultur einer Stadt im Weinland. Sigmaringen.
Andersen, Elke (2008)
Deidesheimer Geschichte(n) mit Julia und Max. Köln.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2017)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Bad Dürkheim. Denkmalverzeichnis Kreis Bad Dürkheim, 26. September 2017. Mainz. Online verfügbar: denkmalliste.gdke-rlp.de Bad Dürkheim, abgerufen am 26.09.2017

Stiftung Bürgerhospital

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Weinstraße 35, 39/41
Ort
67146 Deidesheim
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Kulturlandschaftspflege, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1494

Empfohlene Zitierweise

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„Stiftung Bürgerhospital”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-295850 (Abgerufen: 7. Dezember 2022)
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