Limeswachtturm Wp 3/26 „Dasbacher Höhe“ bei Idstein-Dasbach

Limeswachtturm Wp 3/26 „An der Oberseelbach“ bei Idstein-Dasbach

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Idstein , Niedernhausen
Kreis(e): Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
Koordinate WGS84 50° 11′ 51,32″ N: 8° 17′ 0,76″ O / 50,19759°N: 8,28355°O
Koordinate UTM 32.448.864,79 m: 5.560.845,43 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.448.919,25 m: 5.562.630,45 m
  • Wachttumrekonstruktion "Dasbacher Höhe" bei Idstein-Dasbach (2011)

    Wachttumrekonstruktion "Dasbacher Höhe" bei Idstein-Dasbach (2011)

    Copyright-Hinweis:
    Becker, Thomas / hessenARCHÄOLOGIE
    Fotograf/Urheber:
    Thomas Becker
    Medientyp:
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Im Jahr 2002 entstand unweit des Standortes des im 19. Jahrhundert zerstörten Steinturms von Wp 3/26 bei Idstein-Dasbach ein „neuer“ Limesturm. Der 12 Meter hohe Nachbau vermittelt den realistischen Eindruck eines Steinturms, wie er ab der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. an dieser Stelle gestanden haben könnte: drei Stockwerke, umlaufende Galerie, weißer Putz mit rotem Fugenstrich, mit Schindeln gedecktes Dach. Allerdings lag der Eingang in der Antike im ersten Stock. Im Inneren des Turmes befindet sich eine kleine Ausstellung.

Von der auf einer kleinen Anhöhe (359 Meter über dem Meer) errichteten Turmstelle zeichnete sich im Jahr 1856 noch ein vier preußisch-nassauische Fuß hoher, runder Schutthügel ab. Diese als Heidenkippel genannte Stelle wurde vom Archäologen Karl Rossel (1815 bis 1872) untersucht, das zutage geförderte Material aus verbrannten Steinen und Kohleresten danach aber zum Bau der nahen Straße abgefahren. Aufzeichnungen über die Untersuchungen liegen nicht vor.
Der Ort war für eine Turmstelle gut gewählt, denn von hier aus bot sich ein weiter Blick nicht nur über das Limesvorland. Nach Westen hin war die Limestrasse bis zum Wachtposten WP 3/21 zu überblicken, während sich im Osten noch die Turmstelle WP 3/29 erkennen ließ.
Das vor einem Gehölz liegende Gelände wird heute als Wiese genutzt. In der Nähe der nachgewiesenen Turmstelle wurde im Jahr 2002 direkt an der Landstraße L 3032 von Idstein nach Idstein-Dasbach ein Wachtposten rekonstruiert.

Die Wachtturmstelle 3/26
Leider sind keine konkreten Angaben zu diesem Limesturm erhalten geblieben. Eine geomgantische Prospektion im Jahr 2018 konte die Turmstelle etwa fünf Meter nordwestlich des Turmnachbaus lokalisieren. Das Messbild zeigt Reste eines quadratischen Grabens von etwa 7,5 Meter Seitenlänge sowie Pfostenstandsputen im Inneren, die auf einen durch Holzpfosten gestützten Turm von etwa 3,5 bis 4 Meter Seitenlänge hinweisen.
Etwa sechs Meter nördlich des Turms konnten die Reste des Limesgrabens und der Limespalisade nachgewiesen werden. Demnach besaß die jüngeren nördlichen Limeslinie hier zwei Ausbaustadien: zunächst wurde die Grenze durch die Holzpalisade gesichert, die in späterer Zeit durch Wall und Graben ersetzt wurde

Die Turmrekonstruktion in Idstein-Dasbach
Schon frühzeitig hat man damit begonnen, an der früheren Limestrasse Wachttürme zu rekonstruieren, um interessierten Laien eine Vorstellung vom Aussehen der römischen Grenzbefestigung zu vermitteln. Beispiele dafür finden sich zahlreich. Während der aus Bruchsteinen aufgesetzte Turm auf dem Gaulskopf im Taunus trotz des fehlenden Verputzes bis heute als eine sehr gelungene Rekonstruktion gelten muss, bleiben andere Beispiele wie die Fachwerktürme bei Butzbach stark vom Zeitgeist und Forschungsstand geprägt sind und spiegeln kaum die reale römische Architektur wieder.
Im Jahre 2002 wurde für den damals in Idstein stattfindenden Hessentag wenige Meter neben dem originalen Standort des Wachtturms direkt an der Trasse der Landstraße L 3032 bei Idstein-Dasbach ein Limeswachtturm rekonstruiert.
Der 12 Meter hohe Turm ist aus Kostengründen zwar aus neuzeitlichem Baumaterial aufgeführt worden, das jedoch unter einem weißen Kalkverputz mit rot gefassten Quaderfugen nicht zu sehen ist. Ein solcher Verputz konnte bei den Untersuchungen der Reichlimeskommission an den Türmen verschiedener Wachtposten nachgewiesen werden und entspricht deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit dem originalen Aussehen. Nur an einer Ecke hat man den Turm aus lokal anstehendem Bruchsteinmaterial aufgemauert. Diese Stelle blieb unverputzt, so dass die Besucher hier einen Eindruck von der originalen antiken Bauweise erhalten.
In römischer Zeit dürfte der Eingang zu den Türmen im ersten Obergeschoss gelegen haben und über eine bei Gefahr in das Turminnere ziehbare Leiter erfolgt sein. Das nur von innen her erreichbare Untergeschoss diente nach den Befunden an verschiedenen Turmstellen der Wachmannschaft als Lager- und Vorratsraum. Aus Sicherheitsgründen muss bei dem rekonstruierten Gebäude der Zugang heute im Erdgeschoss erfolgen. Er ist optisch allerdings kaschiert worden, um einen möglichst originalen Eindruck zu vermitteln.
Das Obergeschoss des Turmes wird von einer umlaufenden Galerie aus Holz begleitet. Solche Galerien dürfte es, wie die auf der Traianssäule in Rom erhaltenen Darstellungen der Dakerkriege (81 bis 96 sowie 98 bis 117 nach Christus) vermuten lassen, häufig gegeben haben.
Trotz der vielen Turmrekonstruktionen konnten bis heute zahlreiche Fragen nicht befriedigend gelöst werden. Dazu zählt beispielsweise die Form der Eindeckung, auch wenn die meisten Turmrekonstruktionen und –rekonstruktionszeichnungen von einem pyramidenförmigen Dach ausgehen. Auf der Traianssäule finden sich jedoch zahlreiche Turmdarstellungen mit Satteldächern. Ausgrabungen am obergemanisch-raetischen Limes lassen ebenfalls vermuten, dass an diesem die Türme Satteldächer besaßen, bei denen die Giebelseite zum Limes gerichtet waren.

Anfahrt
Die Turmstelle mit dem Nachbau liegen an der L 3026 von Idstein nach Oberseelbach knapp 3,5 Kilometer südlich des Idsteiner Stadtzentrums und gut 1,5 Kilometer nördlich des Oberseelbacher Ortskerns. Die Zufahrt zum zugehörigen Parkplatz liegt östlich der Straße im Süden des Turmes und ist entsprechend gekennzeichnet.

(Thomas Becker und Margot Klee, hessenARCHÄOLOGIE / Casten Wenzel, 2018)

Internet
de.wikipedia.org: Die Dakerkriege bei Wikipedia (abgerufen am 8.10.2018)

Literatur

Becker, Thomas (2014)
Frühe Grenzsicherung im Untertaunus - Neue Erkenntnisse zu Holztürmen am Limes. In: hessenArchäologie 2013, S. 107-111. Wiesbaden.
Becker, Thomas (2014)
Geophysik mit Überraschungen. Ein Holzturm am vorderen Taunuslimes. In: Der Limes 8.2, S. 8-11. o. O.
Fabricius, Ernst (1936)
Die Limesanlagen im Taunus von der Aar bis zum Köpperner Tal bei der Saalburg. In: Der obergermanisch-raetische Limes des Römerreiches, Abt. A, Bd. II, Berlin/Leipzig.
Fischer, Thomas (2012)
Bemerkungen zur Bauweise und Rekonstruktion von steinernen Wachttürmen am Obergermanisch-Raetischen Limes. In: Der Limes vom Niederrhein bis an die Donau. Beiträge zum Welterbe Limes 6, S. 149-154. Stuttgart.
Löhnig, Elke (2002)
Zum Limesverlauf bei Idstein-Dasbach. In: hessenArchäologie 2001, S. 102-103. Wiesbaden.
Schmidt, Wolfgang (o.J.)
Wiederaufbau eines römischen Wachturmes (WP 3/26) bei Idstein-Dasbach. (HessenArchäologie.) S. 103-104. Wiesbaden.
Schunk-Larrabee, Gail; Schunk, Winfried (2011)
Der hölzerne Limesturm auf dem „Schrenzerberg“ bei Butzbach. ein frühes Beispiel historischer Rekonstruktionen. (hessenArchäologie.) S. 104–107. Stuttgart..

Limeswachtturm Wp 3/26 „Dasbacher Höhe“ bei Idstein-Dasbach

Schlagwörter
Ort
65510 Idstein - Dasbach
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kulturdenkmal gem. § 2 DSchG Hessen
Fachsicht(en)
Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, Archäologische Grabung
Historischer Zeitraum
Beginn 150 bis 260

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„Limeswachtturm Wp 3/26 „Dasbacher Höhe“ bei Idstein-Dasbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-283441 (Abgerufen: 23. September 2021)
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