Versorgungsrohre und -leitungen im LZB-Bunker, dem von 1970 bis 1990 betriebenen Ausweichsitz der nordrhein-westfälischen Landeszentralbank in Mechernich-Satzvey (2026).
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Fernmeldesammlung im Bunker der NRW-Landeszentralbank in Satzvey: Blick in Ausstellung zur Entwicklung der Information und Kommunikation der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (2026).
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LZB-Bunker Mechernich-Satzvey, Historische IuK-Sammlung der BOS
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10 DM-Banknote der Ersatzwährung "BBK II" der Deutschen Bundesbank (1959-1988).
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Versorgungsrohre und -leitungen im LZB-Bunker, dem von 1970 bis 1990 betriebenen Ausweichsitz der nordrhein-westfälischen Landeszentralbank in Mechernich-Satzvey (2026).
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Fernmeldesammlung im Bunker der NRW-Landeszentralbank in Satzvey: Blick in Ausstellung zur Entwicklung der Information und Kommunikation der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (2026).
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Vorderseite einer Banknote "10 Deutsche Mark" der von 1959 bis 1988 vorgehaltenen Ersatzwährung "BBK II" der Deutschen Bundesbank.
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Der Ausweichsitz der früheren nordrhein-westfälischen Landeszentralbank für den Fall eines Atomkrieges wurde in den 1960er-Jahren als zweigeschossige Tiefbunkeranlage mit über 100 Schutzplätzen unter einer Schule im heutigen Stadtteil Mechernich-Satzvey eingerichtet.
Bunker und Ausweichsitze Während des Kalten Krieges wurden für den - seinerzeit keineswegs unwahrscheinlichen - Fall eines mit Atomwaffen geführten Krieges zahlreiche Bunker für die Rettung von Menschen eingerichtet. Diese gab es sowohl für die Zivilbevölkerung wie auch für Vertreter der jeweiligen Landes- oder Bundesregierungen als zumeist so genannte „Ausweichsitze“. Neben entsprechenden Vorkehrungen für militärische Szenarien eines V-Falls (Verteidigungsfall), gab es aber auch solche für wirtschaftliche Krisenfälle wie z.B. eine mögliche Störung des Geldumlaufs.
Mit dem Wirtschaftssicherstellungsgesetz (WiSiV) von 1965 wurde die Aufrechterhaltung der „Versorgung mit Leistungen auf dem Gebiet des Geld- und Kapitalverkehrs“ sogar als Bundesgesetz verankert (lange vor den später umstrittenen Notstandsgesetzen von 1968). Um beispielsweise einen gestörten Kapitalverkehr im Fall einer vom Feind durch in Umlauf gebrachtes Falschgeld verursachten Hyperinflation zu begegnen, wurden dazu auch größere Reserven einer (Not-) Währung in speziellen Bunkereinrichtungen vorgehalten. Die offizielle Sprachweise der Deutschen Bundesbank ist „für alle Fälle“ jedoch erscheint es zweifelhaft, bzw. konnte auch mittlerweile durch Aussagen ehemaliger Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) die Erklärung des „Falschgeldes“ ausgeräumt werden (Hinweis Herr Kern 2026).
Ausweichsitz der Landeszentralbank NRW Die damalige Landeszentralbank Nordrhein-Westfalen richtete ihren Ausweichsitz als Bunkerbauwerk in der Ortschaft Satzvey ein. (Anmerkung: Der historische Burgort und Amtssitz Satzvey wurde zum 1. Juli 1969 zur damaligen Gemeinde Veytal eingemeindet, die lediglich vom 1. Juli 1969 bis zum 31. Dezember 1971 bestand und zum 1. Januar 1972 mit dem Kreis Schleiden in den Kreis Euskirchen eingegliedert wurde; Satzvey gehört seitdem zu Mechernich. Seit einer Strukturreform zum 1. Mai 2002 firmieren die früheren Landeszentralbanken (LZB) heute als Filialen bzw. Bankplätze der Deutschen Bundesbank.)
Erbaut wurde der LZB-Bunker zwischen 1966 und 1969 unter der damaligen Mittelpunktschule am Veybach, der heutigen Waldorfschule „Freie Veytalschule Satzvey“. Von hier aus sollte im Kriegsfall der aus der Düsseldorfer Zentrale evakuierte Führungsstab den reibungslosen Geld- und Kapitalverkehr in Nordrhein-Westfalen aufrechterhalten. Aufgrund von Geheimhaltungsvorgaben erfolgte die Auftragserteilung an die ausführende Baufirma im November 1966 für ein „Bauvorhaben Mittelpunktschule Satzvey, Los II, Schutzbau“ - dies war ein Tarnname für das Bunkerbauwerk, das an anderer Stelle auch als „Sonderbauwerk Steinfurt“ bezeichnet wurde - wobei es einen entsprechenden Ort in der Nähe gar nicht gibt. Alle beteiligten Baufirmen waren vor Baubeginn zur Geheimhaltung verpflichtet worden, so galt auch auf der Baustelle das für Anlagen diesen Typs übliche strikte Fotografierverbot.
Baugeschichte Der Rohbau entstand - in etwa einem Meter Tiefe unterhalb des Schulhofs beginnend - als zweigeschossige Tiefbunkeranlage aus bewehrtem Stahlbeton mit einem Außenmaß von 32,4 x 30,4 Metern und 8,6 Metern Höhe. Die äußeren Umfassungsmauern waren bis zu 1 Meter stark ausgeführt. Bis zum Abschluss des Rohbaus mit 1.800 Quadratmeter Fläche am 18. Dezember 1967 wurden ca. 4.150 Kubikmeter Beton und rund 630 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut und die Kosten beliefen sich auf 1,625 Millionen DM (Zahlenangaben nach www.bunker-doku.de und www.geschichtsspuren.de). Am 25. Januar 1970 erfolgte eine umfassende Besichtigung des zukünftigen LZB-Ausweichsitzes durch die am Bau beteiligten Architekten und Ingenieure sowie Mitarbeiter der Landeszentralbank. Der Bunkerbau war zu diesem Zeitpunkt bereits von einer Erdschicht überdeckt, so dass von außen lediglich die Zu- und Abluftkanäle sichtbar waren. Bereits im Frühjahr 1968 waren die Arbeiten für den Innenausbau ausgeschrieben worden, bei denen bis zur Fertigstellung und Übergabe an die Landeszentralbank am 14. November 1969 „vor allem lokale und regionale Bau- und Handwerksbetriebe“ eine Beschäftigung fanden. Die Gesamtkosten des Innenausbaus werden auf 856.000 DM beziffert und der Kostenaufwand für die gesamte Baumaßnahme auf letztlich über 5 Millionen DM (www.geschichtsspuren.de).
Baubeschreibung Im LZB-Ausweichsitz Satzvey entstanden 72 Wohn-, Arbeits- und Technikräume mit allen notwendigen Einrichtungen hinsichtlich der Versorgung, Belüftung, Klimatisierung usw. Ferner wurden die für Bunker üblichen Dekontaminations- und Sanitätsräume eingerichtet sowie eine Fernmeldezentrale und Anlagen für die Stromversorgung in Form von Dieselaggregaten und die Wasserversorgung in Form von Tiefbrunnen. Der Zugang in das Bunkerbauwerk erfolgte über zwei größere Schleusenzugänge, die als überbaute Treppenabgänge vom Schulhof her eingerichtet waren, sowie einen kleineren Zugang über den Keller der Schule. Für das Personal wurden in dem Bauwerk insgesamt 107 Schlafplätze in Sammelräumen mit 9-16 Betten eingerichtet. Einzelzimmer wurden lediglich für den Präsidenten und den Vizepräsidenten der LZB vorgesehen. Neben den Unterkünften und sanitären Anlagen verfügte der Bunkerbau über eine Waschküche, eine Großküche und entsprechende Vorratsräume. In diesen waren ständig frische Lebensmittelvorräte eingelagert, die natürlich regelmäßig ausgetauscht werden mussten. Dies geschah in den meisten Fällen nachts oder am Wochenende.
Der Tresorraum Der zentrale Tresorraum befand sich im Untergeschoss des Bunkers und sollte zur Aufbewahrung von „Geld- und Sonderbeständen“ bzw. „Sonderwerten“ dienen. Alleine für die Tresortür wird ein Gewicht von rund 6 Tonnen angegeben und ein damaliger Preis von ca. 12.000 DM. Nach Auskunft von Teilnehmern an Bunkerübungen befand sich indes nie Geld in dem Tresor, da dieses den Planungen nach erst im Spannungsfall (in Kraft treten der Notstandgesetze) aus den Tresoren der Deutschen Bundesbank in Frankfurt und dem Bundesbankbunker Cochem an die Landeszentralbanken und damit u.a. nach Satzvey geliefert worden wäre (Hinweis Herr Kern 2026).
Die Frage, ob im Ernstfall in Satzvey die ab 1960 für Kriegszeiten vorgehaltenen, aber nie ausgegeben Bundeskassenscheine oder Ersatz-Geldnoten der so genannten „BBk II-Serie“ (vgl. hierzu hier) eingelagert worden wären, muss daher wohl unbeantwortet bleiben. Lubbe hält dies unter geschichtsspuren.de „aufgrund der zu geringen Größe der Tresorkammer“ jedoch für ausgeschlossen und auch den Hinweisen von Herrn Kern 2026 zufolge gibt es dafür keinerlei Belege. Unter www.bunker-doku.de wird eine Einlagerung von Goldbeständen als zumindest mögliche weitere Nutzungsoption erwähnt.
Nutzung und aktuelle Situation Unmittelbar nach Fertigstellung des Bunkers erfolgte im Jahr 1970 eine erste Übung; diese fanden in der Folge mindestens alle zwei Jahre statt. Im Mai 1971 nahmen dabei erstmals auch zwei als Stenotypistinnen eingesetzte Damen teil. Das Protokoll vermerkte hierzu anschließend ausdrücklich, dass deren Mitwirkung „keinerlei Probleme“ mit sich gebracht habe. Weitere längere Belegungsübungen sind nicht nachweisbar. Wahrscheinlich erfolgte unregelmäßig eine kurze Teilnahme an den NATO-Übungen Wintex/Cimex. Das Bauwerk wurde aber regelmäßig kontrolliert und gewartet. Auch fanden technische Verbesserungen vor allem im Fernmelde- und Elektrotechnik Bereich statt (Hinweise Herr Kern 2026). Der Schulbetrieb blieb von den bis 1989 regelmäßig stattfindenden Belegungsversuchen unberührt. Während die Banker unterirdisch den V-Fall probten, wurden gleichzeitig „oben weiter Grundrechenarten und das Alphabet gelernt.“ (www.bunker-doku.de)
Nach dem faktischen Ende des Kalten Krieges wurde der Ausweichsitz der Landeszentralbank 1990 aufgegeben und nachfolgend bis zur Mitte der 1990er auch technisch außer Dienst gestellt. Die durchgeführten Rückbauarbeiten betrafen dabei v.a. den Ausbau von technischen Gerätschaften und das Verfüllen der Tiefbrunnen, des zeitweise teils unter Wasser stehenden Bauwerks. Aus Sicherheitsgründen wurde die Eingänge der zunächst noch teilweise begehbare Bunkeranlage vollständig verschlossen. Eine Öffnung des Bunkerkomplexes und die Einrichtung von Führungen in der Anlage wurde diskutiert und vorbereitet (www.bunker-doku.de). Im Zuge der erneuten Öffnung stellte die 6 Tonnen schwere Bunkertür zur Tresorkammer ein Problem dar, da es weder eine Zahlenkombination noch die notwendigen Schlüssel gab. Die Tresortür konnte schließlich erst mit der Unterstützung eines Fernsehteams von Galileo (Pro Sieben) geöffnet werden.
Seit Mai 2012 kann die Anlage als Teil der „Bunker-Dokumentationsstätten“ besichtigt werden. Führungen durch den naturgemäß nicht barrierefreien Bunker mit mehreren Treppen und teils hohen Trittstufen finden regelmäßig statt. Auch können individuelle Führungen für Gruppen gebucht werden (www.lzb-bunkersatzvey.de).
Quelle Freundliche Hinweise und Ergänzungen von Herrn Peter Kern, Leiter der Einrichtung LZB-Bunker Satzvey, 2026.
Internet www.lzb-bunkersatzvey.de: Geschichte der Bunkeranlage in Satzvey (abgerufen 20.08.2026 und 28.10.2026) www.geschichtsspuren.de: Christoph Lubbe, Das Sonderbauwerk der Landeszentralbank NRW (umfassende Beschreibung des Bauwerks mit zahlreichen Abbildungen und Fotos, undatiert, abgerufen 09.07.2018 und inzwischen dort nicht mehr verfügbar). Eine vermutlich identische Beschreibung („Erstellt: 18. Dezember 2009“) findet sich nunmehr unter anderer URL - www.geschichtsspuren.de: Das Sonderbauwerk der Landeszentralbank NRW (abgerufen 28.10.2026) de.wikipedia.org: Ausweichsitz der Landeszentralbank NRW (abgerufen 07.07.2026) www.spiegel.de: Atombunker-Touren in der Eifel: Die Uhren stehen auf kurz vor zwölf (Spiegel-online vom 15.06.2014, abgerufen 09.07.2018) www.bgbl.de: Gesetz über die Sicherstellung von Leistungen auf dem Gebiet der gewerblichen Wirtschaft sowie des Geld und Kapitalverkehrs (Wirtschaftsicherstellungsgesetz), Bundesgesetzblatt vom 24. August 1965 (abgerufen 10.07.2018) www.bunker-doku.de: Bunker-Dokumentationsstätten, Ausweichsitz Landeszentralbank NRW (abgerufen 09.07.2018, Inhalt nicht mehr verfügbar 07.07.2026). Eine vermutlich aktualisierte Beschreibung findet sich nunmehr unter anderer URL - www.bunker-doku.de: Zur Geschichte des Ausweichsitzes der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalen (abgerufen 28.10.2026) www.veytalschule.de: Freie Veytalschule Satzvey e.V. (abgerufen 11.07.2018) www.ardmediathek.de: Burg Satzvey bei Mechernich im Kreis Euskirchen, WDR Hier und heute vom 10.06.1963 (abgerufen 17.02.2026)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. (3. völlig neu bearbeitete Auflage). (HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273.) S. 719 u.a., Stuttgart.
Pötzl, Norbert F.; Traub, Rainer (2010)
Der Kalte Krieg. Wie die Welt den Wahnsinn des Wettrüstens überlebte. München.
Ausweichsitz der nordrhein-westfälischen Landeszentralbank in Satzvey
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Empfohlene Zitierweise
„Ausweichsitz der nordrhein-westfälischen Landeszentralbank in Satzvey”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-281269 (Abgerufen: 1. November 2026)
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