Bundesbankbunker Cochem

offiziell „Lagerstätte Cochem-Cond“, fälschlich auch „Deutsches Fort Knox“

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Cochem
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Hinweisschild am Eingang zum früheren Bundesbankbunker in der Brauselaystraße in Cochem-Cond (2015).

    Hinweisschild am Eingang zum früheren Bundesbankbunker in der Brauselaystraße in Cochem-Cond (2015).

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  • Bus des Shuttleverkehrs für Gruppenführungen im Bundesbankbunker Cochem-Cond, im Hintergrund die Cochemer Reichsburg (2015)

    Bus des Shuttleverkehrs für Gruppenführungen im Bundesbankbunker Cochem-Cond, im Hintergrund die Cochemer Reichsburg (2015)

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  • Der als Komplex zweier Wohnhäuser getarnte frühere Bunker zur Aufbewahrung einer Notstandswährung der Bundesbank in der Brauselaystraße in Cochem-Cond (2015).

    Der als Komplex zweier Wohnhäuser getarnte frühere Bunker zur Aufbewahrung einer Notstandswährung der Bundesbank in der Brauselaystraße in Cochem-Cond (2015).

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  • Das linke der beiden Wohnhäuser in der Cochem-Conder Brauselaystraße, die zur Tarnung des früheren Bunkers der Bundesbank zur Aufbewahrung einer Notstandswährung dienten (2015).

    Das linke der beiden Wohnhäuser in der Cochem-Conder Brauselaystraße, die zur Tarnung des früheren Bunkers der Bundesbank zur Aufbewahrung einer Notstandswährung dienten (2015).

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  • Das rechte der beiden Wohnhäuser in der Cochem-Conder Brauselaystraße, die zur Tarnung des früheren Bunkers der Bundesbank zur Aufbewahrung einer Notstandswährung dienten (2015).

    Das rechte der beiden Wohnhäuser in der Cochem-Conder Brauselaystraße, die zur Tarnung des früheren Bunkers der Bundesbank zur Aufbewahrung einer Notstandswährung dienten (2015).

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  • Der als Komplex zweier Wohnhäuser getarnte frühere Bunker zur Aufbewahrung einer Notstandswährung der Bundesbank in der Brauselaystraße in Cochem-Cond (2015).

    Der als Komplex zweier Wohnhäuser getarnte frühere Bunker zur Aufbewahrung einer Notstandswährung der Bundesbank in der Brauselaystraße in Cochem-Cond (2015).

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  • Blick von der Brauselaystraße im Stadtteil Cond auf die Stadt Cochem, zentral die alte Cochemer Moselbrücke, links am Bildrand die Reichsburg (2015).

    Blick von der Brauselaystraße im Stadtteil Cond auf die Stadt Cochem, zentral die alte Cochemer Moselbrücke, links am Bildrand die Reichsburg (2015).

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Der streng geheime Bunker der Deutschen Bundesbank – offiziell „Lagerstätte Cochem-Cond“ und in der Presse eher irreführend-falsch auch „deutsches Fort Knox“ genannt – lag als „Schulungsheim“ für Mitarbeiter der Bundesbank getarnt mitten einem Wohngebiet. Hier wurden von 1964 bis 1988 bis zu 15 Milliarden Deutsche Mark als Notstandswährung für den Fall einer nationalen Wirtschaftskrise im Kalten Krieg hinter dicken Tresorwänden eingelagert.

„Kalter Krieg“ und finanziell-wirtschaftliches Katastrophenszernario
Lage, Planung, Bau und Kosten der Bunkeranlage 1962/64
Strengste Geheimhaltung! – Sicherheitsvorkehrungen
Ausstattung und Betrieb des Bundesbankbunkers bis 1988
Die weitere Entwicklung nach der Aufgabe 1988
Die Dokumentationsstätte „Bundesbankbunker Cochem“
Baudenkmal
Anmerkung zur Geometrie im Kartenbild
Quellen / Internet

„Kalter Krieg“ und finanziell-wirtschaftliches Katastrophenszernario
Im seit 1945 andauernden und erst mit dem umfassenden politischen Wandel der Jahre 1989/1990 beendeten Kalten Krieg zwischen West und Ost drohte immer wieder die Eskalation der fast durchgehenden diplomatischen Konflikte. Gerade die Bundesrepublik stand dabei als Grenzstaat zwischen den Blöcken (die Supermächte USA und UdSSR mit ihren Bündnissen NATO und Warschauer Pakt) immer in einem besonderen Focus.
Neben der Gefahr eines militärischen Konflikts bis hin zu einem Atomkrieg drohten auch Szenarien wirtschaftlicher Krisenfälle, für die es entsprechende Sicherheitsvorkehrungen gab. Für den Fall einer Hyperinflation (z.B. durch vom Feind in Umlauf gebrachte große Mengen Falschgeld) oder einer anderen größeren Störung des Geldumlaufs wurden spezielle Währungsreserven produziert und eingelagert, die im Notfall einen erforderlichen Austausch der umlaufenden Banknoten ermöglicht hätten.

Im Cochem-Conder Bunker der Bundesbank ging es also nicht wie in anderen Bunkerbauwerken vornehmlich um den Schutz von Leib und Leben, sondern um die Wahrung der Stabilität und Kaufkraft der Landeswährung. Zur Prävention einer Wirtschaftkrise wurden hier bis zu 15 Milliarden Deutsche Mark (DM) Notstandsgeld verwahrt.
Ein ähnlicher Bunker für Währungsreserven der damaligen Landeszentralbank Rheinland-Pfalz befand sich bei der Spechtmühle nahe Lorscheid (Landkreis Trier-Saarburg). Lagerstätten für die Ersatzwährung gab es allerdings nur in Frankfurt und in Cochem.
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Lage, Planung, Bau und Kosten der Bunkeranlage 1962/64
Nachdem die Bundesregierung Anfang der 1960er Jahre ihren Behörden den Auftrag zur Errichtung von Notfall-Schutzbauwerken erteilt hatte, reagierte die Deutsche Bundesbank schnell. Mit der kurz zuvor aufgegeben Arztpraxis eines Dr. Dreesen in der Cochem-Conder Brauselaystraße 5-7 fand sich rasch ein passendes Objekt: ein luxuriöses zweigeschossiges Doppelwohnhaus mit angeschlossenem Garagenbau und Swimmingpool im weiträumigen Garten auf einem durch Zukäufe auf 8.700 Quadratmeter Größe erweiterten Grundstück.
Die exklusive Lage oberhalb des touristisch geprägten Fremdenverkehrsorts Cochem war dabei für die Ortswahl weniger ein Kriterium, als vielmehr das Moseltal selbst, welches – so zumindest die damalige Annahme – die Druckwelle der Explosion einer Atombombe deutlich vermindern sollte.
Jedoch kann als Standardeinsatz für eine Atombombe eine Luftdetonation in etwa 1000 Metern Höhe angenommen werden. Wäre der nur wenige Kilometer von Cochem entfernte Atomwaffenstützpunkt in Büchel bombardiert worden, so wäre die Druckwelle wohl ungebrochen senkrecht auf das Gelände des Bundesbankbunkers getroffen.

Am 14. Mai 1962 begannen die etwa zwei Jahre andauernden Bauarbeiten für die 1.500 Quadratmeter große Bunkeranlage, für die man rund 300 Meter Gänge bis zu 30 Meter tief in den Hang der Brauselay sprengte. „Alleine der Zugangsstollen ist 100 Meter lang, daran schließt sich ein zweigeschossig ausgebauter, 60 Meter langer Querstollen an.“ (rhein-zeitung.de, 2014)
Der mit rund 3.000 Kubikmetern Beton erbaute Bunker erhielt dabei verschiedene Zugänge:
  • im Keller des Hauses Brauseleystraße Nr. 7,
  • hinter den Häusern (zugänglich von der Straße „Am Wald“ aus),
  • einen Notausgang im Kühlbauwerk für die Luftentfeuchtung und
  • einen Notausstieg im Lüftungsbauwerk.

Ausführend war der Essener Baukonzern Hochtief AG. Die ursprünglich anvisierten Baukosten von 2.301.175,85 DM wurden dabei offenbar deutlich überschritten. Zuletzt noch einmal Mitte der 1980er Jahre wurde die Anlage für seinerzeit 1,2 Millionen DM umgebaut. Obwohl genaue Kosten nicht bekannt sind, gehen Schätzungen von inflationsbereinigten Gesamtkosten von rund 20 Millionen Euro aus.
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Strengste Geheimhaltung! – Sicherheitsvorkehrungen
Nicht nur die zuvor genannten Tarneinrichtungen baulicher Art sollten die neue Funktion der früheren Arztpraxis verschleiern. Offiziell entstand hier nämlich ein Schulungszentrum für Mitarbeiter der in Frankfurt am Main ansässigen Bundesbank. Neben einem „Leiter des Schulungsheims“ betreuten ein Techniker und eine Putzfrau das Objekt. Zumindest offiziell wusste einzig der Erstgenannte von der wirklichen Funktion des Bauwerks.
Die strenge Geheimhaltung des Projekts stieß aber offenbar schon während der Bauzeit auf Grenzen: Es wird berichtet, dass man Nachbarn, die sich über den andauernden Baulärm beschwerten, angeblich Plätze im atombombensicheren Zivilschutzbunker des Schulungsheims versprochen habe (rhein-zeitung.de, 2014). Dieser sollte immerhin 175 Personen Platz bieten und war für eine Verweildauer von zwei Wochen ausgelegt.

Ein spezielles Sicherheitssystem reagierte auf Lärm und Erschütterungen an den durchgehend 60 Zentimeter dicken Tresorwänden. Im Alarmfall – hin und wieder lösten vorbeifahrende Güterzüge Alarm aus und einmal sogar der Heimleiter selbst durch Trompetenspiel – wurde automatisch die örtliche Polizei benachrichtigt, die jedoch auch nichts Näheres über das Bauwerk wusste.
„Nur der Heimleiter konnte den Bunker betreten und mittels einer Gegensprechanlage Geräusche im Tresorraum abhören. Der Tresorraum selbst konnte nur von wenigen Mitarbeitern der Bundesbank aus Frankfurt betreten werden, da der zugehörige Schlüssel nicht vor Ort gelagert wurde.“ (de.wikipedia.org, Bundesbankbunker).

Da das ab 1964 eingelagerte Notgeld kein offizielles Zahlungsmittel war, waren die in Kisten deponierten insgesamt etwa 15 Milliarden DM eigentlich wertlos. Gleichwohl wurde der Bestand der für diesen Zwecke eigens gedruckten Bargeld-Ersatzserie der DM (intern als BBk II bezeichnet) mehrmals im Jahr von einem Prüfer der Bundesbank kontrolliert. Außer diesem durfte niemand die riesigen Tresorräume betreten und er alleine hatte die Schlüssel und die Zahlenschloss-Kombination für die Tresore. Innerhalb der 25 Jahre Bunkerbetrieb soll kein einziger Schein verloren gegangen sein.
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Ausstattung und Betrieb des Bundesbankbunkers bis 1988
Der gesamte Bunker wäre im Ernstfall mit entsprechendem Bank- und Sicherheitspersonal besetzt worden, um seine Aufgaben zu erfüllen. Neben seiner Tresorfunktion hätte der Komplex dann auch für eine Dauer von etwa zwei Wochen als Schutzbunker für seine Bewohner fungiert.
Dazu diente die weitere Ausstattung:
  • einen Dekontaminationsbereich für den Fall eines atomaren Angriffs mit Geräten zur Strahlenmessung und einer Dekontaminationsschleuse mit Duschen,
  • daneben eine Krankenstation und einen Totenraum (mit einer ausreichenden Anzahl Leichensäcke),
  • für die Energieversorgung mehrere Dieselgeneratoren (inzwischen ausgebaut) und ein Umspannwerk, dazu 18 Tanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils 1.000 Liter Dieselkraftstoff,
  • Be- und Entlüftungsanlagen mit Sandfiltern zur Versorgung mit Atemluft sowie einem Kühlturm, der zugleich auch als Notausstieg diente (rückblickend soll dies die „Achillesferse des Bunkers“ gewesen sein),
  • eine eigene Trinkwasserversorgung über einen Tiefbrunnen,
  • Schlaf- und Arbeitsräume für 85 Bunkermitarbeiter und maximal 90 weitere Personen sowie ein entsprechend großer Speisesaal,
  • eine für zwei Personen ausgestattete Küche mit zwei großen Öfen und zahlreichen (bis heute niemals benutzten) Geräten sowie
  • Toiletten (diese allerdings nur für Männer, denn offenbar fanden Frauen in den Krisenszenarien keine Berücksichtigung).

Eine in verschiedenen Quellen genannte Kommunikationsanlage im eigenen Fernmelderaum – angeblich sogar mit einer Direktverbindung zum Bundesinnenministerium – hat es hingegen nie gegeben. Vorhanden waren vier normale Telefon-Amtsleitungen und zwei normale Fernschreibe-Amtsleitungen sowie eine Leitung zum Warnamt des Bundesamts für Zivilschutz in Weinsheim bei Bad Kreuznach (Auskunft der Herren Reuter und Dr. Röhling).
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Die weitere Entwicklung nach der Aufgabe 1988
Der Bunker wurde im Jahr 1988, also noch vor dem Ende des Kalten Krieges, von der Bundesbank aufgegeben und leergeräumt. Das eingelagerte Geld wurde bis auf museale Restbestände für das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank vernichtet.
„Warum genau die Bundesbank die “BBk II„-Serie im Jahr 1988 durch den Reißwolf jagte, ist unklar. Vertrauten die Banker nun auch im Kriegsfall eher dem elektronischen Zahlungsverkehr? Auf Anfrage heißt es, die Geheimakten könnten erst nach Ablauf von 30 Jahren freigegeben werden.“ (spiegel.de, 2010).
Nach aktueller Kenntnis war der Grund für die Vernichtung der BBk II-Reserve ein Beschluss des Zentralbankrates aus Jahr 1981. Demnach war eine neue Banknotenserie BBk III geplant, zu der die BBk II insbesondere hinsichtlich ihrer Sicherheitsmerkmale nicht mehr passte (Auskunft der Herren Reuter und Dr. Röhling).

Der Bereich der Wohnhäuser wurde für Schulungen und Seminare genutzt, zunächst durch die Bundesbank und später von der Cochemer Volksbank AG, die den Gebäudekomplex 1994 gekauft hatte. Die Volksbank richtete in einem Teil der Anlage hochwassersichere Kundenschließfächer ein, später verließ auch sie das Gelände.

Über den zwischenzeitigen Besitzer, eine im westfälischen Hamm ansässige Promota Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft mbH, gelangte der Komplex schließlich 2014 für einen Kaufpreis von unter 500.000 Euro an den Busunternehmer Reuter & Reuter GbR aus Treis-Karden, der „auf der Suche nach dem Besonderen“ bereits seit 2009 immer wieder bei wechselnden Entscheidungsträgern sein Interesse an dem Bau bekundet hatte.
Der neue Eigner möchte Haus und Bunkeranlage möglichst originalgetreu rekonstruieren und instandsetzen. Als Museum und/oder Eventlocation soll das „Denkmal und Zeitdokument aus einer vergangenen und geheimen Welt (…) vielen historisch interessierten Menschen“ zugänglich gemacht werden. Unabdingbare Voraussetzung sei es dabei aber für ihn, die Atmosphäre und das Flair des Bunkers authentisch zu erhalten (spiegel.de, 2010).
Die in der Presse gerne verwendete Benennung des Cochemer Bunkers als „deutsches Fort Knox“ geht übrigens fehl: Das US-amerikanische Fort Knox im Bundesstaat Kentucky ist eine militärische Einrichtung, in der große Teile der amerikanischen Goldreserve deponiert sind – Geld wurde dort jedoch nie eingelagert.
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Die Dokumentationsstätte „Bundesbankbunker Cochem“
Eine erste Probeführung im Bundesbankbunker Cochem fand im Sommer 2010 statt. Die für einen dauerhaften Betrieb notwendigen Konzepte touristisch-pädagogischer Art sollen mit dem diesbezüglich erfahrenen Verein Bunker-Dokumentationsstätten und der Stadt Cochem abgestimmt werden. Unterstützung erhält der neue Besitzer hierbei auch durch den früheren Hausmeister des Bunkers, der 1991 seinen Dienst angetreten hatte.
Da die Brauselaystraße eine Sackgasse ist und das Wohngebiet keine größeren Parkmöglichkeiten bietet, besteht die dringende Notwendigkeit, die neue Sehenswürdigkeit verkehrsmäßig sinnvoll anzubinden, etwa über einen Buspendelverkehr.
Wie sehr man sich mit Prognosen zum Interesse an einer solchen Anlage und dem daraus resultierenden Besucheraufkommen täuschen kann, zeigt das Beispiel der Dokumentationsstätte im früheren Regierungsbunker im Ahrtal: Hier rechnete man mit maximal 30 Besuchern pro Woche, inzwischen werden an Spitzentagen 1.200 Gäste gezählt.
In den beiden ersten Jahren des Betriebs in Cochem-Cond wurden rund 30.000 Besucher gezählt (Rhein-Zeitung, 2018).

Vor Ort weist am Eingang ein mit eigenem Logo gestaltetes Hinweisschild auf den „Bundesbankbunker Cochem“ hin (vgl. Foto in der Mediengalerie). Der Gebäudekomplex befindet sich offensichtlich noch im Umbau und das Baustellenschild mit der Baugenehmigung verweist auf den Treis-Kardener Unternehmer. Dieser steht auch auf dem aktuellen Klingelschild – heute vermutlich sogar wahrheitsgetreu, denn die Zeiten der Tarnung als „Praxis Dr. Dreesen“ oder „Schulungsheim“ gehören hier inzwischen endgültig der Vergangenheit an (Begehung am 06. Juli 2015).
Nach Abschluss der langwierigen Renovierungsarbeiten sind seit 2015 Gruppenführungen nach Voranmeldung im Bundesbankbunker möglich. Die offizielle Eröffnung des Bunkers mit einem regelmäßigem Bus-Shuttleverkehr von der Stadt aus erfolgte im Frühjahr 2016. Die früheren Tarnwohnhäuser wurden zu einem seiner Geschichte bewussten und denkmalgeschützten Hotel VINTAGE garni mit 17 Zimmern umgebaut, das auch als Ausgangspunkt für Wanderungen im mediterranen Naturschutzgebiet Brauselay, für Stadterkundungen in Cochem und natürlich für „Bunkerbesichtigungen hautnah“ dienen soll.
Geplant für 2019 ist eine Erweiterung als „Nachtlager“, in dem Gruppen „in Etagenbetten abseits von jeglichem Luxus mit Geschichten und Betreuung vom Gästeführer und als Essen ‚Epas‘ (Einmannpackungen der Bundeswehr)“ im Bunker übernachten können (Rhein-Zeitung, 2018).
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Baudenkmal
Seit 2011 steht die Anlage unter Denkmalschutz und ist als Kulturdenkmal in Rheinland-Pfalz ausgewiesen – so berichtete bereits rhein-zeitung.de, 2011; die Denkmallisten der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz führten das Objekt zunächst nicht, erstmals erscheint es in der Liste vom 04.10.2016. Der Eintrag lautet (Stand 29.11.2017):
Brauselaystraße 5/7, Am Wald
ehemaliger Bunker der Bundesbank, 1962/63 für die geheime Ersatzwährung, 1988 aufgegeben; bauliche Gesamtanlage oberirdisch bestehend aus Schulungs- und Erholungsheim der Bundesbank (Brauselaystraße 5 und 7) mit Garten und Bunkerzugang, Haupteingang mit Rampe und Parkplatz (Am Wald) sowie Kühlturm und Notausstieg im Garten; unterirdische Bunkeranlage mit Lagerräumen sowie Aufenthaltstrakt für über 100 Personen; fest installierte technische Ausstattung im Wesentlichen erhalten; im Zusammenhang mit dem Schutzprogramm der Bundesregierung für die Bundesländer und zentrale Verfassungsorgane wichtiges Zeugnis des Kalten Krieges
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Anmerkung zur Geometrie im Kartenbild
Die hier eingezeichnete Geometrie kann der Komplexität des unterirdischen Bauwerks und seines verzweigten Gängesystems nicht gerecht werden. Sie zeigt daher den oberirdischen Bereich mit den beiden Wohnhäusern, der dahinter liegenden Garagenanlage und den Bereich des Swimmingpools; ferner die beiden Notausstiege, von denen der nördliche auch als Kühlturm diente.
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(Franz-Josef Knöchel, 2015/2018, freundliche Hinweise des heutigen Besitzers Herrn Manfred Reuter und des Betriebsleiters Herrn Dr. Claus Röhling, 2015)

Quellen
„In Cochem gibt es Gesichte zum Anfassen, Bundesbankbunker als Erinnerungsort“, Rhein-Zeitung vom 31. März 2016, S. 20.
„Gute Nacht im Geheimbunker“, Rhein-Zeitung vom 19. Februar 2018, S. 3.

Internet
bundesbank-bunker-cochem.de: Bundesbank Bunker Cochem mit Informationen zu Gruppenführungen, Öffnungszeiten usw. (abgerufen 09.03.2016)
www.rhein-zeitung.de: „Bundesbank-Bunker ist nun Denkmal“ (Rhein-Zeitung vom 06.09.2011, abgerufen 30.07.2015)
www.rhein-zeitung.de: „Bundesbank plante für Krisenzeiten“, „Bundesbunker Cochemer Fort Knox hat einen neuen Besitzer“ (Rhein-Zeitung vom 14.12.2014 mit umfassender Fotogalerie, abgerufen 25.07.2015)
www.spiegel.de, einestages: „Vergessene Orte – Der geheime Bunkerschatz der Bundesbank“ (Spiegel-online vom 15.10.2010 mit Fotostrecke und Video, abgerufen 25.07.2015)
ausweichsitz.de: „Wenn sich Banker einen Bunker bauen – Der Ausweichsitz der Deutschen Bundesbank im Moseltal“ (13.12.2006, abgerufen 29.07.2015)
ausweichsitz.de: „Wanderung durchs Milliardenreich – Beeindruckende Premiere im Bunker: Cochems Bundesbank-Unterwelt stand erstmals offen“ (09.08.2010, abgerufen 29.07.2015)
www.darkplaces.org: Bunker- und Tresoranlage der deutschen Bundesbank Cochem-Cond, Fotogalerie mit Innenaufnahmen (abgerufen 24.09.2015)
de.wikipedia.org: Bundesbankbunker Cochem (abgerufen 13.07.2015)
de.wikipedia.org: Bargeld der Deutschen Mark, Ersatzserie (BBk II) und Bundeskassenscheine (abgerufen 30.07.2015)
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Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2016)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Cochem-Zell (Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell, 18. Februar 2016). S. 24-25, Koblenz. Online verfügbar: denkmallisten.gdke-rlp.de, Cochem-Zell, abgerufen am 19.02.2016
Pötzl, Norbert F.; Traub, Rainer (2010)
Der Kalte Krieg. Wie die Welt den Wahnsinn des Wettrüstens überlebte. München.

Bundesbankbunker Cochem

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Am Wald 35
Ort
56812 Cochem - Cond
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1962 bis 1964, Ende nach 1988
Koordinate WGS84
50° 09′ 8,31″ N, 7° 10′ 26,13″ O / 50.15231°, 7.17392°
Koordinate UTM
32U 369548.36 5557161.67
Koordinate Gauss/Krüger
2583942.12 5558010.23

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„Bundesbankbunker Cochem”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-131969-20150713-2 (Abgerufen: 18. August 2018)
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