Sockelfiguren und Bildtafeln auf dem Reiterstandbild

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Sockelfigur auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Fürst von Hardenberg (2018).

    Sockelfigur auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Fürst von Hardenberg (2018).

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  • Sockelfigur auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Graf Yorck von Wartenburg (2018).

    Sockelfigur auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Graf Yorck von Wartenburg (2018).

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  • Sockelfiguren auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: von Schön, Graf zu Solms-Sonnenwalde, Gerhard von Scharnhorst, Beuth und Wilhelm von Humboldt (2018).

    Sockelfiguren auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: von Schön, Graf zu Solms-Sonnenwalde, Gerhard von Scharnhorst, Beuth und Wilhelm von Humboldt (2018).

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  • Sockelfiguren auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Graf zu Solms-Sonnenwalde und Gerhard von Scharnhorst (2018).

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  • Sockelfiguren auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Beuth und Wilhelm v. Humboldt (2018).

    Sockelfiguren auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Beuth und Wilhelm v. Humboldt (2018).

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  • Sockelfiguren auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Graf Kleist von Nollendorf und der Reichsfreiherr vom und zum Stein (2018).

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  • Sockelfigur auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Graf Kleist von Nollendorf (2018).

    Sockelfigur auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Graf Kleist von Nollendorf (2018).

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  • Sockelfiguren auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Reichsfreiherr vom und zum Stein, Graf von Bülow, Alexander von Humboldt und von Niebuhr (2018).

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  • Sockelfigur auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Der Reichsfreiherr vom und zum Stein (2018).

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  • Sockelfiguren auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Alexander von Humboldt, von Niebuhr, Generalfeldmarschall von Gneisenau, Arndt und von Motz (2018).

    Sockelfiguren auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Alexander von Humboldt, von Niebuhr, Generalfeldmarschall von Gneisenau, Arndt und von Motz (2018).

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  • Sockelfigur auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Generalfeldmarschall von Blücher (2018).

    Sockelfigur auf dem Reiterstandbild auf dem Kölner Heumarkt: Generalfeldmarschall von Blücher (2018).

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  • Bronzene Reliefplatte am Sockel des Reiterstandbilds auf dem Kölner Heumarkt mit der Inschrift "Dem Koenige Friedrich Wilhelm III die dankbaren Rheinlande 1865" (2018).

    Bronzene Reliefplatte am Sockel des Reiterstandbilds auf dem Kölner Heumarkt mit der Inschrift "Dem Koenige Friedrich Wilhelm III die dankbaren Rheinlande 1865" (2018).

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  • Bronzene Reliefplatte auf dem Sockel des Reiterstandbilds auf dem Kölner Heumarkt: Aufschwung von Wissenschaft und Kunst (2018).

    Bronzene Reliefplatte auf dem Sockel des Reiterstandbilds auf dem Kölner Heumarkt: Aufschwung von Wissenschaft und Kunst (2018).

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  • Bronzene Reliefplatte auf dem Sockel des Reiterstandbilds auf dem Kölner Heumarkt: Aufschwung von Wissenschaft und Kunst (2018).

    Bronzene Reliefplatte auf dem Sockel des Reiterstandbilds auf dem Kölner Heumarkt: Aufschwung von Wissenschaft und Kunst (2018).

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  • Bronzene Reliefplatte auf dem Sockel des Reiterstandbilds auf dem Kölner Heumarkt: Szenen aus den Befreiungskriegen (2018).

    Bronzene Reliefplatte auf dem Sockel des Reiterstandbilds auf dem Kölner Heumarkt: Szenen aus den Befreiungskriegen (2018).

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  • Bronzene Reliefplatte auf dem Sockel des Reiterstandbilds auf dem Kölner Heumarkt: Aufschwung von Industrie und Handel (2018).

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  • Bronzene Reliefplatte auf dem Sockel des Reiterstandbilds auf dem Kölner Heumarkt: Aufschwung von Industrie und Handel (2018).

    Bronzene Reliefplatte auf dem Sockel des Reiterstandbilds auf dem Kölner Heumarkt: Aufschwung von Industrie und Handel (2018).

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Die sechzehn Bronzefiguren und die vier aus mehreren Bestandteilen bestehenden Bildtafeln innerhalb der Sockelzone des Reiterstandbildes Friedrich Wilhelms III. künden von den Reformen und Errungenschaften während der Regentschaft des preußischen Königs.

Geschichte
Die Sockelfiguren
Die Reliefplatten
Erste Reliefplatte
Zweite Reliefplatte
Dritte Reliefplatte
Vierte Reliefplatte
Fazit
Quelle / Internet

Geschichte
Die Entscheidung, das Reiterstandbild Friedrich Wilhelms III. durch Sockelfiguren und Reliefplatten zu ergänzen, fiel bereits in der Planungsphase des Denkmals. Sicherlich kann das 1851 auf der Berliner Prachtstraße Unter den Linden aufgestellte Reiterstandbild Friedrichs II., speziell in Bezug auf die Sockelgestaltung als Impulsgeber für das Kölner Denkmal angesehen werden. Nachdem die Bildhauer Gustav Blaeser und Hermann Schievelbein am 23. Mai 1864 den Auftrag zur Gestaltung des Denkmals am Heumarkt erhalten haben, wurde festgelegt, dass Blaeser das bronzene Reiterstandbild - Schievelbein den Denkmalsockel gestalten sollten. Das Bildprogramm des Sockels zielte darauf ab, diejenigen namhaften Personen zu ehren, die sich in den Augen der Kölner Denkmalkommission um das Land besonders verdient gemacht hatten. Da jedoch Schievelbein bereits 1867 starb und die Kommission mit seinen Entwürfen nicht einverstanden war, wurde Blaeser auch mit der Gestaltung des Sockels beauftragt. Er zog die Bildhauer Alexander Tondeur, Alexander Calandrelli, Ludwig Drake und Karl Schuler zur Unterstützung für dieses Projekt hinzu. Da jedoch auch Blaeser am 20. April 1874 verstarb, vollendeten Alexander Calandrelli und Rudolf Schweinitz die Arbeiten an der Sockelzone.

Die Sockelfiguren hatten im Gegensatz zum Reiterstandbild den Zweiten Weltkrieg mit nur geringen Blessuren überstanden. Als heute noch sichtbare Kriegsschäden können die Delle im Kopf des Grafen von Bülow sowie diverse Löcher in den Sockelfiguren, die vermutlich auf Granatsplitter zurückgehen, genannt werden (vergleiche die Abbildungen in der Mediengalerie). Aufgrund der Materialengpässe der Nachkriegszeit geriet das beschädigte Denkmal zunehmend ins Visier von Metalldieben, so dass Teile der Sockelfiguren wie auch ganze Reliefplatten abmontiert und eingeschmolzen wurden. 1950 wurden der Heumarkt und die damit einhergehende Straßenerweiterung neugestaltet. Dies hatte zur Folge, dass der Denkmalsockel abgetragen und die noch erhalten gebliebenen Fragmente in Depots eingelagert wurden. Eine Rekonstruktion des Denkmals wurde wegen Finanzierungslücken immer wieder verschoben, sodass auch eine Darstellung verschiedener Sockelfiguren im Rahmen neu konstruierter Einzeldenkmäler zur Sprache kam. Am 26. November 1959 wurden verschiedene Figuren in eigene Personendenkmäler überführt und an verschiedenen Plätzen in Köln aufgestellt.
Erst nach dem Beschluss der Stadt Köln vom 21. August 1984, wurde ein neuer Betonsockel gegossen auf dem die originalen Sockelfiguren wieder vereint und in ihrer ursprünglichen Aufstellung positioniert wurden. 1992/93 ließ die Stadt auch die fehlenden Reliefplatten durch den Bildhauer Raimund Kittl rekonstruieren und ergänzen.
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Die Sockelfiguren
Der Sockel unterhalb der Reiterstatue König Friedrich Wilhelms III. fungiert als Bühne für die sechzehn ganzfigurig und überlebensgroß dargestellten Statuen berühmter Persönlichkeiten aus Militär, Staatswesen und Wissenschaft. Unterhalb dieser Personendenkmäler befinden sich vier bronzene Reliefplatten, in denen Szenen aus den Befreiungskriegen ebenso dargestellt wurden, wie aus dem unter der Regentschaft Friedrich Wilhelms III. blühenden kulturellen und wirtschaftlich-industriellen Leben. Bei den Sockelfiguren handelt es sich um folgende historische Personen (beginnend an der Frontfigur unter dem König, gegen den Uhrzeigersinn):

  1. Karl August Fürst von Hardenberg (1750-1822), preußischer Außenminister von 1804-1806 und Staatskanzler von 1810-1822. Er förderte die Gewerbefreiheit, die Bauernbefreiung und engagierte sich für die Juden.
  2. Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (1759-1830), preußischer Generalfeldmarschall, schloss in der Konvention von Tauroggen am 30.12.1806 ohne das Wissen seines Königs mit Russland einen Vertrag zur Neutralisierung der mit Frankreich verbündeten preußischen Truppen.
  3. Heinrich Theodor von Schön (1773-1856), preußischer Staatsmann und Mitarbeiter des Freiherren vom und zum Stein, arbeitete mit diesem an der Abschaffung der Erbuntertänigkeit der Bauern. Diese stellte eine abgeschwächte Form der Leibeigenschaft dar und erschwerte das Leben der Bauern zusätzlich.
  4. Friedrich Ludwig Christian Graf zu Solms-Laubach (1769-1822), erster Oberpräsident der Provinz Jülich-Cleve-Berg, eines direkten Vorläufers der Rheinprovinz.
  5. Gerhard Johann David von Scharnhorst (1755-1813), preußischer Generalleutnant, Mitbegründer der Preußischen Heeresreform, die maßgeblich zum Sieg über Napoleon beitrug.
  6. Christian Peter Wilhelm Friedrich Beuth (1781-1853), preußischer Ministerialbeamter, konzipierte die staatlich gelenkte preußische Gewerbeförderung.
  7. Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt (1767-1835), preußischer Gelehrter und Staatsmann, leitete grundlegende Bildungsreformen ein und wirkte massiv an der Gründung der Universität in Berlin (heute Humboldt-Universität zu Berlin) mit.
  8. Friedrich Emil Ferdinand Heinrich Graf Kleist von Nollendorf (1762-1823), preußischer Generalfeldmarschall, überraschte die französische Armee in der Schlacht bei Kulm 1813 und führte so den Sieg der Alliierten in dieser Schlacht herbei.
  9. Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757-1831), preußischer Staatsmann und Initiator der preußischen Reformen, die u.a. auf die Aufhebung der Binnenzölle und die Befreiung der Bauern von der Erbuntertänigkeit abzielten.
  10. Ludwig Friedrich Victor Hans Graf von Bülow (1774-1825), preußisch-westfälischer Staatsmann, legte mit seiner Steuerreform den Grundstein für den Deutschen Zollverein, engagierte sich jedoch gegen die Abschaffung der Erbuntertänigkeit und befürwortete das Feudalwesen.
  11. Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (1769-1859), deutscher Naturwissenschaftler und Ethnologe, förderte die internationale Vernetzung der Wissenschaften.
  12. Marcus Carsten Nicolaus von Niebuhr (1817-1860) preußischer Kabinettsrat und Mitglied des Staatsrates. Fiel jedoch bei Friedrich Wilhelm IV. in Ungnade, als wichtige ihm anvertraute Unterlagen gestohlen wurden.
  13. August Neidhardt von Gneisenau (1760-1831), preußischer Generalfeldmarschall und Mitgestalter der Heeresreform, kritisierte offen die Koalition Preußens mit Napoleon, griff erst nach der Konvention von Tauroggen wieder aktiv ins Geschehen ein und verhalf Blücher zum Sieg bei Waterloo.
  14. Ernst Moritz Arndt (1769-1860), Schriftsteller und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, engagierte sich stark für die Befreiung und Einheit Deutschlands, machte sich für die Bauernbefreiung stark.
  15. Friedrich Christian Adolf von Motz (1775-1830), geheimer Staats- und Finanzminister, engagierte sich stark für den Deutschen Zollverein.
  16. Gebhard Leberecht von Blücher, Fürst von Wahlstatt (1742-1819), preußischer Generalfeldmarschall, erfolgreicher Militärstratege und Befürworter der Preußischen Heeresreform, fügte Napoleon in der Schlacht bei Waterloo eine empfindliche Niederlage bei.

Da es sich bei dargestellten Personen „um überwiegend demokratisch gesonnene Politiker und Soldaten“ gehandelt haben soll, hätten Zeitgenossen das Denkmal „als subversive Überlistung des preußischen Militärstaates“ angesehen, „weil gegen den Willen des Königs mehr Zivilisten- als Militärfiguren auf dem Sockel untergebracht wurden.“ (koelnwiki.de) In der Tat zeichnen sich besonders die Vertreter des Militärs dadurch aus, dass sie sich ihrer antinapoleonischen Einstellung gegenüber höher verpflichtet sahen als ihrem König. Bezogen auf die Zivilisten stellt sich die Frage, wie gut die liberalen und reformwilligen Gesinnungen mit dem autoritären Selbstbild des Herrschers in Einklang zu bringen waren. So lässt sich folgern: „Mit Ausnahme zweier Generäle habe sich keine der 16 Sockelfiguren der besonderen Gnade des Königs erfreut. Insbesondere Blücher, York, Scharnhorst, Gneisenau, Hardenberg, Stein, Humboldt und Ernst Moritz Arndt hätten Friedrich Wilhelm III. postum mit all dem konfrontiert, was dieser zeit seines Lebens unterdrückt habe. Ungewöhnlich für das vergangene Jahrhundert sei zudem, daß so viele Zivilisten (10 an der Zahl) zusammen mit einem König dargestellt seien.“ (www.zeit.de)
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Die Reliefplatten
Die unterste Ebene des Sockels und somit des gesamten Denkmals bilden vier bronzene Reliefplatten (beginnend an der Frontfigur unter dem König, gegen den Uhrzeigersinn):

Erste Reliefplatte
Die Reliefplatte an der Frontseite zeigt eine Kartusche mit der Inschrift DEM KOENIGE FRIEDRICH WILHELM III DIE DANKBAREN RHEINLANDE 1865. Die Kartusche ruht auf zwei Stufen, auf denen zwei weibliche Tugendpersonifikationen lagern. Die Justitia (Gerechtigkeit) hält ihre Attribute Schwert und Waage, während Temperantia (Mäßigung) die Zügel präsentiert.

Zweite Reliefplatte
Die zweite Reliefplatte auf der rechten Seite ist den bildenden Künsten Malerei und Bildhauerei, den Wissenschaften und der Musik gewidmet. Diese drei jeweiligen Themengebiete werden durch Säulen voneinander räumlich geschieden. Auffällig im ersten Bildfeld der Malerei und der Bildhauerei ist der Umstand, dass sich Gustav Blaeser selbst als Erschaffer des Heumarkt-Denkmals, ebenso wie seinen Lehrer Christian Daniel Rauch verewigt hat. Schemenhaft erkennt man auch das Reiterstandbild en miniature im Hintergrund. Die Malerei wird durch die Staffelei und die praktische Ausübung des Malens und Zeichnens dargestellt. Die Figuren von links nach rechts: Christian Daniel Rauch (1777-1857), der Vertreter der Düsseldorfer Malerschule Eduard Julius Friedrich Bendemann (1811-1889), der Meister des Heumarktdenkmals Gustav Blaeser selber, der Begründer der Düsseldorfer Malerschule Friedrich Wilhelm von Schadow (1788-1862), Carl Friedrich Lessing als Maler der Romantik 1808-1880), der Historienmaler Wilhelm von Kaulbach (1805-1874) und den Vertreter des Nazarener-Malstils Peter von Cornelius (1783-1867).
Das zweite Interkolumnium (die Fläche zwischen zwei Tempelsäulen, hier jedoch die thematisch voneinander zu unterscheidenden Flächen) beherbergt die Wissenschaften. Diese werden durch verschiedene „Denker“ verbildlicht: durch den Theologen und Philosophen Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768-1834), den Schriftsteller Philipp Joseph von Rehfues (1779-1843), den Politiker Karl Sigmund Franz Freiherr vom Stein zum Altenstein (1770-1840), den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831), den Juristen Ferdinand Walter (1794-1879), den Schriftsteller August Wilhelm Schlegel von Gottleben (1767-1845), den deutschen Rechtsgelehrten und Verfasser des Werkes „System des heutigen römischen Rechts“ von 1849, Friedrich Carl von Savigny (1779-1861), den Philosophen und Gesandtschaftssekretär Christian August Brandis (1779-1867) sowie den königlichen Leibarzt Christoph Wilhelm von Hufeland (1762-1836).
Im dritten Interkolumnium wird die Musik durch folgende Komponisten repräsentiert: Bernhard Klein (1793-1832), Giacomo Meyerbeer (1791-1864), Carl Maria von Weber (1786-1826), Ludwig van Beethoven (1770-1827), Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), Ferdinand Ries (1784-1838) und Carl Friedrich Zelter (1758-1832). An der oberen rechten Ecke befindet sich die Signatur Alexander Calandrellis (1834-1903), des Bildhauers, der zusammen mit Rudolf Schweinitz (1839-1896) nach Blaesers Tod am 20. April 1874 die Reliefplatten und Sockelfiguren fertigstellte.
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Dritte Reliefplatte
Auf der dritten Relieftafel sind Szenen aus den Befreiungskriegen (1813-1815) dargestellt. Repräsentiert werden diese durch folgende Personen: Johann Gottlieb Fichte (1762-1814), eigentlich Philosoph, hier aber im Kontext seines Wiederstandes gegen Napoleon dargestellt, der in seinen „Reden an die deutsche Nation“ Ausdruck fand. Daneben wird der Schriftsteller Friedrich Rückert (1788-1866) gezeigt, dessen Sonette ebenfalls deutlich antinapoleonische Züge offenbaren. Innerhalb der Reliefplatte werden diese beiden Literaten auch in ihrer Funktion als Meinungsbildende Instanzen dargestellt, die den Wiederstand gegen Napoleon im einfachen Volk – symbolisiert durch ein Mädchen – zu schüren wussten. Der Dichter Max von Schenkendorf (1783-1817) nahm an den Befreiungskriegen als Freiwilliger aktiv teil; gleich so der Dichter Theodor Körner (1791-1813), der im Lützowschen Freikorps kämpfte und - nachdem er gefallen war - als Nationalheld gefeiert wurde. Die Reliefplatte stellt den heroischen Abschied des Vaters Christian Gottlieb Körner (1756-1831, links im Bild) von seinem Sohn dar. Zwischen diesen beiden Personen reitet der Befehlshaber des bei den Franzosen gefürchteten Lützowschen Freikorps Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr von Lützow in die Schlacht. Abseits des Schlachtfeldes spielte Justus von Gruner (1777-1820) eine wichtige und vielseitige Rolle für die Befreiung der deutschen Lande. Die Reliefplatte zeigt ihn in seiner Funktion als Polizeipräsident von Berlin, in der er 1809 die Abgabe von Silber gegen Papiergeld durchsetzte. Auch wenn Gruner sicherlich nicht persönlich das Silber, wie hier in Form eines Tabletts in Empfang nahm und gegen die Geldscheine in seiner Hand tauschte, wird er in dieser Darstellung als volksnaher Beamter idealisiert.
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Vierte Reliefplatte
Die vierte Reliefplatte thematisiert die Industrie, die Baukunst und den Handel: Im ersten Interkolumnium wird die Eisenverarbeitende Industrie und Schmiedetätigkeit, die industriell genutzte Dampfkraft sowie die technisierte Weberei dargestellt. Repräsentiert wird dieses Feld durch verschiedene Unternehmer. So durch Franz Haniel (1779-1868), der im Bild damit beschäftigt ist, einen Eisenarbeiter am Dampfhammer anzulernen. Als weiteres Beispiel erfolgreichen Unternehmertums dient der Tuchfabrikant Friedrich Diergardt (1795-1869), beim Begutachten eines gewebten Textils im Webrahmen. Johann Friedrich August Borsig (1804-1854) beim Erstellen einer Konstruktionszeichnung für eine Dampfmaschine. Im Hintergrund ist eine Dampflokomotive zu sehen, wie sie von Borsigs Fabrik hergestellt wurde.
Im zweiten Interkolumnium wird die Baukunst thematisiert. Als Beispiel für diese wird Referenz genommen, auf die zweifelsohne wichtigste Kölner Bauunternehmung des 18. Jahrhunderts: den Dom. Interessanterweise wird hier ähnlich wie bei der Darstellung des Reiterstandbildes am Heumarkt (zweite Reliefplatte, Thema „Bildhauerei“) auf ein im Bild bereits existierendes Bauwerk verwiesen, das aber zur Zeit der Herstellung der Reliefplatten noch gar nicht fertiggestellt war. Darüber hinaus dient diese Darstellung dem Herrscherlob Friedrich Wilhelms IV. (1795-1861), unter dessen Regierungszeit (1840-1861) am 4. September 1842 der Grundstein für die zweite Bauphase des Kölner Domes gelegt wurde. Da der Dom jedoch zu diesem Datum noch nicht seine beiden Türme besaß, wird hier die Vollendung des Bauwerkes bereits als Ergebnis des Mäzenatentums des preußischen Königs propagiert. Der Kölner Bevölkerung wird mittels des prominentesten Bauwerks der Stadt deutlich gemacht, dass die preußische Herrschaft über das Rheinland äußerst vorteilhaft ist. Neben dem König werden weitere Förderer des Kölner Doms geehrt: So die Brüder Melchior und Sulpiz Boisserée(1783-1854 sowie 1786-1851), die mit Ferdinand Franz Wallraf (1748-1842) eine Dreiergruppe bilden und den Grundriss des Doms betrachten.
Ferner sind dargestellt: der Oberlandesbaudirektor Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), der sich bei Friedrich Wilhelm IV. sehr für den Weiterbau des Doms eingesetzt hatte, der Dombaumeister Ernst Zwirner(1802-1861), der Präsident des Zentral-Dombau-Verein zu Köln Heinrich von Wittgenstein, während die Informationstafel am Reiterstandbild Heumarkt diese Figur fälschlicherweise mit dem Vater Johann Jakob von Wittgenstein (1754-1823) identifiziert, der jedoch am Dombauprojekt nicht beteiligt war. Ferdinand August von Spiegel (1764-1835) war von 1824 bis 1835 Erzbischof von Köln. Josef Rolshausen (1782-1861), Vorstandsmitglied und später zweiter Präsident des Zentral-Dombau-Vereins zu Köln und Everhard von Groote (1789-1864), ebenfalls Vorstandsmitglied des Zentral-Dombau-Vereins.
Die Bildfläche des dritten Interkolumniums ist dem Handel gewidmet. Hier erinnert eine Lokomotive im Hintergrund an die erste, von einer deutschen Stadt ausgehenden, internationale Eisenbahnstrecke Köln-Welkenraedt, die von Köln über Aachen bis Antwerpen führte. Die Eisenbahn stellt für das 19. Jahrhundert die innovativste Möglichkeit dar, viele Waren schnell zu transportieren. Durch sie konnten Waren, im Bild durch Stoffballen und Fässer versinnbildlicht, in die Stadt gebracht und mittels eines Seilzuges in die Lagerhäuser eingelagert werden. Repräsentiert wird der Handel durch folgende Personen: den Bankier August von der Heydt (1801-1874), den Präsidenten der Seehandlungsgesellschaft Otto von Camphausen (1812-1896), dessen Gesellschaft für den preußischen Außenhandel zuständig war, ferner David Hansemann (1790-1864), der u. a. Vizepräsident der Rheinischen Eisenbahngesellschaft war, Mathias Stinnes (1790-1845), der 1831 die Zollfreiheit für die Rheinschiffe durchgesetzt und 1843 die Dampfschifffahrt auf dem Rhein eingeführt hatte und zuletzt der Kölner Kolonialwarenhändler und Bankier Peter Heinrich Merkens (1777-1854).
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Fazit
Das Figurenprogramm des Sockels kann sowohl mit der Reiterstatue als auch mit dem Bildprogramm der Reliefplatten in einen Zusammenhang gebracht werden. Die Leserichtung des Reiterstandbildes am Heumarkt ist ganz klar vertikal ausgerichtet und formuliert eine bestimmte Aussage: Ein umsichtiger Herrscher fördert Reformen, die durch fähiges Personal durchgesetzt werden. Diese Reformen wirken sich auf das Leben der Menschen im Lande aus, was im kulturellen, industriellen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt auch nationalen Leben und Bewusstsein der Menschen deutlich wird. Die Herrschaft der Könige von Preußen aus dem Hohenzollern-Geschlecht wird idealisiert und anhand gewisser sichtbarer Errungenschaften (neben der blühenden Kultur, Wirtschaft und Industrie, besonders der Bau des Doms und den Bau der Eisenbahnstrecke) für die Kölner Bevölkerung greifbar und erlebbar. Die Reliefplatten stellen überwiegend Personen des 19. Jahrhunderts - und somit bemerkenswerterweise auch zwei Personen dar, die zur Zeit der Planung und Herstellung des Denkmals noch lebten: Otto von Camphausen und Ferdinand Walter. Hinter der konzeptionellen Sinnebene jedoch wurde bereits zur Einweihung des Reiterstandbildes manchem Betrachter anhand des Denkmals vor Augen geführt, dass die absolutistische Herrschaftsauffassung nach der Befreiung von Napoleon so nicht mehr wiederhergestellt werden konnte. Der Machtverlust und die Abhängigkeit des Königs von Reformen und fähigem Personal werden durch dieses Denkmal besonders veranschaulicht, sodass der Rückgriff auf dieses tradierte Mittel der Herrschaftspräsentation fast anachronistisch anmutet.

(Florian Weber, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018)
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Quelle
Informationstafel vor Ort, gefördert vom Kölner Verkehrsverein zur Förderung des kulturellen Lebens e.V., der Friedrich Carl Heimann Gesellschaft e.V., der Imhoff Stiftung, der Bethmann Bank und der Kreissparkasse Köln (undatiert).

Internet
www.koelnwiki.de: Reiterdenkmal am Heumarkt (abgerufen 18.01.2018)
koelnerecken.blogspot.de: Das Reiterdenkmal vom Heumarkt (abgerufen 31.01.2018)
de.wikipedia.org: Heumarkt Köln, Reiterdenkmal (abgerufen 18.01.2018)
www.zeit.de: Ungeliebter König. In Köln wird Friedrich Wilhelm III. nun doch wieder den den Sockel gehoben (Heinrieb Billstein, Die Zeit 14/1988 vom 1. April 1988, aktualisiert am 21. November 2012, abgerufen 20.03.2018)
www.youtube.com: Undatiertes Video von der Ergänzung einer Bronzefigur (abgerufen 31.01.2018)
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Literatur

Benner, Iris (2004)
Denkmäler der Preußenzeit: Ein Stadtrundgang in Köln. (Rheinische Kunststätten, Heft 480.) S. 9-11, Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 205, Köln.

Sockelfiguren und Bildtafeln auf dem Reiterstandbild

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Heumarkt
Ort
50667 Köln - Altstadt-Nord
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1864 bis 1878
Koordinate WGS84
50° 56′ 10,53″ N, 6° 57′ 38,46″ O / 50.93626°, 6.96068°
Koordinate UTM
32U 356712.24 5644716.84
Koordinate Gauss/Krüger
2567573 5644995.17

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„Sockelfiguren und Bildtafeln auf dem Reiterstandbild”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-276745 (Abgerufen: 13. November 2018)
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