Naturschutzgebiet „Hangmoor Damerbruch“ in Straelen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Gemeinde(n): Straelen
Kreis(e): Kleve (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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    Naturschutzgebiet Hangmoor Damerbruch in Straelen (2014)

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    Naturschutzgebiet Hangmoor Damerbruch in Straelen (2014)

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    Naturschutzgebiet Hangmoor Damerbruch in Straelen (2015)

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  • Naturschutzgebiet Hangmoor Damerbruch in Straelen (2008)

    Naturschutzgebiet Hangmoor Damerbruch in Straelen (2008)

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Das rund 70 Hektar große Naturschutzgebiet „Hangmoor Damerbruch“ liegt im Süd-Westen von Straelen. Es zieht sich über etwa vier Kilometer von der Bundesstraße B 58 bis hin zum ehemaligen Zollamt Damerbruch an der Autobahn A 40, ist aber nur ca. 150 Meter schmal. Es handelt sich um ein Quellmoor, das von Wasser am Fuß der Hauptterrasse des Viersen-Süchtelner Höhenzuges gespeist wird. Dabei ist es eines der letzten Zeugnisse des Straelener Veens, eines grenzüberschreitenden Moor- und Sumpfgebietes zwischen Venlo, Arcen und Straelen. In den sumpfigen Flächen des Naturschutzgebietes finden viele typische Pflanzen- und Tierarten bis heute einen Lebensraum.

Der große Teil des Hangmoores ist heute von nassen Erlen-Bruchwäldern geprägt. Kleinflächig sind auch noch lichte Birken-Bruchwälder zu finden, die typisch für die ehemals nährstoffarme Moorlandschaft sind. Die weiten offenen Moorflächen sind inzwischen fast vollständig verschwunden, denn die Verlandung und Verbuschung der Sümpfe, die über dichte Grauweidengebüsche schließlich zur Entstehung von Bruchwäldern führt, ist weit fortgeschritten. Dieser natürlicherweise sehr langsam ablaufende Prozess verläuft im Straelener Hangmoor stark beschleunigt: Grund dafür sind die stetige Entwässerung über den Leitgraben (der Hauptvorfluter des Straelener Veens) und Nährstoffeinträge über das Grundwasser.

Pflanzenreichtum
Viele Bruchwälder und vorgelagerte Grauweidengebüsche sind sehr reich an Seggenarten: Insgesamt kommen 14 verschiedene Arten dieser Sauergräser vor, von denen acht gefährdet sind. Eine sehr imposante Pflanzenart der Feuchtwälder ist der Königsfarn (Osmunda regalis). Diese in Nordrhein-Westfalen gefährdete Farnart kommt hier regelmäßig mit beeindruckend großen Beständen vor. Sie bildet mächtige, mannshohe Wedel aus, und die auffälligen, ährenförmigen Sporenträger sitzen auf besonders gestalteten Wedeln. Oft sind die Feucht- und Nasswälder von kleinen, sich zum Leitgraben schlängelnden Quellbächen durchzogen. Hier sammelt sich das Grund- und Niederschlagswasser aus den Flächen oberhalb der Geländekante, das am Hangfuß in kleinen Sickerquellen austritt. Dadurch stehen weite Teile des Schutzgebietes unter dem Einfluss von sauerstoffreichem bewegtem Quellwasser, was durch Pflanzenarten wie die Wald-Simse (Scirpus sylvatica), die Winkelsegge, die Brunnenkresse oder das Wald-Schaumkraut angezeigt wird. Eine typische Quellwasser-Pflanze ist auch das seltene Gegenblättrige Milzkraut (Chrysosplenium oppositifolium), das im Frühjahr gelb blühende Teppiche in den Quellzonen bildet.

Wertvolles Kernstück
Das wertvollste Kernstück des Moores ist ein knapp einen Hektar großes, weitgehend gehölzarmes Schilf-Röhricht. Hier überleben noch viele heute gefährdete Pflanzenarten des ursprünglichen Niedermoores, wie die schmalblättrige Fadensegge (Carex lasiocarpa), der Straußblütige Gilbweiderich (Lysimachia thyrsiflora) mit seinen gelben Blütenpuscheln oder das Sumpf-Veilchen (Viola palustris). Auch Torfmoose sind vorhanden. Zu den besonders seltenen Pflanzenarten gehören die Schneide (Cladium mariscus), ein bis zu zwei Meter hohes Sauergras mit schneidend scharfen Blättern, und der duftende Gagel (Myrica gale). Dieser Strauch hat einen intensiven aromatischen Duft. Seine Blätter wurden früher anstelle des Hopfens zum Würzen und Haltbarmachen des Bieres (des so genannten „Gruitbieres“) genutzt. Die zwei Feuchtweiden am Kiwittsdyck zeigen die frühere Bewirtschaftung der „Wilden Benden“ mit Schafen oder Rindern. Hier blühen im Frühjahr die rosafarbene Kuckuckslichtnelke (Lychnis flos-cuculi) und verschiedene Seggenarten wie die Kammsegge (Carex disticha).

Vernetzungsfunktion
Die Feucht- und Nasswälder des Hangmoores bilden zusammen mit den Baumbeständen der angrenzenden Geländekante eine weitgehend ungestörte Waldinsel inmitten der umgebenden intensiv genutzten und gehölzarmen Agrarlandschaft. Diese Strukturen haben daher eine ökologisch bedeutende Vernetzungsfunktion. Das Gebiet zeichnet sich durch eine große Vielfalt unterschiedlicher Waldtypen aus, die auf kleinem Raum wechseln und meist reich an Sträuchern sind: ungenutzte Bruchwälder, Grauweidengebüsche, unterschiedliche Nadelforste, Pappelforste und Eichenwälder. Diese hohe Strukturvielfalt spiegelt sich in einem sehr großen Reichtum an Tierarten wider. So brüteten hier 2003 mindestens 50 verschiedene Vogelarten, sieben davon werden in der „Roten Liste“ der in NRW gefährdeten Arten geführt. Einige Singvogelarten kommen außerdem in außergewöhnlicher Dichte vor, vor allem Zaunkönig und Zilp-Zalp, aber auch Mönchsgrasmücke, Misteldrossel oder der Gartenbaumläufer. Viele der vorkommenden Vogelarten (Schwarzspecht, Grünspecht, Buntspecht, Waldkauz, Hohltaube) sind gefährdete Höhlenbrüter, die auf viele Alt- und Totbäume im Wald hinweisen. In den Schilfröhrichten ziehen Sumpf- und Teichrohrsänger ihre Jungen groß, selten auch mal ein Feldschwirl. Neben der Vogelwelt findet auch Rehwild Schutz in den unzugänglichen Wald- und Gebüschflächen. Im Bereich der Geländekante lebt der Dachs in seinen unterirdischen Bauten. An den Waldsäumen können zahlreiche Schmetterlingsarten beobachtet werden

Seit 1984 kaufte das Land Nordrhein-Westfalen knapp acht Hektar Flächen für den Naturschutz an und wies sie 1988 als Naturschutzgebiet aus. Ende 2002 konnte das Gebiet auf Antrag des Naturschutzbundes (NABU) auf eine Größe von 71 Hektar erweitert werden. Eine neun Hektar große Kernfläche ist außerdem als Lebensraum der „Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) in das europäische Schutzgebiet-Netz “Natura 2000„ aufgenommen worden.

Die NABU-Ortsgruppe Straelen pflegt die Kernfläche des Moores seit 1985. Fachlich betreut wird das Moorgebiet durch das NABU-Naturschutzzentrum Gelderland.

(Helga M. Kaczmarek, NABU-Naturschutzzentrum Gelderland, erstellt im Rahmen des LVR-Netzwerkes Kulturlandschaft, 2017)

Internet
nabu-kleve.de: NABU Kleve - Das Straelener Veen (abgerufen: 25.09.2017)
kreis-kleve.de: Landschaftsplan Kreis Kleve Nr. 14, Textliche Darstellungen und Festsetzungen, 23.02.2013 (PDF-Dokument, 1,5 MB; abgerufen: 25.09.2017)

Naturschutzgebiet „Hangmoor Damerbruch“ in Straelen

Schlagwörter
Ort
47638 Straelen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Koordinate WGS84
51° 24′ 32,86″ N, 6° 14′ 10,46″ O / 51.40913°, 6.23624°
Koordinate UTM
32U 307795.05 5698947.49
Koordinate Gauss/Krüger
2516480.69 5697188.63

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„Naturschutzgebiet „Hangmoor Damerbruch“ in Straelen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-271198 (Abgerufen: 24. Februar 2018)
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