Als Vorgängeranlage des 11./12. Jahrhunderts wurde bei der Ausgrabung 2004/2005 eine zeittypische Turmhügelburg (Motte) ermittelt, von der sich nur der zentrale Hügel erhalten hat. Westlich davon wird die Vorburg vermutet, die den eigentlichen Wirtschaftsbereich der Anlage darstellte. Im 14. Jahrhundert erfolgte der Umbau zur Wasserburg. Der Wassergraben, der Haupt- und Vorburg trennte, war bis in das 18. Jahrhundert hinein offen, wurde dann aber planmäßig verfüllt. Die Vorburg ist auf der Karte von Tranchot von 1808 noch zu erkennen, während die Hauptburg bereits niedergelegt war.
Durch die Ausgrabung wurden außerdem mehrere Mauerzüge freigelegt, die den Eckturm als Bestandteil eines Herrschaftshauses von 19 Metern Länge zeigen. Vor dessen Frontseite verlief der etwa 9 Meter breite und bis zu 2,40 Meter tiefe Wassergraben, der nicht nur Verteidigungszwecken diente, sondern lange Zeit auch „Müllgrube“ war. Hier fanden sich Scherben des feinen Tischgeschirrs aus dem 14. bis 18. Jahrhundert, Tierknochen, kleine Bronzeteile, Fensterglas, Leder sowie Muscheln aus dem Atlantik. Die Funde lassen auf einen gehobenen Lebensstandard schließen. Einige Objekte sind im Eingangsbereich des Museumsgästehauses ausgestellt. Über den Graben führte eine steinerne Brücke, von der noch drei Pfeiler erhalten sind. Diese fußen auf mächtigen Eichenhölzern einer Vorgängerbrücke. Das älteste Holz datiert den Brückenbau auf etwa 1442.
Die Tuchfabrik und ihre heutige Nutzung
Die adligen Besitzer wechselten häufig, bis die Burg 1755 schließlich in bürgerlichen Besitz überging. Mit seiner Anbindung an den Erftmühlenbach diente das Burgareal seit 1856 als Tuchfabrik. Die Firma Koenen richtete hier zunächst eine Spinnerei und Weberei, später auch eine Näherei für Fertigkleidung her und expandierte stark. Dazu wurden Teile der Burg abgerissen, umgebaut und neue Gebäude im Umfeld errichtet. 1982 musste der Betrieb eingestellt werden. Die Koenen-Gebäude verfielen und wurden später vollständig abgerissen. Letztes Zeugnis dieser Ära ist die Wetterfahne auf dem Rundturm mit den Initialen „JK“ für Jakob Koenen.
Um 1990 übernahm der Landschaftsverband Rheinland (LVR) die Tuchfabrik Müller auf der anderen Seite des Mühlenbachs und richtete diese zu einem Industriemuseum her. In diesem Zuge wurde auch das Gelände der Oberen Burg erworben. Der LVR sicherte 2006 die Mauerfundamente, füllte den Wassergraben, rekonstruierte den Burghügel in Form einer Motte und baute eine moderne Brücke über den historischen Brückenfundamenten. Gleichzeitig wurde das „Museumsgästehaus Mottenburg“ für Schulklassen und Jugendgruppen errichtet.
(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2017)
Hinweise
Die Obere Burg in Kuchenheim ist eingetragenes Bau- und Bodendenkmal (Euskirchen BauD Nr. 502, BodD Nr. 74, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Datenbank-Nr. 5637, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, EU 049) und wertgebendes Merkmal des Kulturlandschaftsbereichs „Erftmühlenbach“ (Regionalplan Köln 254).
Die Obere Burg in Kuchenheim war Station der Archäologietour Nordeifel 2017.
Internet
EBIDAT - Die Burgendatenbank: Kuchenheim, Obere Burg (Abgerufen: 1.9.2017)
de.wikipedia.org: Obere Burg Kuchenheim (Abgerufen: 1.9.2017)
de.wikipedia.org: Kuchenheim (Abgerufen: 1.9.2017)
www.euskirchen.de: Kuchenheim (Abgerufen: 1.9.2017)