Synagoge Waldbreitbach

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Waldbreitbach
Kreis(e): Neuwied
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Die jüdische Gemeinde Waldbreitbach seit dem frühen 19. Jahrhundert
Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die kleine Gemeinde ihren demographischen Höhepunkt (1868: 51 Mitglieder).
Gemeindegröße um 1815: 21 (1806), um 1880: 43 (1885), 1932: 39 / 44 (1925) / 22 (Ende 1938), 2006: – (Angaben vorab nach Reuter 2007).
alemannia-judaica.de nennt für das 19. Jahrhundert ferner für 1843 25 jüdische Einwohner, 1857 36, 1864 48, 1868 51, 1895 50 sowie für 1910 acht jüdische Haushaltungen. Um 1924 wurden noch 41 jüdische Einwohner gezählt, die Zahl ging nach 1933 und den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 deutlich zurück. Die letzten jüdischen Einwohner wurden 1942 aus Waldbreitbach deportiert.

In Waldbreitbach bestand bis 1938/1942 eine jüdische Gemeinde. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab es mehrere Läden und Geschäfte jüdischer Familien im Ort. Die jüdischen Einwohner waren im örtlichen Vereinsleben völlig integriert. In der Waldbreitbacher Schützengesellschaft gab es ebenso jüdische Mitglieder wie im Verkehrs- und Verschönerungsverein und der 1912 gegründeten Freiwillige Feuerwehr.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein erstmals 1823 genannter Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet (Schächter) tätig war (nach alemannia-judaica.de/).

Bethaus / Synagoge
Vermutlich bestand schon in den 1820er Jahren eine Betstube, „die 1823 auf Grund einer Beschwerde gegen den Synagogenvorsteher Nathan Abraham erstmals genannt wird. Ende der 1840er-Jahre wurde eine Synagogenordnung erlassen“ (alemannia-judaica.de).
Wann das auf einem Foto von 1885/90 zu sehende Synagogengebäude in der Neuwieder Straße erbaut wurde, ist nicht bekannt. Es handelte sich um ein an ein Vorderhaus angebautes einfaches Gebäude mit gotisierenden Fenstern und einem Rundbogenfenster über dem Eingangsportal (ebd.).

1938 wurde die Synagoge niedergebrannt, die Feuerwehr beschränkte sich auf den Schutz der Nachbargebäude (darunter auch das angrenzende Haus einer jüdischen Witwe). Die Ruine der Synagoge wurde 1940 abgebrochen (Reuter 2007 und alemannia-judaica.de).

Gedenktafel
Unweit des früheren Standorts der Synagoge erinnert seit November 1988 eine metallene Gedenktafel der Gemeinde am Gebäude der ehemaligen Dorfschmiede an die ehemalige jüdische Gemeinde.
Die unter einem Davidstern stehende Inschrift der Tafel lautet:

Zum Gedenken an die jüdischen / Mitbürger, die ein Opfer wurden
der Verfolgung in der Zeit des / Nationalsozialismus 1933 bis 1945.
Seit ca. 1825 befand sich in Nähe / dieses Platzes die jüdische
Synagoge, die am 10. November 1938 / geschändet und zerstört wurde.
Gemeinde Waldbreitbach Nov. 1988


(Alexander Lo Iacono, Universität Koblenz-Landau, 2014 / LVR-Redaktion KuLaDig, 2017)

Internet
altes-waldbreitbach.de: Jüdisches Leben (abgerufen 03.08.2014)
www.alemannia-judaica.de: Waldbreitbach, Synagoge (abgerufen 06.07.2017)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2015)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Neuwied (Denkmalverzeichnis Kreis Neuwied, 03. Februar 2015). S. 69, Koblenz. Online verfügbar: http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Neuwied.pdf, abgerufen am 07.04.2015
Hardt, Albert / Verbandsgemeinde Waldbreitbach (Hrsg.) (1987)
Im Lande der Neuerburg an der Wied. S. 107 ff.. Waldbreitbach.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 88, Bonn.

Synagoge Waldbreitbach

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Neuwieder Straße 85-87
Ort
56588 Neuwied - Waldbreitbach
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1823
Koordinate WGS84
50° 33′ 9,89″ N, 7° 25′ 3,2″ O / 50.55275°, 7.41756°
Koordinate UTM
32U 387899.15 5601286.26
Koordinate Gauss/Krüger
2600504.44 5602852.97

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„Synagoge Waldbreitbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-269964 (Abgerufen: 21. August 2018)
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