Fußgänger-Hängeseilbrücke Geierlay

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Mörsdorf (Rheinland-Pfalz), Sosberg
Kreis(e): Cochem-Zell, Rhein-Hunsrück-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Blick über die Konstruktion der 2015 eröffneten Fußgängerseilbrücke "Geierlay" in Richtung Mörsdorf (2017).

    Blick über die Konstruktion der 2015 eröffneten Fußgängerseilbrücke "Geierlay" in Richtung Mörsdorf (2017).

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-NC-SA 3.0
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  • Ein "Liebesschloss" an der Fußgänger-Hängeseilbrücke "Geierlay" im Hunsrück (2017).

    Ein "Liebesschloss" an der Fußgänger-Hängeseilbrücke "Geierlay" im Hunsrück (2017).

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Die Geierlay ist eine Fußgängerseilbrücke zwischen den Gemeinden Mörsdorf und Sosberg im Vorderhunsrück, welche die beiden Brückenköpfe oberhalb des Mörsdorfer Bachtals miteinander verbindet. Sie zählt mit ihren 360 Metern zu einer der längsten Hängeseilbrücken Europas. Der Abstand zum Grund beträgt bis zu 100 Meter. Die Brücke ist an den Premiumwanderweg Traumschleife Saar-Hunsrück-Steig angebunden.

Die Idee für die Brücke entstand 2006 im Rahmen einer Debatte zur Entwicklung der Ortsgemeinde Mörsdorf, wurde aber zunächst wieder verworfen, bevor drei engagierte, ehrenamtliche „Brückenträumer“ die Idee 2010 wieder aufgriffen. Im April desselben Jahres hatten die Ehrenamtlichen Erfolg und ein Grundsatzbeschluss vom Gemeinderat zum Bau der Brücke wurde gefasst. Eine Machbarkeitsstudie bestätigte die Realisierbarkeit des Vorhabens und so erfolgte im Dezember 2014 dann der Bauantrag. Mit dem Bau begonnen wurde im Mai des darauffolgenden Jahres und nach nur sechs Monaten wurde die Brücke am 3. Oktober 2015 eröffnet (vgl. geierlay.de).
Zwei Jahre lang konnte sich die je nach Wetterlage mal mehr und mal weniger schaukelnde Geierlay mit dem Titel „längste Hängeseilbrücke Deutschlands“ schmücken, bis 2017 die 483 Meter lange Fußgängerhängebrücke Titan RT im Oberharz am Brocken eröffnet wurde.

Das Besucherzentrum in Mörsdorf, das unmittelbar an die kostenpflichtigen Parkplätze grenzt und auch ein Museumscafé beherbergt, dokumentiert den Bau und die Planung der Brücke. Die Brücke selbst ist von Mörsdorf aus über einen 1,2 km langen Fußweg zu erreichen, auf der anderen Seite sind es bis nach Sosberg 1,9 km. Auf dem Weg von Mörsdorf zur Brücke können sich die Besucher mittels Informationstafeln über die erneuerbaren Energien informieren, da die Windstrom-Energie und der Klimaschutz ebenfalls ein wichtiges Thema im Kreis sind.
Die Benennung der Brücke in „Geierlay“ geht auf den historischen Namen des Flurstücks „Geierslay“ zurück, auf dem sich die Brücke befindet, wobei das Wort „Ley“ (Fels oder Klippe) mit dem für das im Hunsrück typische Schiefervorkommen kohäriert. „Geier“ steht in Beziehung mit der hohen Präsenz von Greifvögeln in der Nähe der Felsen und geht zurück auf das mittelhochdeutsche „gir“ für gierig, mit dem man die Vögel bezeichnete (vgl. geierlay.de).

Vorbild für die Konstruktion der Geierlay waren nepalesische Hängeseilbrücken. Die Hunsrücker-Brücke selbst hängt an vier Spiralseilen mit 40 mm Durchmesser. Der 85 cm breite Gehweg besteht aus nebeneinandergelegten Douglasien-Holzplanken. Zwei 32 mm starke Spiralseile bilden das Geländer und haben einen Abstand von 1,40 m. Die Brücke kann ein Gewicht von rund 600 Personen (50 Tonnen) tragen und hat ein Eigengewicht von 62 Tonnen. Insgesamt kostete der Bau der Brücke 1,2 Millionen Euro. Die Kosten wurde mithilfe des Landes Rheinland-Pfalz, durch Spenden der umliegenden Gemeinden und der Verbandsgemeinde Kastellaun sowie dem europäischen LEADER-Programm getragen, das zum Ziel hat, die wirtschaftliche Entwicklung des ländlichen Raumes voranzutreiben.
Man erwartete in der Machbarkeitsstudie 170.000 Gäste jährlich und ca. 2,5 Millionen Euro für die örtliche Tourismuswirtschaft. Der Rechnungshof Rheinland-Pfalz hatte diese hoch angesetzten Zahlen zunächst kritisiert, doch nach nur einem Jahr wurde mit über 370.000 Besuchern das Doppelte der erwarteten Personenzahl erreicht. Etwa 20 % der Besucher gehen allerdings gar nicht auf die Brücke, sondern betrachten diese von einem der Brückenköpfe. Auch die Popularität der Geierlay im Ausland konnte bereits mittels Zahlen belegt werden: Unter den 100 beliebtesten Reisezielen Deutschlands befindet sich die Brücke auf Patz 85, noch vor dem Münchener Hofbräuhaus (vgl. spiegel.de, germany.travel.de).

Im 620-Einwohner-Ort Mörsdorf, das touristisch und wirtschaftlich zunächst ungünstig zwischen den beiden Landkreisen Cochem-Zell und dem Rhein-Hunsrück Kreis liegt, hat die Geierlay für ein hohes touristisches Aufkommen aber auch für ein hohes und kontrovers diskutiertes Verkehrsaufkommen gesorgt, dem ein Parkleitsystem und Besucherparkplätze entgegenwirken sollen. Auch ein Shuttlebus zwischen Bingen und Mörsdorf wurde eingerichtet. Ortsansässige nutzten die wirtschaftlich rentable Chance um Gasthäuser und Imbissbuden sowie Fremdenzimmer zu eröffnen.

Auch die sogenannten Liebesschlösser sind nicht von der Geierlay fernzuhalten, anders als bei dem größeren Vorbild, der Kölner Hohenzollernbrücke, werden die Schlösser jedoch von Zeit zu Zeit entfernt.

(Anna-Katharina Dämgen, Digitales Kulturerbe LVR, 2017)

Internet
www.geierlay.de: Internetauftritt zur Geierlay (abgerufen am 21.11.2017)
www.geierlay.de: Geierlay-Webcam (abgerufen am 21.11.2017)
de.wikipedia.org: Geierlay (abgerufen 06.07.2017)
www.germany.travel: Deutsche Zentrale für Tourismus, Die TOP 100 Sehenswürdigkeiten in Deutschland (abgerufen 21.11.2017)
www.spiegel.de: „Über diese Brücke musst du geh'n“, Geierlay im Hunsrück (Spiegel-online vom 07.11.2016, abgerufen 06.07.2017)
www.spiegel.de: Geierlay im Hunsrück: Deutschlands längste Hängeseilbrücke (Spiegel-online Fotostrecke vom 07.11.2016, abgerufen 06.07.2017)
mueef.rlp.de: Griese: Hängeseilbrücke Geierlay ist voller Erfolg - über 45.000 Besucher in knapp drei Wochen (Pressemeldung vom 22.10.2015, abgerufen 21.11.2017)
www.rhein-zeitung.de: Freude im Hunsrück: Geierlay-Brücke macht schon die 100.000 voll (Rhein-Zeitung vom 03.01.2016, abgerufen 21.01.2017)

Fußgänger-Hängeseilbrücke Geierlay

Schlagwörter
Ort
56290 Mörsdorf
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 2015
Koordinate WGS84
50° 05′ 24,98″ N, 7° 20′ 28,71″ O / 50.09027°, 7.34131°
Koordinate UTM
32U 381352.14 5549985.14
Koordinate Gauss/Krüger
2596028.36 5551311.72

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„Fußgänger-Hängeseilbrücke Geierlay”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-269959 (Abgerufen: 25. Mai 2018)
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