Haus Baerlo

Haus Barlo, Barloher Schloss

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde, Raumplanung
Gemeinde(n): Nettetal
Kreis(e): Viersen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 19′ 1,21″ N: 6° 14′ 17,5″ O / 51,317°N: 6,23819°O
Koordinate UTM 32.307.544,92 m: 5.688.699,76 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.516.649,97 m: 5.686.939,87 m
  • Haus Baerlo mit Wassergraben (2017)

    Haus Baerlo mit Wassergraben (2017)

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    Haus Baerlo und sein Umfeld (2017)

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    Buchenallee bei Haus Baerlo (2017)

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Nordwestlich von Lobberich und östlich von Kaldenkirchen befindet sich die Ruine des Herrenhauses der ehemaligen Wasserburg und Rittersitz Haus Baerlo in der Nette-Niederung. Laut Funken (1958, S. 54) bezeichnet der Name Baerlo eine von Laubwald (Eichen) umgebene Waldlichtung.

Geschichte
Heutiger Zustand und kulturhistorische Bedeutung
Mühle von Haus Baerlo

Geschichte
1275 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung des Ritters Seger von Baerle, bei dessen Familie es sich um einen Zweig der Herren von Krickenbeck handelte und zu deren Besitz das adelige Lehngut Baerlo einst auch gehörte (Funken 1958, S. 55).
1326 wird auch Haus Baerlo „mit Hof, Mühle und Zubehör“ als Adelssitz der Herren von Baerlo genannt (Funken 1958, S. 55). Als weitere Eigentümer erwähnt Funken (1958, S. 56ff) die Familien von Beeck, von Ingenhoven, von Katterbach und von Zandt. „Während das Gut Baerlo in frühester Zeit vom Herrn selbst, im Mittelalter unter Aufsicht des Herrn von einem Halfmann bewirtschaftet wurde, dessen Haus hinter dem Obstgarten lag und längst verschwunden ist, wurde es seit dem Wegzug der von Zandt nach Bamberg ganz verpachtet“ (Funken 1958, S. 58).
Haus Baerlo stand auf Geldrischem Gebiet, in direkter Nachbarschaft zur Landwehr zwischen den Herzogtümern Jülich und Geldern, als Kontrapunkt zum Jülicher Rittersitz Haus Altenhof. Beiden Häusern kam somit eine Grenzsicherungsfunktion zu (EBIDAT). Hessische Truppen stürmten und plünderten Haus Baerlo während des Dreißigjährigen Krieges (1642), anschließend wurden die Befestigungsanlagen erneuert. 1647 wurde vermutlich das heutige Barockgebäude errichtet (EBIDAT). Im 17. Jahrhundert ging von hier die Gründung weiterer Höfe und Kastelle aus (Wikipedia: Liste der Baudenkmäler in Nettetal).
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Heutiger Zustand und kulturhistorische Bedeutung
Der Rittersitz Haus Baerlo war ursprünglich eine zweiteilige Wasserburganlage, die sich nach rheinischem Vorbild aus einer Hauptburg und einer Vorburg zusammensetzte, die von einem Wassergraben umgeben waren. Das Herrenhaus befand sich in der Nordost-Ecke der Grabenanlage, die Vorburg südlich davon; der vermutlich ehemals vorhandene Trennungsgraben zwischen den Inseln der Vor- und Hauptburg existiert nicht mehr (EBIDAT). Von dem Wassergraben sind Teile auf der Nord- und Westseite der Anlage erhalten. Weitere Grabenstrukturen befinden sich östlich der Ruine und umgaben laut Tranchot-Karte von 1802-1805 einst einen Garten.

Hild beschreibt die Umgebung von Haus Baerlo in einem 1974 veröffentlichen Aufsatz (S. 15) folgendermaßen: „Die Tatsache, daß in den spätmittelalterlichen Jahrhunderten auf diesem Sitz - wie auf manchen anderen festen Häusern - Landwirtschaft und Viehhaltung im Vordergrund standen, schließt meist die Existenz einer Parkanlage aus; wohl aber muß ein kleiner Bauerngarten, westlich des Sitzes gelegen, angenommen werden. Nachweisbar sind ausgedehnte Obstplantagen, die bis ins 15. Jahrhundert hinein einen guten Ertrag abwarfen. (...) Vor der SW-Seite des Herrenhauses finden sich Reste einer kleinen, etwa zwei Morgen großen Parkanlage, die offensichtlich um die Mitte des vorigen Jahrhunderts durch die Herren von Zandt als Landschaftsgarten angelegt wurde. Darauf deuten auch die noch heute vorhandenen alten Baumbestände mit Blutbuchen, Hainbuchen, Trauerweiden, Stieleichen und Eßkastanien hin. Der Hofanlage angeschlossen findet sich ein kleiner Bauerngarten mit den für derartige Gärten typischen Gehölzen, deren Pflanzung auf den Beginn dieses Jahrhunderts zurückgeht: Chinesischer Wacholder, Flieder, Weigelia und Forsythie. Von landschaftlicher Bedeutung im Nettesenkenraum sind lediglich noch jene uralte, zum Hof führende, dekapitierte und daher knorrig gewachsene Rotbuchenallee, die 1973 dem Untergang geweiht wurde, eine Pyramidenpappelpflanzung und jene prächtige Sommerlinde vor der Hofeinfahrt“.

Das ehemals vermutlich verputzte oder geschlämmte zweigeschossige Herrenhaus aus Backstein in vier zu fünf Fensterachsen ist in Ruinen erhalten. Ein flaches Notdach ersetzt das ehemalige Walmdach (EBIDAT). An der Südseite des Herrenhauses befindet sich der turmartig vorgezogene Eingang mit mehrfach vorspringender Fassade. Die meisten der stichbogigen Fenster wurden zugemauert (EBIDAT). Von den ehemaligen Vorburggebäuden ist laut EBIDAT nur der Südflügel, nach Osten hin modern erweitert, erhalten. Zusätzlich wurde ein Wohnhaus errichtet; vermutlich wird dieser Bereich noch landwirtschaftlich betrieben. Die auf den ehemaligen Rittersitz zuführende Rotbuchen-Allee ist erhalten. Das Umfeld von Haus Baerlo bilden Freiflächen bzw. landwirtschaftliche Nutzflächen in Form von Acker- und Grünland sowie die Pflanzflächen einer Baumschule.

Die kulturhistorische Bedeutung von Haus Baerlo ist begründet in seiner Grenzsicherungsfunktion auf Geldrischem Gebiet als Kontrapunkt zu dem westlich benachbarten Jülicher Rittersitz Haus Altenhof. Da die Landwehr im Zuge des Autobahnbaus der A 61 beseitigt wurde, hat Haus Baerlo im Zusammenspiel mit dem Rittergut Haus Altenhof eine nachvollziehbare politische sowie räumlich-funktionale Bedeutung, die mindestens bis ins 14. Jahrhundert zurückgeht und somit auch eine historische Tiefe erreicht.
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Mühle von Haus Baerlo
Zu Haus Baerlo gehörte laut Belehnungsurkunde von 1326 auch eine Wassermühle für den Eigenbedarf. „Sie lag zuerst am Ausfluß der Kälberweide zum Witt hin“ (Funken 1958, S. 58) und wurde um 1690 an die „Spröng“ verlegt, dem straßenseitigen Wassergraben des Hauses Baerlo, der von Quellen gespeist wurde. Um 1800 existierte die Mühle jedoch nicht mehr (Vogt 1998, S. 467).
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Hinweise
Das Objekt „Haus Baerlo“ ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Haus Baerlo (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Düsseldorf 078).
Haus Baerlo ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalnummer 63) (de.wikipedia.org, Baudenkmäler Nettetal) und Bodendenkmal.

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2017)

Internet
de.wikipedia.org: Liste der Baudenkmäler in Nettetal (abgerufen am 08.08.2017)
www.ms-visucom.de: EBIDAT - DIE BURGENDATENBANK: Baerlo (abgerufen am 08.08.2017)

Literatur

Funken, Josef (1958)
Der Rittersitz Baerlo bei Breyell. In: Heimatbuch des Grenzkreises Kempen-Krefeld 9, S. 54-59. Kempen.
Hild, Jochen (1974)
Park und Garten bei Herrensitzen und Höfen im Kreis. (Heimatbuch des Kreisen Kempen-Krefeld 25.) S. 10-35. Kempen.
Vogt, Hans / Verein Niederrhein e.V. (Hrsg.) (1998)
Niederrheinischer Wassermühlenführer. Krefeld.

Haus Baerlo

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Baerlo 12
Ort
41334 Nettetal - Breyell
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde, Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1275

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Haus Baerlo”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-265532 (Abgerufen: 28. September 2020)
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