Die Siedlung Jülich, abgeleitet von vicus iuliacum, entstand zur Zeit des julisch-claudischen Kaiserhauses (31 v. Chr. bis 68 n. Chr.) an der Stelle, wo sich die Römerstraßen von Köln und Neuss nach Aachen zu einem Rurübergang vereinten. Den Schutz des Flussübergangs garantierte um 300 n. Chr. ein Kastell im Bereich von Markt und Pfarrkirche, das die Keimzelle für das spätere Herzogtum Jülich bildete. Gegen den Widerstand des Kölner Erzbischofs Heinrichs I. von Müllenark erhob Graf Wilhelm IV. Jülich im Jahre 1234 zur Stadt. Obwohl Heinrichs Nachfolger, die Erzbischöfe Konrad von Hochstaden und Siegfried von Westerburg, zweimal mit einer Zerstörung Jülichs reagierten, vermochte das Grafenhaus nach Siegfrieds Niederlage in der Schlacht von Worringen 1288 Jülich als Zentralort einer Herrschaft zu etablieren.
Herzog Wilhelm V. ließ Jülich, nach dem verheerenden Stadtbrand 1547 ab 1549 neben Düsseldorf zur zweiten Residenzstadt der vereinigten Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg ausbauen. Sein Hofarchitekt Alessandro Pasqualini (1498-1559) entwarf eine Stadtanlage mit einem geometrischen Planschema der italienischen Renaissance samt einer Residenz innerhalb einer angrenzenden Zitadelle. Die Grundidee Pasqualinis beim Bau der Zitadelle Jülich ist der „Palazzo in Fortezza“. Inmitten einer fast quadratischen Festungsanlage mit vier spitzwinklig vortretenden Eckbastionen errichtete er ein Vierflügelschloss mit Hofkapelle. Die 1555 fertiggestellte Kapelle gilt als einer der ersten evangelischen Kirchenbauten. Nach der Kriegszerstörung 1944 konnte der Ostflügel des Schlosses mit der Hofkapelle wiederhergestellt werden. Die Chorfassade der mittigen Kapelle entstand nach einem Brand von 1768.
Die Kirche St. Mariä Himmelfahrt ist bereits 945 erwähnt. Sie steht auf römischen Fundamenten. Von einem Bau des 12. Jahrhunderts sind die unteren Geschosse des Westturmes erhalten. Das Baumaterial Rotsandstein stammt aus Nideggen in der Eifel, wo die Grafen von Jülich eine Burg besaßen. Das Kirchenschiff, eine weite Stufenhalle, ist ein Neubau von 1951/52 nach Plänen des Architekten Peter Salm. Das Aachener Tor ist 1548 anstelle einer mittelalterlichen Toranlage als Teil der Renaissancebefestigung entstanden. Mit einem angrenzenden 115 Meter langen Mauerstück zeigt es, ebenso wie die Architektur der Zitadelle, die typische Ziegelarchitektur Alessandro Pasqualinis mit Sockel und Gliederungselementen aus Blaustein.
Zerstörung im Luftkrieg 1944 In Jülich und in Düren betraf der Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg mehr oder weniger alle Bürgerinnen und Bürger der beiden Städte, in denen während des Kriegs ein erheblicher Teil der Logistik für die deutsche Wehrmacht abgewickelt wurde. Am 16. November 1944 wurden beide Innenstädte durch vorbereitende Luftangriffe der Operation Queen der Alliierten mit Brand- und Sprengbomben fast vollständig in Schutt und Asche gelegt. Düren wurde dabei als am schwersten zerstörte Stadt Deutschlands zu 99 % zerstört und Jülich zu 97 % - obgleich die Stadtanlage, der Brückenkopf und die Zitadelle zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr als Festung genutzt wurden. Während in Düren mehr als 3.100 Menschen im Bombenhagel starben, gab es in Jülich hingegen kaum Bombentote, da die meisten Bewohner*innen die Stadt bereits verlassen hatten. In beiden Städten waren Zwangsarbeitende in der Rüstungsproduktion überproportional oft unter den Toten, da diese häufig keine Schutzorte aufsuchen durften. Außerdem mussten sie nach den Angriffen die Trümmer wegräumen und waren ohne Schutzkleidung den Blindgängern ausgeliefert. Die dies Überlebenden waren nachhaltig traumatisiert (vgl. hierzu auch die Luftkrieg-Ausstellung in Vogelsang).
Der Wiederaufbau der Stadt Jülich erfolgte nach dem tradierten Renaissance-Grundriss der frühen Neuzeit. 1956 nahm im Stetternicher Forst die Kernforschungsanlage des Landes Nordrhein-Westfalen ihre Arbeit auf (Groten u.a. 2006)
Objektgeometrie Die hier dargestellte Objektgeometrie mit knapp 130 Hektar Fläche folgt dem Kartenbild der historischen Preußischen Neuaufnahme (1891-1912). Lohnend ist hier der Vergleich mit dem Bild von „Juliers“ in der älteren Topographischen Aufnahme der Rheinlande (1801-1828) wie auch mit der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme. Im Vergleich dazu lassen selbst die topographischen Karten der TK 1936-1945 noch kaum ein größeres Anwachsen der Stadtfläche erkennen.
(Jan Spiegelberg, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V. / LVR-Fachbereich Regionale Kulturarbeit, Abteilung Landschaftliche Kulturpflege, 2016 / Digitales Kulturerbe LVR, 2026)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. (3. völlig neu bearbeitete Auflage). (HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273.) S. 515-522, Stuttgart.
Jakobswege. Wege der Jakobspilger in Rheinland und Westfalen. Band 9: In 9 Etappen von Dortmund über Essen und Düsseldorf nach Aachen, mit einer Variante über Mülheim an der Ruhr und Duisburg. S. 198-199, Köln.
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